Adweb.kalender 15. Fensterchen: Das große Worst of Last Christmas

Adweb.kalender 15. Fensterchen: Das große Worst of Last Christmas

Alle Jahre wieder weihnachtet es auch beim webmoritz.! Hier wird Weihnachtsmusik gedudelt, werden Plätzchen gebacken und Geschichten der vergangenen, diesjährigen und zukünftigen Weihnacht unter flackernden Lichterketten geraunt. Einen Teil dieser besinnlichen Stimmung möchten wir wieder in unserem Adweb.kalender mit euch teilen. Hinter dem 15. Fensterchen erwartet euch: Das große Worst of Last Christmas.

Listen – wenn „weiß ich doch, habe ich im Kopf“ nicht mehr ausreicht. Auch der Weihnachtsmann braucht seine Liste, um wie unser Aschenbrödel die guten Erbsen im Töpfchen des wilden Geschenkespaß von den unartigen Linsen, die nur die Rute verdient haben, zu trennen.
Listen scheinen allgemein im spätesten der zwölf Monate eine erheblich größere Rolle zu spielen, als im Rest des Jahres.
Die drei beliebtesten Corona-Mutationen 2021, Galileo Big Picture: 50 Bilder von Dingen, von denen man irgendwie schon mal gehört hat, aber sich nicht mehr so richtig daran erinnern konnte oder Die 10: Promis, die auch schon mal Weihnachten gefeiert haben, sind wohl nur einige Beispiele für Listen, die es im Dezember noch geben wird. So ist auch diesem Artikel die Aufgabe aufgebunden worden eine Liste von bahnbrechender Bedeutung zu verfassen. Dabei geht es aber nicht um irgendeine Banalität, sondern um das Weihnachtslied schlechthin, dem Weihnachtsmann sein Rudolph, den Mandeln ihr Brand, dem Wein ihr Glüh, dem Michael sein George: Last Christmas.
Deshalb kommt hier die offizielle webmoritz.-lizensierte Liste der schlechtesten oder eher interessantesten Last Christmas Covers und Remixes.

Platz 4: Crazy Frog

Man muss schon sagen, Crazy Frog hat sich zum Klassiker der Bewegung etabliert, die man ohne schlechtes gewissen als Dorf Techno bezeichnen kann. Mit seinen Versionen von Songs wie Popcorn oder Axel F hat er sich in viele Herzen der 2000er gering ting tingt und gewam bam bamt. So ist der auch die Interpretation von Last Christmas durch seine ikonischen Ausgüsse der akustischen Natur geprägt. Begleitet wird die wirklich recht süße Version von einer weiblichen Stimme, die für meinen Geschmack einen zu großen Anteil des Liedes beschallt. Dazu muss jedoch gesagt werden, dass sie das „Happy Christmas“ einem wunderbar schaurig in Ohr flüstert. Enttäuschend ist nur, dass die emotionale Wiederholung der letzten Strophe fehlt, die besonders dem Original seine mitreißende Stimmung verleiht.

Platz 3: Wise guys, A. Hürth

Auch wenn diese deutsche Interpretation wohl eher aus dem Regal „mit Absicht Trash“ stammt, darf sie in keiner Last Christmas Liste fehlen. Der klassische a-cappella-Gesang der Wise Guys wird gekoppelt an den feinsinnigen und grazilen Sprechgesang von A. Hürth. „Kann immer noch nicht glauben, dass du das getan hast, Ich hätt‘ mir fast ’ne Weinachtskugel verpasst“ ist solch eine ausdrucksstarke Dichtung, dass einem die Dramatik der Situation praktisch vor die Füße gelegt wird. Die Einrufe von Herz Herz und Schmerz Schmerz in den lehren Zählzeiten bringen die volle Spannung auch in das Sägewerk Bad Segeberg.

Platz 2: Gummibär

Ich bin ein Gummibär – Das ist wohl das letzte, was Thomas Gottschalk gesagt hat, nachdem man ihn gefragt hat, warum er immer wieder kommt. Der Song des Interpreten Gummibär lädt dagegen zu einen lockeren Right Step, Left Step ein. Spacige Sounds lassen einen das Gefühl haben, dass es sogar im Weltall einen Weihnachtsmann gibt, der durch den Space-Kamin die Space-Geschenke bringt. So entdeckt man, dass sich dies auch in der musikalischen Interpretation wieder findet, während man vorbei an einen Stylophone durch das Autotune Wonderland wandert.
So träumt man in diesem etwas anderen Sound von weißen Weihnachten im Weltall, bis der Fade Out einsetzt.

Platz 1: Alvin & the real Chipmunks

Alvin, Simon, Theodore – Die drei Tenöre einer auditiv manipulierten Welt. Auch sie liefern ein emotionales Stück Musikgeschichte ab. Die drei Streifenhörnchen kombinieren ihre Stimmen in unnachahmlicher Weise, in einer Tonlage, die im Farbspektrum dem infraroten Licht in der Wellenlänge keinen Schritt weichen müsste. Die Klänge der Kleinnager tanzen wunderbar umeinander herum und vertonen so auch einen Großteil der Instrumente. So kann ich mir vorstellen, dass besonders ältere Menschen, deren Hörspanne nicht mehr allzu groß ist, nur einen dumpfen Disco-Rhythmus und keine der Höhen wahrnehmen können. Für alle, die trotzdem Teil des Klangerlebnisses sind, brennt sich das Stück ein wie Kinder, die zu Weihnachten doch bitte noch Jingle Bells auf der Blockflöte für Oma und Opa spielen sollen. Der verdiente 1. Platz geht somit an die Chipmunks.

Beitragsbild: Julia Schlichtkrull 
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Adweb.kalender 7. Fensterchen: Lasst es mit den Weihnachtsfilmen, Netflix!

Adweb.kalender 7. Fensterchen: Lasst es mit den Weihnachtsfilmen, Netflix!

Alle Jahre wieder weihnachtet es auch beim webmoritz.! Hier wird Weihnachtsmusik gedudelt, werden Plätzchen gebacken und Geschichten der vergangenen, diesjährigen und zukünftigen Weihnacht unter flackernden Lichterketten geraunt. Einen Teil dieser besinnlichen Stimmung möchten wir wieder in unserem Adweb.kalender mit euch teilen. Hinter dem 7. Fensterchen erwartet euch:  Lasst es mit den Weihnachtsfilmen, Netflix!

You better watch out
You better not cry
You better not pout
I’m telling you why
Another horrifying Netflix Weihnachtsfilm is coming to your Endgerät

Es ist wieder mal diese Zeit des Jahres: Weihnachten. Es gibt wohl keinen kontroversen Diskurs darüber, dass Weihnachten neben den tollen Themen wie Familie, Liebe und Frieden auch seine schlechten, eisigen Seiten mit sich bringt. Eine Seite davon, über die der*die aufgeweckte Medienkonsument*in jährlich stolpert, ist eine Reihe an neuen Weihnachtsfilmen, die Jesus‘ Geburtstag neu erfinden oder zumindest mit ihrem eigenen, süßen Charme versehen wollen. Genauso tut es auch die allseits beliebte „Kommt-ja-sonst-nix“-Maschine Netflix jedes Jahr. Bislang hatten sie es für mich mit dem 2019 erschienenen, bis jetzt warum auch immer noch nicht zum Weihnachtsklassiker gewordenen „A knight bevor Christmas“ geschafft, dem König Trash die Krone aufzusetzen. Dabei handelt es sich nicht etwa um das bekannte Meisterwerk von Tim Burton, sondern um die geniale Idee, einen Ritter urplötzlich durch irgendeine mysteriöse alte Dame in das moderne Weihnachten 2019 zu teleportieren.  Der Rest des Films besteht darin, dass der edle Ritter bei „High School Musical“-Star Vanessa Hudges einzieht und irgendwelche Aufgaben erledigen muss. Das ist aber auch egal, weil es ist Weihnachten und daher geht es nur darum, die große Liebe zu finden, auch wenn diese in Form von einem Mann kommt, der bis vor ein paar Tagen noch geglaubt hat, dass Magie die Welt zusammen hält. Er hat wohl zu viel „Master of the Universe“ gesehen. Schade, dass das im 21. Jahrhundert nicht mehr der Fall ist, sondern die Kraft der Menschen einzig daher kommt, „bis baldrian“, „Tschüsseldorf“ oder „bis Danni Lowinski“ zu sagen.

Somit befinden wir uns in einer neuen Saison der Festlichkeiten. Auch dieses Jahr wurde sich wieder nicht nur am Titel von Weihnachtsklassikern inspiriert. In „Lovehard“ spielen „Vampire Diaries“-Vampir (würde ich mal sagen, hab ich nicht gesehen) Nina Dobrev und Jimmy O. Yang, der neben Steve Carell und John Melkovich in Netflix‘ „Space Force“ zu sehen war (hab ich gesehen, war so „naja“), die Hauptrollen. Es fällt auf, dass es sich beim Titel um ein Kompositum aus „Love Actually“ („Tatsächlich… Liebe“) und „Die Hard“ („Stirb Langsam“) handelt. Zwei Filme die wohl zu den meistgeliebten, meistgehassten aber auch auf jeden Fall meistgesehenen Weihnachtsfilmen gehören. Spielen die Titel in der Geschichte eine große Rolle? Ja, sie kommen durchaus in entscheidenden Szenen vor. Ist es clever, die gleiche Schriftart wie die Originale zu verwenden? Ja, auch das muss gesagt werden, da so es wohl durchaus öfter dazu kommen wird, dass Nutzer*innen versehentlich auf den Film klicken und die Winterträgheit sie wohl auch zum Weiterschauen zwingt.

Worum geht es? Ich würde hier eine Spoilerwarnung aussprechen, aber im Prinzip erspar‘ ich euch nur die Zeit, dir ihr für diesen Film verschwenden würdet, also bitte, gern geschehen, frohe Weihnachten. Der Basisplott besteht darin, dass Hauptcharakter Natalie beruflich journalistisch von ihren verheerend schlechten Flirt „Altert“ (das Tinder der Flirty Birdys) Dates berichtet. Diese wenig einfallsreiche „Sex and the City“-eske Grundprämisse führt sie dazu, das Datingleben an den Nagel zu hängen. Nur aber, bis ihr eine neue Begegnung in der App aus heiterem Himmel den wohlmöglich perfekten Typen in die vorweihnachtliche Anstrengung zaubert. Sofort kommunizieren sie natürlich ihre tiefsten Gefühle (was man auch sonst mit Fremden macht) und er kennt alles, wofür sie tiefgreifende Empfindungen besitzt. Sie konkurrieren darüber, ob „Love Actually“ oder „Die Hard“ der bessere Weihnachtfilm ist und er kennt auch noch zufällig das Gedichtband, welches die kürzlich verstorbene Mutter Natalie immer vorgelesen hat. Quelle Surprise. Das wird begleitet mit Filmsequenzen, in denen anscheinend die Realitäten beider Personen verschmelzen und beide nebeneinander sitzen oder sich gegenseitig in den Schlaf säuseln. Dabei kommt jedoch die gewisse Würze ins Spiel, denn er wohnt in irgendeinem Dorf am anderen Ende des Landes. Was macht sie? Ja na klar, sie reist zu Weihnachten als Überraschung zu ihm, was soll schon schiefgehen?
Nun, sie wird gecatfished. Nochmal Quelle Surprise. Hot guy (der Name ist wirklich egal) ist gar nicht in echt hot guy. Schade, dafür hat sie aber Glück, dass hot guy trotzdem in der Stadt wohnt. So schließen Catfish Guy und Natalie einen Deal, dass sie über Weihnachten seine Freundin spielt und er ihr dafür hilft, an hot guy heranzukommen. Nun ist es nur noch ein egales Hochdramatisiere und Zugespitze der Situation, weil Catfish guy einen einfach nur gemeinen und egozentrischen Bruder hat und Natalie und Catfish Guy sich aus Versehen verloben, weil die Familie sich doch so freut. Hot guy macht gerne Sachen draußen, Natalie macht eigentlich gar nichts gern, und Catfish guy stellt gerne Kerzen her, die nach toten Familienangehörigen riechen. Am Ende zieht sie die ikonische „Love Actually“ Andrew Lincoln oder doch Boris Johnson Nummer mit den beschrifteten Schildern durch, da sie erkannt hat, dass doch eigentlich sie Catfish Guy liebt. Ende.

Den Film als Weihnachtsfilm zu deklarieren, ist an dieser Stelle durchaus ein Problem. Denn Weihnachten spielt allgemein, bis auf ein bisschen für Rentner singen und Weihnachtsbaum schmücken wirklich keine große Rolle. Daher ist es wohl auch kein Weihnachtsfilm, sondern eher ein „ich hoffe Weihnachten ist bald vorbei“-Film. Das widerspricht jedoch auch dem Handlungsmotiv von Natalie, denn eigentlich ist sie ja doch an hot guy interessiert, möchte aber trotzdem einfach wieder nach Hause. Sie ist dadurch in einem sich gegenseitig widersprechenden zeitlichen Perpetuum Mobile gefangen.
Außerdem ist zu hinterfragen, welchen kategorischen Anspruch der Film an sich hat. Ist es eine Komödie, dann ist Humor mit dem neudeutschen Cringe gleichzusetzen. Andere Ausgüsse an komödiantischem Material sind leider starke Mangelware, sodass es nur gelegentlich auch mal so etwas wie Ironie oder sogar ein Witz ins Drehbuch geschafft hat.
Genauso wird auch versucht, irgendeine Art des Mitfühlens und der Sentimentalität in den Zuschauer*innen zu erwecken. Meistens besteht das jedoch darin, dass Natalie allergische Schocks hat, oder jeder genau eine Vater oder Mutter Figur verloren hat. Das wärmt das Herz jedoch genauso auf wie eine kaputte Heizung.

So muss man schlussendlich feststellen, dass sich wohl auch Netflix‘ neue Weihachtsauslage „Lovehard“ nicht in eine Kategorie der Must Watch Weihnachtsklassiker einordnen wird. Das liegt zum einen daran, dass die Geschichte an keinem Punkt überraschend daherkommt und man immer schon die nächste Szene voraussagen kann. Zum anderen ist es auch kein komödiantisches Meisterwerk, das das Publikum trotz schlechter Geschichte an sich immer wieder zumindest zum Schmunzeln bringt. So muss der Film wohl in die immer beliebter werdende Kategorie des Trashs eingeordnet werden, sodass man sich an der schlechten Machart trotzdem auf die ein oder andere Art erfreuen kann.

Beitragsbild: Julia Schlichtkrull
Bild: Samira Rahi auf unsplash.com 

Fran Lebowitz – Anecken macht Spaß

Fran Lebowitz – Anecken macht Spaß

Humor der Spaß am Spaß haben. Humor kann in ganz verschiedenen Geschmacksrichtungen auftreten. Sanft und süß, kratzig und gemein, rau und böswillig, albern und doof. Alles gerne mit einem Hauch der Fähigkeit, anzuecken. Fran Lebowitz eckt an. Nicht nur allein durch ihre Erscheinung, sondern auch durch gewisse Einstellungen, die zuerst als undenkbar erscheinen können. Aber wer ist Fran Lebowitz überhaupt, und was macht sie so besonders?

Fran Lebowitz ist eigentlich Schriftstellerin. Bekannter ist sie vermutlich durch ihre Auftritte in Talk- und Late Night Shows, die sich sehr an ihren humoristischen Schreibstil anhängen. Nach unerfolgreicher Schullaufbahn zieht es sie Richtung Big Apple. Seitdem ist sie eine echte New Yorkerin. Sie war Kolumnistin bei Andy Warhols Magazin Interview und schrieb zunächst auch für andere Zeitschriften, wie Changes oder Mademoiselle. 1978 erscheint ihr erstes Buch „Metropolitan Life“.
Dabei handelt es sich um eine Sammlung komödiantischer Texte, die sich insbesondere mit New York, dem Verhalten von Menschen und Kunst auseinandersetzen. Im ähnlichen Stil wird auch ihr zweites Werk, „Social Studies“, 1981 herausgebracht. Seitdem hängt sie in einer selbst benannten Schreibblockade, die bis zum heutigen Tage anhält.
Einzig 1994 erschien noch ihr Kinderbuch „Mr. Chas and Lisa Sue Meet the Pandas“. In diesem träumen pizzaliebende New Yorker Pandabären davon, nach Paris auszuwandern. Zusammen mit Martin Scorsese dreht Lebowitz 2010 eine Dokumentation über sich selbst und ihre Ansichten zu verschiedensten Themen. Ähnlich ist auch in diesem Jahr die Dokumentationsserie „Pretend It´s a City“ erschienen. Diese fängt den gesamten Charme von New York City ein und vermischt diesen mit den intelligenten und manchmal einfach nur lustigen Bemerkungen von Fran Lebowitz.

Fran Lebowitz mag keine Tiere. Zumindest nicht bei ihr. Sie geht ja auch nicht zu ihnen, warum sollten sie zu ihr kommen.

Fran Lebowitz besitzt kein Handy oder Smartphone.
Wozu auch? Jeder in ihrer Nähe hat eins.

Fran Lebowitz mag keine digitalen Taschenrechner.
Besonders bei Kindern. Kinder sollten nicht in der Lage sein 245*779 zu auszurechnen. Sowas machen Kinder nicht.

Fran Lebowitz möchte kein Gästezimmer in ihrem Apartment. Denn wenn du in New York ein Gästezimmer hast, dann hast du auch einen Gast. 

Fran Lebowitz hat Meinungen, die für manche absurd klingen können. Wie kann sie nur keine Tiere mögen. Aber immer begründet sie ihre Aussagen in ihrer eigenen charmanten und witzigen Art.
Rauchen und Rache planen sind ihre Hauptaktivitäten. Sie gehört in jedem Fall nicht zu der Kategorie: Alle sehen gleich aus. Ihre Frisur ist daher eines ihrer Markenzeichen. Dieses in Kombination mit gestreifter Hornbrille und Sakko macht sie zu einem echten Unikat. Dazu drückt sie aus, was für die meisten Einheimischen wirklich New York ist: Geldsorgen und die Suche nach einem neuen Appartement. Sie sagt selbst, dass niemand, der*die in der Stadt, die niemals schläft, lebt, sich das Leben auch leisten kann. Aber ihre Themen sind nicht unbedingt beschränkt. Sie interessiert sich einfach für manches nicht. Und das ist in Ordnung. Das hilft nur dabei, sich mehr in ihren Zynismus hineinzuversetzen. Zu sehen ist das in vielen legendären Late- Night Auftritten, besonders innerhalb der 90er-Jahre. Daher stellt dieser Auftritt in der Show Late Night With Conan O‘Brian ein sehr gutes Beispiel da.

Fran Lebowitz könnte als stehen geblieben angesehen werden. Ihre Abneigung für technische Entwicklung ist dafür wohl das erste Argument. Es ist aber auch möglich, die Sicht auf eine positive Weise zu drehen. Sieht man sie sich an, stellt man wohl fest, dass sie für sich nicht viel verpasst hat, weder an neuen Gerätschaften oder Trends, noch an hippem Sonstigen. Vielleicht kommt man sogar zu der Feststellung, dass nicht jede neue Entwicklung von allen verfolgt werden muss. Fran Lebowitz steht mit so viel Charakter genau für die Person, die sie ist. Und genau das macht sie auch so charmant, stillvoll und witzig.

Beitragsbild: Fabian Kauschke
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Mimimi-Mittwoch: Lifehacks – Lösungen für Probleme die keiner hat

Mimimi-Mittwoch: Lifehacks – Lösungen für Probleme die keiner hat

Stell dir vor, du hast ein minderes Problem. Du bekommst zum Beispiel eine Dose köstlicher Dosenravioli nicht auf, weil du keinen Dosenöffner besitzt und die Kraft deiner Pranke nicht ausreicht, die Oberfläche einfach aufzureißen. Was also tun? Achtung Lifehack! Du brauchst: Gabel, Akkuschrauber, Heißklebepistole, Dosenöffner, Plastikschirmchen. Anleitung: Bohre zwei Löcher in die Enden der Gabel, klebe das Plastikschirmchen für den Style an die Zinkenseite der Gabel, kauf dir einen Dosenöffner, öffne mit dem Dosenöffner die Dose. Dank mir später.

Lifehacks können kleine Lebenshilfen sein, das ist vermutlich nicht abzustreiten. Aber um diese zu finden, muss man durch eine Menge von absurdem Blödsinn durch. Ein beliebtes Mittel für jede Art von Tipp ist der Einsatz von Klebemitteln. So ist die Heißklebepistole des Lifehackers heiliger Gral. Genauso, nämlich mit dem altbewerten Outside-the-Box-Denken, müssen in einer modernen Gesellschaft Probleme angegangen werden. Die Lösung ist ganz klar, wenn man beispielsweise zwei Striche in einem bestimmten konstanten Abstand nebeneinander zeichnen möchte. Einfach zwei Stifte aneinandergeklebt und tada! Warum man so etwas tun sollte? Na weil es möglich und es angeblich so einfach ist. Brandblasen beim Benutzen von Heißklebepistole gehen aufs Haus.
Vielleicht liegt es an der medialen Darstellung, dass Lifehacks bei mir nicht auf den intendierten Erfolg treffen. Das ist aber auch einfach zu erklären, denn niemand sucht wirklich nach diesen Tipps. Sie werden einfach in die Timeline irgendeiner Plattform gespült und prompt kann ich sehen, wie ich hippe Löcher in meine Hose bekomme (Ja, die Antwort ist, wie es wohl zu erwarten war, eine Schere zu nehmen und Löcher einzuschneiden. WOW).
Clickbait is coming home, wie auch sonst sollte man Aufmerksamkeit generieren. Sinnvolle Inhalte sind ja wirklich das Letze. Stattdessen lieber die Zuschauer*innen auffordern, die Inhalte nicht selbst Zuhause nachzumachen, obwohl das eigentlich genau der Sinn von Lifehacks ist. Egal, lieber noch ein paar crazy Emoticons daneben und fertig ist ein schickes Lifehackvideo mit Tipps für niemanden. Das Pacing dabei ist, wie überall in der modernen Gesellschaft, eines der wichtigsten Elemente. Ein richtiges Lifehackvideo möchte möglichst unpassend schnell die Tipps geben. Das bedeutet, dass beispielsweise ganze Einrichtungen von Wohnzimmern durch den Teilchenbeschleuniger geschossen werden, sodass der*die Zuschauer*in absurde Mengen an Bildern ohne zu erkennenden Zusammenhang präsentiert bekommt und daher gar nicht mehr versteht, was passiert.

Gehen wir aber von dem wirklich seltenen Fall aus, dass jemand einen Lifehack sieht und sich denkt: Das sieht doch cool aus! Dann kann ich nur versichern, dass es einen einfacheren Weg für die Lösung des Problems gibt. Du möchtest dein Popcorn nicht aus der gleichen Schüssel snacken wie dein Geschwisterchen? Dann kannst du entweder die eine Schüssel nehmen, sie in Folie einwickeln, mit Klebestreifen abkleben und dann bügeln, sodass eine neue sau hässliche Plastikschüssel entsteht. Oder, und auf die Idee muss man doch wirklich erst einmal kommen, man nehme sich eine zweite Schüssel aus dem Schrank. Der aufmerksame Lifehack-Kenner würde darauf vermutlich antworten, dass es genau darum geht, keine zweite Schüssel zu haben, sondern sich Alternativen zu suchen. Na dann isst der eine halt aus der Schüssel und der andere aus der Tüte! So schwer kann das doch nicht sein, denn der Aufwand der hier künstlich erschaffen wird, ist wohl um einiges größer.

Kommen wir aber zum Schluss, zu der eigentlichen Kernaufgabe von Lifehacks: den Menschen zu helfen. Leider versagen die kleinen süßen Tipps und Tricks auch darin, sodass man wohl eher Omas Küchenratgeber folgen sollte, in dem jeder Tipp nur aus irgendwas mit Natron besteht. In den meisten Fällen ergeben sich nach dem Konsum der lustigen Videos sowieso mehr Fragen, als man vorher hatte. Meistens lauten diese: Warum? Weshalb? Wieso denn bloß?
Also ist letztendlich wirklich nur ein einziger Lifehack wichtig: schaut keine Lifehacks.

Beitragsbild: Jo Szczepanska auf unsplash.com 
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moritz.playlist – Cage the Elephant

moritz.playlist – Cage the Elephant

Musik Töne mit Zusammenhang, oder gerne auch ohne. Im Prinzip systematischer Krach. Jede*r hat schonmal Musik gehört, aber was ist die Geschichte hinter den einzelnen Stücken, auch Lieder genannt, und womit verbinden wir sie? Was lösen sie in uns aus und wer hat sie erschaffen? webmoritz. lässt die Pantoffeln steppen, gibt vor, was angesagt ist und buddelt die versteckten Schätze aus. Unsere Auswahl landet in eurer moritz.playlist.

Cage The Elephant verfolgen keineswegs Ambitionen in einer Karriere als Tierfänger. Im Gegenteil: Der Name entstand im Gründungsjahr 2006, als ein psychisch beeinträchtigter Mann die Gruppe nach einem Auftritt aufsuchte, den Sänger Matt Shultz umarmte und immer wieder sagte: „You have to cage the elephant“. Von da an verkehrten sie als Cage The Elephant und produzierten bis zum heutigen Tag fünf Studioalben, beginnend im Jahre 2008 mit dem kreativen gleichnamigen Album „Cage The Elephant“. Dabei verhielt sich ihr Song „Aint‘t No Rest For The Wicked“ für die aus Kentucky stammende Gruppe eindeutig als Dosenöffner Richtung Ravioli der ganz großen Bühne. Fortan waren auch die kommenden Platten „Thank You Happy Birthday“ und „Melophobia“ große Erfolge, da die Musik mit traumhaften Melodien geschmückt wurde. Melophobia bedeutet dabei eigentlich so viel wie „Angst vor Musik“, soll jedoch dafür stehen, Musik unter falschen Voraussetzungen zu schreiben, um den sozialen Standards gerecht zu werden oder unter die Etikette des „Cool-Seins“ zu fallen. Die neuesten Alben „Tell Me I’m Pretty“ und „Social Cues“ gewannen jeweils den Grammy Award als beste Rockalben.

Bei Cage The Elephant findet man alles, was man in einer Indie Rockband suchen kann. Vom Punkeinfluss der früheren Alben entwickelten sie einen ganz eigenen Sound, der sich nur schwer beschreiben lässt. Besonders ist er allemal, denn es wird sich nie zu sehr auf etwas festgelegt. Stile werden innerhalb der Alben, von Lied zu Lied, gelegentlich geändert, dem Kernkonzept wird jedoch immer treu geblieben. Zu außergewöhnlichen Gitarrenriffs gesellen sich ruhige Passagen an den passenden Stellen. Thematisiert wird oft das Sonderbare oder Besondere in der Masse. So sind auch Depressionen und das Nicht-Funktionieren häufig besprochene Komplexe.

Auf die moritz.playlist kommen drei ganz besondere Lieder der Gruppe selbst sowie zwei Lieder der Support-Acts der letzten Tour 2020 SWMRS und Post Animal. Der erste Song ist „Back Against The Wall“ aus dem Debütalbum „Cage The Elephant“. Er spiegelt die Divergenz, von der die Band bereits in frühen Tagen lebt, perfekt wider. Durch den sichten Beginn wird bis zur letzten kräftigen Note ein Spannungs- und Euphorieaufbau vollzogen. Anders verhält es sich mit „Cigarette Daydreams“. Das Lied ist vom ersten bis zum letzten Ton einfach nur perfekt. Kein weiterer Kommentar nötig.
„Telescope“ ist ein textliches und emotionales Meisterwerk. Interpretationsfreiheiten lassen offen, ob es reine Depressionen und das Gefühl der Verlorenheit thematisiert, oder als Anlass zum Aufstehen und Etwas-Schaffen gewertet werden kann. Allemal lädt es zum Träumen ein, wobei auch mal eine Träne verdrückt werden kann.
Der Support-Act meiner persönlichen Cage The Elephant-Erfahrung SWMRS ist auf dem Weg, ein ähnlich wunderbares Werk zu schaffen. In „Lose it“ schafft die Band, in der auch Billie Joe Armstrongs Sohn Joey Armstrong Mitglied ist, eine nostalgisch soft-punkige Atmosphäre.
Schlussendlich bietet Post Animals „Googles“ einen Einblick in den psychedelic Rock.

Mit Cage the Elephant kann man sehr lange Spaß haben. Die Musik lädt dazu ein, ein Album nach dem anderen durchzuhören. Und dann, wenn man die Songs kennen und lieben gelernt hat, bleiben sie an einem heften wie Heftklammern. Die textlich und audiotive Mischung bringt einen zum nostalgischen Schwelgen, oft kann man einfach die Seele baumeln lassen. Gleichzeitig gibt es aber auch genug zum aus allen Löchern Mitsingen und zum hektischen aber begeisterten Füßewippen. Was möchte man schon mehr in einer Zeit von austauschbarer Belanglosigkeit?

Titelbild: blocks auf unsplash.com
Beitragsbild: Patrick Perkins