von Archiv | 15.04.2005
Der Brauch ist ein russischer. Es ist einer, der sich in der jüngeren Musikgeschichte des Landes langsam festsetzte. Komponisten entschieden mittels eines Werkes einem verstorbenen Freund oder Kollegen ein musikalisches Denkmal zu setzen. Als Form wurde das Klaviertrio bevorzugt.
Mit diesem Anliegen verfassten Sergei Rachmaninov und Dmitri Schostakovitsch ihre Opera 9 und 67. Das unerwartete Verscheiden des von ihm verehrten Pjotr I. Tschaikowski erschütterte Rachmaninov, der am Todestage beginnend seine Referenz nach zwei Monaten vorlegte. In einem Brief an einen Freund heißt es: „Dieses Werk ist eine Komposition auf den Tod eines großen Künstlers. Es ist nun abgeschlossen, deshalb kann ich zu Dir sprechen. Während ich daran arbeitete, gehörten all meine Gedanken, Gefühle und Kräfte ihm, diesem Gesang … Ich habe um jede Phrase gezittert, manchmal alles ausgestrichen und von vorne begonnen.“
Ähnlich erging es Dmitri Schostakowitsch nach dem Tod Ivan Sollertinskijs. Der Gedanke an ein Klaviertrio bewegte ihn seit langem, erste Skizzen gab es bereits es dafür. Zehn Tage nach dem Tod seines engen Freundes griff er diese Idee wieder auf und führte sie mit ganz neuem musikalischem Material zu Ende.
Beiden Werken widmet sich das Kniazev-Trio in seiner neuesten Einspielung. Der Violinist Dmitri Makhtin, der Cellist Alexander Kniazev und der Pianist Boris Berezovsky nehmen sich mit Inbrunst den Tonschöpfungen ihrer Landsmänner an. Der Zugriff ist musikantisch und spannungsreich. Entsprechend der kompositorischen Anlage lassen die drei Instrumentalisten bei Rachmaninov das Klavier und bei Schostakovitsch ein abgestimmtes Miteinander den musikalischen Fluss beherrschen. Manchmal stellt sich allerdings ganz vorsichtig die Frage, wie viel spielerische Lebensgier dem Andenken angemessen ist.
Geschrieben von Uwe Roßner
von Archiv | 15.04.2005
Die akkustische Gitarre dümpelt etwas im Trüben vor sich hin, das Klavier hellt mit Akkorden vorsichtig die Stimmung auf, ein Ansatz einer Melodie, und dann gesellt sich Sophie Zelmanis zarte Stimme dazu:
„Don´t you ever go out/ When was the last time when you were out“. Zwar hebt der Titel „Oh Dear“ recht unbestimmt an, gewinnt jedoch zunehmend an Lebensfreude und Intimität und klingt im schwelgenden Soli von Gitarre und Klavier aus. Das Schlagzeug fällt fast gar nicht auf.
„Sing and Dance“, das 2001 erschienene, vorletzte Album der Schwedin Sophie Zelmani, versprüht eine für sich einnehmende Vertrautheit. Es ist ein Album, das auf leisen Sohlen daherkommt, sich den Ohren anschmiegt und in seiner Lieblichkeit hängen bleibt. Ein möglicher Begleiter für stille Stunden. Jemand, dem man zuhört, weil er sich nicht aufdrängt. Die Texte zeugen nicht von verklärter Weltfremdheit, sondern vom einem wachen Blick und schmunzelnden Lippen.
Musikalisch umsponnen von Klavier, Gitarren und Schlagzeug geht die Reise, an deren Ende Mann oder Frau weiß „How It Feels“. Eine Platte passend zum Frühling, zu Schmetterlingen im Bauch und eine wunderbare Liebeserklärung an die Stille in der Musik.
Geschrieben von Uwe Roßner
von Archiv | 15.04.2005
Greifswalder Studenten spielen libanesische UNO-Delegation
Vom 22. bis 26. März 2005 fand die „National Model United Nations Conference“ (NMUN), eine Simulation der Vereinten Nationen für Studenten aus aller Welt, in New York statt. Unter den rund 3.200 hauptsächlich US-amerikanischen Teilnehmern befand sich auch eine vierzehnköpfige Delegation der Ernst-Moritz-Arndt Universität. Dabei vertraten die Studierenden unterschiedlichster Fachrichtungen von Politik über Jura bis zu Psychologie die Republik Libanon.
Eine nicht ganz einfache Aufgabe, wenn man die aktuelle politische Lage im Zedernstaat kennt: Wie man den Nachrichten entnehmen konnte, ereignete sich vor einigen Wochen ein Mordanschlag auf den syrienkritischen Ex-Premier Hariri. Daraufhin folgten sowohl pro- als auch antisyrische Demonstrationen im ganzen Libanon und schließlich kam es zu mehreren tödlichen Anschlägen auf Christen in den letzten Tagen. All dies rückte den nördlichen Nachbarn von Israel in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Unter diesen Umständen war es für jeden einzelnen Delegierten aus Greifswald eine große Herausforderung fünf Tage lang den Libanon in verschiedenen UN-Komitees als Diplomat zu vertreten.
Damit die Simulation so realistisch wie möglich stattfinden konnte, wurden fast alle Prozeduren den realen der Vereinten Nationen angepasst. Auf diese und auf die Verhandlungssprache Englisch hatte sich unsere Delegation seit Ende Oktober letzten Jahres in Greifswald vorbereitet.
Am 22. März gegen 21 Uhr Ortzeit ging es dann in den Konferenzräumen des New Yorker Hilton Hotels endlich los. Nach einer kurzen Sondierung der Lage wurde recht schnell die Reihenfolge der Tagesordnungspunke in den einzelnen Komitees der Generalversammlung oder der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegt. Dort versuchten dann alle Delegierten nach bestem Wissen ihren Staat zu vertreten und sich Gehör zu verschaffen.
Dies geschah zum Einen durch Redebeiträge, die leider manchmal recht langatmig und inhaltsleer waren. Zum Anderen wurden aber auch zahlreiche informelle und teils hochbrisante Gespräche zwischen einzelnen sehr unterschiedlichen Staaten und Organisationen geführt. Die Delegationsmitglieder nahmen an späteren Resolutionen Einfluss, indem sie an der Ausformulierung mithalfen.
Nicht nur dabei musste man mit besonderem Verhandlungsgeschick, überzeugenden Argumenten und präzisen englischen Formulierungen seinen Standpunkt deutlich machen und verteidigen. Eben das kleine Einmaleins der UN. Zusätzlich waren Eigenschaften wie Ausdauer und Zähigkeit bei den Marathonsitzungen bis tief in die Nacht gefragt. Außerdem trafen sich einige Delegierte noch extra zwischen den offiziellen Sitzungen, um Pläne und Koalitionen zu schmieden, Resolutionen zu überarbeiten oder eine Mehrheit für ihre Resolution zu beschaffen. Da sage noch einer, Politiker arbeiten zu wenig für ihr Geld!
Als Belohnung für unsere fünftägige, unermüdliche Arbeit hielten wir am Ende unsere Resolutionen in den Händen. Am letzten Tag, während der Abschiedszeremonie im UN-Hauptquartier, wurden dann die Preise verliehen. Leider hat unsere Delegation davon keinen gewonnen, dafür aber einen riesigen Schatz an persönlichen Erfahrungen und Eindrücken von New York und den Vereinten Nationen.
Übrigens, NMUN 2006 wird vom 11. bis 16. April stattfinden – hoffentlich wieder mit einer Delegation aus Greifswald.
von Archiv | 15.04.2005
Ein erster Hinweis ist wichtig: Diese CD wurde im Juni 2004 in den Medienwerkstatt der Universität Greifswald aufgenommen. Vielleicht noch ein zweiter Hinweis. Dafür sollten wir einmal kurz dem alten Louis lauschen. Genau – Louis Armstrong: „It takes two to Tango.“
Beidem, der Musik des Tangos und dem spielerischem Miteinander, hat sich das Duo Beltango verschrieben. Hinter dem Ensemblenamen stecken die Klarinettistin Annette Fischer und Akkordeonistin Karen Salewski. Beide Musikerinnen arbeiten und leben in Greifswald.
Auf ihrer CD mit dem malerischen Namen „Sterne über dem Meer“ widmen sie sich leidenschaftlich dem finnischen Tango. Jenem, der klar im Rhythmus und verführerisch einem leicht melancholischen Tone daherkommt. Doch was im Allgemeinen für die Tänzer stimmt, trifft auch auf die Musiker zu: Sie müssen passen, zusammenpassen, im feurigen Spiel zugleich den kühlen Kopf bewahren.
Beim Greifswalder Duo mag man nach dem Durchlauf der CD bedenkenlos den Repeatknopf drücken. Das Tangofieber lässt einen nicht los: weder im Kopf, noch in den Beinen. Ach ja – aller guten Dinge sind drei.
Hier nun der letzte Hinweis: Die „Sterne über dem Meer“ erhält man über folgenden Kontakt: 03834 / 50 31 74.
Geschrieben von Uwe Roßner
von Archiv | 15.04.2005
Aus dem Theater Vorpommern
Der Jubel des Publikums am Ende fünften Philharmonischen Konzerts wollte nicht abbrechen. Romely Pfund und das Orchester Vorpommern hatten sich ihn nach dem Beschließen des in dieser Spielzeit zu Ende gehenden Beethovenzyklus unter dem Motto „Natur und Tanz“ wahrlich verdient.
Der straffe Taktschlag der Dirigentin ließ in der sechsten und siebten Symphonie Beethovens keinerlei schwülstigen Pathos zu, sondern präsentierte die Partitur mit einer wohldosierten Portion Biss und Kantigkeit.
Zuletzt glänzte ja das Orchester im Greifswalder Hause mit der Loriot-Fassung von Richard Wagners „Ring der Nibelungen“. Den Sängern leuchteten vor Musizierlust die Augen und Rüdiger Bloch gab in der Rolle des Loriot die passenden Spitzen des trefflich zusammengestrichenen Gesamtkunstwerks.
Nach so viel Wettstreit zwischen Loriot und Wagner sei allen Besuchern des hiesigen Mußentempels Bernsteins „Candide“ empfohlen. Hier heißt es ‘Voltaire vs. Leibnitz’. Eine Produktion reich an Kostümen, ansprechendem Bühnenbild, knackiger Musik und genügend Philosophie. Denn was steckt eigentlich hinter der bestmöglichen aller Welten? Viel Theater. Ganz gewiss.
Geschrieben von Uwe Roßner