Der Name der Veranstaltung war leider auch in diesem Semester mal wieder nicht Programm. Volllaufen lassen konnte man sich erst im Anschluss, für die Jahreszeit angemessen, mit Glühwein. Aber fangen wir mal von vorne an.

Es war kurz nach 14 Uhr, als sich die Reihen in der Kiste langsam füllten. Platzmangel herrschte noch lange nicht und beschlussfähig wurden wir im Laufe der Sitzung auch nicht mehr – ganze 240 Studierende (traurige 2,27 Prozent) haben es insgesamt nach Schönwalde II geschafft. Ungünstiger Ort und Zeitpunkt oder mangelndes Interesse? Egal. Abzüglich des akademischen Viertels ging es gegen 14:15 Uhr pünktlich los. Nachdem Alexander Wawerek, Präsident des Studierendenparlaments (StuPa), die Sitzung eröffnet hatte, waren zunächst zwei Gremien an der Reihe, die sich bewarben:

Zum einen die Fachschaftskonferenz (FSK), vertreten durch ihren Vorsitzenden, David Buchmann, der allgemein mangelndes Interesse an der FSK beklagte. So seien derzeit 22 Fachschaftsräte (FSR) in der FSK vertreten und in neuerer Zeit bei den monatlichen Sitzungen gerade einmal sieben Vertreter der einzelnen FSRs anwesend. Um Beschlüsse abzusegnen, seien aber mindestens acht anwesende FSRs erforderlich, berichtete David. Die Aufgabe der FSK sei die Vernetzung aller FSRs und anderen Gremien der Hochschulpolitik (HoPo), so David weiter.

Stillschweigend wurde die Trauerbekundung von den Anwesenden akzeptiert und das Wort an Jonathan Dehn, stellvertretender Vorsitzender des Medienausschusses, weitergegeben. Auch Jonathan informierte über die Funktion seines Gremiums und bewarb dessen Bedeutung. Als Bindeglied zwischen den moritz.medien und dem StuPa fehle dem Ausschuss derzeit ein Mitglied zur fünfköpfigen Vollständigkeit. Das sei doof, denn Entscheidungen könne man so nicht gut fällen. Wer Interesse an der Arbeit beim Medienausschuss habe, solle sich bei den Medien oder dem StuPa melden. Jonathan hatte als Betroffener noch ein Anliegen: Im Institut für Kunst wird in Kürze einer der drei vorhandenen Lehrstühle frei und soll nicht wiederbesetzt werden. Der Grundstein für dieses Problem sei schon 2006 gelegt worden, als man beschloss, das Lehramt von Greifswald nach Rostock zu verlagern, was in der Kunst allerdings glücklicherweise bisher nicht geschehen ist. Das Prekäre an der Sache sei, dass in dem kleinen Institut damit ein Drittel der Lehrkräfte entfalle, was mit einer erheblichen Mehrbelastung der anderen Lehrstühle einhergehe. Das Geldproblem der Philosophischen Fakultät (PhilFak) ist bekannt, bisher gibt es keine Lösung.

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Eine Viertelstunde nach dem offiziellen Beginn der Veranstaltung waren schließlich die eigentlichen Beschlüsse an der Reihe. Los ging es mit

TOP 6: Für ein gutes Studium – Keine Zwangsvakanzen an der Universität Greifswald!

Insgesamt 82 Antragssteller hatten sich dem Thema verschrieben. Nachdem die Studierendenschaft nach einem Einwand gefragt wurde, ergriff ungewöhnlicherweise eine Lehrperson das Wort. Herr Prof. Stamm-Kuhlmann, Geschichtsprofessor und Dekan der PhilFak, äußerte sich zu der Problematik. So hätten sich Fakultätsleitung und -rat nach langem Ringen aufgrund mangelnder finanzieller Mittel darauf geeinigt, Zwangsvakanzen zu beschließen. Das hieße konkret, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre jede Stelle in der PhilFak für jeweils sechs Monate unbesetzt bleibt – unabhängig vom Dienstgrad. Die Antragsstellenden forderten nun, dass mit den Einnahmen der Wohnsitzprämie durch die Studierendenschaft und das Rektorat anteilig eine Vollzeit-E13-Stelle (circa 70.000 Euro/Jahr) für die betroffene Fakultät finanziert werden solle. Das sei durch die erzielten Einnahmen (dieses Jahr: Studierendenschaft: 74.800 Euro, Rektorat: 112.200 Euro) durchaus stemmbar. Da die Heimathafen Greifswald-Kampagne in diesem Jahr erst so richtig angelaufen sei, rechnete man für das kommende Jahr sogar mit steigenden Zahlen. Problematisch daran ist allerdings, dass die Studierendenschaft das Rektorat nicht dazu forcieren kann, sich an der Finanzierung zu beteiligen. Die etwa 80.000 Euro, die die Studierendenschaft Schätzungen zufolge im kommenden Jahr aus den Mitteln der Wohnsitzprämie erhalten wird, wären bei alleiniger Finanzierung durch diese daher bereits größtenteils verplant und stünden anderen Projekten nicht mehr zur Verfügung. Das fiel auch Jan Düwel auf, der sich nach diesem Fall erkundigte und zu bedenken gab, dass man nicht den – praktisch – kompletten Etat nur einem Zweck zuschreiben solle. Er bekam von Senatsmitglied Milos Rodatos die Antwort, dass die genauen Anteile auf dieser Sitzung nicht beschlossen werden könnten, das sei Aufgabe der Vollversammlung im Sommersemester. Die Abstimmung war schließlich ziemlich eindeutig: Die Studierendenschaft zeigte sich solidarisch mit der PhilFak und stimmte für den Antrag.

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Weiter ging es mit

TOP 7: Semesterticket – ja oder nein?

Ein heißdiskutiertes Thema. Die Meinungen gingen weit auseinander. Ja? Nein? Vielleicht? Mit Bedingungen. Anna-Lou Beckmann, Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses, kurz AStA, gab bekannt, dass kürzlich bereits das vierte Angebot der Stadtwerke eingegangen sei: 30 Euro für ein Busticket für Fahrten innerhalb Greifswalds, jeweils gültig für ein Semester. Der Betrag würde sich zu dem Semesterbeitrag addieren. Dazu würden dann auch die Buslinien zwei und drei auch nachts fahren. Des Weiteren standen zwei weitere Gedankenspiele zur Debatte: Zum einen, dass die öffentlichen Verkehrsverbindungen in ganz Mecklenburg-Vorpommern (MV) enthalten sein sollten, zum anderen, dass auch Verbindungen über die Grenzen MVs hinaus inkludiert sein sollten. Und schließlich selbstverständlich die Option der völligen Ablehnung eines Semestertickets.

Ein Ticket, über die Grenzen des Bundeslandes hinaus, klang für viele zunächst verlockend, jedoch entbrannte sofort die Diskussion, welche Strecken genau in diesem Falle enthalten sein sollten und vor allem: Wie teuer wird der Spaß? Anna-Lou meinte, das müsse man dann mit der Deutschen Bahn (DB) aushandeln, hatte aber das Beispiel Uni Rostock zur Hand, deren Studierende für das dortige S-Bahn-Ticket allein 98 Euro pro Semester entrichteten. Außerdem sei es wahrscheinlich, dass die DB sich auf ein ausgeweitetes Ticket nur dann einließe, wenn alle Hochschulstandorte in MV mitzogen, was unrealistisch sei. Jonas Greiten erkundigte sich daraufhin danach, ob der Kauf dann verpflichtend sei und ob statt einem allgemeinen MV-Ticket nicht exklusive Strecken, wie beispielsweise nach Hamburg und Berlin, sinnvoller seien. Ja, der Kauf sei dann verpflichtend, hieß es, und die genauen Konditionen seien Verhandlungssache, wurde erneut bekundet. Weiter kamen verschiedene Meinungen auf den Tisch:

„Nein, Greifswald ist eine Fahrradstadt und klein dazu, wir brauchen kein Ticket.“

(Als Beispielpreis wurden 280 Euro pro Semester für ein landesweit gültiges Ticket an der Uni Marburg genannt.) Jemand anderes plädierte dafür, pendelnde Studierende oder gar die Stadtwerke zu unterstützen. 30 Euro pro Semester seien vertretbar und mit den aufsummierten 300.000 Euro könne man die hiesigen Stadtwerke unterstützen, so ein Mitglied der Studierendenschaft. Dann wieder der Einwand, ob die 30 Euro überhaupt sinnvoll investiert seien. Schließlich führen die meisten nicht öfter als einmal im Monat Bus und mit 30 Euro ließen sich fast 16 Einzelfahrkarten erwerben. Die Diskussion begann schließlich, sich im Kreis zu drehen. Jan wand letztlich ein, ein Ticket für Greifswald würde er befürworten, eine Subvention der Heimfahrten Studierender von weiter weg hingegen nicht. Psychologiestudent Paul wiederum hielt dem entgegen, dass aber gerade diese Studenten die Gelder der Wohnsitzprämie, für die man ja auch gerne die Hand aufhalte, in die Stadt brächten. Die Debatte fand schließlich ein Ende, als sich jemand dafür aussprach, der AStA solle die Verhandlungen aufnehmen, man könne das erhaltene Angebot dann immer noch ablehnen. Es wurde abgestimmt und die absolute Mehrheit stimmte für Verhandlungen über ein Semesterticket, das über die Grenzen MVs hinaus gültig sein solle. Der AStA wird sich darum kümmern und über die Offerte soll auf der nächsten Vollversammlung abgestimmt werden.

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Der angeregte Diskurs ging in die nächste Runde,

TOP 8: Ersti-T-Shirts auch in den kommenden Jahren – ja oder nein?

Philipp Leon Müller, Mitglied des StuPa, trug vor: Der Topf für die Ersti-Woche 2016 sei mit 17.000 Euro veranschlagt. Aufgrund gestiegener Rohstoffpreise für Baumwolle und eines ungünstigen Dollarkurses würde die benötigte T-Shirtanzahl im kommenden Jahr ganze 13.000 bis 14.000 Euro kosten (zum Vergleich: Kosten bisher circa 8.700 Euro). Das Geld könne man sinnvoller investieren und beispielsweise kostenlose Ersti-Fahrten nach Rügen anbieten oder jeglichem anderen Zwecke in der Ersti-Woche zuführen. AStA-Vorsitzende Anna-Lou gab noch zu bedenken, dass die Ersti-Woche an sich nicht teuer sei, da für fast alles Kooperationen mit Werbepartnern bestünden. Außerdem seien die Mittel für die Shirts grundsätzlich verfügbar. Die Debatte ging nun beinah in jede erdenkliche Richtung und nahm erst 40 Minuten später ein Ende.

Viele Anwesende meldeten sich zu diesem Thema zu Wort, es zeichneten sich schließlich folgende Tendenzen ab:

  • Die T-Shirts haben Kultcharakter, sind ein Identifikationsmerkmal und man (vor allem nicht-Erstis) hängt sentimental daran. Sie sind eine gute Investition in eine bleibende Erinnerung an die Studentenzeit. Die Shirts sollen wie bisher kostenlos verteilt werden.
  • Die T-Shirts sollen beibehalten werden. Allerdings sollte die Finanzierung anders gestaltet werden (Erstis zahlen selbst, Wohnsitzprämie soll dafür herhalten, Fundraising, Crowdfunding, …) und nicht-Erstis könnten sich für 3,30 Euro, den Einkaufspreis eines T-Shirts, einfach eins kaufen. Anna-Lou setzte dem entgegen, dass man das dieses Jahr probiert hätte, mit dem Ergebnis, dass ganze elf T-Shirts verkauft wurden.
  • Die Bedeutung der Shirts wird überbewertet. Außer zum Schlafen, für Sport und zum Haare färben sind sie für nichts zu gebrauchen. Das Identifikationsargument ist Quatsch, die Erstis tragen die Shirts überhaupt nicht.
  • Statt T-Shirts sollten lieber Turnbeutel, die preisgünstiger sind, verteilt werden. Dadurch wird mehr Geld für andere Dinge frei, das Symbol bleibt aber erhalten. Außerdem sind sie uni size und das Größenproblem bleibt erspart.

Schließlich gab Theo zu bedenken, dass es schon die Give-away-Beutel der Stadtwerke gäbe, und noch mehr Beutel unnütz wären. Man solle lieber konsequenter kontrollieren, dass wirklich nur Erstis die so heiß begehrten T-Shirts bekämen und sie zur Steigerung der Attraktivität schöner bedrucken. Dann würden sie auch im Alltag getragen. Die Sitzungsleitung verfasste mehrere Änderungsanträge. Die Entscheidung fiel nach langem Hin und Her für die T-Shirts. Mittlerweile war es 15:45 Uhr und die ersten Anwesenden hatten nach der T-Shirt-Odyssee die Nase voll und verließen den Hörsaal.

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