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Vergangene Woche wurde das neue Studierendenparlament gewählt. Jasmin Dinter von der Grünen Hochschulgruppe konnte die meisten Stimmen gewinnen. Anteilsmäßig erhielten die unabhängigen Kandidaten die meisten Stimmen. 14,4 Prozent der Studierendenschaft nahmen ihr Recht zur Mitbestimmung wahr und beteiligten sich an dieser Wahl. Es folgt ein genauerer Blick auf das Ergebnis.

Die Wahlbeteiligung bewegt sich konstant auf einem sehr niedrigen Niveau. Aufgerufen waren 12859 Studierende, gewählt haben 1852. Das sind mit 14,4 Prozent zwar knapp 6 Punkte mehr als 2011, jedoch liegt die Partizipation der letzten neun Wahlen seit 2004 (einschließlich dieser) im Schnitt bei 12,13 Prozent, womit keine Trendwende zu erkennen ist. Das Interesse an der Hochschulpolitik ist weiterhin sehr niedrig. Der einzige Ausreißer ist die Wahl 2010, wo sich 21,3 Prozent der Studierenden zur Wahlurne aufrafften. (Alle Daten von stupa.uni-greifswald.de)


Nur wenige Kandidaten

32 Kandidaten bewarben sich um einen der 27 Plätze im Studierendenparlament. Somit war die Chance, einziehen zu können, außerst hoch und eine Kandidatur hatte mit großer Wahrscheinlichkeit auch ein Mandat zur Folge. Jeder wahlberechtigte Studierende hatte drei Stimmen, von denen er eine pro Kandidat verteilen konnte. Bei 1790 gültigen Stimmzetteln hätten aber insgesamt mehr Stimmen zusammen kommen können, als die tatsächlichen 4948. Somit haben einige Wähler nicht das ganze Potential ihrer Mitgestaltungsmacht ausgespielt.

Acht der Kandidierenden saßen bereits im letzten Jahr im StuPa, entweder direkt oder als Nachrücker. Auffällig ist, dass viele von diesen die eigene Platzierung verbessern konnten. Besonders markant ist dies bei Hauke Schröder und Paul Wild (beide Piraten) die jeweils 17 Plätze hinzugewinnen konnten. Oliver Gladrow (29.) und Marvin Hopf (18.) haben in diesem Jahr genau die gleiche Platzierung errungen wie 2011, Daniela Gleich verlor einen Platz (7. auf 8.). Alle anderen neuen Stupisten traten das erste Mal zur Wahl an, eine Liste gibt es hier.

Es gibt in diesem Jahr nur fünf Plätze auf der Nachrückerliste. Erfahrungsgemäß werden diese im Laufe der Legislatur auch immer benötigt, wenn Kandidaten ihr Mandat niederlegen oder ruhen lassen müssen, da sie sich in den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) wählen lassen. Milos Rodatos und Anne Lorentzen aus dem neuen StuPa sind bereits AStA-Referenten, wobei Anne schon angekündigt hat, für das kommende Semester nicht kandidieren zu wollen. Auch Henrike Förster, Platz zwei bei der Wahl zum StuPa und die Wahlsiegerin der Senatswahlen, hat schon angekündigt, ihr Mandat abgeben zu wollen. In diesem Fall wäre Sean Patrick Rinkens von den Jusos der erste potentielle Nachrücker.

Links steht die Verteilung aller Stimmen für die ganze Wahl, rechts stehen die errungenen Sitze im StuPa nach Gruppen.

Klare Wahlsiegerin

Mit 539 Stimmen konnte Jasmin Dinter mit Abstand die meisten Stimmen sammeln, was knapp 30 Prozent aller Wähler entspricht. Sie trat für die Grüne Hochschulgruppe (GHG) gemeinsam mit zwei anderen Kandidaten an, welche alle einen Platz gewinnen konnten. Alle angestrebten Mandante konnten auch die Hochschulpiraten, die Liberale Hochschulgruppe (LHG) und der Sozialistisch-Demokratische Studierenden-Verband (SDS) gewinnen. Die Junge Union (JU), der Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) und die Jungsozialisten (Jusos) haben noch Kandidaten, die auf der Nachrücker-Liste warten.

Die größte „Gruppe“ stellen in diesem Jahr die unabhängigen Kandidaten mit insgesamt sieben Mandaten, sie konnten zusammen auch die meisten Stimmen (31 Prozent) gewinnen. Alle anderen Kandidaten sind in einer Hochschulgruppe organisiert. Gefolgt werden die Freien von den Jusos, welche 5 Mandate stellen und somit 2 weniger als 2011, wo sie noch noch die stärkste Gruppe stellten. Auffällig ist, dass beispielsweise die Grüne Hochschulgruppe mit 20 Prozent mehr als doppelt so viele Wählerstimmen gewinnen konnte als der SDS, beide sind aber mit gleichvielen Mandaten vertreten. Dies liegt daran, dass die Kandidaten der GHG überdurchschnittlich viele Stimmen gewannen.

Piraten mit dem höchsten Gewinn an Mandaten

Diese Grafik vergleicht das StuPa von 2011, wie es sich direkt nach der Wahl zusammensetzte mit dem aktuellem Wahlergebnis. Wie eingangs erwähnt, kann sie die Zusammensetzung bereits schon zu Beginn der Legislatur wieder ändern.

Den größten Gewinn an Sitzen schafften die Hochschulpiraten. Stellten sie nach der Wahl 2011 ein Mandat, so sind es in diesem Jahr vier. Drei Plätze, aber als Verlust, muss die Junge Union verkraften. Das beispielsweise SDS und GHG einen Platz gewonnen beziehungsweise verloren haben, hängt auch damit zusammen, dass sie in diesem Jahr mit einem Kandidaten mehr (SDS) oder weniger (GHG) angetreten sind. An dieser Stelle nocheinmal der Hinweis, dass es sich bei der Wahl zum Studierendenparlament mit Absicht um eine reine Personenwahl handelt, welche keine „Fraktionsbildung“ zur Folge haben sollte.

Symphatien zu den Hochschulgruppen

Als Alternative zum oberen Vergleich der Stimmanteile nach Hochschulgruppen, wird an dieser Stelle versucht, die durchschnittlichen Stimmen einer Gruppe pro Kandidaten zu vergleichen. Dies schlicht aus dem Grund, das es bei 32 Kandidaten keine große Leistung ist, wenn eine Gruppe ihren Vertreter auch einbringen kann.

Setzt man die Stimmen für die Kandidaten innerhalb einer Gruppe ins Verhältnis, so ergibt sich eine klare Wähler-Sympathie in Richtung der Grünen Hochschulgruppe. Hier kommen auf jeden der drei Kandidaten im Schnitt 330 Stimmen, was sich in den oberen erreichten Positionen auf der Liste bemerkbar macht. Mit großem Abstand folgen erst die unabhängigen Kandidaten, welche durchschnittlich 192 Stimmen sammelten. Die Jusos dominieren mit ihren sieben Kandidaten zwar die Liste, konnten aber nur 90 Stimmen pro Kandidat erringen.

Aufgrund der geringen Wahlbeteiligung lässt dieser Vergleich aber keinen Rückschluss auf ein Meinungsbild der gesamten Studierendenschaft zu.

Insgesamt traten sechs Frauen zur StuPa-Wahl, welche alle auch einen Platz im Parlament gewinnen konnten, der Frauenanteil liegt also bei rund 26 Prozent. Im letzten Jahr gab es im StuPa eine Studentin mehr.

Grafiken: Simon Voigt

Foto: Johannes Köpcke

 

Comments

  1. M26deJulio    

    Howdy,
    es heißt Sozilialistisch-Demokratischer-Studierendenverband, nicht Studierenden-Verband…
    Ansonsten top Artikel! Daumen hoch!

    1. Felix Kremser    

      Danke für den Hinweis, haben wir korrigiert.

      1. M26deJulio    

        Ähm sorry, aber nein das habt ihr nicht…

        1. Marco_Wagner    

          Ist aber auch egal. Wenn der Autor meint, das Wort Studierendenverband durch einen Bindestrich zu trennen, soll er es machen. Es gibt Schlimmeres als das.

        2. M26deJulio    

          Sicher, sieht nur hässlich aus und ist auch schlicht und ergreifend falsch. Selbst wenn es beim Wort Studierendenverband gang und gebe wäre (was es nicht ist) es mt einem Bindestrich zu trennen, so wird das beim SDS nicht getan, wir sind ja nicht der SDSV oder der SDS-V… :)

  2. Marco_Wagner    

    Bei der Stimmenverteilung hätten die Grünen ruhig noch drei, vier Kandidat_innen mehr aufstellen können und wären dann auch personell stärkste Fraktion geworden.

    1. Herr_Linke    

      Das würde wohl nur bei einer personalisierten Listenwahl passieren.

  3. MartinHackbarth    

    Könnt ihr vllt. noch den prozentualen Verlust/Gewinn der Hochschulgruppen/Freien erwähnen?

    1. Simon_Voigt    

      Verglichen mit den Zahlen aus dieser Auswertung von 2011 (http://webmoritz.de/2011/01/15/stupa-wahlananlyse-2011/) ergibt sich folgendes:

      Jusos -13
      GHG +4
      SDS +2
      Piraten +11
      LHG -2
      JU -7
      RCDS -2
      Freie +10

      Die Jusos brechen ein, Piraten und Freie gewinnen kräftig an Stimmen.

      Diese Gewinne/Verluste beziehen sich auf die Wählerstimmen der Kandidaten nach Gruppenzugehörigkeit. Da es sich um eine Personenwahl handelt, geht es aber darum, als einzelner Kandidat genug Stimmen zu gewinnen, um einziehen zu können. Die Gruppe kann nicht gewählt werden. Kandidat xy zieht nicht ein, weil seine Gruppe viele Stimmen bekommen hat, sondern nur weil er oder sie selbst viele Stimmen gewonnen hat. So weit die Theorie.

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