von Archiv | 15.04.2005
Eigentlich hat Nick schon genug Probleme: Keinen festen Job, keine Freundin, und noch dazu machen ihm sein Stiefvater und sein Bruder das Leben zur Hölle. Nachdem er auch den letzten Job als Putzhilfe in einer psychiatrischen Klinik verliert, kann er gerade noch verhindern, dass sich die junge Leila vor seinen Augen erhängt. Niedergeschlagen geht er nach Hause und findet Leila kurz darauf vor seiner Tür vor. Sie lässt sich nicht abwimmeln und hat beschlossen, bei ihm zu bleiben…
Eine rührende und lustige Erzählung, in der es leider hin und wieder an Realismus fehlt. Zudem wird nicht ganz klar, ob Til Schweiger (Regisseur und Autor zusammen mit Jann Preuss) ein Märchen, eine Romanze oder einen nachdenklichen Film schaffen wollte. Und wenn dann auch noch Axel Stein und Markus Maria Profitlich ihren Comedy-Kurzauftritt absolvieren, ist die Verwirrung komplett.
Die Kameraführung ist gut gelungen. Allerdings hätte man sich mehr Gedanken machen können, ob die sehr stereotype Darstellung einer psychiatrischen Klinik komisch oder ernsthaft wirken soll. Denn die Grenzen zwischen einer gewissen oberflächlichen „KlapsenRomantik“ und dem ernsthaften Versuch, gesellschaftskritische Elemente unterzubringen, verschwimmen stark.
Til Schweiger zeigt überraschend, dass er das Zeug zum Märchen und zur einfühlsamen Tragikomödie hat. Newcomerin und Wiener-Burgtheater-Star Johanna Wokalek glänzt in der Rolle der Leila. Zart und sanft, mit der Neugierde eines Kindes, tastet sie sich ohne Schuhe und Strümpfe mit großen Augen durch den Alltag, den sie bisher nie kennen gelernt hat. Er hat mit ihr plötzlich eine Frau an den Hacken und den Geburtstag seines arroganten High-Society-Bruders vor sich.
Der Film dümpelt am Anfang ein wenig in der Gleichgültigkeit zwischen Arbeitsamt und Psychatrie-Alltag vor sich hin, wird aber mit dem Zusammentreffen von Nick und Leila sehr warmherzig. Spätestens der Soundtrack – „Shrek“ läßt grüßen – macht klar: Dieser Film will und darf ein Märchen sein.
Geschrieben von Anne Breuer, Ulrich Kötter
von Archiv | 15.04.2005
Greifswalder auf Zeit berichten
Sechs Überlebende einer Erasmuserfahrung in Greifswald hatten nach der Rückkehr an ihre Heimatuniversitäten die Idee, noch etwas weiter zu machen und ein kleines ?Journal international? herauszugeben. Konkret ist daraus nun das Projekt geworden, jeden Monat (oder auch alle zwei) einen Artikel zu schreiben, der die verschiedenen nationalen oder persönlichen Perspektiven auf ein bestimmtes, gemeinsames Thema wiederspiegelt. Das Ergebnis soll dann mehr oder weniger gleichzeitig in Fribourg, Riga, Lublin und Greifswald erscheinen.
Schaut doch mal in die jeweiligen Uni-Magazine, wenn ihr vorbeifahrt! Wer wir sind? Ewa und Aga, Jurastudentinnen aus Lublin (Polen), Andis und Inga aus Lettland, Studenten der Baltistik in Riga, Matthieu aus Fribourg (Schweiz), der Zeitgeschichte studiert und Thomas, ?der Eingeborene?, Student der Politikwissenschaft. Übrigens: Geschrieben wird auf Deutsch und dann jeweils übersetzt – braucht es da noch eines Beweises, dass Sprache verbindet?
PS: Dieser Artikel über das Sommersemester 2004 ist bereits auf Französisch in der Dezember ’04-Ausgabe des zweisprachigen Studentenmagazins „Spectrum“ der Uni Fribourg/Freiburg (Schweiz) erschienen.
Thomas:
Was kann der Eingeborene dazu schreiben? Ich denke, mit Recht behaupten zu können, für Greifswald sind sie zweifellos eine ganz besondere Bereicherung – die Studenten, die aus verschiedenen ?Ecken? Europas und der Welt hierher in den Nordosten der Bundesrepublik kommen. Allein der weite Weg und ihr Interesse an der Fremde ehren uns Einheimische. Durch ihre Beteiligung in den Kursen, aber auch Veranstaltungen im IKUWO, der Mensa und anderswo schaffen sie Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen und interkulturellen Erfahrungsaustausch. Sich zu verstehen ist die Basis für Verständigung. Wer sich von den Greifswalder Studenten auf dieses ?Abenteuer? einlässt, kann seinen Horizont erweitern – und, mit eine bisschen Glück, sogar neue Freunde finden…
Inga/Andis:
Immer mehr Studenten von den Hochschulen und Universitäten Lettlands fahren ins Ausland, um ihre Fremdsprachen zu verbessern, etwas Neues in ihrer Studienrichtung zu lernen oder um neue Bekannte und Freunde zu finden.
Wir – zwei Studenten der Philologischen Fakultät der Universität Lettland (Latvijas Universitate) – sind mit dem SOCRATES/ERASMUS-Austauschprogramm nach Greifswald gekommen.
Warum Greifswald? Der Grund ist ziemlich einfach: In Lettland studieren wir baltische Philologie, das bedeutet lettische und litauische Sprache und Literatur – die Sprachen der einzigen ?überlebenden? baltischen Völker. Natürlich ist diese Fachrichtung sehr spezifisch und die Möglichkeiten, sie außerhalb von Lettland oder Litauen zu studieren, sind sehr klein. In Deutschland kann man dies in Mainz und Greifswald machen, aber nur in Greifswald gibt es ein Institut für Baltistik. Dies ist zwar sehr klein aber für uns war es sehr interessant, die Deutschen kennen zu lernen, die sich ?ausgesucht? haben, unsere ziemlich komplizierte Sprache, die noch dazu so wenige Leute sprechen, zu lernen. Einige tun das, weil sie lettische Freunde haben, andere weil sie es sehr exotisch finden.
Wir waren vier Letten im Sommersemester 2004 in Greifswald. Genug, um sich nicht einsam zu fühlen und zu wenig, um sich nur miteinander zu unterhalten. Deswegen hat es uns viel Spaß gemacht, die anderen Austauschstudenten kennen zu lernen – von Sibirien bis Florida, von Schweden bis Spanien. Natürlich war es auch sehr interessant, für einige Monate Teil des deutschen Bildungssystem zu sein, das ganz anders ist als das in Lettland. Das Unvergessliche an dieser Zeit bleibt jedoch nicht die akademische Arbeit, sondern die Leute und die engen Beziehungen, die in so kurzer Zeit zwischen den Menschen so verschiedener Kulturen und Mentalitäten entstanden sind.
Ewa:
Schon seit langer Zeit hatte ich nach einer Möglichkeit gesucht, nach Deutschland zu fahren. Ich denke, eigentlich wollte ich irgendwo hin, etwas Neues erleben, neue Leute kennen lernen.
Zufällig habe ich einmal mit jemandem gesprochen, der schon ein Auslandsstudium im Rahmen des SOCRATES/ERASMUS-Programms hinter sich hatte und ?total? begeistert davon war. Ich dachte: Das will ich auch, davon habe ich geträumt! Sofort habe ich mich an meiner Uni dafür beworben. Ich will unterstreichen, dass ERASMUS in Polen nicht besonders populär und verbreitet ist. So funktioniert die ganze Infrastruktur auf der Uni-Seite sehr schlecht. Alle erforderlichen Dokumente sind ?vom Studenten-Kopf? zu erledigen. Die Zeit vor der Abfahrt war ?ein Kampf gegen die Bürokratie?. Es lohnt sich aber, diesen ?Preis? für spätere, großartige Erfahrungen und Abenteuer zu bezahlen!
Anfangs wollte ich für ein Jahr nach Hannover – das klappte aber nicht und ich habe den Platz in Greifswald bekommen. Ich muss zugeben, dass ich sehr enttäuscht war. Greifswald – was ist denn das? Eine kleine Stadt irgendwo in Norddeutschland, von der niemand gehört hat, und noch dazu in der ehemaligen DDR! Aber besser das als nichts, dachte ich.
Heute weiß ich jedoch, dass ?jemand? alles gut geplant und die richtige Entscheidung getroffen hat. Ich habe eine Art von Paradies gefunden: nämlich Greifswald. Dort habe ich zwar nur ein Sommersemester studiert, aber während dieser Zeit habe ich mehr gelernt als an meiner Heimatuni in vier Jahren. Es handelt sich nicht um „wissenschaftliche, akademische Forschung“ im engeren Sinne, sondern um ?Lebensforschung?: zwischenmenschliche Kontakte und Freundschaften, die Horizont erweitern. Früher hatte ich keine Ahnung von der Schweiz, Lettland, Spanien, Estland – jetzt bedeutet jedes Land für mich etwas anderes und hinter allen Ländern stehen für mich wichtige Personen. Außerdem ist es ein wunderbares Gefühl, wenn man in jeder Ecke der Welt jemanden hat. Aus dieser multikulturellen Mischung kann jeder etwas Wichtiges und Neues für sich selbst gewinnen. Unbekanntes wird plötzlich bekannt und das finde ich besonders schön und wertvoll.
Das Leben in Greifswald ist leider schon vorbei, das bedeutet aber nicht, dass sich damit alles beendet hat. Zum Glück geht ?unser? Erasmusleben weiter und entwickelt sich, was auch viele neue Ideen für die Zukunft bringt. Meiner Meinung nach verstehen sich alle Leute, die an solchen Veranstaltungen (wie SOCRATES/ERASMUS) teilgenommen haben, ohne Worte – und es ist egal, wo sie ein Austauschstudium gemacht haben. Ich bemerke, dass eine Art von ?Erasmusbevölkerung? existiert.
Geschrieben von Matthieu Gillabert / Thomas Müller
von Archiv | 15.04.2005
Hildegard Hamm-Brücher ist Schirmherrin des Students Festival
Diese Worte passen wie die Faust aufs Auge, wenn man an das in Kürze stattfindende internationale Studentenfestival in unserer Stadt denkt. Sie stammen von der Schirmherrin des Festivals selbst, die sich leidenschaftlich und kompetent zugleich für ihre Überzeugungen einsetzt. Sie steht symbolisch für den Dialog zwischen unterschiedlichen Kulturen, Nationen und Religionen. Ihr Name ist Hildegard Hamm-Brücher.
Seit dem letzten Sommer hatte das Organisationsteam des Students Festival nach einem geeigneten Schirmherrn gesucht. Zu politisch und zu unbekannt sollte er nicht sein und wichtig war vor allen Dingen die Identifikation mit den Werten des Festivals, vorrangig die der Toleranz und Fairness gegenüber anderen Kulturen. Die Aufgabe des Schirmherren ist es, mit seinem Namen für eine Veranstaltung, ein Projekt zu stehen und diese/s zu unterstützen.
Im Januar 2005 erhielt das Team vom GrIStuF e.V. die Zusage von Hildegard Hamm-Brücher zur Schirmherrschaft. Die 84-jährige ist auch besser bekannt als ?Grande Dame? der FDP. Sie erfüllt die Kriterien zweifelsohne – ihre aktive politische Laufbahn beendete sie bereits 1991 und zog sich damals aus allen politischen Ämtern zurück. Im September des Jahres 2002 trat sie nach 54-jähriger Mitgliedschaft wegen antisemitischer Äußerungen durch Jürgen W. Möllemann aus der Partei aus. Ganz deutlich formulierte sie in einem Schreiben an den Parteivorsitzenden Guido Westerwelle, dass Rassen- und Fremdenhass in einer Demokratie wie Deutschland nie wieder aufkommen dürfe und dass sie sich aus diesen Gründen von der Partei distanziere. Für Hildegard Hamm-Brücher war dieser Einschnitt ein Verlust der politischen Heimat, aber sie zeigte mit dieser Entscheidung Rückgrad und einmal mehr, dass ihr Prinzipientreue besonders wichtig ist – allerdings nicht nur wichtig in politischen Belangen, sondern auch im zwischenmenschlichen Zusammenleben.
Werfen wir doch einen Blick zurück auf das bewegte Leben von Hildegard Hamm-Brücher: In den 40er Jahren, als der Krieg noch andauerte, stieß sie in der Münchener Universität zu einem Kreis von Studenten, die über Gott und die Welt diskutierten. Die Mitgliedschaft in der ?Weißen Rose? prägten ihr politisches Handeln und Denken seither. Als diese kurz vor Kriegsende aufflog, war für Hildegard Hamm-Brücher klar: ?Du kannst dich nicht mehr ducken!?. Zum Glück machte sie Bekanntschaft mit einem jungen Theologen, der sie davon überzeugte, dass sich nicht alle opfern dürften, sondern dass einige den Krieg überleben müssten, um die Arbeit der Widerstandskämpfer weiterzuführen. Dies nahm sie sich zu Herzen.
Nach dem Krieg war sie als Journalistin tätig und publizierte Artikel in den Genres Kultur, Erziehung und Bildung. 1948 trat sie in die FDP ein. Ihr damaliger Mentor Theodor Heuss, ehemaliger Bundespräsident, soll zu ihr damals gesagt haben: ?Mädle, Sie müsset in die Politik!? Diesen Aufruf befolgte sie dann auch und galt von dieser Zeit an als ?aufrechte? und ?unverbogene? Politikerin. 1994 gerat sie noch einmal bundespolitisch in den Blickpunkt und kandidierte für die Bundespräsidentenwahl, wo sie jedoch unterlag.
Hildegard Hamm-Brücher ist also nicht zu Unrecht die Schirmherrin des vom 4. bis zum 12. Juni stattfindenden Students Festivals in Greifswald.
Wenn sie gesundheitlich dazu in der Lage sein sollte, versprach sie dem Team des GrIStuF e.V., werde sie die Reise von München nach Greifswald auf sich nehmen und quer durchs Land fahren, um zur Eröffnungsveranstaltung anwesend sein.
Geschrieben von Julia Schrod
von Archiv | 15.04.2005
Für das Uni-Jubiläum im kommenden Jahr wird der Rubenowplatz umgestaltet.
Heinrich Rubenow ist der Gründer der Ernst-Moritz-Arndt Universität zu Greifswald. Dies ist sicher kaum jemandem neu und wer schon mal zum AStA oder zum Prüfungsamt wollte, hat bestimmt zielsicher die Rubenowstraße angesteuert. Wenn man von dort einmal kurz um die Ecke geht, gelangt man auf einen Platz, den – wer hätte es gedacht – Rubenowplatz, in dessen Mitte sich das dazugehörige Denkmal befindet.
Dieses Monument, am 17. Oktober 1856 feierlich in Anwesenheit des damaligen preußischen König Friedrich Wilhelm IV. enthüllt, ist der Inhalt der neuen Internetseite, die das Fundraising- und Alumni-Büro Anfang April online gestellt hat.
?Wir wollen damit auf die wechselvolle Geschichte des Denkmals hinweisen und nicht zuletzt natürlich auch Spender finden, die finanziell an der Restauration mitwirken?, sagt Sabine Große, Leiterin des Büros. So werden auf der Website neben der Historie auch die diversen Schäden, die das Monument im Laufe der Zeit durch Wind und Wetter erlitten hat, dargestellt. All diejenigen, die helfen wollen, sollen dies natürlich nicht ohne Gegenleistung tun. ?Alle Spender und Spenderinnen erhalten zunächst einen namentlichen Eintrag auf der Webseite selbst sowie eine persönliche Einladung zur feierlichen Enthüllung des Denkmals, die für den 3. April 2006 geplant ist.? Ein Blick auf die Website verrät, dass die Unterstützung der Sanierung des Denkmals in vielfacher Form Würdigung findet – je nach der Höhe der gespendeten Beträge.
Neben dem Denkmal erhält auch der gesamte Platz ein neues Gesicht. Den entsprechenden Auftrag erhielten die Magdeburger Landschaftsarchitekten Lohrer und Hochrein. Ihr Entwurf hatte sich im vergangenen Herbst bei einem Jurywettbewerb der Stadt Greifswald durchgesetzt.
?Wir wollen die vorhandene Struktur weiterentwickeln?, sagt Landschaftsarchitekt und Stadtplaner Axel Hochrein. So habe man sich von den Ideen Peter Joseph Lennés, eines der bedeutendsten deutschen Gartenkünstler und Landschaftsgestalter des 19. Jahrhunderts und Schöpfer der derzeitigen Anlage, orientiert. ?Wir haben uns gefragt, was Lenné machen würde, wenn er heute lebte?, so Hochrein. Es wird Liegewiesen geben, die Beleuchtung wird erneuert und neue Sitzmöglichkeiten aufgestellt. So wird eine lange Bank aufgestellt und der bereits erwähnte Brunnen errichtet, der den Platz vom Hauptgebäude trennen soll. Dazu wird der gesamte Innenraum umgestaltet. ?In Zukunft wird jeder diagonal über den Platz laufen können.? Auch werde es Buchbaumkugeln geben, die als Zitat an Lenné zu verstehen seien.
Und wann geht es los? Der Baubeginn ist für September geplant. Bis Ende des Jahres soll alles fertig sein. ?Und zum Semesteranfang 2006 findet dann die feierliche Einweihung statt?, sagt Sabine Große nicht ohne Stolz. Ein Termin, den sich jeder also schon mal dick im Terminkalender anstreichen sollte.
Geschrieben von Kai Doering
von Archiv | 15.04.2005
Campus Europae und der lange Weg nach Westen
Katharina Miller hat einen Traum. Sie träumt davon, dass in Zukunft fast jeder zweite Student ohne Schwierigkeiten ein Jahr im Ausland verbringen kann. Derzeit nehmen nur zwei Prozent ein Austauschjahr wahr.
Damit sich das ändert, wurde vor vier Jahren das Projekt „Campus Europae“ gegründet. Ausgangspunkt ist dabei die Bologna-Konferenz von 1999, wo das 7-Punkte-Programm für die international geltenden Studienabschlüsse Bachelor und Master für alle EU-Länder festgelegt wurde. Zu der Zeit einigten sich die EU-Staaten auf die Einrichtung eines Austauschprogrammes für die Studenten, die diesen neuen Studiengang wählen würden. „Campus Europae“ sollte anders als andere Austauschorganisationen für eine optimale Versorgung des Studenten im Ausland sorgen und hinterher die Anerkennung des Austauschjahres an der Heimatuniversität regeln, so dass ein reibungsloser Studienverlauf ohne zeitlichen Verlust gewährleistet ist.
Katharina Miller ist die Präsidentin des „Campus Europae Student Councils“, das heißt, sie vertritt die Studierendenschaft aller teilnehmenden Universitäten, und was sie vorhat ist ein Mammutprojekt. Bereits 2003 organisierte sie eine „Tour d’europe“ quer durch 10 Länder zu 11 Universitäten. Zusammen mit 23 ausländischen Studenten präsentierte sie an jeder Universität das Projekt „Campus Europae“. In diesem Jahr soll eine weitere „Tour d’europe“ stattfinden, um weitere Unis für dieses Projekt zu begeistern und zu engagieren. Vor einigen Wochen besuchte Katharina die Universität in Moskau, die ebenfalls am Projekt teilnehmen möchte.
Mittlerweile sind es 17 Unis, die an dem europäischen Austauschprogramm teilnehmen – in Deutschland ist es neben der Universität Greifswald noch die Universität Hamburg. Doch hier wie auch dort gibt es Schwierigkeiten, die das ganze Projekt immer wieder behindern.
„Gerade in westeuropäischen Ländern ist das Engagement an diesem Projekt noch längst nicht so groß, wie an osteuropäischen Unis“, stellt die ehemalige Fachschaftsrätin für Jura fest. Lettland beispielsweise habe eine eindrucksvolle CD-ROM zusammengestellt, mit der das Land für seine Kultur wirbt. Etwas Vergleichbares gebe es hier nicht. „Vor allem die Unis in Osteuropa sind der treibende Motor“, erzählt sie weiter und bemängelt damit gleichzeitig die schwache Bereitschaft der Greifswalder Universität. Dass die Universität zurzeit Opfer der eigenen Hochschulpolitik geworden ist, trage dazu bei, dass das Projekt momentan in den Hintergrund gerückt ist.
Obwohl der ehemalige Rektor Hans-Robert Metelmann wie auch Rektor Rainer Westermann ihre Zustimmung gegeben haben, finden sich immer noch nicht genügend Professoren aus den sprach- und geisteswissenschaftlichen Fachbereichen, die „Campus Europae“ unterstützen. Nur wer Jura mit dem Abschluss „Bachelor of Laws“ studiert, hat Glück. Zurzeit sind drei Studenten im Rahmen ihres Jurastudiums für ein Jahr nach Limerick in Irland gegangen; nach ihrem Aufenthalt ist die Anerkennung ihres Austauschjahres gesichert. Doch wenn beispielsweise Germanistikstudenten ins Ausland möchten, müssen sie sich über eine andere Organisation bewerben, denn es hat sich bisher noch kein Professor gefunden, der Germanistikstudenten betreuen würde. Das klassische Argument lautet, dass man Germanistik nicht im Ausland studieren könne.
Dabei bietet „Campus Europae“ Vorteile, die man anderswo nicht findet. Es setzt sich beispielsweise dafür ein, dass ein Austauschstudent im Ausland mehr als acht Stunden die Woche arbeiten darf, um seinen Unterhalt zu finanzieren. Und es versucht auch zu garantieren, dass aufgrund der unterschiedlichen Standards der Universitäten keine Nachteile entstehen.
„Eigentlich ist es schade, dass die osteuropäischen Unis nicht mit zu den Entscheidungsträgern gehören“, bedauert Katharina. Denn ohne ihr Engagement würde das Projekt heute noch in den Startlöchern stehen.
Dabei spricht die große Anzahl an Interessenten für eine positive Resonanz bei der Studentenschaft. Und mit dem Engagement von Katharina und ihren europäischen Kollegen wird ihr Traum eines Tages vielleicht doch noch wahr.
Geschrieben von Kati Sass