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Eroeffnung_Neue_Mensa_14x-Simon-VoigtEin Bericht von Marie Wieschmann & Friederike Haiser

Sowohl Studenten als auch Mitarbeiter der Universitätsmedizin besuchen unsere neue Mensa. Oftmals erscheinen die Angestellten des Krankenhauses in ihrer Berufskleidung – Ein Anblick, der vielen Studenten zuwider ist. Welche Kleidung schreiben die Hygienevorschriften des Klinikums bei einem Mensabesuch vor? Besteht ein Infektionsrisiko für Studenten oder Patienten des Krankenhauses?

Endlich habe ich die Warteschlange überwunden und stelle verärgert fest, dass der Salat immer noch abgewogen und vollkommen überteuert verkauft wird. Hätte ich doch weniger Oliven genommen. Neben einem Chefarzt in weißem Kittel entdecke ich einen freien Platz und setze mich. Hastig stochert er in seinem Erbseneintopf. Seine dunklen Augenringe lassen vermuten, dass bereits ein langer Arbeitstag hinter ihm liegt. Wen hat er wohl zuletzt behandelt? Gerät er mit Keimen in Kontakt und trägt gefährliche Erreger an seinem sauber erscheinenden Arbeitskittel?

Seit der Eröffnung im Oktober letzten Jahres speisen sowohl Studenten als auch Angestellte des benachbarten Uniklinikums in der neuen Mensa am Berthold-Beitz-Platz. Letztere verbringen die Mittagspause oftmals in ihrer Berufskleidung. Viele Studenten empfinden die Kombination von Kasacks und Kartoffeln als unhygienisch und unästhetisch. Auch ich überlege, ob mir der Appetit auf meinen sorgfältig zusammengestellten Salat nicht schon vergangen ist.

Vom Klinikum in die Mensa ist es nicht weit.

Vom Klinikum in die Mensa ist es nicht weit.

„Oft müssen wir unsere privaten Sachen in Schließfächern auf anderen Stationen einschließen. Bei einer halbstündigen Pause fehlt die Zeit für lange Laufwege. Es ist einfach nicht möglich, sich an die Hygienevorschriften zu halten“, erklärt eine Medizinstudentin, die momentan ihr Praktisches Jahr absolviert. Doch welche Kleidung schreibt die offizielle Hygieneverordnung des Uniklinikums für einen Mensabesuch vor? Um den Nebel aus grünen Kasacks, weißen Kitteln und gelben Schutzumhängen zu lichten, traf sich der webMoritz mit dem Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin, Herrn Prof. Dr. med. Axel Kramer und dem Vorsitzenden des Personaldezernats, Hinrich Rocke.

Gültige Kleidungsvorschriften

Zunächst müsse zwischen Berufs-, Bereichskleidung differenziert werden. Ein weißer, kurzärmliger Kasack, die dazugehörige Hose sowie der Arztkittel (halb- oder kurzärmlig) entsprechen der sogenannten Berufskleidung. Diese Arbeitsuniform darf in der Mensa getragen werden, sofern kein akutes Ansteckungsrisiko, beispielsweise durch Blutspritzer, besteht. Die Hygienevorschrift besagt, dass die Berufskleidung mindestens zweimal in der Woche durch einen Desinfektionswaschgang im Klinikum gereinigt werden muss. Axel Kramer konnte wissenschaftlich belegen, dass Freizeitkleidung deutlich mehr Bakterien trägt, als die Berufsgarderobe der Klinikmitarbeiter.

Der Kontakt zur weißen Berufskleidung der Krankenhausmitarbeiter birgt demnach weder für Patienten des Klinikums noch für Besucher der Mensa ein über Alltagssituationen hinausgehendes Infektionsrisiko. Herr Rocke fügt hinzu: „Unsere Mitarbeiter müssen jedoch einen Schutzkittel über der Berufskleidung tragen, auch wenn das aus hygienischen Gründen möglicherweise nicht zwingend notwendig ist. Die Gefahr, seinen weißen Kittel beim Essen zu beschmutzen, ist sehr groß. Es ist uns wichtig, dass unsere Mitarbeiter ein einheitliches, gepflegtes Erscheinungsbild hinterlassen. Ein befleckter Arztkittel gehört nicht dazu.“

Axel Kramer und Hinrich Rocke.

Axel Kramer und Hinrich Rocke.

Nicht betreten werden darf die Mensa hingegen in der Bereichskleidung. Die grüne beziehungsweise blaue Garderobe darf ausschließlich auf speziellen Stationen, wie der Intensivstation oder den OP-Sälen getragen werden. Bei einem Stationswechsel innerhalb des Krankenhauses ist das Umlegen eines Schutzumhanges erforderlich. Für einen Mensabesuch muss somit ein Kleidungswechsel in Berufs- oder Freizeitgarderobe vorgenommen werden.

Doch warum werden die Hygienevorschriften nicht von allen Mitarbeitern eingehalten? In der Theorie gibt es eine allgemein zugängliche Belehrung im Intranet des Klinikums. In der Praxis scheitert die Umsetzung der Anweisungen an dem bereits erwähnten Zeitproblem und einem fehlenden Verständnis der Vorschriften. Da Kramer diese Unklarheiten bekannt sind, fertigte er eine Zusammenfassung der Hygieneverordnung an, die künftig in der Mensa aushängen wird.

Alternativen gegen hygienischen Regelverstoß

Welche Lösungsvorschläge gibt es, um das Misstrauen der Studenten und die Unsicherheit der Mitarbeiter zu reduzieren? Zum einen könnten Desinfektionsspender, wie sie bereits in der Unibibliothek vorhanden sind, auch in der Mensa installiert werden. Der Hygieneprofessor Kramer betont, dass die regelmäßige Desinfektion der Hände zu einem nachweislich geringeren Erkrankungsrisiko führt. Nicht die Kleidung sei die Keimfalle: Magen-Darm-Infektionen, Atemwegerkrankungen und Erkältungen werden vor allem durch die Hände übertragen. Zur guten Vorbildwirkung meidet Kramer deshalb prophylaktisch den Händedruck mit sämtlichen Krankenhausmitarbeitern.

Eine zeitsparende Alternative zum Kleidungswechsel würde eine Essenlieferung in die zum Risikobereich gehörigen Gemeinschaftsräume darstellen. Dagegen sprechen sowohl logistische Probleme, aber auch, das während der Mittagpause im Klinikum nicht mehr viel Privatsphäre bleibt.

Unbegründete Sorgen?

Während ich die Oliven aus meinem Salat picke, wird mir bewusst, dass mein T-Shirt wahrscheinlich mehr Infektionserreger trägt, als der strahlend weiße Kittel des Arztes. Ich kann verstehen, dass die Berufsgarderobe der Klinikmitarbeiter zu unangenehmen Krankenhausassoziationen führen kann, jedoch ist die Sorge um eine eventuelle Ansteckungsgefahr unbegründet. Bei grünen und blauen Kasacks ist ein Stirnrunzeln hingegen mehr als angemessen.

Fotos: Simon Voigt (Titel, Mensa), Friederike Haiser (Kramer und Rocke)

Kommentare

  1. Froschsalat    

    Ich habe noch nie einen halb- oder kurzärmligen Arztkittel gesehen, sondern nur langärmlige.
    Langärmlige Arztkittel sind mir der Graus, denn die Realität zeigt, dass ärztliche Untersuchungen teilweise mit langärmligen Kittel durchgeführt werden (eigentlich müsste er abgelegt werden) und mit vollgestopften Taschen lange auf der Station hängen. Ich verstehe nicht, warum diese überhaupt noch erlaubt sind. Kurze Ärmel sollten im KH für patientennahe Berufe Standard sein. Das Mitarbeiter, die Hygienevorschriften missachten und beispielsweise Isolationszimmer (z.B. MRSA) einfach so betreten, lebendige Keimschleudern sind, ist ein offenes Geheimnis.

    Wenn dann noch das standesgemäß um den Hals getragene Stethoskop in der Suppe bammelt, wird es langsam ekelig.

    An dieser Stelle noch der Hinweis auf die Rechtschreibung: "ärmlig" versus "ärmlich" (1:0)

  2. Oliver Wunder    

    In der kleinen Mensa war das Klinikpersonal auch bis zur Eröffnung der neuen Mensa Ende letzten Jahres in Arbeitskleidung essen. Das ist nicht so neu, wie es vielleicht Zeilen suggerieren.

    1. dimic    

      soviel des schlimmeren.

    2. floordress    

      Sehr richtig.
      Allerdings gab es damals auch ein Schild, dass das Tragen von Krankenhausmitarbeiterkleidung untersagt wurde.

  3. dimic    

    „Oft müssen wir unsere privaten Sachen in Schließfächern auf anderen Stationen einschließen. Bei einer halbstündigen Pause fehlt die Zeit für lange Laufwege. Es ist einfach nicht möglich, sich an die Hygienevorschriften zu halten“

    Die gleiche Argumentation wird auch in der Bettenaufbereitung vertreten.
    Aus Zeitmangel wird z.T. auf das Anlegen von Schutzkleidung verzichtet und so sitzt man im Gemeinschaftsraum mit der verseuchten Kleidung am Tisch.

    Ungeachtet des Wahrheitsgehaltes der Argumentation – Klinikleitung und Stationen sind Hauptverantwortlich für diesen Zeitmangel und den generellen logistischen Irrsinn – ist das Risiko nicht weniger real.

    Stationen vergessen manchmal, Patientenzimmer zu Kennzeichen, wenn Verdacht auf multiresistente Keiminfektion besteht. Die in diesem Fall zusätzlich angeordneten Sicherheitsmaßnahmen fallen dann eben unter den Tisch.

    "nützt ja nichts, muss doch fertig werden" war i.d.R. die Reaktion, wenn ich diesen Zustand beklagt habe.

    Erwähnte ich schon, dass oftmal mehrere Patienten nacheinander dieselben Kissen und Decken verwenden müssen (unwissentlich, natürlich)?

    Leider sind die lieben Leute in den Verantwortlichen Bereichen der Krankenhausverwaltung multiresistent gegen Beratung.

    Es bleibt nur dringend zu hoffen, dass weiterhin alles gut geht…

    …aber die Hoffnung trägt ein rotes Mäntelchen.

  4. bartante    

    zum thema "unästhetisch": der kleidungsstil vieler studenten bewirkt auch nicht gerade heißhungerattacken, außer vielleicht auf muffins.
    und was die keime betrifft… hier meckern garantiert nur diejenigen, die sich vor dem essen nicht die hände waschen und fröhlich mit dem geld in der tasche klimpern, sich dann nochmal mit dem handrücken die nase abwischen um dann gemeinsam aus einer flasche zu trinken und sich darüber aufzuregen, dass auch arbeitender bevölkerung in der mensa einlass gewährt wird. nehmt doch mal bitte den balken aus dem auge und den stock aus dem arsch.

    1. FloBonn    

      die keimzahl an sich zu betrachten ist vollkommend schwachsinning. es kommt darauf an, was für keime drauf sind und da ist die wahrscheinlichkeit, dass sich auf klinik berufskleidung wirklich gefährliche keime befinden um welten größer als bei normaler kleidung. deutsche kliniken haben ein massives problem mit multiresistenten keimen und da spielt mangelhafte hygiene eine große rolle, von daher ist es selbstverständlich kritisch zu betrachten, wenn klinikkleidung aus der klinik herauskommt.

    2. Froschsalat    

      Schon mal multiresistente Keime auf einem Geldstück nachgewiesen? Es geht nicht darum, arbeitenden Menschen das Essen zu verweigern, sondern die offensichtlichen Probleme zu thematisieren. Mehrere Desinfektiomaten a la Bibo im Eingangsbereich wären ein guter Anfang. Im Klo der "alten" Mensa am Schießwall gibt's oft nicht mal Seife. So viel zu den Muffins.

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