Gestern Abend kam es zu einer interessanten Zusammenkunft zwischen Prof. Joecks und meiner Wenigkeit auf der Fachschaftsrätekonferenz (FSK), wo ich den Uni-Greifswald-Blog Ryck-Blick.de vorstellte.

Auf dieser Konferenz unterstrich Joecks, auf die Frage eines Mitglieds des Fachschaftsrates Politikwissenschaft, noch einmal mit Nachdruck, dass die Entscheidung zur Abmahnung (vgl. Archiv) absolut „nichts“ mit den Inhalten der Website zu tun habe.

Ob dies wirklich stimmt, ist jedoch höchst zweifelhaft. Als Indiz kann ein vertrauliches Dokument gelten, dass dem Ryck-Blog zugespielt wurde. Es ist der „Entwurf des Ergebnisprotokolls der Dienstberatung vom 29.4.2008“. An der Dienstberatung des Rektorats nehmen neben dem Rektor und Prorektoren, Kanzler auch der AStA-Vorsitzende, der Senatsvorsitzende und die Dekane der Fakultäten teil.

Im mir zugespielten Protokoll-Entwurf gibt es unter „TOP 6: Sonstiges“ einen Kurzabriss einer Diskussion über den Uni-Blog, die ich hier mal zitieren will:

Umgang mit inneruniversitären Diskussionen

Aus Anlass mehrerer Medienbericht u.ä. macht Prof. Fesser auf den „Uni-Blog“ des Herrn Jabbusch aufmerksam. Prof. Fesser macht deutlich, dass er die Art und Weise der dort geführten Diskussionen nicht für tolerabel halte. Für inneruniversitäre Diskussionen sind solche schlechten Umgangsformen nicht zu vertreten. Dem schließen sich die übrigen Mitglieder der Dienstberatung vorbehaltlos an.

Nach der Diskussion macht Prof. Joecks deutlich, dass er zudem die Namensrechte der Universität verletzt sieht (uni-greifswald-blog). Der Rektor schlägt daher vor, dass der Prorektor Joecks gemeinsam mit dem Kanzler oder der Leiterin der Rechtsabteilung mit dem Betreiber des Blogs das Gespräch fähren und ihn auf die Rechtsverletzung und die mangelhaften Umgangsformen hinzuweisen. Im Übrigen regt er einen Antrag an den Senat an, so dass dieser entsprechend dazu Stellung bezieht.“

So weit das Zitat. Meine Interpretation: Offenbar gefällt es den Dekanen und der Universitätsleitung nicht, dass plötzlich alle Studenten die Möglichkeiten haben sich frei und ohne Fesseln an Diskussionen über die hiesige Hochschulpolitik zu beteiligen. Diese Form der Öffentlichkeit scheint alte Ängst vor einem umherziehenden, mit Fackeln bewaffneten Pöbel zu wecken.

Ergo sucht man nach Auswegen. So sollen unter diesem Top (laut Joecks in der FSK) auch Abmahnungen wegen anderer Tatbestände im Gespräch gewesen sein, etwa wegen der Live-Protokollierung auf dem Blog aus der Senatssitzung (die angeblich nur „hochschulöffentlich“ und nicht „welt-öffentlich“ seien). Offenbar entschied man sich aber für die Domain-Abmahnung, da dort die Rechtslage eindeutiger ist.

Auch wenn das Protokoll nur ein Entwurf ist und lediglich die „Ergebnisse“ festhält (also nicht die komplette Diskussion), so wird trotzdem die Reihenfolge deutlich: Das Problem waren die Inhalte, die Lösung war die Abmahnung.

Spannend könnte es werden, wenn die Debatte – wie im Protokoll angedeutet – auch noch in den Senat getragen wird. Offenbar hat die Uni keine anderen Probleme als die Öffentlichkeit von Ihrem Handeln auszuschließen…

P.S.

Der Rostocker Radiosender „Lohro“ hat auch über das Thema berichtet: