Ich wusste, dass der 25.10.26 kein langweiliger Sonntag in Greifswald sein wird. An diesem Tag hat das Kulturzentrum STRAZE die Türen für das erste feministische Filmfestival in Greifswald geöffnet. Filme, Feminismus und ein Stück Kuchen aus dem STRAZE-Café? Das lasse ich mir nicht zweimal sagen. Genauso scheint es den weiteren Besucher*innen, die den Saal der STRAZE füllen, zu gehen. Ich blicke in viele gespannte Gesichter. Schon beim Eintreten ist klar: diese Veranstaltung fühlt sich wie ein Safe-Place an. Wie ich später durch ein Gespräch mit den Initiatorinnen erfuhr, war genau das ein wichtiges Ziel.
– ein Erfahrungsbericht vom feministischen Kurzfilmfestival in Greifswald von Pauline Wenda –
Das Programm für den Tag hat viel zu bieten. Ein kostenloser Siebdruck-Workshop, Redebeiträge und eine Diskussionsrunde mit Dr. Paluch und Dr. Asmani von der Universität Greifswald über den “Female Gaze” und den Ausdruck filmischer Mittel.
Das Hauptaugenmerk bei dem Event sind allerdings die thematisch kuratierten Kurzfilme – ausgewählt vom Organisationsteam selbst, mit Filmen des Deutschen Jugendfilmpreises. Organisiert wird dieser Tag von der Sisterhood in Action (kurz SIA). Ich darf in einer Pause mit zwei von Ihnen reden. Sie gehören zu einer Gruppe junger Frauen, die vom Tatendrang gepackt wurden. SIA ist ein queerfeministisches Projekt in Greifswald für Community-Building, welches 2024 gegründet wurde. Angefangen hat alles durch ein Wohnzimmergespräch – Freundinnen, die zusammen sitzen und Erfahrungen teilen. Daraus entstand der Wunsch, aktiv im öffentlichen Raum zu werden. Die SIA hat bereits Spenden für das Frauenhaus Greifswald gesammelt, öffentliche Reden gehalten und organisiert regelmäßige offene Treffen.


Am heutigen Tag sind sie sichtlich begeistert und überwältigt von dem positiven Feedback und den zahlreichen Besucher*innen. Der regelmäßig laute Applaus gibt ihnen zusätzlich Recht.
Mein Blick ist primär auf die Leinwand und Bühne gerichtet, denn die Filme sind viel zu spannend, als dass ich wegschauen könnte. Es gibt 4 Filmblocks zu den Themen „Körper & Scham“, „Komm sicher an“, „Abtreibung & Autonomie“ und „Viva la Vulva“. Alle Kurzfilme behandeln Themen, die in der Öffentlichkeit oft verschwiegen werden oder mit Scham belastet sind. Genau dort setzt das Filmfestival an. Nach jedem Film gibt es eine Gesprächsrunde. Jede Person aus dem Publikum darf ihre Meinungen und Erfahrungen teilen. Ich bin erstaunt über den Mut mancher Frauen und lausche gespannt ihren Geschichten. Klar wird: Sichere Räume wie diese muss es öfter geben, vor allem in Regionen, in denen kulturelle und queere Angebote oft zu kurz kommen!
Ein besonderes Highlight ist der erste Kurzfilm des Tages. Die lokale Produktion von Pauline Kail “Killing Ladybugs” von 2026 wurde in Greifswald gedreht und behandelt, was in vermeintlichen Schutzräumen mit Kindern passiert, wenn diese durchbrochen werden.
Als selbsternannter Filmnerd und Autorin kommen hier meine zwei weiteren Favoriten des Tages:
“Neun Tage im August” (2025) von Ella Knorz beschreibt eindrücklich wie es sich anfühlen kann eine Abtreibung und Arzttermine planen zu müssen, während das Leben der anderen wie gewohnt weiterläuft. Das Story-Telling und der Kameraausschnitt haben mich am meisten begeistert.
Der Abschlussfilm “Hot Dog” (2019) von Alma Buddecke und Maleen Mayr überzeugt mich durch die grelle Farbgebung und den skurrilen aber ehrlichen Monolog der Hauptperson. Sie erzählt von den Höhen und Tiefen ihrer Beziehung zur eigenen Vulva.
Alle Kurzfilme hinterlassen einen bleibenden Eindruck bei mir. Mit Ausnahme eines Regisseurs sind sonst nur weibliche Perspektiven zu sehen. Meine wichtigste Take-Home-Message heute betrifft das Thema Sisterhood. Unter Frauen und FLINTA-Personen heißt das: Ich bin da, ich höre zu, ich solidarisiere mich mit euch!Damit bilden wir uns ein Netz der Unterstützung, welches uns auffängt, wenn sonst niemand zuhört.
Mir hat der Tag Lust und Mut gemacht, wem geht es auch so? Das nächste offene Treffen der SIA findet am 17.11.26 statt. Geschichten teilen und sich gegenseitig unterstützen stehen dabei immer auf der Agenda.
Kontakt: sia.greifswald@web.de
Instagram: sia.greifswald
Bilder von Elisa Göbel





