Rabenliebe im Koeppenhaus

Wurde 2010 mit dem Ingborg Bachmann-Preis für "Rabenliebe" geehrt

Wenn sich heute Abend um 20 Uhr Peter Wawerzinek im Koeppenhaus an den, für ihn aufgestellten, Lesetisch setzen, wird, um aus seinem preisgekrönten Buch Rabenliebe vorzulesen, dann fließen Erzähler und Autor zu einer Person zusammen, die Wawerzineks erschütternder Geschichte einen Körper, eine Realität, gibt, der man sich kaum wird entziehen können.

Rabenliebe erzählt die Geschichte Wawerzineks einsamer, verlassener und heimatloser Vergangenheit. Als Kleinkind ließ ihn seine Mutter auf ihrer Flucht nach Westdeutschland in der DDR zurück. Über mehrere Jahre hinweg wurde Wawerzinek in Waisenhäusern herumgereicht und brauchte bis ins vierte Jahr hinein, um eine gemeinsame Sprache mit seiner menschlichen Umwelt zu finden. Eine Umwelt, die sich durch gescheiterte Adoptionsversuche immer wieder veränderte. Die eigene Mutter und sein Bezug zu ihr bleiben zeitlebens paradox. Einen Fluchtversuch als Grenzsoldat bricht er, nachdem er bereits die Grenze passiert hatte, wieder ab. Was war es, dass er sich von dieser Person, die ihn in seiner größten Hilflosigkeit verstoßen hatte, erhoffte? Jahre später, nachdem die Mauer bereits gefallen war, wurde die Sehnsucht unerträglich. Er besucht seine Mutter und seine acht Halbgeschwister, doch kann sie dem, über Jahrzehnte aufgebautem, überhöhten Bild nicht gerecht werden und so bleibt es bei dieser einen Begegnung.

Zugegeben, autobiografische Bücher gibt es auf dem gegenwärtigen Büchermartk noch und nöcher. Was Wawerzineks Roman allerdings hervorstechen lässt, ist nicht nur die abgründige Geschichte, sondern auch die sprachliche Rafinesse, die das komplexe Spiel aus Nähe und Distanz, das wenigen biografischen Büchern gelingt, zu jeder Zeit virtuos beherrscht.

Alle Literaturinteressierten sollten sich diese Gelegenheit also nicht entgehen lassen, einen der bedeutendsten und gewaltigsten Romane des letzten Jahres vom Autor persönlich vorgetragen zu bekommen. Die Lesung beginnt um 20 Uhr und kostet 8 und 5 Euro mit Ermäßigung.

Fotos:  User Amrei-Marie via Wikipedia Commons (Peter Wawerzinek); Christine Fratzke (Koeppen)

Weiterführende Links

Geld regiert die Welt – aber wie?

In den vergangenen Tagen eröffneten die Entwicklungspolitischen Tage in Greifswald mit vielen informativen und praktischen Veranstaltungen interessante Perspektiven auf die Themen Geld, Marktwirtschaft und Kapitalismus. Da sich diese nun ihrem Ende (13. November) nähern, blicken wir noch einmal auf zwei der bisherigen Veranstaltungen zurück, die sich der Problematik kaum unterschiedlicher nähern könnten.

Vortrag „Welt Macht Geld“ von Georg Zoche im Koeppenhaus

In seinem Vortrag zu „Welt Macht Geld“ präsentierte Georg Zoche im prall gefüllten Vortragssaal des Koeppenhauses die Ergebnisse seiner Recherche zur Finanzkrise und der modernen Anatomie des Geldes. Nach einer kurzen Einführung zu  grundsätzlichen Aspekten von Geld, beispielsweise seiner allgemein-notwendigen, gesetzlichen Anerkennung und seiner Arbitrarität, kehrte er zum eigentlichen Gegenstand seiner Untersuchungen zurück: dem Dollar.

Georg Zoche bei der Einführung ins Thema

Dieser prägte in wesentlichem Maße den Verlauf der Weltgeschichte seit Ende des Zweiten Weltkrieges. So wurden viele bedeutende, historische Ereignisse wie der Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg, das Amerikanische Mondfahrtprogramm oder der Kalte Krieg durch die USA und somit den Dollar finanziert, jedoch nicht ohne weitreichende Konsequenzen für die Weltwirtschaft. Ausgehend von einer umfangreichen und anschaulichen Darstellung der zur jüngsten Finanzkrise führenden Kausalitätskette, beginnend beim Platzen der „Dot-Com-Blase“ im Jahr 2000, diagnostizierte Zoche die Morbidität des Dollars, d. h. seinen historischen Verfall und seine Krisenanfälligkeit, und die mangelnde Zukunftsfähigkeit des Dollars als Weltleitwährung.

Doch wie kam es überhaupt zur Vormachtstellung des Dollars? Indem die USA die Dokumente der internationalen Währungskonferenz von Bretton Woods im Juli 1944 zu Gunsten ihrer eigenen Währung fälschten, führten sie den Dollar als Weltleitwährung ein und wurden so zur Supermacht des 20. Jahrhunderts. Mittlerweile hat sich auch am Dollar das Triffin-Dilemma bewährt, das unmittelbar daraus resultiert, dass Nationalwährungen zu Weltleitwährungen werden,  und die Frage stellt sich, wie eine zukünftige Finanzordnung ohne eine nationale Weltleitwährung aussehen kann. Dieses Szenario könne durch das Finanzmodell des britischen Wirtschaftswissenschaftlers John Maynard Keynes erfolgreich gestaltet werden. Dieses, von einer übergeordneten Währung und einer Art Gütertauschwirtschaft geleitete Modell, stellte Zoche ebenfalls sehr anschaulich und nachvollziehbar dar. In der abschließenden Diskussion wurden unter reger Beteiligung der Zuhörer mögliche Zukunftsszenarien und die Durchführbarkeit, beziehungsweise Einführbarkeit des BANCOR-Modells besprochen.

Wer genaueres über die Argumentationen und Rechercheergebnisse Georg Zoches erfahren möchte, kann sich das Buch „Welt Macht Geld“ entweder kaufen, auf der website weltmachtgeld.de lesen, oder sich den kompletten Vortrag auf youtube anschauen.

Lange Nacht der Geldgeschichten im St. Spiritus

Brockoli statt Gold, ein Modell mit Zukunft?

Weniger theoretisch ging es bei der Langen Nacht der Geldgeschichten zu. Anstatt die theoretischen Grundlagen und Problemstellungen des Geldes zu erörtern, stellten die Veranstalter die zwischenmenschlichen Aspekte und die moderne, alltägliche Bedeutung des Geldes in den Mittelpunkt ihres Programmes.

Clevere Kurzfilme, Lesungen und musikalische Einlagen regten hier die Besucher teils amüsant, teils melancholisch dazu an, ihr persönliches Verhältnis zu Geld und dessen Wertschätzung als Wert an sich zu reflektieren. Lesungen aus Björn Bickers Buch „Illegal. Wir sind viele. Wir sind da.“ oder Heinrich Bölls „Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“ verbanden das Hauptthema mühelos mit seinen eng verwandten Begriffen Arbeit und Leben. Ein informativer Beitrag zum Nachlasswerk „Wege aus dem Kapitalismus“ des französisch-österreichischen Sozialphilosophen Andre Gorz eröffnete schließlich doch noch einen theoretischen Ausblick auf das Hamsterrad des Kapitalismus.

Zwischen den einzelnen knapp 30-minütigen Programmblöcken bot sich Zeit und Möglichkeit, die verschiedenen aufgebauten Stände im St. Spiritus abzuwandern. Neben einem Kaffeestand, an dem man sich sein Getränk lediglich mit Wasserkocher und Herdplatte zubereitet, genehmigen konnte, stellten unter anderem internationale Hilforganisationen Informationsmaterial zu den angesprochenen Themen aus und bot der Weltladen des St. Spiritus seine Fair-Trade-Waren an. Darüber hinaus konnten Interessierte an der „Druckbar“ Geld drucken, das sie mit individuellen Dingen, zum Beispiel Zeit oder auch Brokkoli, als Alternative zur lange gängigen Praxis, Geld mit Gold zu „versichern“, decken konnten.

Fazit

Sowohl der Vortrag von Georg Zoche, als auch die Lange Nacht der Geldgeschichten erfreuten sich hoher Beliebtheit, die sich nicht nur in vollen Veranstaltungsorten, sondern auch in lebhaften und angeregten Diskussionen rund um Geld, Wirtschaft und Leben äußerten. Es bleibt zu hoffen, dass die Veranstaltungen bei vielen Besuchern Interesse und vielleicht auch Empörung geweckt haben, die in weitere Beschäftigung mit solch globalen Themen resultieren und die Diskussionen am Leben halten. All jenen, die sich bisher zu keiner Veranstaltung durchringen konnten, sei ein Besuch der restlichen Veranstaltungen nahe gelegt, da auch die Themen der Entwicklungspolitischen Tage einen selbst direkter betreffen als man meint und teilweise wahrhaben möchte.

Fotos: Felix Kremser

Jazz im Koeppen: FUSK am 29. Juli

Was passt zu einem lauen Sommerabend? Jazz beispielsweise. Wie passend, dass das Quartett FUSK am 29. Juli im Koeppenhaus zu Gast ist. Dort spielen sie Lieder, die teilweise sehr beschwingt, experimentiell, aber auch idyllisch klingen. Laut eigener Aussage gibt es außerdem unkonventionelle Kompositionen und Improvisationen zu hören. Unkonventionell sind auch die Songtitel: „Ein Kopf Kaffee, bitte“ heißt einer. Ob man den auch im Koeppen bekommt?

Das Koeppenhaus befindet sich in der Bahnhofstraße 4/5.

Gegründet wurde die deutsch-dänische Kombo von Kasper Tom Christiansen. Nebenbei ist der Däne auch in zahlreichen weiteren Musikprojekten tätig, bei FUSK spielt er Schlagzeug. Übrigens bedeutet der Bandname des Quartetts im Schwedischen Gaunereien. Wie das im Zusammenhang mit Jazz aussieht, wird sich am Donnerstag zeigen. Im Koeppenhaus, Bahnhofstraße 4/5, ab 21 Uhr. Der Eintritt kostet acht, ermäßigt fünf Euro.

Fotos: Christine Fratzke

Weitere Informationen:

http://www.whyplayjazz.de/music/fusk

Wiglaf Droste im Lutherhof

Das Koeppenhaus lud Wiglaf Droste nach Greifswlad ein. Er provozierte mit seinem langen Programm ganze 3 Stunden lang, vermutlich gibt es niemanden im Raum den er damit nicht beleidigt hat.

Da es einen solchen Andrang gab wurde die Veranstaltung kurzerhand in den Lutherhof verlegt. Einen Gegner des Protestantismus im Lutherhof zu sehen und zu hören birgt eine gewisse Ironie, doch hört selbst:

[podcast]http://webmoritz.de/wp-content/uploads/2010/03/wiglaf_droste_im_lutherhof.mp3[/podcast]

Abgesagt: Wiglaf Droste kommt heute nicht

UPDATE 29.1., 10:45 Uhr: Wie uns soeben mitgeteilt wurde, fällt die an dieser Stelle angekündigte Veranstaltung aus. Wiglaf Droste hat die Grippe. Wer im Vorverkauf eine Karte erworben hat, kann sie im Koeppenhaus zurückgeben und erhält sein Geld zurück. Allerdings kann man sie zunächst auch behalten – da die Veranstaltung nachgeholt werden soll. Der webMoritz wird über den Nachhol-Termin informieren, sobald er bekanntgegeben wird. Hier die nicht mehr aktuelle Meldung:

Wiglaf Droste

Wiglaf Droste

Nachdem er mehrere Jahre nicht in Greifswald zu Gast war, wird am morgigen Freitag der Satiriker Wiglaf Droste zu einer Lesung in der Hansestadt erwartet. Der Auftritt wurde vom Koeppenhaus initiiert, findet allerdings aufgrund der erwarteten hohen Besucherzahl im Lutherhof (Martin-Luther-Str) statt.

Wiglaf Droste ist nicht, wie das nebenstehende Foto vermuten lässt, der Mensch mit dem dümmsten Gesichtsausdruck der Welt, sondern derzeit einer der bekanntesten Satiriker der Repbulik. Der Autor und Sänger hat sich vor allem mit seinen scharfzüngigen Texten, die mitunter auf der Grenze zur Bösartigkeit liegen, einen Namen gemacht. Das Koeppenhaus schreibt in seiner Veranstaltungsankündigung, er habe sich damit sowohl den Titel „Tucholsky von heute“ als auch „Verbalterrorist“ und „satirischer Amokläufer“ eingehandelt.

Ganz ohne Hintergedanken kommt der 1961 in Herford geborene Künstler, der Redakteur bei der „taz“ und der „Titanic“ war, natürlich nicht nach Greifswald: Mitbringen wird er sein neues Buch „Im Sparadies der Friseure – Eine kleine Sprachkritik“. Darin analysiert er Begriffe wie „zum Bleistift“, „Führerschein“, „schnellstmöglichst“ und so weiter – angeblich „fern jeder Rechthaberei“. Betitelt ist die Lesung allerdings mit „Am Nebentisch belauscht“.

Los geht es um 20 Uhr, der Vorverkauf wird über das Antiquariat Rose, die Stadtinformation und das Café Koeppen abgewickelt. Die Karten kosten 12 €, ermäßigt 8€. Der Erwerb einer Karte im Vorverkauf dürfte empfehlenswert sein.

Bild: user „Superbass“ via wikimedia.org