Regionales Blut für bundesweite Corona-Studie

Regionales Blut für bundesweite Corona-Studie

Es ist ein lauer Junimorgen und in Wolgast wird Forschung betrieben – zu Corona. Das Hotel „Postel“ liegt etwas versteckt neben einer Kreuzung. Alles wirkt zunächst unscheinbar, doch hier werden fleißig Daten zu Corona-Antikörpern gesammelt. Eine multimediale Reportage und ein Selbsttest.

Die durchgeführte Studie heißt „MuSPAD – Bundesweite Antikörperstudie zur Verbreitung von SARS-CoV-2 Infektionen“. MuSPAD steht für Multilokale und Serielle Prävalenzstudie zu Antikörpern gegen SARS-2-Coronavirus in Deutschland. Finanziert wird sie von der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, der größten Forschungsorganisation Deutschlands. Zwei Drittel der Finanzierung sind öffentliche Gelder. In der Aufklärungsbroschüre zur Studie steht explizit, dass kein Geld für die Studie aus dem kommerziellen oder gewinnorientierten Bereich kommt.

Im Juli 2020 startete das Pilotprojekt in Reutlingen und Freiburg — Regionen mit sehr hohen Inzidenzen des Coronavirus‘ in der ersten Welle. Mittlerweile sind bundesweit acht Studienzentren für jeweils etwa einen Monat aufgebaut worden, einige schon zum zweiten Mal. Ein Studienzentrum befand sich im Mai und Anfang Juni in Wolgast, im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Auf die Frage, warum gerade in Wolgast und nicht in Greifswald, wo ein Universitätsklinikum steht, antwortet Manuela Harries vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, kurz HZI: „Leider waren keine Räumlichkeiten des Universitätsklinikums zu dem gewünschten Zeitpunkt verfügbar. Aus diesem Grund haben wir nach anderen Alternativen Ausschau gehalten und konnten das Postel in Wolgast für unsere Studienzwecke gewinnen.“ Vor Ort im Postel in Wolgast lässt sich auf den ersten Blick nur schwer erahnen, was in dem Hotel vor sich geht. Höchstens zwei Banner im Innenhof lassen auf die Studie zu SARS-CoV-2-Antikörpern schließen.

Meistens Hoteleingang, jetzt Studienzentrum

Blut und Antworten

In der Hotellobby begrüßt ein junger Mann die Studienteilnehmer*innen und kontrolliert die Namen auf seiner Liste und die Termine, die die Teilnehmer*innen selbst im Vorhinein auswählen konnten. In jedem Zeitfester sind vier Teilnehmer*innen vorgesehen. Der Warteraum des Hotels erinnert noch stark an das ehemalige Postamt, das das Gebäude mal war, überall sind gelbe Schilder und Fotos aus alten Postzeiten angebracht. Die Teilnehmer*innen sitzen mit Masken auf den Stühlen im Warteraum, einige schreiben schon in die ihnen ausgeteilten Fragebögen. Der junge Mann an der Rezeption weist sie darauf hin, dass sie diese erst später mit den Helfer*innen zusammen ausfüllen müssen. Einzeln werden die Proband*innen abgeholt und ein Stockwerk höher geführt. Dort stellt ihnen das durchführende Personal Fragen, u. a. zu den Coronamaßnahmen der letzten zwölf Monate:

Nach den Kurzfragebögen kommt es zur Blutabnahme, denn darum geht es hier in der Studie: das Blut der Proband*innen. Die Blutproben werden nach Antikörpern des Coronavirus SARS-CoV-2 untersucht. So soll in möglichst diversen Landkreisen die Verbreitung des Coronavirus untersucht werden. Die Wissenschaftler*innen wollen in erster Linie die tatsächliche Infektionsaktivität über unterschiedliche Regionen und Zeitintervalle hinweg feststellen. Diese Art von Studie heißt Seroprävalenzstudie. Ein sehr klassisches Instrument der Infektionsepidemiologie, erklärt Dr. Berit Lange vom HZI. Nach dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung ist die Seroprävalenz die Häufigkeit spezifischer Antikörper im Blutserum, die auf eine bestimmte bestehende oder durchgemachte Infektionskrankheit hinweist.

Die Ergebnisse der Blutproben werden u. a. mit der Meldestatistik von Coronafällen verglichen. Dr. Berit Lange erklärt, was sich daraus z. B. für die erste Welle an den ersten Studienorten ablesen lässt:

Aus der Studie lernen

Für Dr. Berit Lange sind v. a. zwei bisherige Erkenntnisse aus der Studie wichtig: Einmal muss die Testkapazität ausreichen, um möglichst viele Infektionen zu finden. Die Tests wurden insbesondere im Laufe der zweiten Infektionswelle in Deutschland knapp. Doch um eine Epidemie einzudämmen, ist eine möglichst niedrige Dunkelziffer wichtig. Je mehr infizierte Menschen gefunden werden können, desto schneller können diese isoliert werden, und die Ausbreitung der Krankheit wird vermindert. Zweitens geht aus der Studie jetzt schon hervor, dass bei jüngeren Studienteilnehmer*innen die Dunkelziffer der Coronainfektionen höher ist. Mit diesen Informationen könnte die Teststrategie gezielt verbessert und vermehrt z. B. bei jüngeren Menschen getestet werden.

Aus der Studie lassen sich noch viel mehr Dinge lernen und auch eine Sammlung von Daten solcher bevölkerungsbasierten Seroprevalänzstudien entsteht, um der Infektionsforschung in ganz Deutschland zu dienen.

Motivation zur Teilnahme

Doch warum nehmen die Menschen an der Studie teil? Ausgewählt wurden sie schließlich per Zufall, zur Abbildung der Gesellschaft, anhand der Daten des Einwohnermeldeamtes. Verpflichtet wurde niemand zur Teilnahme.

Ein älterer Herr, der vor dem Hoteleingang sitzt, sagt, dass er einfach neugierig war und deswegen an der Studie teilnahm. Auf der Straße vor dem Studienzentrum beantworten zwei Frauen die Frage nach ihrer Motivation zur Teilnahme ähnlich:

Nach etwa zwei Wochen kam schließlich der Brief mit dem Ergebnis vom Antikörpertest. Mein Ergebnis war negativ, keine Corona-Antikörper in meinem Blut. Und so bin ich wahrscheinlich nicht Teil der Dunkelziffer bei den Jüngeren gewesen. Ganz klar ist das aber nicht: Vielleicht hat mein Körper die Antikörper auch schon abgebaut. Denn auch das gilt es noch zu erforschen, wie schnell die Antikörper gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 wieder abgebaut werden.

Beitragsbilder: Anne Frieda Müller

Keine Entspannung in Belarus: Uni Greifswald möchte Wissenschaftler*innen aufnehmen

Keine Entspannung in Belarus: Uni Greifswald möchte Wissenschaftler*innen aufnehmen

Belarus 2021: Die Proteste gegen Lukaschenko hören nicht auf und der Präsident hält gewalttätig dagegen. Immer mehr Menschen fliehen nach Europa. So will die Universität Greifswald zwei Wissenschaftler*innen aufnehmen.

Was in Belarus passiert:

Offiziell wird der Präsident in Belarus alle fünf Jahre direkt vom Volk gewählt. So auch am 9. August 2020. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) stuft diese Wahl jedoch als gefälscht ein. In Belarus geschieht, was international erwartet wird: Aljaksandr Lukaschenko wird wieder Präsident. Er ist seit 1994 ununterbrochen an der Macht. Sich diese zu erhalten, schafft er durch unterschiedliche Verfassungsänderungen und eben durch Wahlbetrug bzw. Wahlfälschung.

Niemand rechnet mit dem, was danach passiert: Proteste gegen das Wahlergebnis. Proteste, die bis heute anhalten. Nach der letzten Wahl von 2015 gab es keine Reaktion des Volkes. Es gab keine ernstzunehmende Opposition, kurz zuvor hat Russland die Krim annektiert – Kontra gegen den Russland nahestehenden Präsidenten Lukaschenko geben war keine Option. Anders 2020/21: Es gibt eine Opposition. Sie soll von Swetlana Tichanowskaja als Präsidentschaftskandidatin geführt werden. Und Tichanowskaja hatte gute Chancen auf den Posten der Präsidentin. Sie ist studierte Übersetzerin, meistens aber Hausfrau gewesen. Sie ist die Frau des oppositionellen Videobloggers Sergej Tichanowskij. Eigentlich wollte er in den Wahlkampf eintreten, wurde jedoch, bevor er mit seiner Wahlkampagne loslegen konnte, festgenommen. Kurzerhand übernahm seine Ehefrau die Aufgabe, den gefürchteten Diktator Aljaksandr Lukaschenko herauszufordern. Ehrlich sagt sie in Interviews, dass sie zwar Lukaschenko besiegen, aber nicht selbst regieren will. Sie will echte demokratische Wahlen veranlassen, sobald sie im Amt sei. Diese ehrliche Art hat Erfolg. Kurz nachdem das offizielle Wahlergebnis am 9. August 2020 mit 79 % der Stimmen für Lukaschenko veröffentlicht wurde, gab es Nachwahlbefragungen im Ausland – 71 % der Stimmen hätten an Swetlana Tichanowskaja gehen sollen.

Warum Belarus und nicht Weißrussland? 
Weißrussland“ wirkt auf den ersten Blick wie eine direkte Übersetzung der Selbstbezeichnung des Landes „Belarus“. Jedoch ist die „Rus“ historisch nicht gleichzusetzen mit Russland. Die Rus, auch Kiewer Rus, war ein Gebiet in Osteuropa im Mittelalter, das als Vorgängerstaat der Staaten Ukraine, Belarus und Russland gilt. So sind Belarus*innen eben keine Russ*innen. Außerdem stammt die Bezeichnung „Weißrussland“ aus dem zweiten Weltkrieg, in dem die deutsche Armee das belarusische Gebiet als Teil des russischen Territoriums wahrnahmen (es war sowjetisches Gebiet, da Belarus von 1919 bis 1991 eine sowjetische Republik war). So empfiehlt die belarusisch-deutsche Geschichtskommission den offiziellen Namen des Staates Belarus zu benutzen. Aktuell ist es außerdem so, dass der Präsident Lukaschenko sehr nah zu Russland steht, die Opposition aber nicht unbedingt. Sie möchte nicht versehentlich durch die Bezeichnung „Weißruss*innen“ mit Russland gleichgesetzt werden.

Unzufriedenheit mit dem offiziellen Wahlergebnis zeigen auch die Proteste in Belarus: Tausende gehen auf die Straßen in der Hauptstadt in Minsk. Und der Protest bricht nicht ab. Über soziale Medien werden immer weiter landesweite Proteste organisiert. Die Strategien werden immer wieder gewechselt. Denn der Staat Belarus lässt sich auch nicht unterkriegen. Er schlägt mit voller Wucht zurück: Festnahmen, Prügel, Hetzjagden auf der Straße. Solche Bilder werden über die sozialen Medien Instagram und Telegram mit der ganzen Welt geteilt.

Die vermeintliche Anführerin der Opposition Swetlana Tichanowskaja ist schon länger in Litauen und immer mehr Menschen fliehen aus Belarus oder versuchen es.

Unterstützung aus Greifswald

Bei der Flucht will auch die Universität Greifswald helfen. Die Universität hat einen Antrag auf zwei Fellowships für Wissenschaftler*innen aus Belarus im Rahmen der aktuellen Ausschreibung der Philipp Schwartz-Initiative der Alexander von Humboldt-Stiftung vorbereitet. Bis heute, den 05.03.2021, können diese Anträge eingereicht werden. Die Philipp Schwartz-Initiative ermöglicht es deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen, gefährdete Forschende im Rahmen eines bis zu 24-monatigen Fellowships aufzunehmen: „Im Rahmen einer Festbetragsfinanzierung werden Mittel für ein Forschungsstipendium oder eine arbeitsvertragliche Anstellung bereitgestellt.“ Das heißt im Erfolgsfall, dass die Universität einen Arbeitsplatz für die aufgenommenen Forschenden bereitstellt. Das Stipendium bzw. die Personalkosten bei einer Anstellung werden über die Philipp-Schwartz-Initiative finanziert. Für die Integration der Fellows erhält die Universität eine Förderpauschale von 20.000€ pro aufgenommene*n Forschende*n.

Weiß-rot-weiße Flagge  
Das erste Mal, dass die weiß-rot-weiß quergestreifte Flagge in Belarus verwendet wurde, war 1917 bis 1919, als es nach dem Abdanken des russischen Zares einen unabhängigen belarusischen Staat gab. Dann war Belarus eine sowjetische Republik und hatte verschiedene rote und grün-rote Flaggen bis 1991. Kurz vor dem Zerfall der Sowjetunion wurde die weiß-rot-weiße Flagge wieder eingeführt. Mit der Wahl des regierenden Präsidenten Lukaschenko sollten wieder neue Staatssymbole eingeführt werden, so wurde die alte grün-rote Flagge mit rot-weißem Ornament an der linken Seite wieder verwendet. Die weiß-rot-weiße Flagge wurde weiterhin von der Opposition als Widerstandssymbol genutzt und ist so seit August 2020 das Symbol der Proteste.

Weitere Hilfe aus Greifswald für Belarus*innen möchte die Freiwilligeninitiative Turbina Pomerania bieten. Dieser Verein ist eine internationale Freiwilligendienstinitiative in der STRAZE. Die STRAZE selbst hat sich durch Banner schon mit den Belarus*innen solidarisiert und u.a. einen Filmabend zum Thema der Proteste veranstaltet.

Titelbild Beschriftung: „Belarus – das sind wir“
Titelbild und Beitragsbild: Andrew Keymaster auf unsplash.com

Adventskalender Fensterchen No. 16:  Intercultural Communication can be a bitch

Adventskalender Fensterchen No. 16: Intercultural Communication can be a bitch

Weihnachtszeit ist Vorfreude und Geheimnistuerei, Nächstenliebe und Besinnung. Sie duftet nach heißem Glühwein, frisch gebackenen Keksen und mühsam gepellten Mandarinen. Der Dezember lebt von kleinen Aufmerksamkeiten und Traditionen, wie den Adventssonntagen mit der Familie, dem mit Süßigkeiten gefüllten Schuh am Nikolausmorgen und dem täglichen Öffnen des Adventskalenders. Weißt du noch, wie du jeden Tag vor Weihnachten aufgeregt aufgestanden bist, um vorfreudig zu deinem Schokoadventskalender zu tappen? Die moritz.medien verstecken das Weihnachtsgefühl hinter 24 Fenstern. Im heutigen Fenster: Intercultural Communication can be a bitch: How I almost had no New Year’s Eve and then ended up having two.

Achtung! Der folgende Text ist ein typischer „Lisa“-Text und deswegen natürlich auf Englisch.

Learning about different cultures is always fun, but actually accepting the differences can be hard. And sometimes you don‘t even know there was a difference, until you finally do.

Last year a South Korean friend, whom I met in Russia, invited me to celebrate “New Year‘s” with her and a friend of hers. I didn’t need to worry about anything – or so I thought. At that time, we were both unaware of our cultural differences. The two of us were in Russia, in Saint Petersburg to be precise, where New Year‘s celebrations are similar to Christmas in Europe. I thought it would be nice to see the lights and happy Russian faces, which you barely ever see (Russians actually look angry most of the time, it‘s true).

The torches on top the rostral columns burn only on holidays, such as New Year’s Eve or orthodox Christmas on the 7th of January.

One week before Christmas, a lot of the exchange students went back home to their families. Most of them didn’t plan to return afterwards, because all of the exams for the exchange students had already taken place. It was sad for me to see a lot of my new international friends leave, but at least I knew that I wouldn’t have to spend New Year‘s Eve alone. I didn’t worry until the last day of my exam period, when my South Korean friend invited me for dinner on 1st January. I thought that it was cool to see her so often, before we would live on two opposite sides of the world again. So I jokingly said: „Yeah, but we will also have nice food on the night from 31st December to 1st January, right?“ She only wrote back that she would be in Helsinki until 1st January. I was shocked and pissed off, because I thought she had forgotten about our plans and stood me up.

It turned out that she never celebrated the “counting down into the New Year” as she called it or „New Year’s Eve“ as it is known around the (western part of the) world. While this was what “New Year‘s celebrations“ meant for me, for her it was actually 1st January and celebrating throughout the day! I was so surprised and ashamed for being annoyed. After this misunderstanding, I became really interested in the Korean New Year’s celebration. South Korean culture is always kind of stuck between traditions and the modern spirit. And so are their New Year’s celebrations: Some South Koreans do celebrate the night from 31st December to 1st January but not as greatly as we are used to in Europe. My friend told me that her family never really celebrated it – some people go to the main station in Seoul and watch the fireworks but that’s it. But then there is also the Lunar New Year’s “Seollal”, which is based on the lunar calendar, just like the Chinese New Year celebrations you may know. The next Korean Lunar New Year will be celebrated on 12th February 2021 – and the day before and after (here is a nice explanation of the celebrations).

As a result of these intercultural communication difficulties, I almost got no New Year’s party, but thanks to my international friends I actually got two. One in 2019 and one in 2020!

At midnight, I tried to sing the Russian national anthem with Belgian friends and 20 hours later, I ate Georgian food with my Korean friend on 1st January. And that concludes how my 2020 started. Hopefully 2021 will start with similarly pleasant surprises for everyone!

Titelbild: Julia Schlichtkrull
Beitragsbild: Anne Frieda Müller

advents.kalender 2019: 17. Türchen – Vorlesung am 25. Dezember

advents.kalender 2019: 17. Türchen – Vorlesung am 25. Dezember

Es weihnachtet sehr, auch in Greifswald – und besonders bei den moritz.medien. Mit dem advents.kalender geben wir Euch weihnachtliche Tipps, Tricks, Erfahrungsberichte, Rezepte uvm. für die Adventszeit. Öffnet jeden Tag ein Beitrags-“Türchen”! Im heutigen Türchen: russische Weihnachten.

Es ist Weihnachten, aber am 25.12. ist Vorlesung? Wie passt das zusammen?

Ganz einfach! Es ist Weihnachten in Russland. Der Nevskij Prospekt in Sankt Petersburg ist seit einem Monat geschmückt und in Moskau funkeln die Sputniks als Weihnachtsbaumdeko. Die Weihnachtsferien beginnen in Russland trotzdem erst am 31.12. – zu Silvester!

Geschenke, trotz Weihnachtsverbots

Zum Neujahresfest bekommen die russischen Kinder Geschenke und Väterchen Frost (Дед Мороз) kommt vorbei. Das erinnert stark an unseren Heiligabend, das ist es eigentlich auch. Allerdings wurden in der Sowjetunion alle christlichen Feierlichkeiten unterbunden und verboten, so auch Weihnachten. Die Einwohner*innen der Sowjetunion sind für ihre Kreativität bekannt und übertrugen viele Weihnachtsbräuche 1917 auf das erlaubte Neujahrsfest. Aus dieser Tradition heraus wird der erste Januar immer noch größer gefeiert als der siebte Januar.

Das Weihnachtsverbot scheint überwunden – selbst Lenin wird zum Schneeprinzen. (Metrostation: Moskovskaya, Sankt Petersburg)

Verspätetes Weihnachtsfest

Der siebte Januar ist seit 1991 der offizielle Weihnachtsfeiertag in Russland. Dieses etwas verspätet wirkende Datum kommt durch den alten julianischen Kalender, nach dem sich die russisch-orthodoxe Kirche richtet, zustande. Der alte julianische Kalender hat zur modernen Zeitzählung sozusagen 13 Tage Verspätung – so wird Weihnachten also 13 Tage nach dem 25. Dezember gefeiert. Ganz einfach!

Die Nacht vom sechsten auf den siebten Januar wird von christlich-orthodox gläubigen Russ*innen in der Kirche verbracht, dort findet die Weihnachtsmesse statt.

Kitsch gegen das Vergessen

Das Verbot der Kirche in der Sowjetunion hat noch heute in vielen russischen Familien das Weihnachtsfest etwas in den Hintergrund gerückt. Umso erstaunlicher ist es, wie sehr die Straßen in Sankt Petersburg und Moskau schon einen Monat vorher weihnachtlich geschmückt sind. Auffällig ist aber immer wieder der Hinweis auf den Jahreswechsel, neben Weihnachtsbäumen und bei Lametta darf ein glitzerndes „2020“ nicht fehlen. So feiert Russland einfach ein eigenes Weihnachten, während im Rest der Welt „nur“ Silvester gefeiert wird – in der Nacht vom 31. Dezember auf den ersten Januar.

Auf der Weihnachtsdekoration wird schon das neue Jahr eingeläutet. (GUM, Moskau)

Bilder: Anne Frieda Müller
Beitragsbild: Till Junker
bearbeitet von: Anne Frieda Müller

Der Name einer Krimiserie, mit Blumen auf der Bühne: Broen

Der Name einer Krimiserie, mit Blumen auf der Bühne: Broen

Broen wird [Bruen] ausgesprochen und heißt “die Brücke” auf Deutsch. Die norwegische Band ist durch ihre aufwendigen Kostüme bekannt geworden, die Ihr in ihren Videos bewundern könnt. Wir haben sie im Rahmen des Nordischen Klangs interviewen dürfen, auch wenn sie diesmal nicht ganz so aufwendig kostümiert waren. 


Die fünf Norweger*innen vereinen Synthiemusik mit Pop, Gesang und einer Tuba.
Die Band heißt durch einen Zufall Broen, also Brücke. Lars, der Drummer (der leider nicht in Greifswald mitspielen konnte) war wandern und dachte sich, dass das ein guter Name wäre – nicht zu kurz und nicht zu lang. Denn, wie die Band uns verriet, werden lange Bandnamen doch eh gekürzt, also warum nicht gleich einen kurzen Namen wählen?

Der einzige Zufall war, dass es die Skandinavische Serie “Broen”, bei uns “Die Brücke – Transit in den Tod”, schon gab. Produziert wird diese aber in Schweden und Dänemark. Trotzdem gefiel der Name und er blieb.

“Even though they are made from plastic.”

Auf die Frage, warum sie so aufwendige Kostüme tragen und etwas abgedreht tanzen, sagt uns die Sängerin Marianna: “Because I feel it!” Die Bewegungen und die Kostüme kommen von Herzen und aus der Leidenschaft für die Künste heraus. Heida, die die Tuba auf der Bühne spielt, bekommt die Ideen und will diese dann umsetzen. Die Gruppe hatte schon verschiedenste Kostümphasen: die goldene Periode, die silberne Periode und momentan die blumende Periode, sozusagen. Heida erklärt uns, dass sie die Natur auf die Bühne bringen will. “Auch wenn die großen Blumen aus Plastik sind.”, sie lacht dabei.

Norwegen unterstützt junge Künstler*innen

Auf die Frage, wann sie sich getroffen haben und entschieden, eine Band zusammen zu gründen, kommen verwirrende Konstruktionen als Antwort: Hans und Marianna haben schon zusammen gespielt, Hans und Lars haben eine gemeinsame Gruppe, Anja und Heida spielen noch zusammen in einer anderen Band. Irgendwie kannten sich alle schon länger, irgendwie machen alle noch in vielen anderen Gruppen, Projekten und Bands Musik zusammen. Das liegt daran, dass der Staat Norwegen viele neue Musikprojekte unterstützt. Musik ist für die norwegische Bevölkerung sehr wichtig, die meisten Kinder lernen ein Instrument. Die Musikkultur wird gefördert und ist im ganzen, dünn besiedelten Land ausgebaut. Bands spielen auf großen Bühnen, in Schulen und in kleinen Gemeindezentren, da wird kein Unterschied gemacht.

So kommt es auch, dass alle Mitglieder der Band Broen von der Musik leben können. Sie spielen alle verschiedene Genres, in verschiedenen Gruppen.


Sechs Songs in einer Nacht

Vor ihrem ersten Konzert schrieben sie erstmal 5-6 Songs – in einer Nacht! Die Songs handeln von den großen Fragen des Lebens, was sie so denken. Es geht viel um die Natur und wie es so ist, ein Mensch in dieser Gesellschaft zu sein. Es geht erstaunlich wenig um die Liebe, eher um Gender- und Umweltfragen, ohne politisch sein zu wollen. Die Band will nur ihre Gedanken darstellen und verarbeiten.

Und obwohl die Band norwegisch ist und in Oslo ihren Hauptstandort hat, singt Marianna auf Englisch. Warum ist das so? “Ich bin Griechin und spreche Englisch seit ich vier Jahre alt bin. Deswegen kann ich Englisch einfach besser als Norwegisch. Aber vielleicht kommt das ja noch oder vielleicht bald sogar griechische Songs!”

Danke für das Gespräch! Mehr zu der Band findet Ihr auf der Facebookseite und beim Intro Magazin.

Noch mehr Nordischen Klang findet Ihr bei
moritz.tv – genießt die kühle Brise aus dem Norden in der heißen Prüfungsphase!

Bilder: Anne Frieda Müller