Alle Artikel mit dem Tag: Neonazis

Prozess gegen Marcus G. verschoben – Anklage gegen Daniel Ohm erhoben

Geschrieben von | Veröffentlicht am 18. Dezember 2013 um 06:00 Uhr

Atrikelbild-G-Prozess-mwUrsprünglich sollte am 16. Dezember im Greifswalder Amtsgericht der Prozess gegen den Greifswalder Neonazi Marcus G. stattfinden. Ihm wird vorgeworfen, am Rande einer NPD-Kundgebung einen Gegendemonstranten durch einen Tritt verletzt zu haben. Im Vorfeld rief das Bündnis “Greifswald Nazifrei” dazu auf, sich möglichst zahlreich zu versammeln, um gegen Neonazis und ihre Gewalt zu demonstrieren. Insgesamt erschienen über 100 Nazigegner.

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Neu verlegte Stolpersteine erinnern und mahnen

Geschrieben von | Veröffentlicht am 23. Mai 2013 um 14:55 Uhr

Neuer Stolperstein-David Vössing“Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist” – mit diesen Worten leitete Prof. Eckhard Schumacher, Prorektor für Forschung der Greifswalder Universität, die Wiederverlegung des Stolpersteines vor dem Gebäude des Historischen Instituts ein. Etwa 200 Menschen beteiligten sich am heutigen Mittwoch zur erneuten Verlegung der Stolpersteine in Greifswald. Sie wurden in der Nacht vom 8. zum 9. November 2012 von mutmaßlichen Neonazis aus den Straßen herausgerissen und sind seitdem spurlos verschwunden. Unmittelbar nach deren Entfernung wurde eine Spendenaktion für eine Wiederverlegung ins Leben gerufen, die auch vom Greifswalder Studierendenparlament unterstützt worden ist.

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Mit Lampions, Blockaden und Verbot gegen Nazi-Fackeln

Geschrieben von | Veröffentlicht am 5. November 2012 um 22:07 Uhr

Als zu Beginn dieses Jahres endgültig feststand, dass mehr Asylsuchende den Landkreis Vorpommern-Greifswald erreichen werden, wurde nach geeigneten Unterkünften gesucht. Die gab es Medienberichten des NDR zu Folge nirgendwo, außer in der Baustraße in Wolgast Nord. Der Block wurde leergezogen und die verbliebenen Mieterinnen und Mieter erhielten Ausweichangebote der Stadt. Einige, die seit Jahren von Hartz-IV abhängig sind, mussten in einen unsanierten Teilblock der Anlage an der Baustraße umziehen.

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Gedenken und Handeln statt Vergessen

Geschrieben von | Veröffentlicht am 28. Oktober 2012 um 21:12 Uhr

„Das Problem heißt Rassismus“ – unter diesem Motto riefen 20 Jahre nach den Pogromen in Rostock-Lichtenhagen Verbände und Vereine zu Gedenkveranstaltungen auf. Die größte war die Demonstration, zu der 6 000 Menschen kamen.

Das Sonnenblumenhaus

Immer mehr Menschen strömen auf den Bahnsteig der Rostocker S-Bahn am Hauptbahnhof. Das vorwiegend junge Publikum kommt zum Teil schon von der ersten Kundgebung auf dem Marktplatz oder ist gerade erst aus den verschiedensten Teilen der Republik mit Zug und Bus angereist. Eine neue Gedenktafel erinnert auf dem Markt an die Pogrome vor 20 Jahren. Es ist schon die zweite Tafel an dieser Stelle; die erste blieb nicht lange an der Wand. Sie wurde damals von den Mitgliedern der Gruppe „Söhne und Töchter der deportierten Juden“ ohne Genehmigung angebracht und deshalb wieder entfernt.

Die neue Tafel ist eine Kopie von vor 20 Jahren. Noch ist nicht klar, ob die Gedenktafel hängen bleiben darf. Heute sind Bahnsteig und vor allem die Waggons der Stadtbahn vollgestopft. Die Bahn kann den Fahrplan nicht einhalten, die Passanten reagieren verwundert auf den Ansturm. Manche sind sogar verärgert. So bleibt es zwei Stunden, denn die Demonstranten steigen hier bloß um. Sie wollen nach Rostock Lütten Klein.

Von dort soll die Demonstration nach Lichtenhagen starten. Das Ziel ist das Sonnenblumenhaus. Dieser Ort geriet vor 20 Jahren in die Schlagzeilen. In dem Außenbezirk der Hansestadt gab es damals neben der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber auch ein Wohnheim für vietnamesische Vertragsarbeiter. Beides lag direkt nebeneinander im Sonnenblumenhaus in der Mecklenburger Allee. Dann kochte das Fass über, im August 1992. In der Republik rumorte es, die große Politik in Bonn berateten über das Asylrecht. In Rostock redete damals niemand, aber einige Menschen handelten plötzlich.

Nun sind tausende nach Rostock gereist, um dieser Ausschreitungen oder eher: dieser Pogrome zu gedenken.

Die S-Bahn ist brechend voll. An den Zwischenhalten versuchen immer mehr Leute einzusteigen, doch am Ende müssen viele am Bahnsteig stehen bleiben. Ein Surfer mit seinem Brett wird wohl noch längere Zeit warten müssen, ehe er zum Strand kommt. Trotz der Enge ist eine friedliche Stimmung im Zug. Dann ist der Bahnhof Lütten Klein erreicht. Eine Passagierin aus dem Zug ist froh, als die Leute aussteigen. Was die Leute hier wollen, kann sie nicht nachvollziehen: „Manche Dinge muss man einfach ruhen lassen. Ich habe nur Angst, dass irgendetwas passiert und Sachen zerstört werden.“

Umstrittene Demonstration zum Gedenken

: Etwa 6000 Demonstranten sammelten sich auf der Wiese hinter dem Sonnenblumenhaus – dem zentralen Gedenkplatz der Woche – für eine Kundgebung.

Auf dem Bahnhofsvorplatz stehen bereits massenweise Menschen und mit jedem Zug kommen mehr dazu. Die Demonstration scheint aber noch nicht loszugehen. Flugblätter und ganze Zeitungen werden verteilt. Es wird aufgerufen, auch zu anderen Orten zu kommen, an denen in den 90ern Übergriffe auf Ausländer stattgefunden haben. „Entlarvt die Anstifter der Brandstifter – Oktoberfest, Hoyerswerda, Lübeck, Rostock, Mölln, NSU“, prangt auf einem Transparent. Orte, deren Name plötzlich nicht mehr für sich selbst steht, sondern für Rechtsextremismus und Ausländerhass. Für viele war Rostock-Lichtenhagen der Höhepunkt der Ausländerfeindlichkeit in den 90er Jahren und vor allem ist es für viele noch heute ein Schandmal in der Geschichte der Stadt. Aber nicht alle wollen daran erinnert werden: Gerade unter den Bewohnern sind viele der Meinung: dass die Geschichte einfach ruhen sollte.

Nicht so für die über 6 000 Demonstranten. Sie stehen hier, um auf das Problem aufmerksam zu machen: „Das Problem heißt Rassismus“, lautet das Motto. Passend dazu liegen Transparente mit der Aufschrift „Rassismus tötet“ auf dem Boden. Es geht also nicht nur um eine Demonstration oder Gedenken, sondern im Mittelpunkt steht das eigentliche Problematik: der Rassismus. Dennoch hat die Veranstaltung zu Diskussionen in der Stadt geführt.

Die Politik erstellte ein buntes Programm, um der vier Tage zu gedenken. Die gesamte Woche über war etwas los in Rostock: von Filmabenden, über Diskussionen, bis hin zu Konzerten. Aber eine richtige Demonstration war nicht wirklich erwünscht. So rief am Ende zum größten Teil die linke Szene dazu auf – was allerdings zu Sorgenfalten bei Anwohnern und Sicherheitskräften führte. Der so genannte „schwarze Block“ war auch vertreten und der ein oder andere daraus wohl auch auf handgreifliche Auseinandersetzungen vorbereitet. Es blieb die Zeit über größtenteils ruhig und friedlich.

Der Demonstrationszug setzt sich in Bewegung und es geht über eine Autobahnbrücke in Richtung Stadtteil Rostock-Lichtenhagen. Lange dauert es, bis der letzte vom Bahnhofsvorplatz loslaufen kann. Von den Lautsprecherwagen schallt Musik und regelmäßig ertönen Redebeiträge gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Einige Redebeiträge sind eher belangloses Herumgerede und andere wiederum bringen die Lage auf den Punkt: Das Problem im Land wird klar benannt und es lautet Rassismus.

Zwischen Musik und Stimmengewirr tönen immer wieder verschiedenste Parolen aus den Kehlen der Tausenden von Demonstranten. „Rassismus raus aus den Köpfen!“, doch kaum ein Unbeteiligter hört es. Die große Straße führt vorbei an einem Einkaufszentrum mit Kino. Doch abgesehen von den Demonstranten und der Polizei wirkt heute alles wie ausgestorben. Die Rufe verhallen im Nichts. Erst nach etwa einer Stunde erreicht der Demonstrationszug wirklich bewohntes Gebiet und es geht durch die Straßen von Rostock-Lichtenhagen. Durch den Bezirk, wo das schreckliche Ereignis vor 20 Jahren stattgefunden hat.

Der Schrecken in Lichtenhagen

Am 22. August 1992 entlud sich die angestaute Aggression vieler Menschen in Rostock. Doch so plötzlich war es gar nicht. Zuerst gingen Warnungen an die entsprechenden Behörden und die Ostsee-Zeitung druckte unzensiert einen Aufruf zu den Gewalttaten, die sich vier Tage lang in Lichtenhagen abspielen sollten. In den ersten zwei Tagen fielen jene Menschen dem Hass zum Opfer, die vor der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber campieren mussten, weil die Stelle total überlaufen war. Etliche von ihnen schliefen auf der Wiese – teilweise unter den Balkonen des Gebäudes und manche ganz ohne jeglichen Schutz über dem Kopf. Jeden Tag aufs Neue wurden sie zurückgewiesen, da keine Plätze für eine Aufnahme vorhanden waren.

Trotz der Warnungen, die an die Behörden gerichtet worden waren, passierte nichts, bis am 22. August 1992 die ersten Angriffe stattfanden. Hunderte von Menschen strömten nach Lichtenhagen und beteiligten sich teilweise aktiv oder manche passiv an den Übergriffen. Aus der gesamten Republik reisten bekannte rechtsextreme Personen an. Gruppen mit derselben Gesinnung verteilten Flugblätter und so kamen immer mehr Bürger, die sich an den Pogromen beteiligten. Oder sie standen daneben und jubelten oder hielten die Polizei davon ab, an Ort und Stelle zu arbeiten. Die Polizei hatte neben der Behinderung durch die Bürger auch noch zu wenige Kräfte vor Ort, um einzugreifen, was ein Handeln ihrerseits immer mehr erschwerte.

Erst nach zwei Tagen schien sich die Lage etwas zu beruhigen, denn die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber wurde geräumt. Doch mit den Übergriffen war es noch nicht genug: an den darauf folgenden Tagen griffen die Bürger das Wohnheim für vietnamesische Vertragsarbeiter – nur einen Aufgang weiter – an und warfen Brandsätze durch die Fenster. Über 100 Menschen wurden in dem brennenden Haus eingeschlossen. Die beängstigenden Bilder des ZDF-Teams, das mit im Gebäude war, gingen um die Welt. Auch bei diesen Angriffen wurden die Polizei und die Feuerwehr an ihrer Arbeit gehindert. Für die eingeschlossenen war es Glück, dass sie in der Feuerfalle überlebten. Ein paar von den damals Betroffenen waren bei der diesjährigen Gedenkveranstaltungen dabei.

Krtik am Handeln der Politiker

Während der bunte Menschenzug 20 Jahre danach durch den Stadtteil zieht, wird es immer unverständlicher, wie das alles geschehen konnte. Vor allem aber bleibt die Frage stehen, wie bei solchen Taten einfach zugeschaut werden kann – damals wie heute. Die Einstellung mancher Bewohner ist an ihren Gesichtsaudrücken abzulesen, während tausende Demonstranten an ihren Häusern vorbeiziehen. „Lasst uns hier in Ruhe!“ oder „Zu diesem Thema möchte ich nichts sagen!“, hört man die Bewohner in verschiedene Kameras sagen. Das deutliche Desinteresse in dem Bezirk ist zu spüren. Hier scheint das Motto „Vergessen statt Gedenken“ vorzuherrschen. Doch die Demonstranten lassen sich nicht von ihren Gedanken abbringen, warum sie durch die Straßen ziehen. Trotz böser Blicke von den Balkonen geht es immer weiter bis auf die Wiese hinter dem Sonnenblumenhaus.

Dort ist bereits ein Zirkuszelt aufgebaut, in dem verschiedenste Veranstaltungen in der Woche stattfanden. Und auch eine Bühne steht bereit, wo einen Tag nach der Demonstration Bundespräsident Joachim Gauck eine Rede halten soll. Dies soll gleichzeitig der Abschluss der Gedenkwoche sein. Ein gepflanzter Baum soll zudem ein bleibendes Zeichen setzen. Genau genommen wurde es schon gesetzt, denn die Eiche steht bereits und wird von der Polizei bewacht. Aber warum muss dieser Baum überhaupt bewacht werden, wenn es doch ein Zeichen der Versöhnung und des Gedenkens sein soll?

Viele Menschen aus der linken Szene kritisieren, dass der ausgewählte Baum ausgerechnet eine „Deutsche Eiche“ sein muss. Hätte es nicht auch eine jede andere Baumsorte sein können, wo doch ausgerechnet Deutsche Bürger diese Übergriffe vor 20 Jahren begangen haben. Dabei lautet eine ihrer Parolen die sie den gesamten Tag schon rufen: „Nazis gehen über Leichen. Und was macht Deutschland? Es pflanzt Eichen.“

Die Demonstranten vermissen bei der Politik die eigentliche Beschäftigung mit dem Problem. Die Frage bleibt, ob es Wichtigeres gibt, als sich um eine Baumsorte zu streiten. Bei so etwas hat wohl jeder eine eigene Ansicht in dem vielen Hin und Her. Was allerdings Fakt ist: Der Baum stand nur noch wenige Tage vor dem Sonnenblumenhaus. Dann wurde er in einer Nachtaktion abgesägt.

Auf der Wiese findet eine Zwischenkundgebung statt, bevor die Demonstration auf der Mecklenburger Alle zum Ende kommt. Einige Redebeiträge mit Danksagungen an die vielen Teilnehmer folgen und es wird dazu aufgerufen, auch an den anderen Orten den Opfern zu gedenken und auf das Problem aufmerksam zu machen. Heute ist das zu Teilen gelungen – vielleicht weniger bei den Bürgern im Bezirk Rostock-Lichtenhagen, aber auf jeden Fall mit der medialen Aufmerksamkeit in der Republik. Langsam zieht es alle in Richtung Bahnhof und zu den Bussen. Die Demonstranten aus allen möglichen Regionen fahren wieder nach Hause. Aber das Motto bleibt: „Das Problem heißt Rassismus.“

Haben die Randalierer von damals gewonnen?
Auf den Tag genau 20 Jahre später stehen wir hier, unsicher, was wir empfinden sollen neben Abscheu gegenüber so viel Hass und Gewalt. Trauer, weil in einem demokratischen Land mit derart vielen Rechten für die einzelne Person immer noch das Gedankengut der damaligen Täter zu finden ist? Erleichterung, weil dieses Gedankengut langsam aber stetig auf dem Rückzug ist? Ungläubigkeit, auf Grund der zeitweiligen Kapitulation der Exekutive vor dem Pöbel? Oder doch Freude über die Lehren, die das ganze Land aus dieser Beinahe-Katastrophe gezogen hat?

Für mich bleibt die Frage: Haben die Randalierer von damals gewonnen? Wenn eine Frau vergewaltigt wird, und der Täter behauptet, das Opfer hätte es durch aufreizende Kleidung etc. herausgefordert, nimmt ihn niemand für voll. Warum aber zieht diese Masche dann, wenn ein paar Hohlraumdübel sich ihren Frust von der Seele prügeln und zündeln?

Voller Grauen schaute die Welt im Herbst 1992 auf ein neues altes Deutschland. Überhaupt schauten alle zu: Die Anwohner, die Polizei, die Medienvertreter – alle schauten zu, aber niemand schritt ein. Teilweise halfen die Medien sogar bei der Koordination der Ausschreitungen. So druckte die Ostseezeitung kommentarlos Drohungen rechtsgerichteter Jugendlicher gegen Asylsuchende ab. Die Bild hetze monatelang gegen die „Asylanten“ und auch seriösere Medien schmückten sich nicht gerade mit Ruhm. Dies war definitiv keine Sternstunde der Presse. Als Konsequenz der Ausschreitungen von Lichtenhagen, Mölln und auch Greifswald, wurde im Mai 1993 das Grundrecht auf Asyl extrem beschnitten.

Sind wirklich die Asylsuchenden schuld gewesen an dieser Eskalation? Ich denke nicht. Das Problem war – und ist immer noch – ein gesellschaftliches Problem: So lange wir als Gesellschaft nicht sicher stellen können, dass es kein zweites Lichtenhagen gibt, so lange muss der Gesetzgeber den einzigen Faktor, den er in dieser gesellschaftlichen Gleichung wirklich kontrollieren kann, streng limitieren – nämlich die Anzahl der Asylbewerber.

Somit sind wir alle gefordert, wenn es darum geht, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit zu bekämpfen. In dem Moment, in dem das kleine Grüppchen Nationalisten keine Duldung mehr erfährt von der Masse, in dem Moment verpufft seine Kraft und das Übel könnte sich in Luft auflösen. Insofern haben die Randalierer nicht gewonnen, sie haben der Welt nur ihr hässliches Gesicht gezeigt, so dass sie heutzutage umso leichter erkannt werden.

Eine Reportage von Johannes Köpcke mit einem Kommentar von Erik Lohmann

Greifswald: Stadt und Uni gedenken der Opfer des Neonazi-Terrors

Geschrieben von | Veröffentlicht am 22. Februar 2012 um 17:52 Uhr

Neun Migranten, eine Polizistin, mehrere Banküberfälle. Das über 13 Jahre hinweg betriebene Morden des Zwickauer Neonazi-Terror-Trios hinterließ Entsetzen innerhalb der deutschen Bevölkerung. Die Tatsache, dass einer der Mörder eine Zeit lang Verbindungsmann des Verfassungsschutzes war, warf neue Fragen auf und rief heftige Kritik und Vorwürfe hervor, die Regierung sei auf dem rechten Auge blind.

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Antirechte Aktivisten stören Vorlesung

Geschrieben von | Veröffentlicht am 2. November 2011 um 07:05 Uhr

Eine Gruppe antirechter Aktivisten hat gestern eine Vorlesung des Fachs Politikwissenschaft gestört, um einen an der Vorlesung teilnehmenden mutmaßlichen Rechtsextremen zu “enttarnen”. Die knapp 20 Aktivisten, die sich gegenüber dem webMoritz als “loser Zusammenschluss antifaschistischer Menschen” bezeichneten, waren betont bunt verkleidet. Teilnehmer der Vorlesung berichteten dem webMoritz, die Aktivisten seien mitten in die Veranstaltung geplatzt, hätten Transparente gezeigt, Konfetti verstreut und ein Flugblatt veteilt, dessen Inhalt sie auch per Megaphon verlesen hätten.

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NPD-Demo-Verbot aufgehoben – 1.000 Polizisten werden eingesetzt

Geschrieben von | Veröffentlicht am 30. April 2011 um 14:51 Uhr

Der juristische Streit um den geplanten Aufmarsch der NPD hat nun ein Ende. Wie das Oberverwaltungsgericht Greifswald  Freitag Vormittag mitteilte, wurde das von der Stadt Greifswald verhängte und dem Verwaltungsgericht Greifswald bestätigte Verbot aufgehoben. “Anders als das Verwaltungsgericht hat das Oberverwaltungsgericht eine Strafbarkeit des Mottos ‘Unsere Heimat – Unsere Arbeit! Fremdarbeiterinvasion stoppen!’ nicht zu erkennen vermocht”, so das Urteil der Justiz.

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300 Teilnehmer protestieren gegen rechte Gewalt

Geschrieben von | Veröffentlicht am 29. April 2011 um 14:28 Uhr

Nachdem das Marktgeschrei sich über den zentralen Platz der Stadt Greifswald gelegt hatte, versammelten sich am frühen Abend des 28. Aprils erneut zirka 300 Menschen. Sie machten auf einer Kundgebung gegen rechte Gewalt ihren Unmut über die Gewaltexzesse, die mutmaßliche Neonazis vom 26. zum 27. April in Greifswald und Alt-Ungnade veranstalteten, Luft.

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Nazis müssen draußen bleiben

Geschrieben von | Veröffentlicht am 6. April 2011 um 14:18 Uhr

Die Planungen von Protestaktionen gegen den nahenden Neonaziaufmarsch am 1. Mai nehmen immer mehr Gestalt an. Etwa 70 Leute fanden sich am vergangenen Dienstag um 17 Uhr im Saal der Bürgerschaft des Rathauses zusammen, um die Vorbereitungen für die Protestaktionen weiter reifen zu lassen. Für einen der Anwesenden fand die Veranstaltung jedoch ein jähes Ende, weil er unmittelbar vor Beginn der Veranstaltung von einem Versammlungsteilnehmer als NPD-Mitglied erkannt wurde, wie während der Sitzung von Oberbürgermeister Dr. Arthur König zu erfahren war. Die Person wurde umgehend “von der Polizei entfernt.”

Ulf Dembski möchte nicht zu Blockaden aufrufen.

Neonazi vor allem im studentischen Milieu unterwegs

Bei dem mutmaßlichen Neonazi soll es sich nach Angaben der Greifswalder Antifa um Marcus G. handeln, der bereits in der vergangenen Woche auf der Sitzung anwesend gewesen sein soll. G., der unter anderem als Teilnehmer von NPD-Demonstrationen gesichtet wurde, war nach Beobachtungen der Antifaschistischen Aktion auch  bei drei Veranstaltungen der 24-Stunden-Vorlesung im vergangenen Herbst anwesend. So wurde er unter anderem auch bei der vom webMoritz organisierten Podiumsdiskussion „Rechtsextremismus – Nur ein Phänomen?“ gesehen. Ebenfalls aufgetaucht sein soll er bei der von der DGB-Hochschulgruppe organisierten Veranstaltung „Saufen, Schlagen, Seilschaften“, einem Informationsabend über studentische Verbindungen. Zudem sei G. auch im Zusammenhang mit der Abstimmung um den Namenspatron Ernst Moritz Arndt in Erscheinung getreten.

Werden die Informationen der Greifswalder Antifa mit der Berichterstattung auf dem einschlägig bekannten Internetauftritt der Greifswalder Rechtsextremen verglichen, so ist es nicht auszuschließen, dass G. zum Kreis der “Nationalen Sozialisten Greifswald” gehört. Die rechtsextremistische Gruppe machte in der Vergangenheit unter anderem durch Hetzpropaganda gegen Homosexuelle im Rahmen der Antihomophobie- und Sexismuswoche des Allgemeinen Studierendenausschusses auf sich aufmerksam.

„In Greifswald gehört es zur Strategie der Neonazis auf zivilgesellschaftlichen Veranstaltungen aufzutauchen, um Informationen über lokale Anti-Rechts-Aktivisten zu sammeln“, weiß Claudia Schneider, Pressesprecherin der Greifswalder Antifa. „Dahinter steckt der Versuch, Menschen, die gegen Neonazis aktiv sind, einzuschüchtern. Insofern ist es ein wichtiges und notwendiges Signal, aktive Neonazis von solchen Veranstaltungen auszuschließen“, hebt Schneider im Folgenden in der Pressemitteilung hervor.

Gegendemonstration angemeldet

Nachdem der mutmaßlich braune Wolf im Schafspelz des Saales verwiesen worden war, begann die Diskussion über das Durchführen einer Gegendemonstration. Bernd Biedermann, der bereits 2001 die Freitagsrunden leitete, meldete beim Ordnungsamt eine entsprechende Gegendemo für den 1. Mai um 9 Uhr an, über dessen Route im Anschluss eifrig diskutiert wurde. Ebenfalls thematisiert wurde unter anderem von Michael Steiger (Die Grünen) und der evangelischen Jugend die Frage nach einem Aufruf zu Sitzblockaden.

Während Ulf Dembski (SPD)  nicht zu einer Gegendemo aufrufen will, in der das Wort „Sitzblockade“ steht, machte sich Mignon Schwenke (Die Linke.) dafür stark „zu friedlichen Aktionen jeglicher Art“ aufzurufen. Das Motto solle nicht „keine Blockaden“ lauten. Juraprofessor Frieder Dünkel, Prorektor der Greifswalder Universität, sieht in dem Aufruf zu Sitzblockaden eine Gefährdung der friedlichen Demonstration und schlägt stattdessen einen allgemeinen Aufruf vor. Während die Anwesenden im Saal der Bürgerschaft über den Aufruf zu Sitzblockaden gespaltener Meinung zu sein scheinen, ruft bereits seit zwei Tagen ein parallel zum Bürgerbündnis entstandenes Bündnis „Greifswald Nazifrei!“ dazu auf.

Das Bündnis "Greifswald Nazifrei" ruft dazu auf, am 1. Mai sitzen zu bleiben.

„Wir wollen, dass die Nazis am 1. Mai auf einen breiten, zivilgesellschaftlichen Widerstand stoßen, um ihnen klar zu machen, dass sie und ihre Ideen weder in Greifswald noch anderswo erwünscht sind oder geduldet werden. Darum will das Bündnis Greifswald Nazifrei, an diesem Tag mit friedlichen aber entschlossenen & massenhaften Menschenblockaden den Naziaufmarsch in Schönwalde verhindern. Wir rufen unter dem Motto „Nazis blockieren! … bitte setzen“ alle Menschen dazu auf, sich an den Blockadeaktionen zu beteiligen und somit den Nazis keinen Platz für die Verbreitung ihrer menschenverachtenden Ideologie zu gewähren. Von den Blockaden wird keine Gewalt ausgehen und wir erklären unsere Solidarität allen Menschen, die sich dem NPD-Aufmarsch entgegenstellen!“, heißt es im Aufruf des antifaschistischen Bündnisses. Ziel der Blockade ist es, „Neonazis deutlich zu zeigen, dass in  einer Stadt wie Greifswald kein Platz für sie ist.“

Fotos: Carsten Schönebeck/ Archiv (Ulf Dembski), Robert Fischle/ jugendfotos.de (Aufmacher)

Anmerkung der Redaktion: An dem Artikel wurden inhaltliche Korrekturen vorgenommen.

 

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