Schreibtisch voll, Taschen leer.
Die Rektorin mailt: Der Uni fehlen Gelder. Vor einem Jahr hat die Universität einen Sparkurs eingeschlagen. Beginnend mit der Prüfung von Sparmöglichkeiten in den umfangreichen Einnahmen und Ausgaben. Im Konferenzraum des weißen Unihauptgebäudes findet letzte Woche Dienstag auf Einladung der Rektorin die Infoveranstaltung zum aktuellen Stand der Konsolidierung statt. Zwischen den übergroßen Portraits der zwei Männer zu beiden Seiten des Saals sitzt die Rektorin vor einer Präsentation. Vor ihr an einem langen Konferenztisch die Dekan*innen und die Kanzlerin als Leitung der Verwaltung.
Ein strukturelles Problem, vorerst ohne strukturelle Lösungen
Ausschlaggebend für das Budget der Uni ist der Landeszuschuss. Dieser beruht auf der zugehörigen Landesgesetzgebung. Die finanzielle Schieflage entstand mit dem Jahr 2021. In den letzten drei Jahren gab es ein Haushaltsdefizit von durchschnittlich 6,56 Millionen Euro pro Jahr. Die Universität versucht seit fünf Jahren, mit unzureichenden Landesmitteln steigende Kosten zu decken. Ohne Erfolg. Steigende Kosten entstehen zum Beispiel durch höhere Bewirtschaftungskosten, etwa durch das Heizen der vielen Universitätsgebäude. Sie entstehen aber auch, wenn durch die Universität Anforderungen an z. B. Nachhaltigkeit oder IT-Sicherheit erfüllt werden sollen. Solche Standards werden durch neuere Gesetzgebung gesetzt, ohne z. B. ausreichend finanzielle Mittel für diesen Zweck zu vergeben. Mit diesen Geldern könnte beispielsweise eine Stelle geschaffen werden, die die neuen Standards einrichten und durchsetzen soll. Ohne zusätzliche Mittel bei steigenden Anforderungen entstehen Kosten, für die die Uni Mittel aus ihrem eigenen Haushalt aufwenden muss, oder für Mitarbeitende der Universität entsteht eine höhere Belastung durch Mehraufgaben. Einige Anforderungen können schlicht nicht oder ungenügend erfüllt werden. Schon jetzt kann die Universität einige Standards nicht mit ihren Mitteln erfüllen. Es muss entschieden werden, welche Pflichtverletzungen vertretbarer sind als andere.
Daher zog das Rektorat vor einem Jahr die Notbremse. Die Universität droht, ihre Rücklagen aufzubrauchen und in eine finanziell unflexible Situation zu rutschen. Im Fall von unvorhersehbaren finanziellen Aufwänden könnte die Universität in Zukunft möglicherweise nicht mehr reagieren. Die Sparmaßnahmen sind aus mehreren Gründen notwendig. Zunächst darf und muss sich die Universität eigenverantwortlich und selbstbestimmt einen funktionierenden Finanzplan setzen. Davon abgesehen müssen zunächst die Möglichkeiten der Universität selbst, auf ihren Haushalt Einfluss zu nehmen, erschöpft sein, bevor gezielte Forderungen an die Politik gerichtet werden. Schlussendlich fehlt dem Land selbst so viel Geld, dass vorerst keine Hilfe zu erwarten ist.
Dem Land fehlen 2026 knapp 400 Millionen Euro. Die Universitätsleitung geht von einer Verdopplung dieses Defizits bis Ende des Jahrzehnts und einem langfristigen landesweiten Sparkurs aus.
So sehen Sparmaßnahmen aus
Die Universität war dabei, den Haushalt dieses Jahres zu stabilisieren und Sparmaßnahmen in größtmöglicher Zusammenarbeit mit möglichst vielen Beteiligten zu erarbeiten. Ziel ist es, bis Mitte 2032 acht Millionen Euro einzusparen. Die größten Einsparungen werden durch die erarbeiteten Maßnahmen in den Jahren 2027 und 2028 erzielt. Die einzelnen Fakultäten haben Sparziele in Abhängigkeit von ihrer Größe. Aber auch die Zentrale Verwaltung, die Universitätsbibliothek und das Rechenzentrum haben eigene Sparziele beschlossen. Soweit möglich sollen alle Stellen, die in Verwaltung und Lehre frei werden, beispielsweise durch Kündigung oder Ruhestand, für einen bestimmten Zeitraum vakant, also unbesetzt, gehalten werden. Diese Ziele sind folgenreich und werden sich direkt auf den Universitätsalltag auswirken. Durch die Einsparungen in der Verwaltung wird es zu einer höheren Arbeitsdichte auf weniger Bearbeitende kommen. Längere Bearbeitungszeiten für Anliegen werden Geduld erfordern. Die Bibliotheksgebäude werden ab Oktober 2027 kürzere Öffnungszeiten haben und z. B. auf die regelmäßigen Wartungen von Druckern und Ähnlichem verzichten, was zwangsläufig zu einem steigenden Risiko für technische Ausfälle führt.
Auch das Rechenzentrum ist in der Sparverantwortung, obwohl es mit seinen 22 Mitarbeitenden im Vergleich für seine Leistungsstärke ein sehr kleines Team hat und schon deshalb an einem hohen Grad an Optimierung arbeitet. Für das Rechenzentrum sind die Sachausgaben im Budget, z. B. die Anschaffung neuer Geräte oder neuer Hilfsstrukturen für KI-Anwendungen, gekürzt. Das bedeutet, dass sich der Aufbau neuer Dienste verzögert oder entfällt und die Betreuung von Dozierenden und Studierenden bei technischen Problemen reduziert und verzögert werden wird.
In den Fakultäten wird sich die Vielfalt der Lehrangebote reduzieren. Die Wahlmöglichkeiten der Studierenden werden dementsprechend eingeschränkt sein. Der Lehrexport, also beispielsweise Lehrangebote für Studierende mehrerer Fächer und für Studierende im Zweifach-Bachelor, wird aus Sicht der Fakultät unwirtschaftlich, wenn die Angebote aufgrund notwendiger Einsparungen auf das Wesentliche reduziert werden müssen. In den nächsten Jahren könnte dies auf weniger interdisziplinäre Lehre hinauslaufen. Zudem werden Lehrangebote mit größerer Teilnehmerzahl stattfinden. Lehre kann unpersönlicher werden und es ist mit geringer personeller Kontinuität seitens der Dozierenden zu rechnen. Das sind Faktoren, die die Lehre an der Universität und das Verhältnis von Studierenden und Dozierenden nachhaltig verändern können.
Studieren wird teurer
Angesprochen auf die Mehrbelastung der Studierenden und die damit einhergehende sinkende Attraktivität des Studienstandorts weist die Rektorin auf die Notwendigkeit hin, erst die eigenen Finanzierungsmöglichkeiten, die im Landeshochschulgesetz vorgesehen sind, auszuschöpfen, bevor man sich an etwaige Minister*innen einer neuen Regierung wenden kann. Gesetzlich darf die Universität einen Verwaltungskostenbeitrag von 50 Euro erheben. Das ist in neun anderen Bundesländern, so die Rektorin, bereits der Fall. Zum Wintersemester 2027/2028 steigt der Semesterbeitrag bei Immatrikulation sowie zur Rückmeldung zu höheren Fachsemestern auf 171€ an. Für das aktuelle Semster (WiSe 26/27) lagen die Kosten noch bei 152€ für Erstsemester und 127€ für Studierende ab dem 2. Semester.
Was nun?
Die Rektorin bemüht sich um Einflussnahme auf die neue Landesregierung, sobald diese im Amt ist. Dabei geht es um konkrete Forderungen an das Land: Hochschulen sollen als Teil der Landesentwicklung anerkannt und offensiver als Investition in die Zukunft vertreten werden. Die Universität und ihre Investitionen in Ausbau und Modernisierung sollen verlässlich und wettbewerbsfähig finanziert werden. Für die Universität soll es weniger Überregulierungen und mehr Autonomie geben. Außerdem erhofft man sich von der Politik in Zukunft eine langfristige und bundeslandübergreifende Strategie für MV als Forschungs- und Wissenschaftsstandort.
Da die Universität die Rücklagen, mit denen sie Defizite zuletzt aufgefangen hat, fast aufgebraucht hat und jetzt ergriffene Sparmaßnahmen nur langsam Wirkung zeigen werden, fordert die Universität bis 2032 insgesamt acht Millionen Euro, um die Erholung des Haushalts über die nächsten Jahre finanziell abzusichern. Sofern die Universität sich kein Gehör bei einer neuen Landesregierung verschaffen kann, erhofft sich die Rektorin Solidarität bei Protesten.




