von Archiv | 15.04.2005
Eine Frau. Ein Land. Ein Monat.
16.02. Mit dem Rucksack nach Bangkok. +++ 17.02. Nachmittags angekommen. 38 Grad. Erschlagen. Mit dem Taxi in die Khaosan Road und Unterkunft suchen. +++ 18.02. Flucht vor der smoggigen Großstadt. Mit Nachtbus und Boot. Tausend Backpacker. Tausend Namen. Deutsche, Schweden, Israelis und Australier. +++
19.02. Kho Pha Ngan. Insel. 168 Quadratkilometer. Schuhe ausziehen. Vor jedem Haus. Keine Toilettenspülung. Kein Toilettenpapier. +++ 21.02. Bei Thais kochen gelernt. Schön scharf. Hauptsache gesund. +++ 24.02. Full Moon Party. 6.000 Verrückte. Und ich darunter. Mushroomcocktails, Bang Lassis und andere Drogen. Leute und Geld verloren. Egal. Geniale Party. +++ 25.02. Zurück in der Bambushütte. Endlich duschen. Duschen? Wasserausfall! Trockenzeit. +++ 26.02. Mit dem Moped in den Hauptort. Ohne Helm. Gibt es hier nicht. Gewürze und Obst auf dem Markt gekauft. Schön billig. Abends frischen Fisch mit Thais gegessen. Abschied. +++ 27.02. Kho Tao. Neue Insel. 21 Quadratkilometer. Schildkröteninsel. 2 Stunden Boot fahren. Neues Resort. Neue Leute. +++ 01.03. Tauchkurs angefangen. Bunte Fische. Korallen. Haie. +++ 02.03. Flughafen Bangkok angerufen. Flug umgebucht. 10 Tage länger. +++ 05.03. Ins Krankenhaus. Mittelohrentzündung. Grüne, rosa und blaue Tabletten. In kleinen Tütchen. 2 Tage im Bett. +++ 07.03. Unwetter. Erster Regen seit 6 Monaten. 25 Grad. Kalt. +++ 10.03. Geburtstag unter Palmen. 38 Grad. Strand. Sonne. Meer. +++ 12.03. Schnorcheln mit Haien. Babyhaie. „Nur“ 1,50 m lang. +++ 14.03. Mit dem Boot auf‘s Festland. Mit dem Nachtzug nach Bangkok. An Schlaf nicht zu denken. +++ 15.03. Bangkok. 5 Uhr. Laut. Wieder Smog. Märkte und Einkaufszentren. Shoppen. Essen von den Garküchen an der Strasse. +++ 16.03. Kultur. Grand Palace besichtigt. Königspalast, Thronhallen und Tempel des Smaragdbuddhas. +++ 17.03. Flughafen Bangkok. 7 Uhr. Rückflug. Ankunft Hamburg 19.30 Uhr. 10 Grad. Regen und Wind. Wo sind Sonne, Strand und Meer?
Geschrieben von Kathleen Böhm
von Archiv | 15.04.2005
Gespielt: Hindemiths Klavierkonzert für linke Hand
Endlich! Die „Klaviermusik mit Orchester“ ist gefunden, uraufgeführt und als Partitur herausgebracht worden. Am 9. Dezember des vergangenen Jahres verzückte Sir Simon Rattle mit seinen Berliner Philharmonikern das Publikum.
Für den Pianisten Leon Fleisher ging an diesem Abend im Großen Saal des Hans-Scharon-Baus ein Lebenstraum in Erfüllung. Nach der Einspielung aller bisher bekannten und für Paul Wittgenstein komponierten Klavierkonzerte für linke Hand (beispielsweise Ravel, Prokofjew) fehlte ihm nur noch das lange für verschollen gehaltene Werk von Paul Hindemith.
Erst im Jahre 2002 fand die Hindemith-Stiftung im Nachlass des Pianisten Paul Wittgenstein eine zwar sauber angefertigte, aber mit Fehlern behaftete Abschrift unbekannter Herkunft. Besagter Bruder des bekannten Philosophen vergab zwar den Auftrag an den Komponisten und bezahlte das fertige Werk, behielt sich jedoch zeitlebens das alleinige Aufführungsrecht vor. Aber trotz Widmung, die auch heute noch in der Partitur steht, blieb das 1923 fertiggestellte Opus 29 der Öffentlichkeit vorenthalten. In einem Brief vom 4. Mai des Vollendungsjahres heißt es: „Es würde mir leid tun, wenn Ihnen das Stück keine Freude machen würde – vielleicht ist es Ihnen anfänglich ein wenig ungewohnt zu hören – ich habe es mit großer Liebe geschrieben und es sehr gerne.“ Eine Reaktion Wittgensteins ist nicht überliefert. Ihm gefiel es wahrscheinlich nicht, zu weit lagen die musik-ästhetischen Berührungspunkte von Komponist und Interpret auseinander. Während Wittgenstein spielend in der Romantik verharrte, brach Hindemith mit Papier und Feder wagemutig in das 20. Jahrhundert auf.
So blieb der Öffentlichkeit lange Zeit eines der letzten Meisterwerke der Moderne vorenthalten. Es ist eine Komposition musikantischen Zugriffs. Es ist Spielmusik von einer erfrischenden horizontalen Geradlinigkeit in der Partitur und im Konzert. Es ist ein Werk, das das Zeug hat zu den großen seiner Zeit zugerechnet werden zu können. Leider fehlen noch bisher die dafür helfenden Einspielungen. Das Konzertpublikum der Uraufführungsstunde war sich einig: Hindemiths Klaviermusik mit Orchester ist eine Sensation. Keine Frage. Eine Sensation, bei der das Klavier nur eine Stimme innerhalb des Orchesters ist.
Geschrieben von Uwe Roßner
von Archiv | 15.04.2005
Ein Erlebnisbericht
„Es ist Prag!“ Ich kann mich ganz genau daran erinnern, wie ich durch meine WG gehüpft bin und immer wieder diesen Satz gerufen habe. Das ist jetzt erst ein dreiviertel Jahr her, und trotzdem ist alles schon wieder vorbei. Vor zwei Wochen musste ich meine Traumstadt vorerst hinter mir lassen, um zurück an die Greifswalder Uni zu gehen – kein guter Tausch.
Ich studiere hier Deutsch, Philosophie und Deutsch als Fremdsprache auf Lehramt. Unsere Studienordnung sieht einen „studienrelevanten Auslandsaufenthalt“ vor, den ich im letzten Wintersemester angetreten habe. Natürlich gibt es eine Vielzahl von Angeboten, die alle sehr interessant und in der Regel sehr kostspielig sind. Daher war ich begeistert, als ich von dem Programm „Völkerverständigung macht Schule“ der Robert-Bosch-Stiftung hörte. Ich habe mich also für Mittel- und Osteuropa beworben, auf die Tschechische Republik gehofft und von Prag geträumt. Für mich war es daher ein riesiges Geschenk, als ich die Nachricht mit meinem ‘Einsatzort’ erhalten habe. Ein halbes Jahr als Fremdsprachenassistentin in Prag – ich konnte den Praktikumsbeginn kaum abwarten. Etwas nervös war ich zugegebenermaßen auch. Ich konnte kein Wort Tschechisch, hatte bis zu meiner Abfahrt keine Wohnung – aber das Versprechen, dass es bisher immer irgendwie funktioniert habe – und wußte, dass ich an einer Grundschule am Stadtrand unterrichten würde. Allerdings hat mich Prag mit mehr als offenen Armen empfangen. Ich habe für die ersten Wochen eine kleine Wohnung mitten im Zentrum Prags bekommen und lebte somit in direkter Nachbarschaft zum „Reduta Jazz Club“, dem Nationaltheater und dem Büro von Ex-Präsident Vaclav Havel.
Meine Praktikumsschule lag in der Nähe von Wäldern, Wiesen und vielen kleinen Seen. Die Lehrer waren alle furchtbar freundlich zu mir und haben, wenn es gerade nicht die Deutschlehrer waren, ihre letzten Deutschkenntnisse ausgegraben, um mir zum Beispiel „Viel Spaß!“oder „Einen schönen Tag!“ zu wünschen. Richtig toll waren aber meine Schüler. Ich war hauptsächlich in achten und neunten Klassen und habe nur gute Erfahrungen gemacht. In Tschechien werden die Klassen im Sprachunterricht geteilt. So sind es nie mehr als fünfzehn Schüler im Deutsch-/Englischunterricht, was natürlich hervorragende Vorraussetzungen zum Sprachlernen und –lehren sind.
Mit zwei achten Klassen habe ich ein Projekt durchgeführt. Dabei handelte es sich um ein Planspiel, dass den Schülern nicht nur interessante Redeanlässe geben, sondern sie gleichzeitig in die Grundlagen der Entwicklung von Staatengemeinschaften einführen sollte. Die Schüler hatten sehr viel Spaß und waren dementsprechend fleißig bei der Arbeit.
Um in Prag „überleben“ zu können, muss man nicht unbedingt Tschechisch sprechen. Trotzdem habe ich ein Semester lang einen Kurs an einer Sprachschule in Prag besucht. Es hat großen Spaß gemacht, ich habe interessante Leute kennen gelernt und vor allem sehr viel Verständnis für meine „armen Schüler“ entwickelt. Außerdem begegnen einem die Prager noch herzlicher, wenn man zumindest versucht, sich in der Landessprache verständlich zu machen. Und wenn ich dann doch einmal den falschen der sieben Fälle erwischt habe, gab es oft sehr nette Nachhilfe. So habe ich an einem Kiosk, an dem ich eigentlich nur eine Telefonkarte kaufen wollte, die Zahlen bis dreihundert gelernt.
Freizeit hatte ich natürlich auch, aber jetzt sämtliche Möglichkeiten aufzuzählen, die mir die Stadt geboten hat, wäre doch sehr aufwendig. Und ich habe sie mit Sicherheit nicht zum letzten Mal genutzt.
Geschrieben von Stephanie Dahn
von Archiv | 15.04.2005
Über Hélène Grimaud, ihr Buch und ihre neue CD
Wolf oder Sonate? Für Hélène Grimaud wäre das keine Frage. Denn sie verbindet beides seit Jahren mit Leidenschaft: den Flügel für ihre Musik und die wilden Schmusetiere als Seelenverwandte während ihres Rückzugs in die Natur. Kein Wolfstick. Sondern eine aufrichtige Zuneigung, die zuletzt in ihrem Buch „Wolfssonate“ gipfelte.
Die Originalausgabe der bezaubernden Autobiographie „Variations sauvages“, wilde Variationen, erschien allerdings in Frankreich bereits vor zwei Jahren. Dennoch.
Neben dem Buch kehrte die 1970 in Aix-en-Provence geborene Pianistin im Februar mit ihrem ersten Solorecital für die Deutsche Grammophon in die hiesigen Landen zurück. Das Konzept „Tod und Transzendenz“ steht hinter den Klaviersonaten der Romantiker Frédéric Chopin (1810–1849) und Sergei Rachmaninov (1873–1943). Bei beiden jeweils die zweite. Chopins Berceuse in Des-Dur und Barcarolle in Fis-Dur runden das Ganze ab.
Was die Einspielung an Fragen offen ließ, beantwortete das ausverkaufte Konzert am 24. Februar im Großen Saal der Berliner Philharmonie. Der reißende Fluss von Noten war nicht gedankenlose Hast, sondern ein befreites Ausleben der komponierten Seelengemälde auf schwarzen und weißen Tasten.
Geschrieben von Uwe Roßner
von Archiv | 15.04.2005
Ob man in der Mensa sein Gegenüber von der Notwendigkeit des Nummerntausches überzeugen will, oder ob man an der Uni um gute Noten buhlt – sich zu verkaufen gehört zum täglichen Geschäft. Ricky, Shelley, George und Dave haben ihr Können zum Beruf gemacht. Sie sind Versicherungsvertreter. Man könnte auch sagen, sie prostituieren sich.
Ricky, gespielt von Al Pacino, ist der erfolgreichste von ihnen, die Spitze der firmeninternen Verkaufscharts, und wird von seinen Kollegen (Jack Lemmon, Alan Arkin und Ed Harris) dafür gehasst. Tempo kommt in die Sache, als das Firmenmanagement den Druck erhöht und einen Verkaufswettbewerb ausruft. Um den überlebenswichtigen Bonus zu erhalten, wird auch vor Raub und Betrug nicht zurückgeschreckt. Wer nicht verkauft, fliegt. Friss oder werde gefressen. Darwin lässt grüßen.
Regisseur James Foley machte sich mit „Die Kammer“ schon international einen Namen. Das Drehbuch ist eine Adaption von David Mamets gleichnamigem Bühnenstück. Der Theatercharakter ist deutlich spürbar: Der Film spielt nur an rund fünf verschiedenen Schauplätzen und ist dialoglastig. Brüskiert und mitunter entsetzt findet sich der Zuschauer in einem spannend gezeichneten Existenzkampf wieder.
Verfügbar ist der Film in Deutsch und Englisch. Soll sich allerdings auch die DVD gut verkaufen, muss an den Extras (3 Trailer) allerdings noch gefeilt werden. Ein Insider für alle, denen Blockbuster zu viel geworden sind.
Geschrieben von Joel Kaczmarek