von Florian Bonn | 18.05.2011

Das australische Uranbergwerk Ranger
Befürworter der Atomkraft preisen diese oft als saubere und umweltfreundliche Alternative zu anderen Formen der konventionellen Energiegewinnung an. Tatsächlich ist die eigentliche Stromerzeugung CO2 neutral. Im öffentlichen Bewusstsein spielen vor allem die nachgelagerten Probleme, die bei der Aufbereitung und Lagerung verbrauchter Brennelemente entstehen eine Rolle. (mehr …)
von Gastautor*in | 02.05.2011
Ein Gastbeitrag von Christine Quasdorf
Am vergangenen Dienstag jährte sich die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zum 25. Mal. Diesen Jahrestag, aber auch die Atomkatastrophe in Japan und die anhaltende Debatte um die Castor-Transporte nach Lubmin nahmen die Evangelischen Kirchengemeinden zum Anlass, um das Pro und Contra der Atomkraft zu diskutieren.
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von Christine Fratzke | 14.03.2011
Die Ereignisse in Japan hinterlassen ihre Spuren, die Reaktorvorfälle in den Atomkraftwerken geben nicht nur der Bundesregierung zu denken. Die Anti-Atom-Bewegung erhält einen neuen Schub und auch die Bürger äußeren ihren Unmut. So versammelten sich am 14. März in über 450 deutschen Städten Menschen an Mahnwachen, um ihrer Ablehnung Atomkraft unter dem Motto „Fukushima ist überall“ gegenüber Ausdruck zu verleihen. Bundesweit waren es laut Veranstalter über 110.000. Auch in Greifswald fand am frühen Abend eine Mahnwache statt, ebenso in anderen Städten in Mecklenburg-Vorpommern, unter anderem in Stralsund, Neubrandenburg, Rostock und Schwerin.

Greifswalder verteilen Kerzen vor dem Banner.
Über 150 Greifswalder versammelten sich auf dem Marktplatz der Universitäts- und Hansestadt: Familien mit Kindern, Studierende, politisch Aktive und einige Gesichter aus der Hochschulpolitik, wie die AStA-Referentin für Ökologie Stefanie Pfeiffer, waren gekommen. Sie legten ihre Kerzen am neongelben Transparent, auf dem „Strahlen kennen keine Grenzen“ steht, nieder.
Für die kommende Zeit sind weitere Demonstrationen geplant: Am 26. März werde es laut Veranstalter des Anti-Atom-Bündnisses in Berlin, Hamburg und Köln Großdemonstrationen geben. Auch für den 25. Jahrestag des Tschernobyl-Unglücks am 25. April sind Aktionen geplant, an 13 Atomkraftwerken und Atommüll-Standorten soll für die sofortige Stilllegung protestiert werden.
Fotos: Christine Fratzke
von moritz.magazin | 06.10.2010
Das Zwischenlager Nord nahe Lubmin erwartet in den nächsten Monaten radioaktiven Müll aus Südfrankreich und Karlsruhe

Das stillgelegte Atomkraftwerk Greifswald in der Nähe von Lubmin aus der Luft
Laute Sirenen tönen und fiepen bis in jede Synapse der Ohren. Mit viel Druck ertönt während des Störgeräusches eine undeutliche dröhnende Frauenstimme: „Bitte verlassen Sie sofort das Gelände“ oder ähnliches ist noch knapp verständlich in der 28000 Quadratmeter großen Halle, die von grauen, ungeheuerlich wirkenden – zehn Meter großen – Betonwänden umgeben ist. Blaue Riesenquader sind bis zu Vierer-Reihen aufeinander gestapelt. Gelbe Tonnen mit dem radioaktiven Warnsymbol stehen geordnet in Reih und Glied. Steriles grelles Licht beleuchtet das Innere der überdimensionalen Halle, welche am Rand des Naturschutzgebiets Lubminer Heide liegt. In direkter Nachbarschaft ragen die großen tristen Quaderblöcke des abgeschalteten Kernkraftwerks bei Lubmin in den Himmel. Von dort werden abgebrannte Brennelemente und andere – mit Strahlung kontaminierte – Maschinenteile in das eigens dafür angelegte Zwischenlager Nord (ZLN) transportiert, damit sie dort abgeschottet von der Außenwelt ausstrahlen können und einen Großteil ihrer Strahlung verlieren.
Während alle, die sich im ZLN befinden, eine ebenso grau in grau wirkende Tür öffnen und sich vor dem grollenden Warnsignal im Umkleideraum sichern, verbietet das Feueralarmgeräusch jegliche Konversationen. Am Kontrollpunkt zum ZLN wirkt die Situation entspannt, es scheint offensichtlich, dass Begebenheiten wie diese Routine sind bei den Mitarbeitenden. Es wird gelacht, sich ausgetauscht, eine Zigarette geraucht, bis der Alarm vorbei ist. Es käme öfter vor, dass Probealarme stattfinden, erfahren wir während des gemeinsamen Abwartens. Allerdings nur Fehlalarm, wie Marlies Phillip, Pressesprecherin der Energiewerke Nord GmbH (EWN) uns später mitteilen wird. (mehr …)
von Gabriel Kords | 03.08.2009
Wenn heute in Deutschland von der Stadt Greifswald die Rede ist, verbinden die meisten damit höchstens die hiesige Universität. Die gab es zwar auch zu DDR-Zeiten, damals war es aber noch eine zweite Einrichtung, die viele DDR-Bürger mit der Stadt am Bodden assoziierten: Das Greifswalder Kernkraftwerk. Die Energiefabrik, die sich eigentlich in Lubmin, knapp 25 km entfernt von Greifswalds Stadtzentrum, befand, deckte in den 80er Jahren etwa 10% des Strombedarfs der DDR und war das größte Kernkraftwerk in den heutigen neuen Bundesländern.

Vom Hafen aus realisiert man besonders gut die enorme Größe des Kraftwerks mit seiner endlos langen Maschinenhalle.
Dass das Kraftwerk seit Mitte der 90er Jahre zurückgebaut wird, wissen die meisten. Es ist in den Medien immer wieder ausführlich thematisiert worden, zum Beispiel hier und hier und hier. Auch dass es vor Ort ein Zwischenlager mit rätselhaften Zukunftaussichten gibt, ist vielen bekannt. Dass aber einer der insgesamt acht geplanten Reaktoren noch größtenteils existiert und besichtigt werden kann, ist indes auch im nahen Greifswald nicht unbedingt bekannt. Die bundeseigene Gesellschaft „Energiewerke Nord“ (EWN), die mit dem Rückbau des Kraftwerkes betraut ist, führt Besucher auf Anfrage durch den alten „Block 6“ – in der Regel zwei Mal täglich.
So alt ist Block 6 allerdings gar nicht: Er wurde in den achtziger Jahren gebaut, doch noch vor seiner Fertigstellung kam die Wende. Das Projekt wurde umgehend auf Eis gelegt – das Vertrauen in Reaktorbau nach sowjetischen Muster war spätestens seit der Tschernobyl-Katastrophe 1986 zerstört, zu gravierend war die Rückständigkeit der Sicherheitstechnik. (mehr …)