Kennt ihr das, wenn man mal was Neues ausprobieren will, aber am Ende alles beim Alten bleibt? Uns jedenfalls kommt das sehr bekannt vor, deswegen haben wir uns für euch auf einen Selbstoptimierungstrip begeben. In dieser Kolumne stellen wir uns sieben Tage als Testobjekte zur Verfügung. Wir versuchen für euch mit unseren alten Gewohnheiten zu brechen, neue Routinen zu entwickeln und andere Lebensstile auszuprobieren. Ob wir die Challenges meistern oder kläglich scheitern, erfahrt ihr hier.
Normalerweise beschränkt sich mein alltäglicher Bewegungsradius auf die 2 Kilometer um meine Wohnung herum, nämlich die Wege zur Klinik und in die Innenstadt. Im Sommer fahre ich nachmittags auch mehrmals pro Woche mit dem Fahrrad an den Strand nach Wampen. Morgens musste ich bisher aber noch nie regelmäßig Strecken über 2,5 Kilometer zurücklegen und bin, was meine Ausdauer angeht, gerade nach der Corona-Lockdown-Zeit auch entsprechend untrainiert. Im Rahmen des Blockpraktikums habe ich jetzt zwei Wochen in einer hausärztlichen Praxis in Kemnitz verbracht und musste dafür täglich die 11 Kilometer zwischen der Praxis und meiner Wohnung mit dem Fahrrad absolvieren. Wie das so gelaufen ist und ob ich mir vorstellen könnte, regelmäßig morgendliche Fahrradtouren zu unternehmen, könnt ihr in dieser Folge von „umgekrempelt“ nachlesen.
Tag 1 – Sonntag
Ich habe mein postprandiales Mittagstief überwunden, die Reifen aufgepumpt, die Kette geölt und fahre die Strecke nach Kemnitz jetzt einfach mal ab, um zu gucken, wie viel Zeit ich morgen in etwa einplanen muss. Der Hinweg ist entspannt, ungefähr eine halbe Stunde bin ich unterwegs; hätte gedacht, dass es windiger sein würde. Ziemlich viele Leute tummeln sich auf dem Radweg, aber gut, es ist Sonntag Nachmittag bei bestem Wetter. Hätte ich vorher bloß mal geguckt, wo genau die Praxis in Kemnitz eigentlich liegt. Ich spreche einen Mann an – Glück gehabt, kein Touri – und er kann mir sogar weiterhelfen und den Weg zur Praxis zeigen. Umso besser: Sie liegt nah am Ortseingang! Die Erklärung für die entspannte Hinfahrt trifft mich dann auf dem Rückweg direkt in Form einer Windkante, sobald ich den Ort verlassen habe. Zurück brauche ich eine knappe Dreiviertelstunde und bin vollkommen verschwitzt, als ich zuhause ankomme. Das kann morgen früh ja heiter werden; ich bin echt kein Morgenmensch und soll um 7:45 Uhr da sein. Mal gucken, was mein Körper so zum ersten Frühsport seit Jahren sagen wird. Abends werfe ich noch einen kurzen Blick auf den Wetterbericht. Für die ganze Woche sind gut 20 °C und leichter Wind aus Südwesten angesagt. Beste Bedingungen also. Glück gehabt!
22 km von 132 km absolviert.
Tag 2 – Montag
Jetzt wird es ernst! Eigentlich wollte ich mit etwas zeitlichem Puffer in meinen ersten Praktikumstag starten, aber natürlich ist es wieder nach 1 Uhr geworden, bis ich im Bett war und jetzt, nach viermaligem Snoozen, habe ich mir nur noch fix ein bisschen Müsli und Orangensaft reinziehen und Tee in den Thermosbecher gießen können. Wie warm muss ich mich eigentlich so anziehen? Draußen ist es relativ frisch. Ich entscheide mich für ein langärmeliges Shirt, eine Strickjacke und darüber die Regenjacke, man kann ja nie wissen … Und auf geht’s, inzwischen ist es schon 7:14 Uhr! Meine erste Erkenntnis: Ich hatte ganz vergessen, wie viele Schulkinder morgens die Radwege verstopfen. Aus dem Weg, ich habe es eilig! Meine Klingel hatte schon lange nicht mehr so viel zu tun. Als ich in Eldena angekommen bin, wird es lichter auf dem Radweg. Nachdem ich das Ortsschild an der Ausfahrt nach Greifswald passiert habe, habe ich den Weg ganz für mich. Ab hier ist es fast schon idyllisch, wenn man sich statt der Motorengeräusche auf der Straße links neben mir einfach das Meeresrauschen vorstellt. Auf der anderen Seite liegen abwechselnd Felder und kleine Waldstücke und die Sonne strahlt mich an. Das macht sich bald auch unter meiner Regenjacke bemerkbar, denn es wird ziemlich heiß. Ich bin aber zu spät dran, um anzuhalten und sie auszuziehen, also heißt es, die Schweißporen zusammenzukneifen und weiterzufahren. Als ich um 7:48 Uhr ankomme, bin ich wieder komplett verschwitzt, aber sonst fühle ich mich gut und kann mir ja jetzt zum Glück meine Arbeitsklamotten überziehen. Und nach dem Praxisrundgang erstmal noch eine Weile warten. Die Sprechzeiten beginnen nämlich erst um 8:30 Uhr und bis jetzt ist noch nichts los, also esse ich im Garten ein paar Weintrauben. Ab morgen darf ich zum Glück dann erst zu 8:30 Uhr kommen. Nach einem ruhigen, aber lehrreichen ersten Praktikumstag mache ich mich mittags ganz entspannt auf den Rückweg und lasse die Strecke auf mich wirken, während ich meditativ in die Pedale trete. Wirklich ein schönes Land, in dem wir hier leben!
44 km von 132 km absolviert.
Tag 3 – Dienstag
Ich bin einfach nur müde. Der zweite Morgen der Woche ist immer der schlimmste, weil die Schlafreserven vom Wochenende aufgebraucht sind. Trotzdem komme ich heute besser los und habe bei Rückenwind eine Dreiviertelstunde Zeit. Dieses Mal habe ich vor dem Aufbruch die Lüftungsreißverschlüsse an meiner Jacke aufgemacht und es ist etwas bewölkt. So fährt es sich auch bei gut 20 km/h noch sehr entspannt. Obwohl ich eigentlich kein Freund vom Radfahren mit Kopfhörern bin, werde ich mir für morgen wohl doch ein Hörspiel aufs Handy ziehen (das Mobilfunknetz auf dem Dorf ist wie erwartet grottig), irgendwie würde das gut in die Atmosphäre passen. Heute bin ich 10 Minuten zu früh da, außerdem sehr locker und gut gelaunt. Normalerweise habe ich morgens immer einen ziemlichen Durchhänger, wenn ich irgendwo hinmuss, aber die größere Distanz selbst oder das durch die Strecke bedingte Mehr an Zeit, um in Gang zu kommen, scheinen da zu helfen. Mal gucken, wie das in den nächsten Tagen so aussehen wird. Der Rückweg ist heute etwas anstrengender als gestern, weil es doch ziemlich windig ist. Aber nachmittags, so ganz ohne Druck, fährt es sich dennoch sehr angenehm.
66 km von 132 km absolviert.
Tag 4 – Mittwoch
Nach dem guten Timing von gestern bin ich fahrlässig geworden und fahre diesmal wieder viel zu spät los. Heute Morgen hat es kurz vor dem Aufbruch ein bisschen geregnet und ich bin nochmal hoch und habe mir meine Regenhose übergezogen. Dumme Idee, jetzt habe ich nur noch 25 Minuten und bin schon in Eldena komplett blau, weil es aufgehört hat zu regnen und dementsprechend nun viel zu warm ist. Die Kopfhörer habe ich natürlich auch wieder nicht mitgenommen, aber da ich jetzt einen Schnitt von über 30 km/h fahren müsste, um pünktlich anzukommen, wäre ein bisschen motivierende Musik gar nicht übel – irgendwer, der mich anschreit oder so. Mit den Armen auf dem Lenker liegend zu fahren fühlt sich ein bisschen an wie in Bladerunner und sieht bestimmt auch super cool aus, wenn ich die Blicke aus dem Gegenverkehr richtig deute. Nur ungünstig, dass ich mit den Händen so nicht an die Bremsen komme. Aber egal, ich habe eh keine Zeit zum Bremsen! Als ich 5 Minuten zu spät in der Praxis ankomme, lasse ich meinen verschwitzten Körper in den Stuhl hinter dem Schreibtisch fallen, während schon die ersten Patient*innen in die Sprechzimmer strömen. Hoffentlich muss ich jetzt nicht viel reden, aber ein guter Arzt sollte ja sowieso eher zuhören, das dürfte also wohl auch für Medizinstudierenden gelten. Nach ein paar Minuten habe ich mich wieder erholt und fühle mich jetzt viel leichter und aktiver als erwartet. Mittags fahre ich nachdenklich nach Hause und trete kräftig in die Pedale, bis meine Oberschenkel anfangen zu schmerzen. Die angenehm-monotone Pedalbewegung und der graue Asphalt, der Meter für Meter unter mir vorbeizieht, helfen, meine zerstreuten Gedanken etwas zu sortieren. Heute war ich bei meiner ersten Leichenschau und es fällt mir gerade ziemlich schwer, das schöne Wetter zu genießen. Seltsam, wie weit Realität und Wahrnehmung manchmal auseinanderliegen können.
88 km von 132 km absolviert.
Tag 5 – Donnerstag
Gestern Abend war noch verdammt viel zu tun und ich habe es beim Einschlafen schon befürchtet: Migränetag. Heute früh steige ich nicht aus dem Bett und ganz sicher nicht aufs Fahrrad. Zum Glück findet die Redaktionssitzung heute Abend über Jitsi statt.
88 km von 132 km absolviert.
Tag 6 – Freitag
Heute sieht es besser aus als gestern, aber gut ist trotzdem anders. Deshalb habe ich meinen Wecker etwas früher als sonst gestellt, um möglichst gelassen in den Tag starten zu können. Mit 50 Minuten auf der Uhr und leichtem Südwestwind im Rücken fahren sich die 11 Kilometer dann auch sehr angenehm und leicht. Dank Sonnenbrille komme ich mit etwas zeitlichem Puffer und motiviert ohne Kopfschmerzen in der Praxis an. Heute ist nicht viel los, also darf ich mich etwas früher als sonst auf den Heimweg machen. „Hoch die Hände, Wochenende!“ lautet jetzt die Devise, für mich aber nicht auf dem Fahrrad – freihändiges Fahren gehört nicht wirklich zu meinen größten Stärken und ich will das Wochenende ja nicht in der Notaufnahme beginnen. Das Wetter zeigt sich heute wieder einmal von seiner besten Seite und mit dem Kopf frei fürs Wochenende habe ich Zeit, meinen Blick auf die faszinierende klassische vorpommersche Architektur der Bushaltestellen auf meinem Weg zu richten. Wie in Stein gehauene Relikte einer vergessenen Nahverkehrskultur stehen sie als Landmarken am Feldrand. Ein roter Schriftzug auf weißem Putz schmückt die Innenseite der Haltestelle in Kemnitz-Meierei: „Fotze“. Schlichte Eleganz. In Greifswald angekommen, bin ich inzwischen ziemlich hungrig und kann nur mit einiger Mühe dem Grillduft widerstehen, der so verlockend ist, dass ich der Nase nach sogar von meiner gewohnten Route abfahre, nur um mich kurz vor Burger King doch noch umzuentscheiden und mich auf den Weg zu meinem prall gefüllten Kühlschrank zu machen. Aber so kann ich heute immerhin mal wieder an meiner alten Schule vorbeifahren, die jetzt endlich ein neues Gebäude bekommen wird.
110 km von 132 km absolviert.
Tag 7 – Samstag
Nach einer langen Kulturnacht mache ich heute einen Ruhetag vom Fahrradfahren und schlafe aus.
110 km von 132 km absolviert.
Fazit
Die täglichen Radtouren haben sich als deutlich machbarer erwiesen, als ich es erwartet hatte. Es mag auch an der Wochenendstimmung liegen, aber ich fühle mich heute subjektiv fitter als zu Beginn der Woche und habe mehr Energie. Außerdem bin ich unter der Woche am frühen Morgen viel aktiver gewesen, als ich es sonst bin. Ich überlege, wie ich trotz meiner späten Schlafenszeiten und meiner Morgenmuffelei auch in Zukunft irgendwie Frühsport in meinen Tagesablauf einbauen könnte und freue mich schon auf die zweite Praktikumswoche. Trotzdem würde ich aus einem einfachen Grund ungerne so weit von meinem Arbeitsplatz entfernt wohnen: Im Winter dürfte es keinen großen Spaß machen, sich täglich 22 km durch Dunkelheit und Schnee zu quälen, weder mit dem Fahrrad noch mit dem Auto (oder dem Bus, haha). Und ein weiteres Gegenargument habe ich während dieser Woche bereits zu spüren bekommen: Wenn man sich körperlich einmal nicht gut fühlt, sind weite Strecken ein echtes Problem. Ich habe mein Fahrradpensum nicht ganz geschafft, aber trotzdem fühlt sich die Woche auch wegen des Radfahrens wie ein Erfolg an.
Mit der Ausschreibung des Nahverkehrs befasste sich letzte Woche die Bahninitiative Greifswald. Die europaweite Ausschreibung ist inzwischen veröffentlicht. Mit dieser Information eröffente Initiativensprecher Rasmus Klöpper das Treffen. Einen Termin mit der Verkehrsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern gebe es noch nicht, jedoch wurde dieser von Landesverkehrsminister Volker Schlotmann zugesagt. Mit Schlotmann plant die Initiative in den kommenden Monaten eine Veranstaltung zu diesem Thema, jedoch will man es nicht zu einer Wahlkampfbühne machen.
Stündliche Züge von Greifswald nach Berlin?
Kai Karpinsky übt Kritik am Ausschreibungstext
Etwas Kritik am Ausschreibungstext äußerte Kay Karpinsky, der Geschäftsführer der Grünen in Greifswald, dem die Komfortstandards nicht konkret genug gefasst sind. Der bisherige zweistündige Regionaltakt nach Berlin bleibe bestehen. Diese werden momentan von zwei Intercitys ergänzt, ab März durch einem zusätzlichen ICE. Aus Ausschreibungsgewinnen wolle Schlotmann zusätzliche Züge finanzieren. Dies müsse aber auch zusätzlich finanziert und nicht aus Abschreibungsgewinnen kommen, forderte Karpinsky. Diese zusätzlichen Zugkilometer sollen für stündliche Verbindungen bis Angermünde reichen, wo man dann alle zwei Stunden nach Berlin umsteigen kann.
Als positiv werden länger laufende Züge gesehen, die über Berlin hinausfahren. Hier wurde von einigen Mitgliedern angeregt, die Züge künftig nicht weiter nach Elsterwerda fahren zu lassen, sondern nach Lutherstadt Wittenberg, um Mitteldeutschland besser anzubinden. Kritik der Bahn-Initiative gab es dahingehend, dass es keine durchgehenden Nahverkehrszüge von Greifswald nach Rostock gibt. Diese Verbindung gibt es in beiden Richtungen bisher nur einmal von einem Intercity.
Konkret einigte sich die Bahn-Initiative unter anderem auf weitere Forderungen für die Ausschreibung: mehr Platz für Gepäck im Regionalverkehr, zum Beispiel Gepäckbereiche; vernünftige Sitze „ohne Schmerzen nach fast drei Stunden Fahrt“, Steckdosen und kabelloses Internet.
Auf ihrem Treffen am Dienstag, 18. Januar will sich die Bahn Initiative Greifswald mit einer Antwort von Landesverkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) beschäftigen, in der der Minister Stellung zur Forderung der Bahn Initiative zur Offenlegung der Nahverkehrsausschreibung nimmt. Anfang Dezember 2010 hatten Rasmus Klöpper und Nils Möllemann, Sprecher der Initiative, in einen Brief an Schlotmann genau das gefordert. Dabei geht es unter anderem um die Regionalzüge, die von Stralsund über Greifswald nach Berlin und zurückfahren. Die Ausschreibung betrifft den Zeitraum ab Dezember 2014 bis 2026, um die sich verschiedene Bahnunternehmen bewerben können.
Schlotmann: „Ziel des Landes sind einstündliche Fahrtenangebote“
Landesverkehrsminister Volker Schotmann (SPD)
In seiner Antwort räumt Schlotmann ein, dass er auf der Strecke Stralsund – Greifswald – Pasewalk – Berlin „Angebotsdefizite sieht, die durch die Ausschreibung beseitigt werden sollen“. Ziel des Landes sei dabei, „einstündliche Fahrtenangebote unter Einbeziehung des vorhandenen Fernverkehrs zu bekommen“, so Schlotmann weiter, der damit eine Forderung der Bahn Initiative unterstützt.
„Die zusätzlichen Fahrten des Schienenpersonennahverkehrs können aber keine Direktfahrten nach Berlin sein, sondern werden in Angermünde ein Umsteigen erfordern. Das Land Brandenburg wird keine weiterführenden Leistungen bis nach Berlin bezuschussen. Vertaktete Früh- und Spätverbindungen in beiden Fahrtrichtungen werden in der Ausschreibung Berücksichtigung finden,“ macht Schlotmann deutlich. Was den Komfort der künftigen Nahverkehrszüge angeht, äußert der Verkehrsminister: „Es wird Zugmaterial modernster Bauart zum Einsatz kommen, wodurch sich der Fahrkomfort gegenüber heute wesentlich verbessern wird.“ Diese Komfortmerkmale seien mit den Zügen auf der Strecke Hamburg – Rostock vergleichbar.
Angebotsverbesserungen dürfen nicht zulasten anderer Strecken gehen
Abschließend schränkt Schlotmann jedoch ein: „Angebotsverbesserungen müssen aus Ausschreibungsgewinnen finanziert werden, weil sonst Leistungen auf anderen Strecken reduziert oder gestrichen werden müssten.“ Zu den von der Bahn Initiative geforderten durchgehenden Zügen von Greifswald nach Rostock weist der Verkehrsminister darauf hin, dass diese nicht Gegenstand der Ausschreibung seien.
Die Bahn Initiative trifft sich am Dienstag um 19 Uhr wie gewohnt in der Brasserie Hermann, Ecke Bahnhofstraße – Gützkower Straße. Dort soll ein Gespräch mit Detlef Lindemann vorbereitet werden. Lindemann ist Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern GmbH, die für die Ausschreibung zuständig ist.
Im Januar 2011 soll der komplette Schienennahverkehr in Greifswald für die Zeit ab 2013 neu ausgeschrieben werden. Davon betroffen ist auch der Regionalexpress 3, der von Stralsund über Greifswald, Anklam und Pasewalk weiter nach Berlin und Elsterwerda fährt. „In Kürze soll ausgeschrieben werden“, bestätigte Julia Hasse, Pressesprecherin des Landesverkehrsministeriums, gegenüber dem webMoritz.
Bahn-Initiative: „Die einzige Möglichkeit, auf die Ausschreibung Einfluss zu nehmen, besteht jetzt“
Initiativ-Sprecher Rasmus Klöpper fordert mehr Transparenz.
In einem Brief an Landesverkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) fordert die Bahn-Initiative Greifswald die Offenlegung der Nahverkehrsausschreibung. „Das Verkehrsministerium bestimmt mit dieser Ausschreibung die Qualität des Nahverkehrs über Jahrzehnte. Gerade nach den aktuellen Erfahrungen in Stuttgart kann es nicht sein, dass diese Entscheidung am Bürger vorbei getroffen wird. Die einzige Möglichkeit, auf die Ausschreibung Einfluss zu nehmen, besteht jetzt“, fordern die Intiativsprecher Nils Möllmann und Rasmus Klöpper.
Die Landesregierung signalisiert Gesprächsbereitschaft. Für ein Gespräch mit der Bahn-Initiative Greifswald über die Hinweise zur Ausschreibung stehe Detlef Lindemann, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern, zur Verfügung, äußerte Pressesprecherin Hasse weiter.
Bahn-Initiative fordert bessere Verbindungen in M-V
Die Bahn-Initiative hat sich anlässlich der Kürzungen bei IC-Verbindungen gegründet. Seit Mitte Dezember sind die Einschränkungen Wirklichkeit, sodass nun von und nach Berlin täglich nur noch zwei statt der bisherigen fünf IC-Züge pro Richtung fahren. Ein Zugpaar soll ab 20. März durch einen ICE ausgeglichen werden, morgens von Greifswald nach Berlin und abends von Berlin zurück nach Greifswald. Die Bahn-Initiative will einen besseren Schienenverkehr in Mecklenburg-Vorpommern erreichen. Dazu stellt sie verschiedene Forderungen:
Bahn-Initiative Greifswald: "Das Verkehrsministerium bestimmt mit dieser Ausschreibung die Qualität des Nahverkehrs für Jahrzehnte"
Einen durchgängig stündlichen Verkehr auf der Strecke Stralsund – Greifswald – Pasewalk – Berlin, egal ob mit Regional- oder Fernverkehrszügen
Geltung des Nahverkehrstarif der Bahn ohne Einschränkungen, auch für BahnCards
Der Komfort der eingesetzten Züge soll zweistündlich IC-Standards entsprechen, ansonsten gehobenen RE-Standard
Regelmäßige durchgehende Verbindungen auf der Strecke Greifswald – Rostock
Frühester Zug morgens nicht nach fünf Uhr und abends nicht vor 20:30 Uhr von Stralsund nach Berlin und umgekehrt
Mecklenburg-Vorpommern soll dem Beispiel Berlin-Brandenburgs folgen: IC-Züge ab dem Bahnhof, ab dem für die DB angeblich kein wirtschaftlicher Betrieb mehr möglich ist, als Zuggattung Regional-Express weiter zu führen, finanziert aus Regionalisierungsmitteln des Verkehrsministeriums
Das nächste Treffen der Bahn-Initiative findet am 11. Januar um 19 Uhr in der Brasserie Hermann statt.
Fotos: David Vössing, Wikimedia (Regionalexpress, CC-Lizenz)
Für die erste StuPa-Sitzung des neuen Semestersam kommenden Dienstag hat der RCDS einen Antrag zum seit langem diskutierten Thema „Semesterticket“ vorbereitet.
Ivo Sieder: "Thema bisher nur am Rand diskutiert"
Konkret schlägt der RCDS dem StuPa drei Schritte vor: Zunächst soll sich das StuPa für ein Semesterticket aussprechen, dass alle Studenten pflichtweise mit ihrer Einschreibung erwerben müssen. Dieses Ticket soll maximal 20 Euro je Semester kosten. Gleichzeitig soll der AStA beauftragt werden, „inhaltliche und rechtliche Vorbereitungen für die mögliche Einführung“ zu treffen. Außerdem soll er auf der nächsten Vollversammlung ein Meinungsbild der Studierenden einholen.
RCDS: Studenten müssen Forderungen an Stadtwerke stellen
Dabei wird im Antrag Wert darauf gelegt, dass die Studierendenschaft von den Stadtwerken im Gegenzug für das Semesterticket Gegenleistungen fordern soll. Konkret geht es dabei um einen an die Vorlesungszeiten angeglichenen Fahrplan sowie um Nachtfahrten. Derzeit endet der Stadtbusbetrieb täglich vor Mitternacht. Der Vorschlag zur Optimierung des Fahrplans ist nicht neu. Die Jusos hatten ihn im Kommunalwahlkampf aufgestellt. Neu ist jedoch die Idee, die Forderungen in einem Atemzug mit der Einführung eines Semestertickets zu stellen.
Es gibt zwar einen "Tages-Lininenplan" - das Nachtnetz wurde aber vor einigen Jahren komplett eingestellt.
Geht man von einem Semesterbeitrag von 20 Euro aus, hieße das bei den aktuellen Studentenzahlen für die Stadtwerke Einnahmen durch das Ticket von knapp 500.000 Euro. Wie hoch der Rückgang durch die dann wegfallenden Ticketkäufe von Studenten ist, lässt sich präzise nicht ermitteln. Insgesamt nehmen die Stadtwerke im Jahr etwa Eine Million Euro durch den Fahrkartenverkauf ein. Insgesamt kostet der Betrieb etwa 4 Millionen Euo im Jahr (Weiteren Zahlen gibt’s hier.).
Derzeit fährt fast niemand Bus
Der Vorschlag kommt zu einem wahrhaft denkwürdigen Zeitpunkt auf die politische Tagesordnung: Nächste Woche präsentiert das Institut für Geographie und Geologie die Ergebnisse einer groß angelegten Verkehrsumfrage. webMoritz.de erfuhr vorab, dass der ÖPNV in der Studie sehr schlecht dasteht: Insgesamt ist der Anteil an ÖPNV-Nutzern in Greifswald nach Angaben von Dr. Ruth Bördlein „dramatisch niedrig“. Die Nutzung sei insgesamt unterdurschnittlich, bei den Studenten sehe es aber noch düsterer aus: Hier sei der Anteil an Busfahrern „marginal“. Überhaupt fahre die überwiegende Mehrheit der Studenten mit dem Fahrrad.
Derzeit sind die Busse der Stadtwerke eher leer.
Zu den genauen Ergebnissen konnte sich Bördlein vor der offiziellen Vorstellung der Studie Anfang nächster Woche nicht äußern. Eine nicht-repräsentative Schnell-Umfrage unter einigen Studierenden im Audimax am Mittwochvormittag ergab allerdings, dass zahlreiche Studenten das ÖPNV-Angebot der Stadtwerke noch überhaupt nicht wahrgenommen haben und sich die meisten einig darin sind, dass Fahrplan und Liniennetz schwer verständlich sind. Das hatte der webMoritz im Dezember 2008 auch schon mal festgestellt.
RCDS-Vorsitzender Sieder: Ticket ist heute nötiger als vor zehn Jahren
Der RCDS-Vorsitzende Ivo Sieder begründete den Vorstoß unter anderem damit, dass die Studierenden heute mehr Wege zurücklegen müssten als noch vor fünf oder gar zehn Jahren: „Studierende fast aller Studienfächer müssen heute sowohl in die Innenstadt als auch zum neuen Campus als auch zum Hörsaal Kiste.“ Die Studenten führen fast ausschließlich Fahrrad: „Dabei ist das bei Wind und Regen wirklich sehr unangenehm.“
Der RCDS will nach eigenen Angaben mit dem Antrag die Debatte um ein solches Ticket befeuern. Ivo Sieder: „Bisher ist das immer nur am Rande ein Thema gewesen. Jetzt ist es an der Zeit, herauszufinden, ob die Studierenden das Ticket wollen.“
Resonanz: Durchwachsen
Die Reaktionen aus dem hochschulpolitischen Umfeld waren eher positiv. Allgemein wundert man sich wohl etwas über die plötzliche Vielzahl von Initiativen des RCDS. Paul Greve, Hochschulgruppensprecher der Jusos (der allerdings nicht im Namen der im Juli aufgelösten Juso-Fraktion sprechen darf), begrüßte das Engagement des RCDS in dieser Frage ausdrücklich: „Es ist schön, wenn das jetzt ernsthaft auf die politische Tagesordnung gebracht wird.“
Paul Greve gehen die Vorschläge des RCDS allerdings nicht weit genug: „Das ganze darf nicht beim städtischen Nahverkehr aufhören.“ Vielmehr gehe es darum, den Badeort Lubmin attraktiv und kostengünstig anzubinden und eine Vernetzung zur Bahn zu schaffen. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise gebe es für rund 100 Euro ein Semesterticket, das faktisch in allen Verkehrsmitteln des Landes gelte. Für einen deutlich niedrigeren Beitrag sollte es etwas Ähnliches nach Greves Meinung auch in Mecklenburg-Vorpommern geben. Die Umsetzung dürfte allerdings schwierig werden: Gerade die Busunternehmen sind in Mecklenburg-Vorpommern nur in kleinen Teilen in Verkehrsverbünden vernetzt, sodass der AStA mit allen Gesellschaften einzeln Konditionen aushandeln müsste.
Paul Greve und Anne Klatt: Studenten befragen!
Einige Stupisten wollen zunächst wissen, was die Mehrheit der Studierenden will.
Greve legt Wert darauf, dass die Meinung der Studenten auf einer Vollversammlung abgefragt und berücksichtigt wird. In diese Richtung geht auch Anne Klatt (Grüne Hochschulgruppe), die selbst noch keine Meinung zu dem Thema hat. Heute Abend soll es aber auf dem Treffen der grünen Hochschulgruppe zur Sprache kommen.
Beim AStA hat man sich mit Antrag und Thema noch nicht weitergehend beschäftigt. Sozialreferent Philipp Helberg findet den Vorschlag persönlich gut, hält sich aber noch nicht für ausreichend informiert, um eine konkretere Stellungnahme abgeben zu können.
LHG-Mitglied und Stupist David Wulff findet den Vorschlag indes unsinnig. Er erklärte gegenüber dem webMoritz: „Ich kann das nur ablehnen. In Greifswald erledigen fast alle Studenten fast alles zu Fuß oder per Fahrrad. Ein verpflichtendes Semesterticket geht viel zu weit. Für diejenigen, die wegen Wohnlage oder Ähnlichem ein Ticket brauchen, kann der AStA ja Sonderkonditionen aushandeln.“ Wortmeldungen sonstiger Stupisten zum Thema sind noch nicht bekannt. Sebastian Jabbusch hatte auf das Thema zwar als erster aufmerksam gemacht (hier und hier), hat aber bis jetzt noch keine Meinung abgegeben.
Auch Stupa-Präsident und RCDS-Mitglied Korbinian Geiger gehört nicht zu den Antragstellern, da er der Idee eher skeptisch gegenübersteht. In Greifswald nutzten einfach zu wenig Studenten den ÖPNV, sagt er: „Selbst wenn es ein Semesterticket für den Stadtverkehr in Greifswald gäbe, wäre die Quote der den Stadtverkehr nutzenden Studenten meines Erachtens zu gering, als daß dies eine somit ungerechte Umverteilung in Form eines Semestertickets rechtfertigen könnte. In Berlin und anderen Großstädten, wo die Quote der ÖPNV-Nutzer unter den Studenten bei annähernd 100 % liegt, ist eine solche Umverteilung gerechtfertigt.“
Update 15.10., 13 Uhr: RCDS und Grüne äußern sich
Im Lauf des heutigen Vormittags erlangten wir Kenntnis von zwei weiteren Statements. Der RCDS versandte per E-Mail ein Dokument, das wahrscheinlich eine Pressemitteilung darstellen soll. Es kann wortgleich auf der Homepage des RCDS nachgelesen werden. Der RCDS betont darin stärker als im ursprünglichen Antrag die Tatsache, dass es ihm vor allem um ein Meinungsbild auf der Vollversammlung gehe. Außerdem enthält die Mitteilung einen Seitenhieb auf den politischen Gegner. RCDS-Mitglied Franz Küntzel wird in der Meldung mit dem Satz zitiert: „Der RCDS setzt sich mit konkreten Ideen für studentische Interessen ein, während andere hochschulpolitische Gruppen eher durch internen Streit und Krawallaktionen wie dem Bildungsstreik „glänzen“.“
Die grünen Hochschulgruppe nimmt auf ihrem Blog ebenfalls Stellung zu den Vorschlägen und stehen dem Vorschlag verhalten skeptisch gegenüber. Auch sie betonen, dass sie es für gut halten, die Vollversammlung zu befragen.
Bilder: Gabriel Kords (Bus), RCDS, sw-greifswald.de, Luisa Wetzel (Vollversammlung)
Hier könnt ihr das aktuelle Video von moritz.tv sehen.
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