Ein Theaterstück entsteht nicht einfach über Nacht. Arbeit steckt in der Umsetzung, hinter der Bühne und an der Technik. Die neuste Inszenierung des StuThe hat diesen Prozess inklusive erfolgreicher Premiere mit Komik und Spannung durchlaufen. Wie wird aus einem Roman ein Stück? Wie geht es zu beim StuThe? Die moritz.medien haben mit Joy und Eric, der Regie zum Stück Phoebe, gesprochen und waren davor und zur Premiere dabei.

– ein Bericht von Medea Gädke, David Langner & Fiona Pommer –

Eine Tür knallt. Zwei Figuren kommen streitend von hinten durchs Publikum. Mit einem Schreck beginnt die Premiere des neuen Stücks des StudentenTheaters Greifswald (Link zum Instagram-Account & Link zu Webseite) und düster geht es auch bald weiter.
Phoebe kommt als Thriller daher. Eine Kindesentführung – alle reden darüber, aber keiner scheint die ganze Geschichte zu kennen. Ein Verbrechen, das nie aufgeklärt werden konnte, erschüttert die Hauptfigur und das Publikum. Jahre später trifft die junge Bekka im Zug auf Personen, die in die Entführung verwickelt sein könnten. Der Fall wird aufs Neue ausgerollt.
Wer auf Mystery, Spannung und Thriller steht und gern miträtselt, dürfte hier auf seine Kosten kommen. 

Falls ihr euch ein eigenes Bild von Phoebe machen wollt, besucht gerne eine der nächsten Aufführungen am 01.11., 06.11. und 08.11.2026. Los geht es jeweils um 19Uhr in der STRAZE. Der Eintritt liegt bei 8€ ermäßigt (u.a. für Studierende) und 10€ normal. Tickets gibt es online unter: StuThe-Phoebe-Tickets, bei der Buchhandlung Scharfe und an der Abendkasse.
Wir wünschen viel Spaß bei allen Aufführungen!

Der webmoritz. konnte vor der Premiere mit Joy Carol Dallmann (Instagram: joy.c.dallmann) und Eric Recknagel von der Regie sprechen und Einblicke in die Vorbereitungs- und Probenzeit erhalten. 
Die beiden haben die Regieposition zwischen sich aufgeteilt.
Eric war für die Inszenierung zuständig, Joy für das Skript.

Erfahrungen mit Texten bringt Joy reichlich mit. Sie beschäftigt sich mit Kreativem Schreiben, darunter auch Poetry Slam, ist im Impro-Theater aktiv und stand zuletzt auch beim Musical „Der kleine Tag“ auf der Straze-Bühne.
Der Roman Phoebe entstand noch in ihrer Heimat Heilbronn. Erst nach ihrem Umzug nach Greifswald kam sie zum Theater. Neben ihrer Arbeit im Naturschutz, schreibt sie weiter an Texten und versucht, in der Literaturwelt Fuß zu fassen.
Die Geschichte hinter der Inszenierung reicht allerdings schon ein Stück zurück: Sie nahm zunächst in Form eines Romans Gestalt an, den Joy bereits vor zehn Jahren schrieb. Die Idee dazu entstand noch während ihrer Schulzeit, als sie gerade für eine Zeitung arbeitete. Obwohl Joy das Werk noch als Schülerin verfasste, richtet es sich an ein erwachsenes Publikum.

In der Welt des StuThe dürfte Eric als ehemaliger Vorstandsvorsitzender, Leiter der Hochschulsportgruppe Improvisationstheater und Moderator des Greifswalder Science Slam gut bekannt sein. Neben dem Theater studiert er Management und Recht und ist zusätzlich noch als Campusspezialist unterwegs.
Bei Phoebe war er nicht nur Teil der Regie, sondern auch Initiator, Joys Roman auf die Bühne zu bringen. Nach dem er den Roman über Nacht gelesen hatte stand fest, “[…] okay, das machen wir!”

Übersetzungsarbeit – wie lief der Prozess vom Buch zum Stück? 

Was als kurze Arbeitsphase gedacht war, lag lange in der Schublade und mündete schließlich in über einem Jahr Arbeit und Proben. Denn Roman und Theater, Epik und Dramatik, sind zwei völlig unterschiedliche Medien und literarische Gattungen.

Eine der größten Herausforderungen war die Ich-Perspektive und der innere Monolog. Auf der Bühne wurde das mit dem Brechen der vierten Wand, dem Sprechen zum Publikum, gelöst. Joy berichtet uns, dass sie inspiriert von der Serie Fleabag war und nennt das Springen von einem Gespräch zwischen Figuren zu einem inneren Monolog, den “Ratte-Maus-Modus”. Zwei sich ähnelnde Tiere, die umsetzen konnten, was sich im Roman so einfach schreiben lässt. Für die erzählte Welt, die man im Roman beschreiben konnte, brauche es in einer Inszenierung Regieanweisungen inklusive Technik. Kostüme, Masken und Körpersprache – viele kleine aber wirkungsvolle Details, die bedacht werden müssen, um die Übersetzung zum Leben zu erwecken.

Phoebe

Bekka (links) & Der Schaffner (rechts)

Da das Stück mit wenigen Alteingesessenen, aber einigen neuen Leuten geprobt wurde, galt es häufig auch, Schauspielbasics zu vermitteln. Dazu gehörten beispielsweise das richtige Stehen auf der Bühne und die Regel, auch beim Abgang von der Bühne in seiner Figur zu bleiben und deren Eigenschaften beizubehalten. Neben den Herausforderungen sei aber auch der kreative Input von allen Seiten in der Gruppe sehr zu schätzen gewesen, erzählt Joy. Gegen Ende der Probenzeit wurde das Stück als Komplettdurchlauf gespielt, was unkonventioneller Weise zu einem neuen Ende des Stücks führte.

Auch zwischendurch veränderten sich viele Szenen. Zum Thriller kam an manchen Stellen Komik dazu, die Figur des Ticketkontrolleurs baute seinen Zug tänzerisch selbst auf und durch eine Improvisation einer zunächst leichtfüßigen Szene wurde diese plötzlich richtig gruselig. Was hingegen nicht geändert werden musste – die Diegese (Handlungswelt) war bereits bühnentauglich. Die Geschichte spielt fast ausschließlich in einem Zug. Ein perfekt abgeschlossener Schauplatz für eine Kulisse.

Der Zug (Schauplatz)

Auf und hinter der Bühne – der Abend vor der Premiere

Nach einem Jahr Probe mündet die Arbeit endlich in die Aufführungen – allen voran in die Premiere. Die Entwicklung vom Roman zum Stück findet ein Ende. Wir konnten vor der Generalprobe das StuThe besuchen und dabei zuschauen, was kurz vor Ende noch alles gerichtet und gestellt, bedacht und ausprobiert werden musste. 

Im Backstage Raum wird viel geredet und die letzten Fragen geklärt, aber auch viel gesungen, improvisiert, imitiert und herumgealbert. Um sich aufzuwärmen oder einfach nur so? Zeitweise werden drei Leute gleichzeitig geschminkt, der größte Darsteller kniet dafür kurzerhand auf dem Boden. Snacks, Zettel und Haarspray, überall Farben. Alle sind hier eng an eng – man merkt: sowohl räumlich als auch persönlich. 

Auf der Bühne wird währenddessen bereits aufgebaut. Die wenigen, aber wirkungsvollen Elemente werden platziert, und schnell wird klar, was das Bühnenbild darstellen soll. Werkzeuge und sogar Öl aus der Küche stehen noch auf der Bühne. Was nicht passt, wird passend gemacht. Lichter werden aufgestellt, Sounds ausprobiert und letzte Details abgestimmt. Der Live-Gitarrist Tony nimmt sogar kurzfristige Musikwünsche entgegen. Nebenbei wird auch noch Social-Media-Content gefilmt. 

Dann geht es los. Gerade war der Saal der STRAZE noch gefüllt von Stimmen, jetzt ist alles still und wir sind gespannt auf die Premiere am nächsten Abend. Aber wie bei jedem Theaterbesuch gilt auch bei der Premiere von Phoebe: Jeder erlebt eine Inszenierung auf seine eigene Weise. Abhängig von den persönlichen Lebenserfahrungen, den eigenen Bezügen zum Stück und dem Wissen über Theater. Und ganz wichtig: den eigenen Emotionen!

Ein persönlicher Eindruck aus dem Publikum

Ich betrete den Theaterabend ohne geschulten Blick oder konkrete Erwartungen. Meine bisherigen Berührungspunkte mit dem Theater beschränken sich größtenteils auf Besuche während der Schulzeit. Deshalb achte ich, statt auf fachliche Kriterien, vor allem auf das, was mich unmittelbar erreicht, überrascht oder zum Nachdenken bringt.
Der Saal ist mit ca. 100 Zuschauer*innen sehr gut gefüllt. Ein Knall und es geht los! Mich beeindrucken die kleinen Details während des Stücks, die die Charaktere nicht nur einzigartig, sondern irgendwie auch natürlich erscheinen lassen, ohne jedoch den gewissen Grad der Überspitzung zu verlieren. Entgegen meiner Erwartung an einen Thriller, gibt es viele Stellen an denen gelacht wird. Von überraschenden, kleinen Gesangs- und Tanzeinlagen über Zugdurchsagen im Stil der Deutschen Bahn bis hin zu einem ziemlich „coolen“ Live-Gitarrenspiel, das sowohl die Szenen selbst, als auch deren Übergänge untermalt, wird dem Publikum auch auf musikalischer Ebene einiges geboten.
Ohne inhaltlich zu viel vorweg nehmen zu wollen, gefallen mir persönlich vor allem die sozialen Interaktionen und Gespräche, die die Hauptfigur Bekka im Rahmen ihrer Ermittlungen aufbaut, beziehungsweise erzwingt. Als eine Person, die aus der vermeintlichen gesellschaftlichen „Norm“ herausfällt, lernt sie vieles nicht nur über ihren Fall, sondern auch über soziale Beziehungen und gesellschaftliche Normen. Deshalb schwingt dem Stück durchgehend auch ein Hauch von Gesellschaftskritik mit und dem Publikum wird neben Unterhaltung auch ein bisschen Stoff zum Nachdenken und Reflektieren geboten.
Die Schlussszene ist ein Highlight des Stücks und beinhaltet einen Plot Twist, den zumindest ich nicht kommen gesehen habe. Deshalb blieb es für mich ganz im Stile eines Thrillers bis zum Ende spannend. Insgesamt ein gelungenes Stück und auf jeden Fall einen Besuch wert. 
(persönlicher Erfahrungsbericht von David Langner von der Premieren-Vorstellung des Stücks am 23.10.2026)

Und wie geht es jetzt nach der Premiere weiter? Womöglich war die Aufführung nicht das letzte Kapitel für diesen Stoff. Joy überlegt bereits, die Erfahrungen von der Bühne in den Roman zurückfließen zu lassen und das Buch noch einmal neu zu schreiben. 

Zu Anfang sagt die Hauptfigur:

„Gute Geschichten kann man sich nicht ausdenken, sie existieren einfach“.

Glück für das Greifswalder Publikum, dass Joy sich eine ausdachte und die vielen Menschen vom StuThe zur Umsetzung mit dabei hatte! 

Mehr als nur auf der Bühne stehen

Habt ihr Lust bekommen selbst einmal auf der Bühne zu stehen, einmal komplett aus euch rauszugehen und in eine fremde Rolle zu schlüpfen, dann ist das StuThe genau der richtige Ort für euch!

Das Studententheater der Universität Greifswald (e.V.) ist bereits seit über 20 Jahren die Anlaufstelle für Student*innen, die sich im Theaterspielen ausprobieren möchten. Im Verein werden viele verschiedene Veranstaltungen und Workshops angeboten, durch die Student*innen ihr persönliches „Theatergen“ entdecken und ausleben können. Dabei ist es nicht nötig sofort auf die Bühne zu gehen, denn es gibt zahlreiche Möglichkeiten auch hinter der Bühne und abseits des Schauspielens aktiv zu werden. Ob schreiben, Make up, Licht, Technik oder Bühnenbau – ihr könnt euch ausprobieren und findet vielleicht trotzdem irgendwann den Weg auf die Bühne. So oder so erwartet euch ein herzliches Team, dass euch anleitet und Grundworkshops, mit denen ihr den Anfang in die Theaterwelt machen könnt. 

Joy verriet uns, dass das Spielen einer Rolle häufig auch zur Persönlichkeitsbildung außerhalb des Stücks beitragen kann. So könne beispielsweise eine Person mit wenig Selbstbewusstsein eine selbstbewusste Figur auf der Bühne verkörpern und dadurch lernen ihre eigentlichen Grenzen zu überwinden. Neben dem Spaß an den Aufführungen selbst, ist das ein netter „Nebeneffekt“.
Euch erwartet ein geschlossener und sicherer Raum, in dem ihr lernen könnt mit euch selbst umzugehen und das auch vor Publikum zu zeigen. Für Eric ist diese Möglichkeit vergleichbar mit dem, was er in der Improtheater-Hochschulgruppe wöchentlich mitbekommt. Viele verschiedene Menschen kommen dort aus ihrem „normalen“ und formellen Alltagsleben und können ihren eigenen „inneren Sensor“ zumindest für eine gewisse Zeit und vielleicht auch nachhaltig abschirmen, ohne die Sorge haben zu müssen, dass es für irgendjemanden unangebracht sein könnte. Zu den Voraussetzungen für das StuThe sagt er: „[…]wenn man offen ist und wenn man den Willen hat, zumindest dem Spielleiter so weit zu vertrauen, dass man mal was ausprobiert und dass man mal auch mal eine Bewegung macht, die man sonst nicht macht. Ich glaube, dann hat man eigentlich alles mitgebracht, was man mitbringen sollte.“

Im Web Weekly stellen wir euch jede Woche ein neues Kultur-Ereignis in Greifswald und Umgebung vor.
Wir wünschen viel Spaß bei allen Veranstaltungen! (Beitrag & Bilder von Medea Gädke, David Langner, Fiona Pommer)