von Archiv | 23.01.2006
Dirk Stockfisch (25) kämpft als studentische Hilfskraft gegen Windows-Sicherheitslücken und veraltete Virenprogramme auf den Computern der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät.
moritz: Bist du einem konkreten Lehrstuhl angegliedert?
Dirk: Nein, ich bin formal beim Rechenzentrum angestellt. Ich kümmere mich um alle 120 Computer der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät.
Wie genau hast du das angestellt?
Ich wusste, dass Dr. Winkler vom PC-Pool der RSF immer mal Studenten für die Aufsicht sucht. Also habe ich ihn konkret auf freie Stellen angesprochen. Es war zwar nichts frei, aber zum Glück hat sich eben diese andere Sache ergeben.
Was genau hast du für Aufgaben?
Ich muss auf allen Computern überprüfen, ob die automatische Update-Funktion von Windows und vom Antivirenprogramm aktiv ist und gegebenenfalls einstellen. Außerdem installiere ich ein Programm, das für den Zugriff auf eine Datenbank der Fakultät nötig ist.
Wieviel Stunden arbeitest du in der Woche?
Ich habe einen Vertrag über insgesamt 120 Stunden. Ich kann mir die Zeit pro Woche, in der ich meiner Arbeit nachgehe, also relativ frei einteilen.
Warum machst du den Job?
Es macht mir Spaß und man verdient Geld dabei. Außerdem ist es ja auch ein bisschen „Lebenslauftuning“.
Geschrieben von Sebastian Vogt
von Archiv | 23.01.2006
Interview mit Christian Gehrke – einer von fünf Hiwis am Lehrstuhl für Praktische Religion und Medienpädagogik.
moritz: Du hast am Lehrstuhl von Professor Roland Rosenstock eine Stelle als Hiwi. Du studierst also Religion?
Christian: Nein, ich studiere Germanistik und Latinistik auf Magister.
Wie kommt man dann an diese Stelle als Hiwi?
Weil ich Religion abgebrochen habe. Es fällt an so einem kleinen Institut wie dem der Theologie auf, wenn man nicht zufrieden ist. Herr Rosenstock hat mich angesprochen und nach den Gründen gefragt. Wir kamen ins Gespräch und er bot mir die Stelle an.
Was bringt Dir die Stelle, wenn sie gar nicht den Inhalten Deines jetzigen Studiums entspricht?
Ich möchte später als Journalist arbeiten. Da bringt mir die Stelle auf jeden Fall etwas.
Was sind Deine Aufgaben?
Zunächst einmal erstelle ich einmal im Moment ein Internetportal für Religionslehrer, in dem Lehrer Themen zu ihrem Fach nachschlagen können. Eine religionspädagogische Kollage. Die Artikel, die ins Netz gestellt sind, wurden von Dozenten in Greifswald und Rostock geschrieben. Außerdem redigiere ich Präsenzen und Internetartikel.
Macht dir deine Arbeit Spaß?
Im Großen und Ganzen schon. Allerdings fordert sie ganz schön viel Zeit. Neben Uni und Job bleibt nicht viel Freizeit. Oft arbeite ich am Wochenende, um all das Anstehende zu bewältigen und mache Überstunden.
Geschrieben von Uta-Cäcilia Nabert
von Archiv | 23.01.2006
Benjamin ist seit Oktober 2005 Tutor am Institut für Deutschen Philologie. Nachdem zuerst von der Dozentin der Vorschlag kam, Tutor zu werden, lehnte er ab. Im Sommer bewarb er sich dann aber doch auf einen Aushang hin.
Gründe für die Wahl war zum einen die Möglichkeit, sich auf diese Weise nebenbei auf seine Prüfungen vorzubereiten und zum anderen der finanzielle Ausgleich. Außerdem kann Benjamin so schon mal seine Fähigkeiten als zukünftiger Lehrer testen. Seine Aufgabe ist es, „über das Tutorium die StudentInnen des Grundstudiums Germanistik auf die Klausuren vorzubereiten“. Durchschnittlich arbeitet er fünf Stunden pro Woche. 90 Minuten gehen davon für das Tutorium weg, bleiben 3,5 Stunden zur Vorbereitung. Nebenbei bietet der Job auch ein großes Lernpotential. Die Zusammenarbeit mit den Dozentin ist harmonisch, entgegenkommend, entspannt und freundlich. „Wenn mich jemand überfordert, dann bin ich das selbst“, sagt er. Um Hilfswissenschaftler – beziehungsweise in erster Linie Tutor – zu werden reicht nicht nur der bloße Wille, wenn er nicht mit Schweiß genährt wird, weiß Benjamin.
Geschrieben von Katarina Sass
von Archiv | 23.01.2006
New York bebt erneut: 72 Jahre nach dem Kultklassiker „King Kong und die weiße Frau“ lässt Peter Jackson den Riesenaffen für rund 200 Millionen Dollar wieder auferstehen.
Doch er hat es schwer. Nach seinem Epos „Der Herr der Ringe“ muss sich der neuseeländische Regisseur zwar nicht mehr beweisen, doch die Ansprüche des Publikums sind gestiegen. Also hat er sich für trickgespickten Bombast entschieden, bei dem eher auf Effekthascherei gesetzt wird als auf stimmungsvolle Details. Und doch reichen Rieseninsekten, Dinosaurier im Überfluss und ein Riesengorilla noch nicht für einen guten Film. Auch wenn Jacksons Remake nicht wirklich schlecht ist, ist es auch entfernt davon, gut zu sein. Zu deutlich soll mit gigantischen Special Effects die Lizenz zum Gelddrucken erworben werden, wobei zahlreiche Kleinigkeiten, die den Herrn der Ringe noch ausgemacht haben, zu kurz kommen. Auch wenn die Machart bisher ungeahnte Möglichkeiten andeutet, bleibt der Spaß auf der Strecke. Manchmal ist weniger eben mehr.
Geschrieben von Joel Kaczmarek
von Archiv | 23.01.2006
Steven Soderbergh revolutioniert Seh- und Kaufgewohnheiten
Welch paradiesische Zustände scheinen ab dem 31. Januar dieses Jahres in den USA möglich. Der filmbegeisterte Konsument erhält drei Möglichkeiten den nagelneuen Kinofilm „Bubble“ zu sehen: Er kann sich zwischen dem Kinobesuch, dem Kauf der DVD oder der Pay–Per–View–Ausstrahlung entscheiden.
Es ist nicht das erste Mal, dass eine Filmfirma ihr Produkt zeitgleich in allen Verwertungsstufen an die Käufer bringen möchte. Doch hinter diesem Plan entdeckt man eine bedeutende Persönlichkeit aus der Unterhaltungsbranche: Steven Soderbergh. Der US-amerikanische Regisseur und Produzent war sowohl für Box-Office-Erfolge wie „Ocean‘s Eleven“ und deren Fortsetzung, „Out of Sight“ und „Erin Brokovich“, als auch für künstlerische Werke wie „Sex, Lügen und Video“ und „Traffic“ verantwortlich. Dass sich der Oscar-Gewinner jetzt an diesem Experiment der Filmauswertung beteiligt hat, sorgte in der Filmindustrie für Verwunderung, aber auch Anerkennung.
„Bubble“ erzählt die Geschichte der Einwohner einer Stadt im US-Bundesstaat Ohio und deren mysteriösen Erlebnisse in der örtlichen Spielzeugfabrik. Regisseur Soderbergh bediente sich ausschließlich Laienschauspieler und drehte seinen Film in nur drei Wochen mit Digitalkameras ab. Beides ermöglichte eine kostengünstige Filmproduktion.
Im Hintergrund agierten Mark Cuban und Todd Wagner. Sie sind Inhaber einer Filmproduktionsfirma, eines Filmverleihs, einer Kinotheaterkette und verfügen über Verträge mit einem Fernsehkanal und einem DVD-Vertrieb.
Bis in die 1950er Jahre sorgte allein die Kinoauswertung für die Erlöse einer Kinoproduktion. Durch technische Innovationen kamen neue Auswertungsarten hinzu. Die wirtschaftliche Verwertung des Produkts Film durch Kinotheater sorgt heute nur noch für rund 20 Prozent der Erlöse. Über die Hälfte entstehen durch die Zweitauswertung auf DVD. Die restlichen Einnahmen fließen durch den Verkauf der Fernsehrechte und Merchandising hinzu. Zwischen den Nutzungsstufen bestanden relativ feste und exklusive Zeitfenster der Auswertung. Erst der Kinostart, danach die Veröffentlichung auf Video und DVD, dann Pay–Per–View und Pay–TV und zum Schluss die Ausstrahlung im Free–TV. Dies ermöglichte jedem Teil der Auswertungskette, Einnahmen zu erzielen. In den letzen Jahren ist vor allem eine Verkürzung der einzelnen Auswertungsfenster zu beobachten.
Nur vier Monate nach dem Kinostart erschien zum Beispiel der Film „Sin City“ auf DVD. Den deutschen Kinoketten war dies zu früh – die Comic-Verfilmung wurde boykottiert und erst Nachverhandlungen führten zu einem Kinostart bei den drei großen Kinoketten.
Im Jahr 2005 hatte die Filmindustrie auch noch mit sinkenden Kinobesucherzahlen zu kämpfen. Das Markforschungsinstitut Nielsen EDI zählte für das vergangene Jahr nur 121 Millionen gelöste Kinokarten in Deutschland. Mit diesem Rückgang von 20,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr steht Deutschland nicht allein dar. Auch in der umsatzmäßig größten Kino-Nation der Welt, den USA, wurden rund 11 Prozent weniger Kinotickets verkauft. Parallel dazu ist der DVD-Markt in den letzten Jahren unaufhaltsam gewachsen. Neue Filme erzielen gegenüber dem Kinorelease nicht nur höhere Einnahmen, sondern auch das Erscheinen von unzähligen älteren Filmen und Serien ermöglicht stetigen Cash-Flow. Schon wird davon ausgegangen, dass Soderberghs Film „Bubble“ eine ebenso starke Veränderung der Filmindustrie einläuten wird, wie das Ende des Stummfilms durch den ersten Tonfilm „The Jazz Singer“ im Jahr 1927.
Durch kostengünstige Home-Entertainment-Systeme wird heutzutage aus jedem Wohnzimmer ein kleiner Filmpalast. Hinzu kommen die seit Jahren sinkenden Preise für DVDs, die den Aufbau einer persönlichen Filmbibliothek ermöglichen. Wer die heimischen vier Wände verlässt, um einen Film im Kino zu sehen, dem müssen schon gute Argumente geliefert werden. Die meisten Kinofilme sind sehr schnell illegal und wenige Monate später auch legal erhältlich. Auch die Produzenten haben an dem day-and-date-Erscheinen ein Interesse: einmalige Marketingausgaben anstatt für jede Auswertungsart einzeln, dem illegalen Verkauf kann ein Riegel vorgeschoben werden und vor allem kleinere Low-Budget und Independent-Produktionen kommen sofort an mehr Interessierte heran.
Wenn die zeitgleiche Auswertung eines Filmes von den Kinos nicht als Konkurrenz verstanden wird, sondern als Möglichkeit, die Vorteile eines Kinobesuchs herauszustellen, mag Soderbergh ein Wegbereiter sein. Bei Erfolg plant er nämlich schon weitere Kinofilme für die gleichzeitige Auswer-tung. Sein gerade abgedrehter Spielfilm „The Good German“ mit George Clooney in der Hauptrolle läuft jedenfalls erst einmal exklusiv im Kino.
Geschrieben von Björn Buß