advents.kalender 2019: 17. Türchen – Vorlesung am 25. Dezember

advents.kalender 2019: 17. Türchen – Vorlesung am 25. Dezember

Es weihnachtet sehr, auch in Greifswald – und besonders bei den moritz.medien. Mit dem advents.kalender geben wir Euch weihnachtliche Tipps, Tricks, Erfahrungsberichte, Rezepte uvm. für die Adventszeit. Öffnet jeden Tag ein Beitrags-“Türchen”! Im heutigen Türchen: russische Weihnachten.

Es ist Weihnachten, aber am 25.12. ist Vorlesung? Wie passt das zusammen?

Ganz einfach! Es ist Weihnachten in Russland. Der Nevskij Prospekt in Sankt Petersburg ist seit einem Monat geschmückt und in Moskau funkeln die Sputniks als Weihnachtsbaumdeko. Die Weihnachtsferien beginnen in Russland trotzdem erst am 31.12. – zu Silvester!

Geschenke, trotz Weihnachtsverbots

Zum Neujahresfest bekommen die russischen Kinder Geschenke und Väterchen Frost (Дед Мороз) kommt vorbei. Das erinnert stark an unseren Heiligabend, das ist es eigentlich auch. Allerdings wurden in der Sowjetunion alle christlichen Feierlichkeiten unterbunden und verboten, so auch Weihnachten. Die Einwohner*innen der Sowjetunion sind für ihre Kreativität bekannt und übertrugen viele Weihnachtsbräuche 1917 auf das erlaubte Neujahrsfest. Aus dieser Tradition heraus wird der erste Januar immer noch größer gefeiert als der siebte Januar.

Das Weihnachtsverbot scheint überwunden – selbst Lenin wird zum Schneeprinzen. (Metrostation: Moskovskaya, Sankt Petersburg)

Verspätetes Weihnachtsfest

Der siebte Januar ist seit 1991 der offizielle Weihnachtsfeiertag in Russland. Dieses etwas verspätet wirkende Datum kommt durch den alten julianischen Kalender, nach dem sich die russisch-orthodoxe Kirche richtet, zustande. Der alte julianische Kalender hat zur modernen Zeitzählung sozusagen 13 Tage Verspätung – so wird Weihnachten also 13 Tage nach dem 25. Dezember gefeiert. Ganz einfach!

Die Nacht vom sechsten auf den siebten Januar wird von christlich-orthodox gläubigen Russ*innen in der Kirche verbracht, dort findet die Weihnachtsmesse statt.

Kitsch gegen das Vergessen

Das Verbot der Kirche in der Sowjetunion hat noch heute in vielen russischen Familien das Weihnachtsfest etwas in den Hintergrund gerückt. Umso erstaunlicher ist es, wie sehr die Straßen in Sankt Petersburg und Moskau schon einen Monat vorher weihnachtlich geschmückt sind. Auffällig ist aber immer wieder der Hinweis auf den Jahreswechsel, neben Weihnachtsbäumen und bei Lametta darf ein glitzerndes „2020“ nicht fehlen. So feiert Russland einfach ein eigenes Weihnachten, während im Rest der Welt „nur“ Silvester gefeiert wird – in der Nacht vom 31. Dezember auf den ersten Januar.

Auf der Weihnachtsdekoration wird schon das neue Jahr eingeläutet. (GUM, Moskau)

Bilder: Anne Frieda Müller
Beitragsbild: Till Junker
bearbeitet von: Anne Frieda Müller

Der Name einer Krimiserie, mit Blumen auf der Bühne: Broen

Der Name einer Krimiserie, mit Blumen auf der Bühne: Broen

Broen wird [Bruen] ausgesprochen und heißt “die Brücke” auf Deutsch. Die norwegische Band ist durch ihre aufwendigen Kostüme bekannt geworden, die Ihr in ihren Videos bewundern könnt. Wir haben sie im Rahmen des Nordischen Klangs interviewen dürfen, auch wenn sie diesmal nicht ganz so aufwendig kostümiert waren. 


Die fünf Norweger*innen vereinen Synthiemusik mit Pop, Gesang und einer Tuba.
Die Band heißt durch einen Zufall Broen, also Brücke. Lars, der Drummer (der leider nicht in Greifswald mitspielen konnte) war wandern und dachte sich, dass das ein guter Name wäre – nicht zu kurz und nicht zu lang. Denn, wie die Band uns verriet, werden lange Bandnamen doch eh gekürzt, also warum nicht gleich einen kurzen Namen wählen?

Der einzige Zufall war, dass es die Skandinavische Serie “Broen”, bei uns “Die Brücke – Transit in den Tod”, schon gab. Produziert wird diese aber in Schweden und Dänemark. Trotzdem gefiel der Name und er blieb.

“Even though they are made from plastic.”

Auf die Frage, warum sie so aufwendige Kostüme tragen und etwas abgedreht tanzen, sagt uns die Sängerin Marianna: “Because I feel it!” Die Bewegungen und die Kostüme kommen von Herzen und aus der Leidenschaft für die Künste heraus. Heida, die die Tuba auf der Bühne spielt, bekommt die Ideen und will diese dann umsetzen. Die Gruppe hatte schon verschiedenste Kostümphasen: die goldene Periode, die silberne Periode und momentan die blumende Periode, sozusagen. Heida erklärt uns, dass sie die Natur auf die Bühne bringen will. “Auch wenn die großen Blumen aus Plastik sind.”, sie lacht dabei.

Norwegen unterstützt junge Künstler*innen

Auf die Frage, wann sie sich getroffen haben und entschieden, eine Band zusammen zu gründen, kommen verwirrende Konstruktionen als Antwort: Hans und Marianna haben schon zusammen gespielt, Hans und Lars haben eine gemeinsame Gruppe, Anja und Heida spielen noch zusammen in einer anderen Band. Irgendwie kannten sich alle schon länger, irgendwie machen alle noch in vielen anderen Gruppen, Projekten und Bands Musik zusammen. Das liegt daran, dass der Staat Norwegen viele neue Musikprojekte unterstützt. Musik ist für die norwegische Bevölkerung sehr wichtig, die meisten Kinder lernen ein Instrument. Die Musikkultur wird gefördert und ist im ganzen, dünn besiedelten Land ausgebaut. Bands spielen auf großen Bühnen, in Schulen und in kleinen Gemeindezentren, da wird kein Unterschied gemacht.

So kommt es auch, dass alle Mitglieder der Band Broen von der Musik leben können. Sie spielen alle verschiedene Genres, in verschiedenen Gruppen.


Sechs Songs in einer Nacht

Vor ihrem ersten Konzert schrieben sie erstmal 5-6 Songs – in einer Nacht! Die Songs handeln von den großen Fragen des Lebens, was sie so denken. Es geht viel um die Natur und wie es so ist, ein Mensch in dieser Gesellschaft zu sein. Es geht erstaunlich wenig um die Liebe, eher um Gender- und Umweltfragen, ohne politisch sein zu wollen. Die Band will nur ihre Gedanken darstellen und verarbeiten.

Und obwohl die Band norwegisch ist und in Oslo ihren Hauptstandort hat, singt Marianna auf Englisch. Warum ist das so? “Ich bin Griechin und spreche Englisch seit ich vier Jahre alt bin. Deswegen kann ich Englisch einfach besser als Norwegisch. Aber vielleicht kommt das ja noch oder vielleicht bald sogar griechische Songs!”

Danke für das Gespräch! Mehr zu der Band findet Ihr auf der Facebookseite und beim Intro Magazin.

Noch mehr Nordischen Klang findet Ihr bei
moritz.tv – genießt die kühle Brise aus dem Norden in der heißen Prüfungsphase!

Bilder: Anne Frieda Müller

Grüne Politik in MV besprechen – ein Interview mit Robert Habeck und Ulrike Berger

Grüne Politik in MV besprechen – ein Interview mit Robert Habeck und Ulrike Berger

Nach dem Wahlerfolg der Grünen wäre es bestimmt spannend, ihn heute nochmal zu sprechen – Robert Habeck. Der Parteivorsitzende der Grünen war vor den Wahlen zu Besuch in Greifswald. Mit einem vollen Programm – schließlich musste er die ganze Stadt und ihre engagierten Leute an einem Tag kennenlernen. Abends stellte sich Robert Habeck wacker den Fragen der Greifswalder*innen in der Stadthalle, im Rahmen des „townhall meetings“. Auch wir von den moritz.medien durften ihm einige Fragen stellen. Für die kommunalpolitischen Fragen stand ihm Ulrike Berger zur Seite.

Im Lichtblick warten wir gespannt. Als dann Robert Habeck und Ulrike Berger ins Café kommen, fällt die Nervosität doch ab. Sie sind ja auch nur Menschen – die gerne Rede und Antwort stehen. Hier zeigen wir Euch einen Einblick in das Gespräch vom 26. April 2019.

moritz.: Sie haben sich aus den sozialen Medien etwas zurückgezogen. Wie geht es Ihnen und Ihren Wähler*innen damit?

Habeck: Mir geht es gut damit. Im Januar habe ich mich von Facebook und Twitter zurückgezogen, nachdem ich den gleichen Fehler gleich zweimal begangen habe – einfach so ein dämliches Video zu posten. Die Handbewegung, mal kurz zu gucken, was da abgeht, kenne ich nun nicht mehr. Damit bin ich diese permanente Ablenkung losgeworden. Ich habe dadurch größere innere Ruhe und Entspanntheit gefunden.

moritz.: Aber wie reagieren Ihre Wähler*innen darauf, dass sie jetzt keinen direkten Draht mehr zu Ihnen haben?

Habeck: Man darf nicht vergessen, dass in Deutschland nur knapp zwei Prozent der Bevölkerung überhaupt einen Twitteraccount haben und nur rund 600.000 Menschen in Deutschland Twitter täglich benutzen. Ich bin nach wie vor gut über E-Mail erreichbar oder im Wahlkampf vor Ort bei den Bürgern. In den sozialen Medien bin ich nach wie vor auf Instagram aktiv und schreibe meinen Blog. Der direkte Kontakt ist also nicht wirklich eingeschränkt.

moritz.: Können wir die Welt noch retten oder sind wir dem Untergang aufgrund des Klimawandels geweiht? Was können kleine Städte wie Greifswald machen, um die Folgen des Klimawandels etwas abzuschwächen?

Berger: Wenn wir die Hoffnung auf die Weltrettung aufgegeben hätten, könnten wir einpacken. Aber wir machen weiter, sind unterwegs, haben Ideen, haben Visionen. Hier in Greifswald geht es mit der Verkehrssituation los. Wir wollen es zum Beispiel für Pendler und Pendlerinnen attraktiv machen, ihr Auto am Stadtrand stehen zu lassen und mit dem ÖPNV in die Stadt zu kommen. Wir sollten Radwege in der Stadt und im Umland besser ausbauen. Außerdem wollen wir energiesparender bauen. Das erreichen wir über den silbernen Energiestandard bei öffentlichen Gebäuden, Isolierung und Wärmedämmung. Und dann haben wir noch das Thema Müllvermeidung.  Hier kommt das Projekt Recup besonders gut an. Da machen viele Cafés, wie auch das Lichtblick, mit. Wir wollen das weiter verbreiten. Es gibt viel zu tun, aber wir arbeiten hart an der „Verbesserung der Welt“.

moritz.: Glauben Sie denn, dass wir die Welt noch retten können?

Habeck: Ich weiß, dass die Szenarien bedrückend sind. Wenn man es sich zu Herzen nimmt, wie weit wir schon im Anstieg der Temperaturkurve sind und wie wenig Zeit wir noch haben, dann kann einem angst und bange werden. Auf der anderen Seite: Wenn in den letzten Jahren auch politisch wenig bis nichts passiert ist, so sind die Techniken doch alle da. Lösungen sind also möglich. Das ist die gute Nachricht. Wir haben keinen Mangel an Erkenntnissen, wir haben auch keinen Mangel an Alternativen, wir haben im Moment nur einen Mangel an politischer Entschlusskraft. Wir müssen aufhören, uns mit Plänen für 2040 oder 2050 zu überbieten. Es nützt nix, zu versprechen, wie großartig wir da sind, aber jetzt, 2019, 2020, 2021, machen wir erstmal gar nichts. Das ist pure Hinhaltetaktik. Jetzt geht es ums Tun, nicht um abstrakte Ideen.

Berger: Genau! Einfach mal machen. Wenn wir wissen, dass jede vierte Autofahrt nur bis zu 2 km lang ist, muss ein Umdenkprozess einsetzen. Das sind Strecken, die könnte man zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV zurücklegen. Politiker*innen könnten das z. B. mit einer besser ausgebauten Fahrradinfrastruktur umsetzen.

moritz.: In der heutigen Zeit wissen die meisten der Wähler*innen über den Klimawandel Bescheid. Sind Trump und AfD da das Beste, was den Grünen passieren konnte?

Habeck: Nein, das wäre höhnisch und zynisch. Ich würde mir eine politische Welt ohne Trump und AfD wünschen. Strategisch sollten wir uns nicht auf die AfD einlassen. Die verursachen einen Skandal und wir antworten darauf, um das Argument zu entkräften. Damit wiederholen wir nur ihre Aussage – und da müssen wir raus. Wir wollen eine positive Veränderung, aus der eigenen Motivation heraus. Die Kraft, die den Menschen meiner Meinung nach wirklich mobilisiert, ist die des Mitmachens und des Möglichmachens. Bekräftigt durch Fridays for Future und das Volksbegehren in Bayern sehen wir, dass sich die Stimmung wieder dreht.

moritz.: Warum nennen sie das Treffen in der Stadthalle townhall meeting? Ist das eine Anspielung auf den US-amerikanischen Wahlkampf, wie ihn z. B. Bernie Sanders betreibt?

Habeck: Ja, es ist tatsächlich aus anderen Wahlkämpfen übernommen. Es ist sozusagen ein sehr, sehr großer interaktiver Stuhlkreis. Niemand weiß, wo der Abend hinführen wird – zu Wölfen, Windkraft oder Häuserdämmung. Wenn ich eine Rede herunterrattere, dann kann ich mich zwar versprechen, aber im Grunde bin ich auf sicherem Boden. Beim townhall meeting muss ich manchmal sagen: „Oh, die Frage kann ich nicht beantworten, tut mir leid. Geben Sie mir mal Ihre E-Mail-Adresse. Ich schreibe Ihnen in drei bis vier Tagen.“ Das Format macht es freier und offener.

moritz.: Würden Sie generell, egal ob auf Bundes-, Landes- oder Kommunalebene, mit der CDU koalieren?

Berger: Im Landtag und in der Bürgerschaft ist die Politik fast schon ein bisschen Wellness. Da sitzen 43 Abgeordnete und keine Regierung und Opposition. Dort arbeiten wir wirklich ergebnis- und inhaltsorientiert. In der Kommunalpolitik können wir und alle anderen Anträge von allen Fraktionen unterstützen, wenn sie uns zusagen. Seit die CDU den Oberbürgermeister abgeben musste, sind sie allerdings etwas verbohrt. Als sie den Oberbürgermeister noch stellten, konnten wir uns öfter annähern und auf Vorschläge einigen. Jetzt lehnen sie leider immer mal wieder Anträge ohne Begründung ab. Das ist sehr schade. [Anm. d. Red.: Das Interview fand vor den Kommunalwahlen statt. Jetzt wird die Stimmung in der Bürgerschaft bestimmt eine andere sein.]

Habeck: Auf Bundesebene sollten alle demokratischen Parteien miteinander koalitionsfähig sein – auch über die alten Lager und die gewollten Partnerschaften hinaus. Die momentane Bundesregierung beweist das ja. Niemand wollte eine Große Koalition. Jamaika hat nicht funktioniert und jetzt haben wir doch die Große Koalition. Im politischen System ist momentan viel Dynamik. Umgekehrt heißt das aber nicht, dass wir ein Bündnis mit der CDU anstreben. Wir werden sehen, was bei der nächsten Wahl herauskommt. Jetzt ist es noch viel zu früh und unnötig, über Koalitionen zu sprechen.

moritz.: Die CDU macht Werbung, dass sie Arndt sind. Wie wichtig ist Lokalpatriotismus für die Grüne Lokalpolitik?

Habeck: Namen können sehr politisieren. Ich war zum Beispiel auf der Heinrich-Heine-Schule. Das hat mich damals sehr geprägt. Ich habe angefangen, seine Literatur zu lesen. Heine war Jude, linker Schriftsteller und hat sich über das nationale Deutschland lustig gemacht. Die Namensänderung von Kreisgymnasium zu Heinrich-Heine-Schule hat in den 1980ern eine Riesendebatte über Heine entfacht. Die ging bis in Die Zeit, weil die CDU damals eine Kampagne startete, dass ein Vaterlandsverräter doch nicht Namensgeber des schönen Gymnasiums werden könne. Ich habe kein Problem mit Namenspatronen, aber Arndt hat – zwar in seiner Zeit, um das vielleicht ein Stückchen zu rechtfertigen – nationalistische und antisemitische Werke geschrieben. Ich verstehe, wenn man sagt, dass ist der falsche Patron. 

Berger: Ja, total. „Wir sind Arndt“ ist einfach kein Wahlthema. Wir können gerne über Mobilität und den Fachkräftemangel überall reden. Über Schulen und den Ausbau von Kitas. Arndt ist keins davon. Ich frage mich wirklich, ob der CDU die Themen langsam ausgegangen sind. Wie die Uni heißt, kann die Stadt gar nicht mitentscheiden.

moritz.: Greta Thunberg hat jetzt mit 16 Jahren schon so viel gerissen. Kann ich als kleine Studierende überhaupt noch was reißen? Und sollte ich mich in meinem Studium jetzt lieber beeilen oder lieber nicht?

Berger: Das Studium solltet Ihr genießen. Für mich war das die Zeit, in der ich begann, mich ehrenamtlich zu engagieren. Ich glaube, dass Greta Thunberg zeigt, dass jede*r alle Möglichkeiten hat. Und darum geht es auch: Die Leute in der Entwicklung, also vom Kindergarten an, so fit zu machen, dass jede*r alle Möglichkeiten hat. Das beginnt beim Schulabschluss, der Ausbildungsmöglichkeiten eröffnet. Es geht darum, für jedes Kind die bestmöglichen Chancen zu schaffen. Ich bin Bildungspolitikerin.

moritz.: Also würden Sie sagen politisches Engagement oder im Seminar sitzen?

Berger: Bestenfalls kann man es miteinander verbinden.

Habeck: Fridays for Future zum Beispiel ist politische Bildung unter Live-Bedingungen. Dort lernen die Kinder Zivilcourage und sich in die Demokratie einzubringen. Also genau das, was sie im Unterricht theoretisch lernen. Trotzdem ist es richtig, wenn auch vielleicht etwas großväterlich, zu sagen: Macht Eure Abschlüsse, macht die Dinge fertig, die Ihr angefangen habt. Aber macht, was Ihr wollt und zieht das durch!

moritz.: Lieber zur Kommunalwahl oder zur Europawahl?

Berger: Wieso denn entscheiden? Das ist doch das Schöne an MV: Hier können wir beides an einem Tag wählen. Europa geht nicht ohne die Kommunen.

moritz.: Herr Habeck, möchten Sie eher als beliebtester Politiker oder als der, der etwas bewirkt hat in die Geschichte eingehen?

Habeck: Natürlich letzteres. Beliebtheit ist in jeder Hinsicht irrelevant und eher unangenehm.

Vielen Dank für das Interview!

Bilder: Ole Kracht

Die ganze Welt ist eine Bühne

Die ganze Welt ist eine Bühne

Unter diesem Motto kommt russische Kultur nach Greifswald – und das gleich dreimal!

Das Theater-Studio der staatlichen Universität St. Petersburg kommt nach Greifswald und präsentiert mit Hilfe der Greifswalder*innen die russische Kultur und Theater.

„Das majestätische Wort“ macht den Auftakt. Der Slawistikchor unserer Uni „Choryllisch“ beginnt mit einem musikalisch-poetischen Abend. Am Mittwoch (26.06.) beginnt das Spektakel um 20 Uhr in der Freien Waldorfschule (Hans-Beimler-Straße 79-83). Es werden russische Gedichte aus dem 19. Jahrhundert, u.a. von A. S. Puschkin und M. J. Lermontov inszeniert.

Das Titelstück „Die ganze Welt ist eine Bühne“ ist ein Theaterspiel, frei nach russischen Autoren inszeniert. Das führen die russischen Studierenden des Theater-Studios aus St. Petersburg in russischer Sprache auf. Und zwar wieder in der Waldorfschule, am 27.06. um 19 Uhr.

Ein weiteres majestätisches Wort wird es am Freitag (28.06.) um 18 Uhr in der Aula der Universität (Domstr. 11, Eingang 2, 1. OG) geben. Dort führt zuerst die Theatergruppe des Greifswalder Slawistik-Instituts ein Stück frei nach dem Werk „Verstand schafft Leiden“ von A. S. Gribojedow auf. Gefolgt wird die Aufführung von einem Schauspiel des Theater-Studios aus St. Petersburg mit „Das majestätische Wort“. Regie führen M. Dulchenko und M. Sadovnikov und die Choreografie inszenierte N. Kozlov.

Kommt gerne vorbei, der Eintritt ist frei! Lernt die russische Kultur mal ganz anders kennen – als Theater!


Nachhaltige Kleidung

Nachhaltige Kleidung

Die Redakteur*innen der moritz.medien haben sich schon immer einen Kopf um unsere Umwelt gemacht und darüber berichtet. In unserer neuen Kolumne erzählen wir euch, was wir über das Thema Nachhaltigkeit denken und geben euch viele hilfreiche Tipps, um euer Leben (noch) nachhaltiger zu gestalten.

Von verbrannten Klamotten bis hin zu eingenähten Hilferufen – die Modeindustrie kommt in den Medien nicht besonders nachhaltig rüber. Sich nachhaltig zu kleiden wirkt erstmal wie eine Mammutaufgabe. Und klar, muss jede*r für sich selbst recherchieren. Überblicksseiten geben genau das – einen Überblick über Fair-Fashion-Marken. Aber was ist Fair Fashion eigentlich? Und was ist zu beachten?

Fair, ethical, sustainable

Es gibt viele Zertifikate, die eine Bekleidungsmarke haben kann. Viele überschneiden sich und sind teilweise unterschiedlich definiert. Hier ist ein Versuch, die Bezeichnungen zu unterscheiden. Eine Bezeichnung ist Fair Fashion. Fair Fashion heißt, dass die angebotene Kleidung unter guten Arbeitsbedingungen und zu guten Konditionen, also gerechter Bezahlung für die Arbeiter*innen, hergestellt wird.

Sustainable Fashion ist Kleidung, die unter ökologisch tragbaren Bedingungen hergestellt wird. Das können sozusagen die Inhaltsstoffe sein, die ökologisch korrekt angebaut wurden und die Umwelt nicht belasten. Das können Textilien aus Bio-Baumwolle sein oder aus recycelten Stoffen, wie z. B. altes Plastik. Damit kann aber auch nur die Behandlung der Inhaltsstoffe gemeint sein, die dann ohne giftige Chemikalien o. Ä. auskommt.

Ethical Fashion kombiniert beides und bezeichnet Kleidung, die unter ökologisch und sozial korrekten Bedingungen hergestellt wird. Die Bezeichnungen können aber variieren und manchmal heißen alle drei das gleiche. Es gibt in der Branche aber mittlerweile jede Menge Zertifikate. Aber Achtung: Einige können in die Irre leiten und verkaufen oft ein besseres Image als die Realität hergibt.

Warum fair?

Mit jedem Kauf eines Fast-Fashion-Kleidungsstücks unterstützt der*die Käufer*in schlechte Arbeitsbedingungen, schlechte Inhaltsstoffe in der Kleidung und ein Konsumverhalten, das für die Erde nicht tragbar ist. Genau so kann jede*r gute Arbeitsbedingungen, eine ökologisch sicherere Verarbeitung und Anbau von Stoffen unterstützen – mit dem Kauf von nachhaltiger Mode. Auf menschenwürdige Arbeitsbedingungen und eine gute Qualität sollte bei Kleidung gesetzt werden, nicht auf jeden Trend.

Außerdem ist Sustainable Fashion meist aus natürlichen Produkten wie Baumwolle oder Hanf gefertigt, die für ein besseres Gefühl auf der Haut sorgen und gesund sind. Bei Kleidung aus beispielsweise Polyester werden mit jedem Waschgang kleine Mikroplastikfasern ins Grundwasser getragen – das ist schädlich für die Umwelt und so auch für uns. Um dem vorzubeugen, wurde der „Cora Ball“ erfunden, der dieses gelöste Mikroplastik in der Waschmaschine auffangen soll. Eine gute Idee, die aber noch ausbaufähig ist.

Reuse, reduce, recycle, refuse

Schon existierendes Plastik muss immer weiter recycelt werden, denn dieses hat sich zu einer endlosen „Ressource“ entwickelt, die wir erstmal nicht mehr loswerden. So gibt es viele Firmen, die Schuhe oder Rucksäcke aus gesammeltem Plastik herstellen.

Kleidung an sich kann jede*r recyceln: entweder mit einfachen Nadelstichen etwas aufpimpen und nochmal neu tragen oder an Menschen im Umfeld verschenken, zu Secondhandläden bringen oder auf Kleidertauschpartys (z. B. am 21. Juni in der Kabutze) mitbringen. Jede Klamotte sollte so lange getragen und genutzt werden wie es nur geht. Kleidung aus zweiter Hand ist meist preiswerter als neue. Und so kann mit wenig Aufwand alten Klamotten ein zweites oder sogar drittes Leben gegeben werden.

Es muss nicht jeder Trend mitgemacht werden. Die Modesaisons werden immer kürzer und öfter. So wechseln die Trends ständig und die Klamotten in den Schaufenstern auch. Die Kleidung wird immer kurzlebiger, um die Menschen zum Shoppen anzuhalten. Einfacher und auf Dauer preiswerter ist es da, einen eigenen Stil zu entwickeln und nur im Notfall neue Kleidung zu kaufen. Bunte, lustige, aber auch einfache und stilechte Mode ist überall.

Bei Fragen fragen!

Die richtigen Labels zu finden ist schwierig, weil viel undurchsichtig bleibt und verschleiert wird. Um die Modeindustrie durchsichtiger erscheinen zu lassen und den Endverbraucher*innen das Kaufen zu erleichtern, erstellt fashionrevolution.org jedes Jahr einen Transparenzindex für 200 Marken. Die Organisation erfasst u. a. die Richtlinien und Umsetzung dieser, sowie die Erreichbarkeit und Veröffentlichung der Textilienanbieter. Ein wichtiges Indiz für eine nachhaltige und faire Herstellung von Klamotten ist oft der Social-Media-Auftritt von Firmen: Wenn offen gezeigt wird, wie die angebotene Kleidung hergestellt wird und wo sie herkommt, gibt es keine Geheimnisse.

Viele Blogs setzen sich mit dem Thema auseinander und verweisen aufeinander. So hat mir Karo von conscious by Karo viele Fragen beantwortet. Zusätzlich gibt es in vielen Universitäten Green Offices (in Greifswald wird auch daran gearbeitet), in denen engagierte Leute sitzen, von denen sich bestimmt jemand mit genau dem Thema der nachhaltigen Kleidung auskennt. Die Studis kann man natürlich auch immer erreichen.

Ein nachhaltiges Leben muss nicht schwer sein, mit Klamotten kann jede*r als Verbraucher*in ein Zeichen setzen. Man muss sich nur informieren.
Nächste Woche geht es dann weiter mit der Kategorie: Leihen statt Kaufen.

Beitragsbild: Anne Frieda Müller
Banner: Jonathan Dehn