von radio 98eins | 07.06.2010
Zu Beginn der neuen Woche wollen wir heute noch einmal auf die vergangenen 12 Tage zurück blicken in denen sich in Greifswald und bei radio 98eins alles um das „Greifswald International Students Festival“, kurz Gristuf, gedreht hat. Sophie vom Organisationsteam steht uns in einem Interview zum letzten Mal Rede und Antwort. Radio 98eins Chefredakteurin Marie Lange erzählt uns schließlich von ihren ganz persönlichen Highlights der letzten Tage rund um das Gristuf bei radio 98eins.
Außerdem geht es um die diesjährige „Insomnale“. Der Countdown läuft, denn am 11.Juni öffnet die Ausstellung des Casper-David-Friedrich Instituts in diesem Jahr zum 10. Mal ihre Pforten. Susann Lukas war beim Aufbau dabei und weiß was euch erwartet.
In unserer Montagsrubrik Sportive hat sich Anja Giering heute Nachmittag mit dem Berliner Sportjournalisten Andreas Ulrich unterhalten und analysiert mit ihm schon einmal die am kommenden Freitag startenden Fußball Weltmeisterschaft in Südafrika.
Ebenfalls im Programm wie immer unsere Spotlights und das Wetter, die Veranstaltungstipps und die CD der Woche von „The Parlotones“.
von Carsten Schönebeck | 06.06.2010
Am Montag, dem 7. Juni hält der ehmalige Richter am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR), Professor Georg Ress einen Vortrag zum Thema „Der Europäische Menschenrechtsschutz zwischen Erfolg und Illusion“. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr im Hörsaal 3 des Audimax. Veranstalter ist die Katholische Studentenverbindung Alemannia.

Professor Georg Ress
„Der europäische Menschenrechtsschutz ist ein Opfer seines Erfolges geworden“, sagt Ress, „denn der Europäische Gerichtshof in Straßburg ist nicht mehr in der Lage, die Zahl der eingehenden und anhängigen Beschwerden zeitgerecht zu erledigen.“ Beim EGMR, dessen 47 Richter von den Mitgliedsstaaten des Europarates entsandt werden, sind derzeit mehr als 120.000 Verfahren anhängig.
Der Vortrag soll erörten, was die Europäische Menschenrechtskonvention umfasst und was sie für den einzelnen bedeutet. Darüber hinaus wird sich Ress auch mit der Frage beschäftigen, inwieweit das 14. Zusatzprotokoll Konvention, das vergangene Woche in Kraft trat, die Probleme des EGMR lösen kann. „Illusorisch wäre es, Einzelfallgerechtigkeit anzustreben. Der Gerichtshof setzt Standards für die Entwicklung und Angleichung der nationalen Rechtsordnung und zur Behebung gravierender Ungerechtigkeiten.“, erklärt der Referent angesichts der derzeitigen Situation in Straßburg..
Professor Dr. Dr. Dr. h.c. mult. Georg Ress (Jahrgang 1935) studierte Rechts- und Staatswissenschaft sowie Volkswirtschaftslehre in Berlin, Grenoble und Wien. Nach seiner Habilitation 1976 wurde er ein Jahr später Direktor des Europainstituts der Universität Saarbrücken und etablierte dort den Aufbaustudiengang „Europäische Integration“. Ab 1980 war er parallel Mitglied des völkerrechtswissenchaftlichen Beirats des Auswärtigen Amtes, ab 1994 auch Mitglied der Europäischen Komission für Menschenrechte. 1998 wurde er vom Europarat als Richter am EGMR gewählt, wo er bis 2004 tätig war. Seit 2006 hat er die Stiftungsprofessur „International Law“ an der Jacobs-Universität in Bremen inne. Für sein Engagement um die Menschenrechte in Europa wurde Ress unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Bilder:
- Stacheldraht: Friedrich GErlinger via jugendfotos.de
- Ress: idw (keine CC-Lizenz)
von Marco Wagner | 06.06.2010
Ein Kommentar von Marco Wagner

500 Studierende und Dozenten demonstrieren für die Lehramtsstudiengänge.
Wer hätte gedacht, dass man in Greifswald 500 Menschen zu einer Bildungsdemo mobilisieren könnte? Blickt man in die vergangenen Jahre zurück, so zeigte sich die Greifswalder Studierendenschaft eher phlegmatisch, wenn es darum ging, für ihre Rechte zu streiten. Dass die Einführung „versteckter Studiengebühren“ (Verwaltungsgebühr) vom Landtag vor über einem Jahr beschlossen wurde, interessierte damals die wenigsten Studentinnen und Studenten.
Zusammenhalt ist wichtig
Doch die Zeiten haben sich erfreulicherweise geändert. Im vorigen Jahr besetzten im provinziell-beschaulichen Greifswald mehrere Studentinnen und Studenten das Audimax der Alma Mater. Zu Spitzenzeiten waren es etwa 100 Studierende. Der Flashmob an der Europakreuzung war im Vergleich dazu noch erfolgreicher. Zur Bildungsstreikdemo waren es 300 Studierende. Und nun sind es schon 500.
Es scheint sich nunmehr auch bei den Greifswalder Studierenden die Erkenntnis zu festigen, dass unter anderem auf ihren Rücken der Haushalt des Landes saniert werden soll. Besonders positiv zu bewerten ist die Solidarität der Studierenden untereinander. Die angehenden Lehrer wurden von zahlreichen Akademikern anderer Fakultäten unterstützt. Dozentinnen und Dozenten verschiedener Institute der Philosophischen Fakultät gaben den Studierenden ebenso Rückendeckung wie der Prorektor Prof. Michael Herbst.
500 Teilnehmer sind ein Erfolg – Der Druck auf die Regierung muss weiter erhöht werden
Es war keine Demo der Lehramtsstudenten für „ihr“ Lehramt, sondern eine Demo der gesamten Universität für das Greifswalder Lehramt. Dieser Zusammenhalt ist besonders wichtig, doch auch noch ausbaufähig. Heute will Schwerin bei den zukünftigen Lehrerinnen und Lehrern sparen – so lange, bis man dort nichts mehr weiter einsparen kann. Und dann? Dann wird bei den Naturwissenschaften und der Medizin gespart, von fakultäts- und hochschulübergreifenden Einsparungen am Personal und an Geld für Lehrmaterialien ganz zu schweigen. Aus diesem Grund: Wehret den Anfängen!
Auch wenn 500 Studierende für Greifswald ein Erfolg sind, grundsätzlich sind es viel zu wenige, die auf die Straße gingen. Diese Zahl allein wird jedenfalls nicht ausreichen, um echten Druck auf die Schlossherren in Schwerin auszuüben. Über die Meinung von 500 Studierenden können sich die Herren „von“ Tesch und „von“ Michallik noch relativ leicht hinweg setzen. Stehen jedoch mehr als 1.000 Studierende vor dem Schweriner Landtag, wird es schon schwieriger, überhaupt in den Thronsaal zu gelangen. Es gibt insgesamt 2.500 Lehramtsstudierende in Greifswald. Was spricht dagegen, wenn nicht nur 500, sondern 2.500 nach Schwerin fahren?
Foto: Carsten Schönebeck
von Marco Wagner | 06.06.2010
Am Freitag Abend fand im Rahmen des GrIStuF eine Kulturmeile statt. Es wurden zahlreiche Buchlesungen abgehalten, Theaterstücke vorgeführt. Unzählige Galerien öffneten ihre Pforten. Darüber hinaus fanden mehrere Konzerte, eine Vorlesung zu Samuel Beckett und eine englischsprachige Führung auf Caspar David Friedrichs Spuren statt.
Aufgrund der Tatsache, dass zahlreiche Veranstaltungen gleichzeitig stattfanden, war es dem Besucher nicht ansatzweise möglich, alle Angebote des Abends wahrzunehmen. Ungeachtet dessen versprachen alle Veranstaltungen dem Kulturmenschen, spannend zu sein. Somit wurde die Wahl der „richtigen“ Veranstaltung zur Qual. Wo sollte man hingehen?
Galerie Schwarz in neuen Räumen
So stellte beispielsweise die Galerie Schwarz ihre Bilder in den neuen Räumen in der Langen Straße 21 aus. In der Ausstellung waren vor allem Gemälde von Ralph Fleck, Norbert Frensch, Thomas Hartmann und Peter Rühle zu sehen. Die Bilder haben Teils romantischen, zum Teil auch melancholischen, urbanen oder abstrakten Charakter.
In der Medienwerkstatt in der Bahnhofstraße fand um 19 Uhr die Veranstaltung Kunst und Klavier statt. Während man durch die Galerie in den Räumen der Medienwerkstatt schlenderte und sich die zahlreichen unterschiedlichen Gemälde und Fotos von Kunststudenten des Caspar-David-Friedrich-Instituts ansah, lauschte man einem Klavierkonzert.
Die Schultheatergruppe des Humboldt-Gymnasiums befasste sich zur selben Zeit im Theater Greifswald mit dem geheimnisvollen Verschwinden der 16- jährigen Nora. Sie führten das Stück „Finnland oder Noras Tag“ auf. Es ist gleichzeitig Bestandteil des Theatertreffens, welches am Freitag begann.
Cantemus-Chor in der Halle am Bahnhof
In einem besonders interessanten Ambiente konnte man um 20 Uhr einem kurzen Konzert des Cantemus-Chors beiwohnen. Es fand in den Hallen am Bahnhof statt. Der Chor sang unter anderem Lieder von Heinrich Schütz, Johann Sebastian Bach sowie Volksliedbearbeitungen französischer und deutscher Künstler. Die durch die Abenddämmerung erzeugten Licht- und Schattenspiele verliehen dem Konzert in den ehemaligen Werkshallen ein besonderes Flair.
Das konnte man auch in der Brasserie Hermann ab 21:30 Uhr erleben. Hier spielte die Greifswalder Band Trust Fate erstmalig nach der Spielpause vor vier Monaten. Der Band, die dieses mal unplugged spielte, gelang es erneut, die Stimmung in dem kleinen Raum zum kochen zu bringen. Sie stellten mit viel Witz und Freude ihr neues Album vor. Am 8. Juli wird die Band im Rahmen einer Wohltätigkeitsveranstaltung für die Kinderklinik im Greifswalder Theater als Hauptact auftreten.
Fotos: Marco Wagner
von Julia | 05.06.2010
Am vergangenen Mittwoch führte die Laien-Theatergruppe „die VerkaNnten“ Georg Büchners Leonce und Lena auf. Die informelle Natur der Aufführung wurde schon dadurch klar, dass dem Zuschauer freie Platzwahl im Rubenowsaal der Stadthalle gelassen wurde – und der Eintritt mit 3 Euro auch eher gering war.
Die Geschichte der beiden Hauptfiguren ist absurd zu nennen: Sie sollen zwangsvermählt werden, laufen davon, treffen und verlieben sich unbekannterweise. Bis hierhin eine allseits bekannte Situation, die jedoch ungewöhnlich aufgelöst wird. König Peter, Leonces Vater, ist verzweifelt, da die Hochzeit nicht stattfinden kann und lässt es zu, dass eine Truppe Verkleideter eine Ersatzhochzeit durchführt. Natürlich handelt es sich hierbei um die beiden Königskinder, deren Streich nach hinten losging, da sie genau die vorgesehene Verbindung eingegangen sind, die sie zu verhindern versucht hatten.

Leonce und Lena: Hofstaat in Aufruhr
Unter der Leitung von Theaterpädagogin Barbara Gottwald entstand die kurzweilige Inszenierung. Eingeläutet wird das Stück mit einer Parade der zehn Darsteller, die mit Klatschen und Anfeuerungsrufen aus dem Publikum begleitet wurde. Der Spaß kommt also nicht zu kurz, was dem Lustspiel angemessen scheint. Allerdings schrieb der damals 23-jährige Büchner das Stück durchaus mit politischen Untertönen und Anspielungen. Dazu gehören z.B. Bezeichnung Popo und Pipo, der winzigen Königreiche, aus denen Prinz Leonce und Prinzessin Lena stammen. Die überspitzten Formulierungen werden augenzwinkernd und mit angemessener Selbstironie präsentiert. Besonders schön gelang das Natalie Bachmaier als König Peter. Alle Rollen bis auf Leonce (Christoph Waak) werden von Frauen gespielt, was die Absurdität weiter verstärkt.
Die musikalische Untermalung stammt von der Band Haindling aus ihrem Album Schrilles Potpourri – Das Beste ohne Worte von 1995. Größtenteils passt die ungewöhnliche Instrumentalmusik, stellenweise hat man jedoch das Gefühl, einem PUR-Konzert im Rahmen einer Folge Großstadtrevier beizuwohnen.
Wer sich ebenfalls 75 Minuten lang unterhalten lassen will, hat dazu am 22. Juni um 20 Uhr erneut Gelegenheit. Karten gibt es online, telefonisch (03831 / 26 46 6) oder an der Theaterkasse (Di – Fr 10 – 18 Uhr).
Bilder: Theater Vorpommern