Ein Kommentar von Carsten Schönebeck

Ein wahres Aufatmen ging durch den letzten Rest der kommunalpolitischen Gesellschaft im beschaulichen Greifswald – die rechtsextreme NPD kandidiert nicht für die Bürgerschaft. Der Wahlleiter und Bürgermeister Dr. König sprach von „Erleichterung”. Dem präsidial-gemütlich bis naiv wirkenden Stadtoberhaupt mag dies aus tiefster Seele sprechen, auch wenn böse Zungen behaupten, „Erleichterung” könnte der CDU-Mann möglicherweise auch über ein Nichtantreten aller anderen Parteien empfinden.

Auch zur Europawahl will die NPD in Vorpommern nicht antreten und dennoch organisierte sie den ersten Partei-Infostand seit einigen Wochen auf dem Fischmarkt. Klar, dass dies nicht ohne einen ordentlichen Gegenprotest geschah, was erst einmal ein gesundes Zeichen für das Demokratiebewusstsein der Greifswalder ist. Doch wie weit darf man sich beim Kampf gegen die Systemgegner von den eigenen Idealen wegbewegen?

Grenzverschiebung

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Schilderwald in der Fußgängerzone - Foto: Carsten Schönebeck

Viele der Demonstranten versuchten simpel aber effektiv mit Musik und guter Laune einen deutlichen Gegensatz zur Propaganda der Rechtsextremen aufzuzeigen. Auch die Extra-Mülltonne, in der die Passanten NPD-Flyer umgehend entsorgen konnten, zählt sicher zu den gelungenen Protest-Ideen. Ganz im Gegensatz zu den „NAZI”-Hinweisschildern, die den Infoständlern hinterhergetragen wurden und die sie gegenüber dem normalen Fußgänger „enttarnen” sollten. (Auch wenn die Parteisymbole auf der Kleidung diese Aufgabe schon teilweise übernahmen.)

Hier ging der Protest gegen eine Partei und ihr krudes Gedankengut über zu einer Stigmatisierung der Menschen dahinter. Damit aber schießt sich jeder, der für Freiheit und Toleranz eintritt ein buchstäbliches Eigentor; vor allem dann, wenn er versucht, genau das Fehlen dieser Attribute beim Gegner zu kritisieren. Zahlreiche Vergleiche zur Zwangskennzeichnung und Boykottierung von Bevölkerungsgruppen bieten sich an, sollen aber hier nicht weiter ausgeführt werden.

Greifswald war da nicht der erste und sicher ein eher unbedeutender Fall. Auch als vor einem Jahr der Anti-Islamisierungskongress in Köln erfolgreich verhindert wurde, musste man sich fragen, ob das nicht mit Methoden erreicht wurde, die in diesem Land bereits den „Widerstand gegen das System” in den dreißiger Jahren zunichte machten: Terror und Chaos gedeckt und gefördert von staatlichen Institutionen.

Mensch und Menschlichkeit

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NPD-Werbefachmann mit mobiler Flyer-Entsorgungseinheit - Foto: Luisa Wetzel

Sechzig Jahre Grundgesetz wollen wir im Mai feiern und das in einem Land, das nach unsäglichen Verbrechen an Mensch und Menschlichkeit zu einer der stärksten Demokratien in der Welt geworden ist. Von nachvollziehbarerer Wut auf all jene, die es immer noch nicht begriffen haben und die Uhren krampfhaft zurück drehen wollen, dürfen wir uns unsere eigenen Werte und Ideale nicht kaputt machen lassen. Der Zorn, den man verspürt, wenn man mit ansehen muss, wie menschenverachtende Ideologien institutionell kaschiert und dennoch auf der Straße propagiert werden, muss uns Ansporn sein, etwas dagegen zu unternehmen. Mit der Arroganz der moralischen Überlegenheit aber müssen wir unsern falschen Stolz herunterschlucken und im Rahmen unserer eigenen Ansprüche handeln.

Vielleicht ist den politischen Brandstiftern und gewalttätigen Pöblern von NPD und Co die Menschlichkeit abhanden gekommen, das Menschsein aber kann ihnen niemand absprechen.

Weitere Websites zum Thema:

Bilder:

Titelbild “Nazis machen keinen Spasz” – Luisa Wetzel;Titelbild Mülltonne – Carsten Schönebeck

Kommentare

  1. Marco_Wagner    

    Sehr schöner Kommentar, dem nichts hinzuzufügen ist!

  2. Leser    

    “zu einer der stärksten Demokratien in der Welt geworden ist”

    < < hier sollte man vorsichtig sein! Ich finde Schwedens Demokratie ist wesentlich "stärker". >> Immerhin haben wir erst vor wenigen Tagen die offizielle Internet-Zensur eingeführt (getarnt unter dem Vorwand der Kinderpornografie), Wikileaks.de wurde unter dem Druck des BND einfach mal abgeschaltet, und das Innenministerium erfindet jeden Tag ein neues lustiges Kontroll- / Antiterror-Gesetz. Bundestrojaner, Telekomgesetz (EU), Speicherung der Handypositionen über sechs Monate. Erst ging es nur um Reisepässe – nun sind auch die Personalausweise dran. Neben RFID, Fingerabdruck und co, kommt nun bald auch die “digitale Online-ID-Chipkarte” mit der jeder Bürger sich schön im Internet idendifizeren kann – zunächst natürlich nur freiwillig… Anonymität ade!

    Infos hier: http://depressingnews.net/2009/04/10/german-plans

    Also nicht ganz so viel blinde Euphorie bitte – der Rest des Kommentars ist natürlich richtig und wichtig 🙂

  3. ret marut    

    Da kann ich nur in Anlehnung an ein Knarf Rellöm Lied sagen: "Arme, arme Nazis!" – Natürlich gehören Nazis stigmatisiert, ob im Betrieb, ob an der Uni oder Schule, beim Einkaufen, in der Disco … In Darmstadt z.B. gibt es eine große Kampagne namens "Kein Bier für Nazis!", an der sich sehr viele Kneipen und Gaststätten beteiligen. Und das ist gut so! [siehe auch: http://www.asta.tu-darmstadt.de/cms/de/news/singl… ]

    Nazis und andere Rechtsextreme als solche konkret zu outen, ist mehr als notwendig, gerade hier in Greifswald, wo etliche regionale Nazi-Kader relativ unbehelligt wohnen und studieren.
    Schließlich besteht eine der rechtsextremen Langzeit-Strategien darin, sich als politisch "akzeptiert und toleriert" zu etablieren. Gerade hier in Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich doch in steter Regelmäßigkeit, wie den Nazis in einem Mix aus Fatalismus, Hilflosigkeit, Naivität, falsch verstandener Toleranz und einer Politik des Wegsehens der Weg in gesellschaftliche Diskurse und Räume gebahnt wird. Wohin das führt, läßt sich zum einen an den Wahlerfolgen der NPD ablesen, aber auch an den "Zonen der Angst", die die prügelnde Nazi-Szene hier überall im Lande errichtet hat (ich denke da u.a. an Usedom, Güstrow, Demmin, Boitzenburg, Malchin, Neustrelitz, wo physische Gewaltanwendungen durch Nazis quais an der Tagesordnung sind).

    Kurt Tucholsky hatte die falsch verstandene Toleranz gegenüber Nazis 1931 schon ganz richtig erfaßt in seinem Gedicht "Rosen auf den Weg gestreut":

    Rosen auf den Weg gestreut

    Ihr müßt sie lieb und nett behandeln,
    erschreckt sie nicht – sie sind so zart!
    Ihr müßt mit Palmen sie umwandeln,
    getreulich ihrer Eigenart!
    Pfeift euerm Hunde, wenn er kläfft –:
    Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft!

    Wenn sie in ihren Sälen hetzen,
    sagt: »Ja und Amen – aber gern!
    Hier habt ihr mich – schlagt mich in Fetzen!«
    Und prügeln sie, so lobt den Herrn.
    Denn Prügeln ist doch ihr Geschäft!
    Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft.

    Und schießen sie –: du lieber Himmel,
    schätzt ihr das Leben so hoch ein?
    Das ist ein Pazifisten-Fimmel!
    Wer möchte nicht gern Opfer sein?
    Nennt sie: die süßen Schnuckerchen,
    gebt ihnen Bonbons und Zuckerchen …
    Und verspürt ihr auch
    in euerm Bauch
    den Hitler-Dolch, tief, bis zum Heft –:
    Küßt die Faschisten, küßt die Faschisten,
    küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft –!

    1. Edmund Stoiber    

      Lieber ret marut, auch bei dieser Gelegenheit darf ich dich daran erinnern, dass der von dir an vielen Stellen dieses Forums verteidigte Sozialismus-Kommunismus seine, wie du es formulierst, "Zone der Angst" auf die gesamte DDR ausgedehnt hat.

      Auftreten gegen Totalitarismus ist löblich, aber nicht wenn man sich nicht einmal vom letzten Totalitarismus in Deutschland, der kommunistischen Terror-DDR, distanziert. So wir eintreten für Freiheit und Demokratie von dir leider nur (mal wieder) unglaubwürdig.

      1. Eric Hartmann    

        Hey Ede mein Lieblings-Troll,
        Argumente stehen für sich – nur mal so am Rande. Wenn dir jemand ein Gegenargument bringt, solltest du dich mit dem Argument auseinandersetzen, alles andere ist Augenwischerei (= kein Argument… vgl. hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Argumentum_ad_homine… – oder hast du am Ende gar keine Argumente?

        1. Edmund Stoiber    

          Ich habe ja gegen sein Argument gar nichts zu sagen. Ich werde sicher keinen Faschisten küssen, soviel ist mal sicher. Nur muss er sich auch mal an die eigene Nase fassen. Denn einen Sozialisten/Kommunisten küsse ich sicher auch nicht. Soviel ist ebenfalls sicher.

        2. ret marut    

          Ich sag nur: Kein Sex mit Nazis!
          Wie hier am 1. Mai 2006 am Rostocker Gewerkschaftshaus:
          http://www.rechtsweg-ausgeschlossen.de/pics/kein_sex_mit...

        3. Ede S.    

          wo bleibt die CDUSPDFDPArbeitgeberverband-Kampagne "Kein Sex mit Kommunisten" ?

        4. aha    

          Wo bleibt die WebMoritz- Initiative "Kein Dialog mit Ede"?

          Wäre mal Zeit!

        5. ret marut    

          Das wär ja mal ein (im wahrsten Sinne des Wortes) geiles Bild: Dieter Hundt (BDA-Präsident) und Hans-Peter Keitel (BDI-Präsident) zusammen mit Westerwelle, Kauder und am besten noch Olaf Henkel tragen jeweils ein "Kein Sex mit Kommunisten"-T-Shirt. Vielleicht kann ja Papst Ratzinger auch noch zum Fotoshooting mit Bild bewegt werden: "Kein Sex! Schon gar nicht mit Kommunisten!" 🙂
          Der Ede hat doch immer mal wieder spaßige Ideen in petto.

        6. Ede S.    

          Ja und die peinlichen Sozis auch nicht zu vergessen, die machen auch mit. Auch meine liebe CSU darf nicht unerwähnt bleiben.

          Warum gibt es das nicht?

          Naja, es ist eigentlich auch keine Gefahr von links. Die Linksparteiwählerschaft im Osten ist bereits jenseits der 60 und stirbt langsam aus. Auch die gegenwärtige Wirtschaftskrise treibt die Leute nicht zur Linkspartei sondern zu FDP und CDU. Im Herbst gibt's wieder Schwarz-Gelb und Rot-rosarot-grün schaut in die Röhre….

    2. Martin    

      "armer armer ret marut" In Anlehnung an Deinen Kommentar mit dem Du zwar gegen Nazis hetzt, zum öffentlichen Diffamieren aufrufst aber trotzdem Deine Kurzsichtigkeit unter Beweis stellst…

      Oder anders: Wie findest Du das Auftauchen Deiner Wohnanschrift mit Foto im Internet..?

  4. Edmund Stoiber    

    Auch in Deutschland gilt, dass eine Partei — wie ungern man es auch sehen mag — solange sie nicht verboten ist, tun kann was alle anderen Parteien auch tun, nämlich um Wähler werben. Ich mag die NPD nicht und ich finde Proteste bis zu einem gewissen Grad wichtig. Aber man sollte sich schon fragen, ob man Menschen verächtlich behandeln will oder eine Partei und ihre Ideologie bekämpfen will. Und man sollte sich fragen, ob man selbst Straftaten begehen sollte und an der Grenze der ethisch vertretbaren Spektrums, wenn man protestiert. Insofern kann man da dem Autor, der ein differenziertes Bild des Protests zeichnet, nur zustimmen.

    1. E .S.    

      *des ethisch vertretbaren Spektrums agieren sollte [..]

  5. tobi w.    

    "Damit aber schießt sich jeder, der für Freiheit und Toleranz eintritt ein buchstäbliches Eigentor; vor allem dann, wenn er versucht, genau das Fehlen dieser Attribute beim Gegner zu kritisieren."

    mir persönlich ist es egal, wie tolerant die nazis/npdler/kameradschaften etc sind! ich will auch nicht tolerant sein, wenn es darum geht, wie diese menschen andere diskriminieren aufgrund ihrer herkunft, sexualität oder ihres äußeren! denn ihre dreckige meinung haben sich diese leute selbst ausgesucht und vertreten sie mit stolz, wie es aussieht.

    "Zahlreiche Vergleiche zur Zwangskennzeichnung und Boykottierung von Bevölkerungsgruppen bieten sich an, sollen aber hier nicht weiter ausgeführt werden."

    das ist doch nicht dein ernst!!! judendiskriminierung, -verfolgung und der anschließende massenmord, der letztendlich das ziel hitlers war, kann man nicht vegleichen mit der diskriminierung einer meinung, die an einem verbrechen grenzt. diese vergleiche, du nicht weiter ausgeführt werden sollen, relativieren die geschichte und das leid von millionen von menschen, die sich ihre religion und ihre verfolgung sowie das system und den krieg nicht selbst ausgesucht haben.

  6. Edmund    

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Autor da eine Gleichsetzung zwischen Juden und NPDlern gemeint hat. Er wollte sicher nur andeuten, dass die Stigmatisierung so auch schon einmal in Deutschland vorgekommen ist. Eigentlich zweimal, denn "christlich-bürgerlich" war nun wirklich keine Auszeichnung der DDR-Stasi an meine Verwandten, denen Abitur und Studium aufgrund ihrer Herkunft und ihres Glaubens versagt blieben.

    Im übrigen sind es fast ausschliesslich die extrem linken Leute, die gewalttätig gegen NPD-Leute protestieren. Das ist insofern ironisch, als dass die extrem linken Leute ein ebenso totalitaristisches System unterstützen. Beim Kommunismus wurde die "Rasse" nur durch die "Klasse" ersetzt und diskriminiert. Politische Gegner wurden auch im von den Linksextremen verteidigten Sozialismus-Kommunismus brutal niedergemetzelt.

    Man sollte also nicht das löbliche Eintreten für die freiheitliche und demokratische Grundordnung in Form von friedlichen Protesten gegen die NPD verwechseln mit pöbelnden, gewalttätigen Linksextremisten und Punks. Wo Totalitarismus droht, egal ob von links oder von rechts, ist Widerstand Bürgerpflicht! Aber nicht so wie das immer einige Berufsdemonstranten der Antifa tun.

  7. tobi w.    

    ok, du warst sicher nicht da, wie es aussieht. versuche ma, die leute, die bei der aktion waren, nicht als extreme linke abzustempeln, sondern als antifaschisten. und denn bitte auch nicht als leute von "der" antifa. diese waren sicher auch vor ort, jedoch schlossen sich mit der zeit immer mehr jugendliche und studenten der aktion an, denen ich nicht unterstelle, den kommunismus oder sozialismus zu fordern. ich persönlich identifiziere mich auch nicht damit, möchte aber meine antifaschistische meinung kundtun. und komm mir nicht mit dem mist àla mitgehangen-mitgefangen… damit biste auch nicht besser als jeder bild-leser. wärste da gewesen und hättest mit einigen leuten geredet (dialog fand statt, auch zwischen npd und demonstranten, auch über das programm der npd), würdest du nicht jeden als kommi abstempeln.

  8. giallo    

    schade dass ich meine lupe nicht dabei hab, sonst könnt ich mir die bilder schön angucken…

    1. gerd    

      die fotos für deine anti-antifa sammlung musste wohl weiter selber machen…

  9. Edmund Stoiber    

    Ich habe ja gerade klar und deutlich unterschieden zwischen "Einsatz für die freiheitliche Demokratie" und "Linksextremen Krawall-Berufsdemonstranten", insofern habe ich dir das auch nicht unterstellt, sondern gesagt, man müsse unterscheiden zwischen sinnvollem, friedlichen Protest und kommunistischen Rattenfängern die nur auf Krawall gegen Nazis aus sind.

  10. Martin    

    Schöner Artikel oben… endlich mal realistische Blicke in die Welt…
    schade, dass einige Kommentatoren hier mit Nazimethoden gegen rechts sein wollen…
    MENSCHENRECHTE GELTEN FÜR JEDEN!

  11. Lisa    

    "Zahlreiche Vergleiche zur Zwangskennzeichnung und Boykottierung von Bevölkerungsgruppen bieten sich an […]"
    Wieso Zwangskennzeichnung? Die Nazis standen doch selbst dort um für die NPD zu werben und zeichneten sich damit selbst als Nazis aus. Auch schreibt der Autos des Artikels selbst, dass "die Parteisymbole auf der Kleidung diese Aufgabe schon teilweise übernahmen". Ich verstehe beim besten Willen nicht, was das mit Zwangskennzeichnung zu tun hat.

  12. Martin    

    liebste Lisa,

    wer nicht verstehen will wird auch nicht… 🙂 Du selbst hast es eigentlich schon geschrieben…

    "…Ganz im Gegensatz zu den „NAZI”-Hinweisschildern, die den Infoständlern hinterhergetragen wurden und die sie gegenüber dem normalen Fußgänger „enttarnen” sollten. (Auch wenn die Parteisymbole auf der Kleidung diese Aufgabe schon teilweise übernahmen.)"

    1. mashup    

      Tja, nur wurden die NPDler stigmatisiert für etwas, das sie frei gewählt haben. nämlich für menschenverachtende, faschistische Denkweise – die sie selbst hüten, kultivieren und pflegen.
      Bei Juden, Roma, Sinti, Homosexuellen, Franzosen, Engländern, Polen, Sowjets etc etc sieht das schon ganz anders aus. Also wie jetzt "Zahlreiche Vergleiche zur Zwangskennzeichnung und Boykottierung von Bevölkerungsgruppen bieten sich an […]" Merkste?

      1. Martin    

        mhhh, hört sich an als wenn das irgendwann mal eine freie Entscheidung in unserem Leben war…
        werd ich jetzt n Nazi oder nicht… Wenn wir als wehrhafte Demokratie genau dort ansetzen würden…
        junge Menschen haben eine solche Entscheidung nämlich nicht…der Umgang formt den Menschen…
        und wenn man als junger Mensch das "Pech" hat im tiefsten MV aufzuwachsen, dort wo nicht mal die grossen Parteien Wahlwerbung machen…Deren Eltern lange arbeitslos sind…Ein Jugendclub seit langem vernagelte Fenster hat…

        Dann braucht es schon Hilfe zur Selbsthilfe…Damit man erkennt, dass der Frust zwar berechtigt aber in die falsche Richtung geht…

        1. mashup    

          Naja, das ist aber jetzt sehr einfach gestrickt. Ich wachse in der Ödnis auf, kriege bestimmt keinen Job – na gut, dann hasse ich jetzt mal Juden/ Linke/ alle Menschen, die nicht in mein MV-geprägtes Weltbild passen. (???)
          Das kanns ja nun nicht sein, vor allem, da neue Studien untermauern, dass Arbeitslosigkeit und Zukunftsängste NICHT in direktem Zusammenhang mit rechtsextremen Denken stehen.
          Der Umgang formt den Menschen, da pflichte ich dir bei. Aber wenigstens den Umgang kann man sich aussuchen. Kopf einschalten hilft auch. Selbst wenn jemand in einer Familie aufwächst, in der dieses Gedankengut gepflegt wird, ist das keine Begründung dafür, intoleranter Menschenfeind zu werden. Man ist dann vielleicht nur zu faul, das eigene Gehirn zu benutzen und mal über den eigenen Horizont hinauszuschauen.

  13. zorrr    

    KEINE TOLERANZ gegenüber INTOLERANZ!

    Nazis müssen stigmatisiert werden, was denn sonst? Weil wir alle so feine Demokraten sind, lassen wir eben auch die Feinde der Demokratie auf unseren Straßen wandeln und ihr schmutziges Werk vollziehen? Ja, die NPD- Funktionäre und auch jeder andere Faschist ist auch Mensch, selbst wenn ihnen die Menschlichkeit abhanden gekommen ist. Aber was ist das für ein Argument? Darf ein Mensch andere Menschen verachten, gar als biologisches Feindbild sehen, nur weil er auch zwei Beine und ne Nase hat? Also wirklich, auszugsweise liest sich der Kommentar wie aus dem Handbuch für faschischistische Wortergreifungsstrategie abgeschrieben.

    1. zuhörer    

      … oder aus dem Handbuch für antifaschischistische Wortergreifungsstrategie.

      *Für die mehr als hundert Millionen Opfer des Kommunismus*

      1. ret marut    

        *lol* Jetzt sind plötzlich alle AntifaschistInnen auch KommunistInnen? – So imaginiert sich also die Rechte ihre bolschewistischen FeindInnen. 😉

        Dein Opferbegriff ("Millionen Opfer des Kommunismus"!) scheint ja mittlerweile inflationäre Ausmaße anzunehmen. Opfer des "roten Terrors" waren demnach sicher auch alle im Kriege getöteten Wehrmachts- und SS-Soldaten, nicht zu vergessen die Nazi-KriegsverbrecherInnen, die nach 1945 in Nürnberg und andernort verurteilt und hingerichtet wurden. In antikommunistischen Regimes wie Lettland marschieren z.B. auch heute noch regelmäßig Veteranen der Waffen-SS in ihren alten Uniformen in Riga auf, als "Vorkämpfer gegen den Kommunismus".
        Aus dieser Logik besehen ist Hitler wohl auch nur ein armes Opfer des Kommunismus …

        1. Oliver    

          Die Gefallenen der Wehrmacht waren "Opfer" eines Krieges ("Opfer", da die Wehrmacht ja bereitwillig Hitlers Krieg mitgetragen/durchgeführt hat), was zuhörer meint, waren die Millionen "Konterrevolutionäre" und "Faschisten" die in zwangsweiser Kolonisierung Sibiriens in Gulags ermordet wurden.
          Und die hingerichteten Kriegsverbrecher wurden auch von nicht-Kommunistischen Ländern verurteilt.

        2. zuhörer    

          *lol* und hier sind alle NPDler sofort Neonazis, vielleicht fällt dir ja etwas auf…

          Dann lassen wir also alle von die genannten Person aus der Rechnung raus und kommen auf die Demozid-Opfer und diese auch nur im Inland:

          UdSSR[1917-1987] Geamttote[Inland]: 54.769.000*
          China[Volksrepublik] Gesamttote[Inland]: 35.236.000*

          Das macht etwas über 90 Millionen Opfer die nur die 2 Größten Kommunistischen Regime geopfert haben.

          Darf ich jetzt auch sagen: Kommunismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen?

          Also alleine die bloßen Todeszahlen würden dies in meinen Augen rechtfertigen, mal davon abgesehen, dass es auch totalitäre Systeme waren.

          Meine Damen und Herren, Sie merken ich provoziere ganz bewusst!!

        3. zuhörer    

          *Quelle: "Demozid"- der befohlene Tod

        4. marc    

          "*lol* und hier sind alle NPDler sofort Neonazis, vielleicht fällt dir ja etwas auf… " – das muss ich doch glatt nochmal unkommentiert zitieren

        5. ret marut    

          Huihui! Da werden aber Zahlen aus der Trickkiste gegriffen. Quellen??

          Zählen zu den "54.769.000 Gesamttote [Inland]" der "UdSSR [1917-1987]" auch all diejenigen, die in Bürgerkrieg und weißen Interventionskriegen von 1917-1923 von weißen Generälen wie Denikin, Wrangel und Judenitsch abgeschlachtet, von deutschen Truppen zwischen 1917 und 1919 (!) im Baltikum, in der Ukraine und Weißrußland ermordet wurden? Und die Millionen, die durch die Invasionen der weißen Okkupationsarmeen einem qualvollen Hungertod ausgesetzt waren?

          Und zählen dazu auch die 13,6 Mio. SoldatInnen der Roten Armee und die 6 Mio. sowjetische ZivilistInnen, die zwischen 1941 und 1945 von der Deutschen Wehrmacht und SS ermordet wurden? Erinnert sei hier an die Massenhinrichtungen und den Terror der deutschen Besatzer, aber auch an das Aushungern von Moskau, Leningrad (hat über 900 Tage Belagerung durchgemacht) und Stalingrad.

          Über die Moskauer Prozesse könnten wir sicher reden und das damit zusammenhängende Unrecht. (Die meisten dieser Opfer waren aber selber KommunistInnen und SozialistInnen.) Ich denke aber, daß Dein offen zur Schau getragener Antikommunismus Dich nicht gerade zum geeigneten Diskussionpartner für eine inhaltliche Debatte um die Moskauer Prozesse auszeichnet; ergo laß ich das an dieser Stelle gleich bleiben.

          Und: Klar sind alle NPD-Mitglieder Nazis. Die verstehen sich als "nationale Sozialisten", was das im Klartext bedeutet, daraus machen sie ja auch keinen Hehl.

        6. zuhörer    

          Quelle wie schon Nachgereicht: "Demozid"- der befohlene Tod

          Demozid definiert sich als Genozid und Massenmord durch Staatsgwalt, von daher nannte ich die Opfer auch Demozidopfer, also sowjetische Staatsbürger die von der Kommunistischen Partei ermordet wurden[aber belese dich doch bitte selber dazu]:

          "Wenn man uns Grausamkeit vorwirft, dann fragen wir uns, wie die Leute die wesentlichen Grundlagen des Marxismus vergessen können." Lenin

          Und ich bin stolz drauf Antikommunist zu sein, wie ich auch stolz drauf bin ein[pass auf, jetzt kommt der hammer] Antifaschist bin. Totalitäre Systeme haben schon zu viele Menschenopfer gefordert.

          Die Demokratie ist das einzig Wahre!

          Ach Und: Es gibt viele Mitte-Rechts-Leute die in der NPD sind, weil es keine Mitte-Rechts-Partei gibt, also keine Generalisierung bitte. Nicht jeder muss gleich ein Neonazi sein.

        7. mashup    

          IHR HABT DOCH ALLE [Edit by Moderator: Bitte auf einen freundlichen Ton achten!], oder was?
          Ihr seid wirklich einfach [Edit by Moderator: Bitte auf einen freundlichen Ton achten!], Menschenleben mit Menschenleben aufzurechnen und dann das schlimmste totalitäte System herauszubekommen.
          Es ist einfach nur noch peinlich und zutiefst beschämend, da man davon ausgehen muss, dass ihr nicht zur bildungsfernen Schicht gehört.
          Uuuh, hat jetzt China mehr Menschen hingerichtet als Stalin, oder war es um Gulag dann doch schlimmer als im Jagtse- Steinbruch. Und tadaaa, wenn wir über die Greueltaten des Kommunismus sprechen, merkt niemand mehr, wie die Nazis durch die Hintertür marschieren. [Edit by Moderator: Bitte auf einen freundlichen Ton achten!], ich kann es nicht anders sagen!
          Spielt weiter Euer Stalin- Hitler- Mao- Roulette und lasst [Edit by Moderator: Bitte auf einen freundlichen Ton achten!], wenn ihr von Stasi- Knästen erzählt!

        8. zuhörer    

          schön wie hier gelöscht wird- auf die meinungsfreiheit- weitermachen!

    2. Marco_Wagner    

      Nazis müssen stigmatisiert werden?!
      Frei nach dem Motto "Aug um Aug, Zahn um Zahn" oder "so wie du mir, so ich dir"?!
      Wenn man diesen Faden weiter spinnt (Nazis haben Juden stigmatisiert–> "Nazis müssen (deshalb) stigmatisiert werden") kommt man zu "Nazis haben Juden vergast"–> "deshalb müssen Nazis vergast werden". Freilich ist das gewiss nicht deine Absicht (ich unterstelle dir das einfach mal, denn wie Carsten bereits schrieb sind Nazis Menschen, wenngleich sie ihre Menschlichkeit verloren haben). Aber der richtige Weg ist es ganz gewiss nicht. Jeder Mensch, der einen NPD Stand sieht, oder einen Menschen sieht, der Flyer der NPD verteilt, weiß, das es Nazis sind. Was soll also die Stigmatisierung?

      1. buckley    

        Nope, so (Auge um Auge, Zahn um Zahn) würde ich nicht argumentieren. Und ret marut bestimmt auch nicht. Es geht mir nicht darum, Neonazis ihr Mensch-Sein abzusprechen oder sie zu töten, sondern allen Leuten klar zu machen, dass sie gerade menschenverachtend Arschlöcher (übrigens: Die Ärzte, Schrei nach Liebe: ich kann ihn zwar nicht mehr hören, aber er ist inhaltlich auf jeden Fall unter den Top 5 der besten deutsschprachigen Songs zu Neonazis) vor sich haben. Deshalb die "Neonazi"-Schilder. Außerdem darf diesen Leuten kein Quadratzentimeter öffentlicher Raum zu Verfügung gestellt werden, wenn es sich irgendwie (also ohne Tote und blutig, meine ich jetzt) verhindern lässt. Und wenn es sich nicht verhindern lässt, muss zumindest darauf hingewiesen werden, dass die vermittelnden Inhalte Tod und Vertreibung von Menschen legitimieren und nicht mehrheitsfähig sind (hoffentlich; wenn ich mir manche bürgerliche Politiker_innen so anschaue, schwindet meine Hoffnung).

        1. Marco_Wagner    

          Wie gesagt, ich bin auch nicht davon ausgegangen, das du so weit "gehst". Ich hab hier auch in erster Linie zeigen wollen, wozu bestimmte Äußerungen schlimmstenfalls führen können.
          Richtig ist, das man Nazis innerhalb einer Demokratie keinen Spielraum lassen darf. Denn es ist nun wirklich äußerst grotesk, das eine Partei genehmigt ist, die den Sturz des bestehenden Systems zum Ziel hat und Volksverhetzung betreibt. Aber diese Situation gibt es (leider oder glücklicherweise?- Ich weiß nicht, welches von beiden besser wäre) in ganz Europa.
          Daher ergibt sich faktisch der Zwang, gegen solche Strömungen zu protestieren.

  14. karin    

    Auch ich hatte zuerst meine Bauchschmerzen mit den Neonazi-Pfeilen allerdings finde ich es einen himmelweiten Unterschied ob man Menschen wegen ihrer Gesinnung stigmatisiert oder weil ihre Eltern nicht in Deutschland geboren wurden. Von daher kann ich die
    "Zahlreichen Vergleiche zur Zwangskennzeichnung und Boykottierung von Bevölkerungsgruppen bieten sich an, sollen aber hier nicht weiter ausgeführt werden."
    nicht erkennen.

    Und nochmal:
    Faschismus ist keine Meinung sondern ein Verbrechen!

  15. buckley    

    Seit dem Erstarken der Neonazi-Subkultur in Folge der deutschen Wiedervereinigung sind 141 Personen an Neonazi gestorben. Verantwortlich für den Tod einer Person, in Greifswald beispielsweise Eckard Rütz, sind nicht nur die Idiot_innen die in letztlich physisch ins Jenseits befördern, sondern auch die Gedankenkonstruktion, die ein solches Vorgehen im Kopf der Täter_innen rechtfertigt und rationalisiert. Zum Beispiel: Obdachlose killen ist eine gute Sache, die schädigen den Volkskörper und die mag eh keiner. Oder so in der Art. Hätten sich die Täter_innen nicht so einen Gedanken zurechtgelegt, hätten sie es vermutlich auch nicht gebracht, einen anderen Menschen zu töten. Aus diesem Grund ist jemand der Nazi-Propaganda, und damit die Rechtfertigungskonstruktionen für Nazi-Gewalt, verteilt eben auch gefährlich und für Nazi-Gewalt mitverantwortlich. Und deshalb muss ich – wenn ich mir Freiheit auf die Fahne schreibe (mit dem Begriff Tolleranz habe ich so meine Probleme) – dem Nazi-Propagandisten diese Freiheit nicht gewähren: weil sie mitverantwortlich ist für nachfolgende Nazi-Gewalt, die deren Opfer massiv in deren Freiheit beschränkt. Und deshalb ist es richtig, wenn wie in Köln mit "Terror und Chaos" (man, man, man: warst Du eigentlich da oder hast Du die Formulierung direkt aus der entsprechenden BILD-Berichterstattung?) – also eine Massenblokade – eine Veranstaltung verhindert wird, die der Unterbreitung rassistischer und islamophober Rechtfertigungsmuster für Gewalttaten dient. Und die Frage, ob es ethisch legitim ist, Nazis an der Verbreitung ihrer Propaganda auch durch die Begehung von Straftaten – auf einer Sitzblokade ist das auf Grund einer sehr umstrittenen Rechtsprechung klassischer Weise Nötigung; vielleicht auch mal eine Sachbeschädigung, wenn Nazi-Autos entglast werden – zu hindern, finde ich vor dem Hintergrund, dass jeden Tag irgendwo in der BRD Nazis schlagen, treten, spucken, knüppeln und seit 1990 bereits 141 Menschen deswegen gestorben sind, wirklich mal einfach zu beantworten.

    1. Martin    

      achso, bist ja eigentlich dafür Gesetze zu achten…bloss nicht für Nazis…weil Nazis eben doof sind kann man denen auch mal ein Auto anzünden…
      und schwuppsdiwupps stehst Du auf derselben Stufe wie die ach so gemeinen Nazis…

      1. kra    

        Schwachsinn! Ich finde es wirklich mehr als ungeheuerlich, dass die Redaktion des Webmoritz nicht auf relativierende Einträge wie den obenstehenden reagiert.
        @ Martin: Gesetze für Nazis. Natürlich leben wir in einem Rechtsstaat, an dessen Regeln sich alle zu halten haben. Aber schonma von wehrhafter Demokratie gehört?
        Den Leuten, die die Demokratie und ihre Grundpfeiler (zu denen auch Gestze gehören – das solltest du vielleicht wissen) abschaffen, zerstören, negieren wollen, müssen Steine in den Weg gelegt werden. Und wenn dies nicht im normalen rechtlichen Rahmen machbar ist, müssen die Grenzen breiter gezogen werden. Damit meine ich nicht, eine militante Strategie zu verfolgen

      2. buckley    

        nicht weil sie doof sind (sie sind es ja leider nicht), sondern weil ihre Ansichten den Tod von zahlreichen Menschen verursachen (habe ich oben versucht darzulegen). Ansonsten: genau.

        Und: Nur weil auch Nazis Sachbeschädigungen und Nötigungen begehen, stehe ich nicht mit Ihnen auf einer Stufe. Nazis kacken, essen und schlafen ja auch – so wie Du nehme ich mal an – was nicht dazu führt, dass Du von Dir behaupten würdest, auf einer Stufe mit den tatsächlich "ach so gemeinen Nazis" zu stehen.

        Deshalb rate ich dazu, die Motivation für eine Straftat genau zu berücksichtigen, wenn es darum geht ihre Legitimität zu beurteilen (dabei geht es genau nicht um eine rechtliche, sondern um eine ethische Würdigung).
        Und ob ich mit einer Gegendemo einen Nazi durch eine Nötigung an der Ausübung seiner Versammlungsfreiheit hindere, um die Verbreitung eines Rechtfertigungs-Narratives für Gewalttaten (noch Mal zur Erinnerung: 141 Gewaltverbrechen mit Todesfolge seit 1990 in der BRD durch Neonazis) einzuschränken – faktisch, weil die Nazi-Demo, wie in Köln, ausfällt oder symbolisch, weil die gesellschaftliche Marginalisierung der Nazis kommuniziert wird, oder ob ein Haufen Nazi-Prolls mich nötigt einen Regionalzug zu verlassen (allgemeine Handlungsfreiheit, Art. 2 GG), weil ihm meine Aufnäher nicht gefällt, und die Haare, und überhaupt dieses verzeckte Äußere – da besteht ein Unterschied.

    2. Klaus    

      Zu Deiner Feststellung der 141 aufgrund von Neonazis gestorbenen Personen:

      Ich habe dazu neulich in einer Diskussion noch eine andere, etwas höhere Zahl gehört – kann man das irgendwo mal etwas konkreter nachlesen?

      Gruß, Klaus

      1. buckley    

        Ich berufe mich auf folgende Chronik: http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/chroni

        Diese wiederum beruft sich v.a. auf die Frankfurter Rundschau und den Tagesspiegel. In 21 Fällen soll ein rechtsradikaler politischer Hintergrund naheliegend sein, konnte aber nicht hinreichend sicher festgestellt werden. Vielleicht ist "meine" Zahl deshalb auch niedriger, als die, die Du gehört hast.

  16. ret marut    

    Uiuiui! Da haben Edmund und Martin mal wieder kräftig in die Tasten gehau'n, auf daß wir ihren unerschöpflichen Weisheiten aufmerksam lauschen dürfen. 🙂

    Nur weil die NPD nicht verboten ist (warum eigentlich nicht, werter "Edmund Stoiber"? Könnte es daran liegen, daß gerade die CDU/CSU die bezahlten V-Personen nicht aus der NPD abziehen mag, das erklärte Haupthindernis eines juristischen Parteiverbotes?), muß mensch tolerant mit denen sein…? Merkwürdiges Demokratie- und v.a. auch Geschichtsverständnis.

    Schließlich war deren ideologische Vorgängerorganisation (NSDAP) in unserer Vorläuferrepublik (Weimarer Republik) auch völlig legal, ebenso wie ihre Schläger- und Mördertrupps SA und SS. Unter diesem Mantel der Legalität fand ab 1929/1930 der Straßenterror der Nazis statt: 1930 wurden allein von der SA 41 Personen ermordet, 1931 waren es 59 Personen, 1932 sogar 139 Personen. Allein 1932 gab es über 1.700 gemeldete SA-Überfälle – auf politische Veranstaltungen, auf Gewerkschaftshäuser, auf Sport- und Kulturveranstaltungen, auf Buchhandlungen, auf die Wohnquartiere von (vermeintlichen) Nazi-GegnerInnen. Die Opfer dieser Nazi-Übergriffe waren nicht nur KommunistInnen, sondern auch zunehmend SozialdemokratInnen und parteilose ArbeiterInnen.
    Nur wenige der beteiligten Nazis wurden überhaupt von der Justiz angeklagt; wenn es aufgrund öffentlichen Drucks dann doch einmal zu Haftstrafen kam, dann waren diese erschreckend niedrig – kein Vergleich übrigens zum Strafrahmen, den AntifaschistInnen und sozialistische ArbeiterInnen zu erwarten hatten.
    Weder der bürgerliche Staat noch die bürgerlichen Parteien haben damals verhindert, daß die Nazis an die Macht gelangten. Es waren vielmehr die bürgerlichen Parteien, die zusammen mit den Nazis 1933 im Reichstag dem Ermächtigungsgesetz und damit der Liquidierung des Parlamentarismus zugestimmt haben. Die einzigen, die damals dagegenstimmten, waren die – noch nicht verbotenen – SozialdemokratInnen; die KPD war zu der Zeit schon verboten worden und ihre Abgeordneten (wie auch einige sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete) teils in SA-Folterkellern, teils im Untergrund oder Exil.

    Es gibt seit einigen Jahren eine bundesweite NPD-Verbot-Kampagne der VVN/BdA, die jeder und jede unterstützen sollte, der/die grundsätzlich gegen Nazis ist. Unter http://www.npd-verbot-jetzt.de/ findet ihr die entsprechende Kampagnenseite.
    Die Forderung eines NPD-Verbots ist sinnvoll und unterstützenswert – auch wenn klar ist, daß die Rechtsextremen der NPD sich nach einem Verbot anderweitig organisieren werden (in anderen Parteien oder als sog. Freie Kameradschaften). Gerade deshalb ist es notwendig auch gegen all die anderen Nazi-Banden und -Parteien politisch vorzugehen.

    Und ob AntifaschistInnen sich nun in autonomen Antifa-Gruppen, bei Endstation Rechts, der Front deutscher Äpfel, der VVN/BdA oder einem gewerkschaftlichen Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus organisieren, sei den Leuten mal selbst überlassen. Die brauchen dafür sicher keine klugen Ratschläge aus der weißblauen Ecke. 😉

    1. Hurtz    

      Die Schläger- und Mördertrupps der SS und SA sind ja kein Einzelphänomen in der Zeit vor dem Nationalsozialismus gewesen. Auch die Kommunisten haben sich an den Saal- und Straßenschlachten rege beteiligt.

      Wenn Kurt Tucholsky Deine Sprachverwurstung inklusive Binnen-I und 3. Person Singular "mensch" lesen müsste, würde er sich auch mehrfach im Grabe drehen.

      1. ret marut    

        Ich sehe schon einen großen Unterschied, ob sich Reichsbanner oder RFB gegen Nazi-Überfälle wehren oder ob SA-Rollkommandos mordend durch die Straßen ziehen.

        Tucholsky schrieb übrigens 1930: "Ich habe ja nichts gegen die Klassenjustiz. Mir gefällt nur die Klasse nicht, die sie macht. Und daß sie noch so tut, als sei das Zeug Gerechtigkeit – das ist hart und bekämpfenswert.” (aus: Auf dem Nachttisch)

    2. Edmund Stoiber    

      Wenn du die NPD verbietest, dann wird ein Linkspartei-Verbot nicht lange auf sich warten lassen, denn die ist ebenso verfassungsfeindlich und wir vom Bundesverfassungsschutz sowie von mehreren Landesverfassungsschutzämtern wegen extremistischer Tendenzen beobachtet. Man könnte niemandem erklären warum eine rechtsradikale, verfassungsfeindliche Partei verboten wird, eine linksradikal-verfassungsfeindliche Partei aber nicht. Im Schweriner Landtag sind es of die Rosarotlinken die Massnahmen gegen die NPD kritisieren, weil sie Angst davor haben, mit gleicher Argumentation selbst benachteiligt zu werden.

      Wenn du die NPD verbietest, dann verhinderst du damit auch einen nachrichtendienstlich erworbenen Überblich über die inneren Strukturen der rechten Szene. Den Behörden würden bei einem Verbot der Partei wichtige Informationen über die rechtsextreme Szene fehlen.

      Drittens hast du mit einem NPD-Verbot noch überhaupt nichts erreicht. Dadurch wirst du bei keinem einzigen NPD-Sympatisanten die Weltanschauuung ändern. Wird die NPD verboten, so wirst du innerhalb von Wochen, wenn nicht Tagen, eine neue Parteigründung erleben oder die NPDler wandern einfach zur DVU über.

      Also, die Debatte um ein NPD-Verbot ist wirklich sinnlos.

      1. buckley    

        Sehe ich anders. Zwar wird kein Neonazi zu einem besseren Menschen, bloß weil die NPD verboten wird. Aber es werden den Neonazis nicht unerhebliche Gelder und Partei-Strukturen entzogen. Die müssen sie erst Mal wieder aufbauen. Das ist schon mal gar nicht schlecht, finde ich.
        Von einer geheimdienstlichen Überwachung der NPD halte ich dageghen überhaupt nichts. Die unmittelbare Gewalt gegen Menschen, die nicht in das Bild der Neonazis passen, wird ja nicht von der NPD, sondern von irgendwelchen Schläger-Hools ausgeübt. Die NPD liefert nur die rechtfertigenden Narrative für die Schläger, und wie soll ein V-Mann im Parteivorstand das verhindern? Lokale Antifas sind im Normalfall mindestens genauso gut über die Strukturen der rechten Szene vor Ort informiert wie der Verfassungsschutz.
        Wieso ein NPD-Verbot ein Verbot der Linkspartei nach sich ziehen wird, ist mir unverständlich. Kannst Du das bitte noch mal näher ausführen? Sind das auch Rassist_innen? Erkennen die die Oder-Neiße-Linie nicht an? Oder gibt es sonst Änlichkeiten mit der NPD?

        1. Hurtz    

          Was hat denn die Oder Neiße Linie damit zu tun?
          Vor ein paar Jahrzehnten haben alles wichtigen bundesrepublikanischen Parteien, wozu auch die SPD zählt, für die Rückgabe der Ostgebiete plädiert.
          Auch die SPD ist mit dieser Forderung in den Wahlkampf gezogen.
          Das ist heute nicht mehr der Fall, weil es nicht mehr opportun ist.

        2. ret marut    

          Damals wurden Frauen für Abtreibungen noch vor Gericht gezerrt und durften ohne Einwilligung ihres Ehemannes auch keiner Lohnbeschäftigung nachgehen. Homosexualität war noch unter Strafe gestellt. Prügelstrafe an deutschen Schulen gehörte zu den alltäglichen Erziehungsmitteln. (Noch 1979 vetrat das Bayerische Oberste Landesgericht die Ansicht, dass „im Gebiet des Freistaates Bayern […] ein gewohnheitsrechtliches Züchtigungsrecht“ gelte – erst 1980 wurde dieses auch in Bayern abgeschafft.) Über die Zeit des NS-Faschismus (und entsprechende personelle Verstrickungen) wurde gesellschaftlich der Mantel des Schweigens gelegt. Und wer dann doch was gegen die Wiederbewaffnung und den braunen Mief äußerte, konnte schneller als erwartet die alten Nazi-Richter wiedersehen, die auch in der BRD wieder in Amt und Würden waren.

          … und was wolltest Du mit Deiner Nostalgie jetzt ausdrücken, Hurtz?

        3. Ede S.    

          Zitat: "Lokale Antifas sind im Normalfall mindestens genauso gut über die Strukturen der rechten Szene vor Ort informiert wie der Verfassungsschutz."

          a) ist die lokale Antifa aufgrund des Interessenkonflikts nun wirklich keine seriöse Quelle, das wäre ja so als würdest du das Reh zum Jäger oder den Palästinenser zu Israel befragen.

          b) wird die lokale Antifa nicht selten wegen verfassungsfeindlicher Weltanschauung selbst vom Verfassungsschutz beobachtet

      2. ret marut    

        Lohnt ja eigentlich nicht, groß was dazu zu sagen:
        1. Ein NPD-Verbot schwächt die Nazi-Szene organisatorisch und finanziell – und zwar ganz massiv.
        2. V-Personen sind nichts anderes als bezahlte Nazi-Spitzel, die staatlichen Behörden Infos gegen Geld stecken sollen. Daß etliche dieser V-Personen in Absprache mit der NPD agieren und ihren Spitzellohn gleich wieder in ihre Partei stecken, hat das angestrebte NPD-Verbotsverfahren vor einigen Jahren schon gezeigt. Außerdem sind alle Erkenntnisse, die für ein Verbot ausreichen, auch über öffentliche Kanäle zu erhalten: durch Reden und Schriften der NPD, durch Rechercheergebnisse von investigativen JournalistInnen, aber auch durch die Veröffentlichungen antifaschistischer Publikationen (Blick nach Rechts, Antifaschistisches Infoblatt, Rechter Rand, Lotta etc.). Wie schlecht die Verfassungsschutzämter in der Regel informiert sind/werden, zeigen deren windige "Erkenntnisse" in den VS-Berichten. Allein die Zahl der schweren Körperverletzungen mit rechtsextremen Hintergrund oder auch die Zahl der Toten infolge rechtsextremer Übergriffe ist ständig weitaus niedriger als die in der bürgerlichen Presse öffentlich bekannt gewordenen Fälle. – Da hängt natürlich auch politischer Druck in den Behörden dahinter, denn kein Innenministerium will gerne zugeben, daß es ein massives Nazi-Problem im eigenen Bundesland gibt.
        3. Wir haben seit 1956 das KPD-Verbot in der BRD. Das war damals mitten im Kalten Krieg mit entsprechender Rhetorik und heißer Nadel zusammengestrickt worden. Wie Du heute ein Verbot der Linkspartei rechtlich begründen möchtest, wäre sicher interessant – und lustig. 🙂

        Aber wie lautet die alte bayrische Volksweise: "Was will ich, was willst Du? – Das Verbot der CSU!" 😉 Denn, frei nach FJ Strauß: Rechts von der CSU gibt es nur noch die Wand.

  17. Martin    

    passend zum Thema ein Audiobeitrag von Radio Deutschland…
    http://www.dradio.de/aodflash/player.php?station=

    "…Mancher, der die fröhlichen Jagdszenen auf Teilnehmer des sogenannten Anti-Islamisierungskongresses in Köln gesehen hat, die lustvoll empörten Gesichter derjenigen, die den autonomen Mob beim Steinewerfen und Prügeln anfeuerten, fühlte sich an Bilder von amüsierten Menschenmengen erinnert, die während der chinesischen Kulturrevolution Prozessionen von "Rechtsabweichlern" flankierten, oder die 1938 in Wien zusahen, wie Juden die Straße schrubben mussten: das gleiche herdenhafte Wohlbehagen, die gleiche angemaßte Rechtschaffenheit, das gleiche restlos gute Gewissen.

    Von Letzterem zeugte auch das Vokabular, welches die politischen Redner wählten: "Nazidreck", "verfaulte Clique", "braune Exkremente", "Pest". Und dass eine TV-Reporterin versehentlich das Horst-Wessel-Lied zitierte – "gegen die Rechten", sprudelte es aus ihr, seien in Köln "die Reihen fest geschlossen" gewesen – rundet die Assoziation feinstens ab: Die Volksgemeinschaft formiert sich zur Bekämpfung der Volksgemeinschaft. Dass hier diverse Grundrechte verletzt wurden, zum Beispiel jenes auf Versammlungsfreiheit – wen schert das noch bei so viel Gruppenseligkeit?…"

    1. neee!    

      Der Text des Dtl-Radio- Beitrags wurde auch in der Burschi- Diskussion angeführt. Ich halte ihn für vollkommen unreflektiert, kleingeistig und irgendwie relativierend. Mag man als Satire oder kristische Beobachtung sehen wollen – ich finds absolut daneben. Das Engagement gegen Rechts (wie krude es auch manchmal sein mag) öffentlich so abzuurteilen, ist einfach nur traurig. Leute, die sich mit Leib und Seele in den Dienst dieser Sache stellen, private Spender, die Konzerte/ Ausstellung etc. möglich machen, Bürgerforen, die unzählige ehrenamtliche Stunden zusätzlich ans Bein binden, um ein Zeichen für die Demokratie zu setzen – denen wird hier eiskalt ins Gesicht geschlagen. Politisches Engagement als Wellness- Programm? Mir kommt die Kotze sauer hoch! Das kann nur von einem weltfremden Schizo kommen, dem die ganze Sache mit den Nazis aber irgendwie auch egal ist.

  18. Oliver    

    Chapeau!
    Gegen Nazis wird Bier getrunken / Gerockt / Gef… , aber genauso menschenverachtende Islamisten dürfen in Deutschland relativ unbehelligt ihr Unwesen treiben.

    1. ret marut    

      Reaktonärer Islamismus dürfte in Vorpommern nun wirklich nicht das Hauptproblem sein. Nazis hingegen sind hier eine ständige und wachsende Gefahr. Und dagegen gilt es, was zu unternehmen und sich gemeinsam zu wehren.
      Daß die Rechtsextremen zudem nicht nur militaristisch auftreten, sondern auch über Schußwaffen, Handgranten etc. verfügen, zeigt die jüngste Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage von Ulla Jelpke (MdB). Zu finden ist das hier: http://www.ulla-jelpke.de/news_detail.php?newsid=

      Wenn Du wirklich aktiv werden willst, Oliver, dann doch am besten hier vor der eigenen Haustür und an der eigenen Uni. Es ist ja kein Geheimnis, daß an dieser Hochschule der HdJ-Kader Ragnar Dam eingeschrieben ist. (Die HdJ ist übrigens vor kurzem wegen nationalsozialistischer Verheerlichung verboten worden.)

      1. Carsten Schönebeck    

        Verheerlichung ist ein gelungenes Wortspiel!

      2. Oliver    

        Nein, ist er nicht. Es ging mir grundsätzlich drum.
        Das Waffen in Händen von Rechtsextremen natürlich eine noch höhere Gefahr darstellen, stellt keiner in Abrede (allerdings finde ich in der Antwort der BR keine Handgranaten 😉 ). Allerdings ist die Zahl der sichergestellten Waffen (von denen die meisten -Reizgas, Schreckschusswaffen- eh frei erhältlich sind) dann doch verhältnismäßig gering.

        Und ja, ich bin aktiv im "antifaschistischen Kampf". Nicht in dem ich mich mit Styroporschildern vor einem NPD-Stand rumspringe, sondern in dem ich demokratische Werte propagiere. Ich wohne seit 2 Jahren in Schönwalde II und ich bin der Meinung, dass dem Großteil der Leute, die hier wohnen (und ein recht großes Wählerpotential bei der NPD bilden), mit solchen Aktionen nicht näher zu kommen ist.
        Und was soll der Hinweis, dass dieser HdJ-Mensch an der Uni immatrikuliert ist? Soll jetzt einen Menschenjagd gestartet werden?

  19. Hurtz    

    Es ist schon interessant wo hier die Grenze zwischen Nationalsozialist und Nichtnationalsozialist gezogen wird.
    Meinst Du mit der "Nazi-Demo" in Köln die Anti Islamisierungskonferenz, die von Pro Köln veranstaltet wurde?
    Das sind doch keine Nationalsozialisten und die würden sich selber auch nie als Nazi bezeichnen.
    Ich habe mal gelesen, dass Pro Köln nichts von der NPD und dem Nationalsozialismus wissen will. Die sehen sich selber als konservativ und fühlen sich von Unterwanderungs- und Islamisierungstendenzen in Europa bedroht.

    1. Martin    

      JA ich stehe mit Nazis und allen anderen auf der selben Stufe… u.a. weil wir alle kacken und schlafen 😉 Diese Stufe nennt sich Mensch(sein)…

      "Deshalb rate ich dazu, die Motivation für eine Straftat genau zu berücksichtigen, wenn es darum geht ihre Legitimität zu beurteilen (dabei geht es genau nicht um eine rechtliche, sondern um eine ethische Würdigung)."

      HAHAHA Frag doch mal die Piraten vor Somalia nach deren Meinung dazu… Ihr werdet Euch sicherlich gut verstehen mit Deiner Meinung…
      und wenn ich der Meinung, bin meine Frau gehört erschlagen weil sich mich betrogen und damit ethisch falsch gehandelt hat wirst DU mir sicher zustimmen…denn es geht Dir ja um ethische Grundsätze… 🙂 🙂 🙂

      1. buckley    

        Hm… Unter Umständen würde ich einen somalischen Piraten tatsächlich ganz gut verstehen können. Ohne je mit einem gesprochen zu haben würde ich denken, dass der mit seiner Piraterie versuchen, existenzieller Armut zu entkommen. Das ist jetzt kein guter Vergleich, aber wenn ich keinen Job hätte und aus welchen Gründen auch immer durch das Raster der sozialen Sicherungssysteme fiele, würde ich auch bei Plus klauen gehen, und schwarz fahren und soweiter.

        Das mit Deiner Frau dagegen ist Bockmist. Wo ist denn beim "Fremdgehen" (Scheiß Wort) die Außenwirkung? Da ist doch bloß Dein männlicher Stolz betroffen. Das rechtfertigt gar nichts. Neonazi-Propaganda dagegen – ich sage das jetzt zum wiederholten Mal – hat durch die Bereitstellung von Rechtfertigungsmustern seit 1990 den Tod von 141 Menschen mitverursacht. Das ist eine reale Außenwirkung. Um die zu verhindern sehe ich mich durchaus ethisch gerechtfertigt, mal einen Neonazi zu nötigen. Bei der Neonazi-Nötigung geht es um einen Freiheitseingriff (Versammlungsfreiheit) zur Verhinderung anderer Freiheitseingriffe (körperliche Unversehrtheit). Wenn Du Deine Frau erschlägst, weil Du Dich in Deinem Stolz gekränkt siehst, ist das ein Freiheitseingriff (körperliche Unversehrtheit), der nicht der Verhinderung eines anderen Freiheitseingriffes dient. Außerdem ist es ganz schön unverhältnismäßig.

        Zum Begriff Nazi: ich Pro Köln eher als Neonazis bezeichnen sollen. Der Begriff – so wie ich ihn verstehe – ist weiter, und bezeichnet eben nicht nur Nationalsozialisten, sondern auch andere Rassisten, Faschisten, Nationalisten etc. Das Label ist aber auch zweitrangig. Pro Köln fahren eine ziemlich häßliche Kampagne gegen Migrant_innen (ich empfehle das Comic "Mach mich nicht an, Ali"; gibt es bestimmt irgendwo auf deren Seite). Diese werden als sexhungrige, kriminelle, dumme und von missionarischem Eifer geprägte junge Männer dargestellt. Das ist genau die Form von Ausgrenzung und (rassifizierter) Markierung, die es im zweiten Schritt dem FCK-Hool ermöglicht, in der Straßenbahn mal einen Türken-Opa zusammenzutreten. Der gehört nämlich gar nicht zu uns, der Volksgemeinschaft. Und deshalb sind Pro Köln für mich Neonazis: weil sie Rassisten sind.

        1. Hurtz    

          Beim Jonglieren mit juristischen Fachbegriffen wäre ich ein wenig vorsichtiger, da kann man auch ganz schnell "ins Klo greifen". Das Schlagen seiner Frau ist per se kein Freiheitseingriff, sondern je nach Tatumstand eine Körperverletzung, was aber nicht unbedingt gegeben sein muss, sondern u.a. von den objektiven und
          subjektiven Tatbeständen abhängt.

          Genausowenig ist die Nötigung per se ein Eingriff in die Versammlungsfreiheit einer Person. § 240 StGB I gibt ein Strafmaß von bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe an.
          § 240 StGB III sagt "Der Versuch ist strafbar."

          "Neonazi Nötigung", wie Du es als angemessen gegenüber Nazi ansiehst ist kein Kavaliersdelikt oder eine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat. Wer nötigt, macht sich eines Verbrechens schuldig.

          Wenn das die Methoden sind, die Du als geeignet ansiehst, dann bist Du ein Verbrecher!

        2. buckley    

          Für Hurtz, Teil 1:

          Okay, mit juristischen Fachbegriffen jonglieren wollte ich nicht, habe mich am juristischen Vokabular bedient, was nicht sehr schlau von mir war; es geht mir ja explizit nicht um eine rechtliche, sondern um eine ethische Rechtfertigung (siehe weiter oben).

          Eine juristische Denkfigur, die ich übernommen habe, weil ich sie auch für die ethische Entscheidungsfindung wertvoll finde, ist die Abwägung. Ich sollte nur dann in die Freiheit einer anderen Person eingreifen (nicht juristisch-technisch gesprochen; streng genommen kann ich ja auch gar nicht in die Versammlungsfreiheit eines Neonazis eingreifen; das kann nur der Staat, denn Art. 8 GG entfaltet mir gegenüber keine Drittwirkung), wenn ich das rechtfertigen kann, also der Freiheitseingriff 1) einen legitimen Zweck verfolgt, 2) konkret erforderlich und 3) verhältnismäßig ist.
          Bei der Nötigung (wiederum untechnisch verstanden; ob § 240 StGB erfüllt ist, ist mir vollkommen wurscht; mir geht es nicht darum, ob ich legal handele, sondern ob mein Handeln legitim ist; mit Nötigung beschreibe ich den Vorgang, dass ein Neonazi demonstrieren will, und ich mich ihm so in den Weg setze, dass er das nicht länger tun kann) mit dem Ziel, dass eine Propaganda-Veranstaltung von Neonazis (wozu ich – untechnisch – aus den oben genannten Gründen auch andere, sich "konservativ" schimpfende, Rassist_innen zähle; auch die bereits angesprochenen "Mitte-Rechts-Leute" in der NPD) unterbunden wird, verfolge ich den legitimen Zweck, die Verbreitung von Rechtfertigungsmustern für Gewalt gegen Personen (141 Tote seit 1990) zu verhindern. Weil es nun Mal gerade einen Haufen Neonazis gibt und Demo-Verbote staatlicherseits in der Vergangenheit nicht besonders erfolgreich waren (für Dich als Juristen hierzu ganz spaßig: der ewige Streit zwischen OVG Münster und BVerfG; bei Art. 8 GG in ein beliebiges Grundrechts-Lehrbuch gucken und die Urteile nachlesen) würde ich sagen: die Demo-Verhinderung durch Nötigung ist auch konkret erforderlich. Schließlich ist sie auch verhältnismäßig. Nur zur Orientierung: eine Neonazi-Demo mit scharfer Munition zu beschießen, um sie zu verhindern: das fände ich unverhältnismäßig.

        3. buckley    

          Für Hurtz, Teil 2:

          Bei Martins Beispiel mit seiner Frau fehlt halt bereits der legitime Zweck. Im Übrigen halte ich – wiederum untechnisch – das Schlagen einer Person schon per se für einen Freiheitseingriff, nämlich in den legitimen Anspruch der Person auf Achtung ihrer körperliche Unversehrtheit. Und dieses Freiheitsgut halte ich sogar für deutlich gravierender als die Versammlungsfreiheit.

          Mich "verbrecherischer" Methoden zu bedienen, also gegen das StGB zu verstoßen, finde ich gar nicht in jedem Fall schlimm.
          Da steht erstens – und vor allem: stand – ein Haufen Müll drin. Deshalb sollte man seine Handlungen nicht unbedingt danach ausrichten, was in den Gesetzen steht. Zwei historische Beispiele, bei denen es offensichtlich ist: § 175 StGB (Unzucht zwischen Männern; noch bis 1968 konnte man wegen Homosexualität in den Knast wandern und noch bis 1975, wenn man jung und schwul war) und § 361 StGB (bis 1974 konnte man wegen "Bettelei" bestraft werden; bis 1967 konnten Menschen, die gegen diese Norm verstießen, auf richterlichen Beschluss hin in "Besserungsanstalten – a.k.a. Arbeitshäuser – eingewiesen werden). Noch zwei aktuelle: § 173 StGB (Inzestverbot; dazu kann ich Dir das ZEIT-Dossier über das Pärchen aus Leipzig empfehlen) und §§ 85, 56 AsylVerfG (Verstoß gegen die Residenzpflicht im Asylverfahren; Menschen die nix gemacht haben außer im falschen Land zur falschen Zeit geboren zu sein, werden – gerne über Jahre hinweg und gerne in Lagern am Rand der Zivilisation, gezwungen in ihren Landkreisen zu bleiben; und jetzt stell Dir mal vor, es ist der Landkreis Demmin). Über die Legitimität vieler anderer könnten wir uns wohl lange streiten.
          Zweitens bin ich ein großer Fan des zivilen Ungehorsams, also des Gesetzesbruchs zum Zweck der Abwendung eines größeren, aber vollkommen legalen Unheils (Castor, Nato-Doppelbeschluß, Gen-Mais – da sind ein Haufen anderer Sachen außer Neonazi-Veranstaltungen denkbar), als politischer Aktionsform.

          Ich kann nur empfehlen, sich den eigenen Handlungshorizont nicht zu kritiklos von den StGBs dieser Welt einschränken zu lassen. Die Shoa war legal, die Nürnberger Gesetze waren es auch, und für Ede: sogar die Mauerschützen. Makro-Unrecht ist immer legal, deshalb kann ein Gesetz immer nur Indizien dafür geben, wie man sich legitimer Weise verhalten soll.

        4. Martin    

          Als alte Faustregel gilt: 🙂
          Was du nicht willst, dass man dir tu, das füge keinem anderen zu… 🙂

        5. buckley    

          Jup, da stimme ich Dir in nicht komplexen Zwei-Personen-Verhältnissen vollkommen zu.

          Es gibt aber halt auch andere Situationen, die unmittelbar symbolisch sind (konkret z.B. die Neonazi-Demo), deren mittelbare Wirkung aber ganz physisch-blutig ist (das durch den z.B. rassistischen Rechtfertigungs-Narrativ ermöglichte Gewaltverbrechen). Und hier gilt dann ein weiser Spruch von Erich Kästner als Faustregel: „An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.” Der passt auch gut zum zivilen Ungehorsam als Aktionsform…

        6. Tischler    

          Der NATO-Doppelbeschluss war ja auch eins der größten 'legalen Unheils' der letzten Jahre, wa? Eine absolut rationale Entscheidung, von einem SPD-Kanzler unterstützt, durch die Verknüpfung von Abrüstung und Drohung von Militärischer Stärke eine sehr geschickte politische Sache…
          Ach ich vergaß, für die Sowjetunion war das im Endeffekt natürlich Kacke und die ganze Sache eine der großen Niederlagen der 'Friedensbewegung'…. :-"

        7. buckley    

          Lässt sich drüber streiten, halte ich aber für einen sehr unbedeutenden Nebenkriegsschauplatz. Es geht mir ja gerade um die Legitimität der Methode, nicht um den transportierten politischen Inhalt. Neonazis sind halt gerade der Anlass, über diese zu diskutieren.

          Im Übrigen: auch für die Kernenergie und die Verfolgung von Homosexuellen lassen sich – wie für die notwendigkeit einer atomaren Aufrüstung – bestimmt rationale Argumente finden. Es bleibt halt immer die Frage, was für eine – zugespitzt: wessen – Rationalität das ist.

          Und die Rationalität von "Si vis pacem, para bellum" macht in einem bestimmten System von konkurrierenden, auf Expansion angelegten und unmittelbar miteinander militärisch konfrontierten Machtblöcken schon Sinn, das will ich gar nicht bestreiten. Vielleicht ist aber auch das ganze zu Grunde liegende System kritikwürdig, und eine wesentlich schickere Weltordnung ohne das Potential der mehrfachen Weltvernichtung wäre drin gewesen, wenn sich die Machthaber_innen mal am Rahmen gerissen hätten und über ihren Schatten gesprungen wären. Dann hätte vielleicht eine andere Rationalität entstehen können, in der es geradezu absurd erscheint, unvorstellbar viele Ressourcen zu investieren, um die Möglichkeit der Massenvernichtung zu schaffen. Ist aber leider nicht passiert, naja.

  20. Martin    

    vielleicht bedarf es auch nur einer kleinen Menge Intelligenz und ein wenig realistischer Denkweisen um eine solche Absicht zu erlangen…

    Was sagst Du denn erst wenn Du den Beitrag liest zu dem Du kommentierst..?
    Es geht um die Methoden mancher angeblicher Nazi Gegner… kein Unterschied zu denen der Nazis 🙂

  21. floordress    

    Ich war damals in Köln nicht dabei aber aus Erfahrungen von Anti-Nazi-Demos weiß ich, dass in den Medien (auch den öffentlich-rechtlichen) immer die Bilder gezeigt werden wo der Wasserwerfer schießt. Leider passiert das meistens genau einmal, weil unter den Tausenden Demonstranten ein paar Idioten sind. Die wiederrum als repräsentativ zu nehmen halte ich für schwach und zeugt von allzu großer Mediengläubigkeit. Auch Deutschlandradio greift mal ins Klo – genau wie die paar Idioten.

  22. ret marut    

    Dann sei mal stolz drauf Antikommunist zu sein, wenn es Dich glücklich macht. Ob das aber wirklich eine gute Basis für antifaschistische Politik ist, wage ich sehr zu bezweifeln. Ist aber letztlich ja Deine Entscheidung.

    Etwas wunderliche These, daß die Mitglieder der NPD lediglich verirrte oder verkappte Konservative seien ("Mitte-Rechts-Leute", wie das bei Dir heißt), die gar nicht wissen wie ihnen geschieht, wenn Pastörs plötzlich von der "Judenrepublik" und "USrael“ faselt. – Wahrscheinlich haben die NSDAP-Mitglieder auch 1945 ganz erschreckt festgestellt, daß sie da in einer Nazi-Partei organisiert waren und nicht beim Roten Kreuz. 😉

    Habe mir mal die "Demozid"-Seiten von und über Rudolph Rummel angesehen. Was für ein unwissenschaftlicher Blödsinn. Kein Wunder, daß sich der Begriff in Europa nicht durchsetzen konnte. Auf Demozid.de heißt es in Bezugnahme auf Rummels Hauptwerk "Power Kills": "In Theorie und Praxis führen Demokratien so gut wie nie gegeneinander Krieg. Je demokratischer zwei Regierungen sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit von Gewaltanwendung zwischen ihnen. Je demokratischer eine Regierung ist, desto weniger Gewalt wendet es nach Außen hin an." Und gleichzeitig wird von ihm die US-Außenpolitik bejubelt. Hm, mal spontan aus dem Gedächtnis: US-Überfall auf die Domenicanische Republik, Grenada und Panama, Flächenbombardements gegen Vietnam, Aufstellung der Contras in Nicaragua, Krieg gegen Afghanistan, Krieg im Irak … irgendwie nicht wirklich stichhaltig diese "Theorie".

    1. Edmund Stoiber    

      ist dir schonmal aufgefallen, dass sich Kommunisten immer dadurch definieren WOGEGEN sie sind?

      sie sind gegen die Kirche, gegen bürgerliche Werte, gegen Kapitalismus, gegen Faschismus, gegen Liberalismus, gegen Demokratie, gegen Arbeitgeber, gegen Ausbeutung.

      Ein tragfähiges Konzept haben Kommunisten nicht zu bieten. In jedem kommunistischen Staat wurden Bürger- und Menschenrechte eingeschränkt, Bürger benachteiligt, gefoltert und erschossen, Eigentum widerrechtlich enteignet und die Wirtschaft zur gänzlichen Verrottung gebracht. In keinem einzigen sozialistisch-kommunistem Land ging es den "kleinen Leuten" besser als in der BRD. Wie an anderer Stelle schonmal erwähnt: Jeder bayerische Bauer/Arbeiter konnte sich mehr leisten als ein DDR-Arzt, fuhr ein besseres Auto und hatte besseres Essen. Insofern war die BRD der wirklich bessere "Arbeiter-und-Bauern-Staat", in dem — man glaubt es kaum — der Arbeit und der Bauer auch noch frei seine Meinung äussern durfte ohne tagelang im Stasiknast verhört zu werden.

    2. Aloisius    

      Lieber ret marut.

      Obgleich ein erheblicher Teil deiner Kommentare von Sachkenntnis zeugt, so bist Du doch m. E. mit Deiner spontanen Gedächtnisaktion auf dem Holzweg. Ich beziehe mich dabei auf die Auflistung der angeblich das Theorem des demokratischen Friedens falsifizierenden Beispiele.

      Der einzig in Teilen stechende Trumpf ist die Contra-Unterstützung in Nicaragua, obschon die Sandinisten auch keine Vorzeigephilanthropen waren. Genauer betrachtet ergibt sich allerdings ein für Deine Argumentation desaströses Bild:
      1. Sicherlich meinst Du mit dem "US-Überfall" die Operation "Power Pack" 1965/66. Zu diesem Zeitpunkt befindets ich die Dominikanische Republik jedoch in einem Bürgerkrieg und ist daher fernab einer geregelten demokratischen Willensbildung.
      2. Im Jahre 1983 bringt ein Staatstreich kubanahe Kräfte in Grenada an die Macht. Auf Bitten des Generalgouverneurs intervenieren die USA – freilich unter Missbilligung nicht nur des UK und der UN. Die Operation "Urgent Fury" trifft aber mit Sicherheit keinen stabilen demokratischen Staat.
      3. Mit der Operation "Nimrod Dancer" im Jahre 1989 beseitigen die USA einen Diktator.
      4. Die Flächenbombardements gegen Vietnam sind zweifelsfrei als verachtenswerte Taktik zu bezeichnen. Jedoch ändern sie am Theorem des demokratischen Friedens nichts – die Nordvietnamesen waren sicher keine lupenreinen Demokraten.
      5. Dass weder Afghanistan noch der Irak zum Zeitpunkt des Kriegseintritts demokratisch verfasst waren, ist hinlänglich bekannt und muss nicht weiter ausgeführt werden.

      So sehr also in der Tat die US-Außenpolitik sehr kritisch betrachtet werden kann, sollte doch die Tatsache, dass jene sich in den meisten genannten Fällen gerade nicht gegen Demokratien richtete, nicht verschwiegen werden. Nach wie vor gibt es in der Moderne kein stichhaltiges Beispiel zweier offiziell im Krieg befindlicher Demokratien.

  23. Martin    

    Ich war auch nicht dabei von 33 bis 45…
    leider passierten da Dinge weil unter Tausenden ein paar Idioten sind…
    die wiederrum als repräsentativ zu nehmen halte ich für schwach und zeugt von allzu großer Gläubigkeit…
    auch Deutschland greift mal ins Klo, wie andere Länder auch…
    Beim nächsten Mal wird alles besser:

    Pro 33 präsentiert: The next Adolf Hitler!
    Sie haben Autorität? Sie können sich durchsetzen? Sie haben einen Hund? Dann bewerben Sie sich JETZT und werden Sie THE NEXT ADOLF HITLER!

    Es ist ja kein Geheimnis, dass die meisten Straftäter jung, männlich und ausländisch sind. Dass Multikulti nicht funktioniert, haben sogar mittlerweile die Grünen verstanden. Alle naselang stehen Kofferbomben in der Gegend herum. Und vermeintliche Kriegsflüchtlinge suhlen sich ausgelassen im Hartz-IV-Paradies. Es sind harte Zeiten! Die Frauen machen Karriere, die Deutschen sterben aus, niemand hört auf Eva Hermann.Das sehen Sie ganz genauso? Wunderbar! PRO 33 plant nämlich für 2009 die Show, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen wird. Superstars, Topmodels, Uri Gellers, alles Firlefanz! Jetzt wird es ernst. Hauen Sie mit der Faust auf den Tisch und machen Sie sich bereit für die Weltherrschaft!

    http://www.frankfurter-magazin.de/?p=223

    1. buckley    

      Hm… Darauf zu antworten fällt mir gerade schwer, weil ich nicht so genau weiß, ob der obere Teil vor dem Zitat aus dem Frankfurter Magazin ernst gemeint ist oder auch spaßig, so wie unten. Nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass er ernst gemeint ist, empfehle ich das Buch "Hitlers Volksstaat" von Götz Aly, den Besuch einer breit (also etwa auch von Christ_innen und Gewerkschaften, migrantischen Verbänden und Parteien) organisierten Blokade-Aktion gegen eine Neonazi-Demo (1. Mai in Hannover bietet sich da an) und die Anfertigung eines Essays zum Thema "Singularität". Wenn Dir dazu nur der Rotz in Deinem Taschentuch einfällt, kann dem hoffentlich mit der Lektüre von "Die Ermittlung" (Peter Weiss) abgeholfen werden.

      1. Martin    

        Natürlich war das nicht ernst gemeint… 🙂 Obwohl ich wirklich glaube, dass es damals überwiegend ablehnende Meinungen gegen das "Verhalten des NS Systems" gab. Diese aber durch Angst, etc. unterdrückt waren. Und dies sicher auch gerechtfertigt angesichts der damaligen Umstände.

        Insgesamt glaube ich, dass Artikel wie obige oder der von Radio D dazu beitragen den Focus im Kampf gegen Rechts stärker auf die tatsächlichen Ursachen zu richten anstatt möglichst öffentlichkeitswirksam an der Oberfläche zu kratzen. Weitere Informationen zu letzterem : http://www.bild.xx

        1. buckley    

          Also, dass das NS-System in der Bevölkerung mehrheitlich abgelehnt wurde, das halte ich für eine ziemlich steile These mit der ziemlich durchschaubaren Intention, von Begrifflichkeiten wie "Kollektivschuldthese" und "Tätervolk" los zu kommen. Dazu, wie gesagt, empfehle ich "Hitlers Volksstaat" von Götz Aly. Oder ein Gespräch mit Familienmitgliedern, die die Zeit noch erlebt haben. Zumindest meine beiden Opas sind – obwohl sie sich beide als gute Christen bezeichnet hätten – begeistert mit der Wehrmacht zu Felde gezogen. Selbst wenn die beiden Hitler als Person nicht unbedingt geil fanden: Herrenmensch sein, plündern und befehlen dürfen, das ging nicht spurlos an denen vorbei, glaube ich. Eine politische Reflektion, eine Ablehnung des NS-Systems konnte ich bei den beiden jedenfalls nicht raushören. Ne, ich glaube schon, dass bis 1942/1943 so 80 – 90 % der Deutschen das Dritte Reich ziemlich gut fanden.

        2. Hurtz    

          Ob das jetzt 80 oder 90 % waren kann ich nicht beurteilen. Ich empfehle "Hitlers Wähler" von Jürgen W. Falter. Aus diesem Buch wird die Akzeptanz in den jeweiligen Bevölkerungsschichten deutlich. Bis 1939 wird die Beliebtheit der Person Adolf Hitler im Vergleich zum Jahr 1939 durch die außenpolitischen Erfolge und die Revision des Versailler Vertrages enorm gestiegen sein.
          Der Verlauf des Zweiten Weltkrieges ließ diese Beliebtheit wahrscheinlich wieder sinken.

        3. Hurtz    

          im Vergleich zum Jahr 1933 natürlich

        4. Tischler    

          Ist es nicht irgendwie einseitig sein gesamtes geschichtliches Weltbild auf einen einzigen Historiker zu stellen, der auch noch umstritten ist?

        5. buckley    

          Jup. Es sind jetzt aber ja auch schon zwei Historiker…

          Nee, im Ernst: mir ist kein_e seriös_e Historiker_in bekannt, der Martins Vermutung von den armen Deutschen stützt, die die Nazi-Fremdherrschaft zum Glück mit Hilfe der Alliierten nach zwölf langen Jahren abschütteln konnten.

          Zu diskutieren, ob Götz Aly in jedem Fall richtig liegt oder er sich hier und da um ein paar Hunderttausend Reichsmark verrechnet hat, finde ich auch müßig. Seine These von der Legitimationsbeschaffung der Nazis durch Umverteilung der Plünderungsdividenden finde ich einfach einleuchtend.

        6. Hurtz    

          Wen meinst Du mit Deiner Frage

          "Ist es nicht irgendwie einseitig sein gesamtes geschichtliches Weltbild auf einen einzigen Historiker zu stellen, der auch noch umstritten ist? "

          Welchen Historiker?

  24. dude    

    "das Menschsein aber kann ihnen niemand absprechen"

    seit 1990 sind schätzungsweise über 120 menschen durch rechte gewalt gestorben. (http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/re… unzählbar wäre die zahl an opfern, die angriffe überlebt haben, aber mit gesundheitlichen folgen bis an ihr lebensende zu kämpfen haben. die nazis regieren und terrorisieren ganze regionen in deutschland. und nun wird hier in einem studentenmagazin der protest gegen diese nazis kritisiert? ja sogar dazu aufgerufen das in zukunft sein zu lassen? wie verblendet ist man denn hier?

    die anderen kommentare will ich mir erst gar nicht wieder durchlesen, das regt mich jedes mal auf wie extrem reaktionär es hier zu geht.

    Carsten Schönebeck hab ich grad mal ein wenig studivz gestalkt. was seh ich da? burschenschaftsscheisse. dumme uniformen und jede menge männer die bier trinken. solche leute schreiben hier also artikel? und dann noch zu solchen themen? abscheulich sowas!!

    1. Hurtz    

      Tja dude, es sind halt nicht alle Deiner Meinung, damit muss man sich abfinden können. Der webmoritz soll doch gerade eine Plattform zur sachlichen auf Argumenten basierenden Diskussion bieten.

      Da muss man dann nicht eingeschnappt sein, wenn es hier Leute gibt, die einer anderen Meinung sind.

      So, habe gerade auch mal den Autor dieses Artikels "gestalkt", wie Du es genannt hast und konnte von "burschenschaftsscheisse" nichts finden. Nur einen Verweis auf den KDStV. Hier mehr dazu:

      http://de.wikipedia.org/wiki/K.D.St.V._Alemannia_

      Welche Uniformen meinst du eigentlich und was hast Du am Biertrinken auszusetzen?

    2. zuhörer    

      @dude

      Und wenn man nur die Statisken über linksextreme Gewalt raussuchen würde, käme man auf die gleichen Zahlen. Auch wenn es nur die Hälfte wäre, wären es zu viele.

      Jetzt frag ich mich wer hier verblendet ist?!
      Kampf DEN Extremen, nicht nur einem!

      Und zum Thema Carsten Schönebeck- ich hab mich da mal ein bissel informiert[Danke an Hurtz für den Link], also ich würd da nicht mitmachen, aber: Toleranz beginnt bei der Akzeptanz Andersdenkernder

      Also wie kannst du nur so intolerant sein?

      1. dude    

        wie bitte? tote durch linke gewalt? was ist das denn für ein blödsinn!? genau das ist es doch, warum man die linke und die rechte szene nicht gleichsetzen kann, was von den konservativen ständig betrieben wird (auch hier im webmoritz oft gesagt/verlangt wurde). es gibt keine obdachlosen, ausländer oder sonstwen die von linken zu tode geprügelt wurden. linke veursachen materialschaden, rechte hingegen personenschaden. (und argumentiere jetzt nicht mit den gepanzerten bullen die mal auf einer demo verletzt werden, das ist eine völlig andere situation, als bei nazis, wo nachts 5 leute losziehen um zu morden)

        wenn das andersdenken mein denken einschränkt, muss ich gar nichts tollerieren. und auf jeden fall kann ich ankreiden und sagen was mir nicht passt.

        1. zuhörer    

          @dude

          linksradikale verursachen NUR Materialschaden? In welcher Welt lebst du denn?
          Hier: [Edit Moderator: Bitte keine Links zu rechtsextremen Seiten!] sind enige Vorfälle gesammelt.

          Die Linke Gewalt nimmt seit Jahren zu und ist nicht nur deshalb nicht zu tolerieren.

        2. ret marut    

          Seit wann werden denn hier Nazi-Seiten verlinkt?
          Die machen auf ihrer Seite ja auch keinen Hehl draus, wo sie politisch zu verorten sind.
          Ich finde es schon bedenklich, wenn vom webmoritz aus auf rechtsextreme Seiten verlinkt würde.

      2. Oliver    

        Auch wenn die Linksextreme Gewalt im letzten Jahr gestiegen ist, Gewalttaten mit Todesfolge sind infolge linker Gewalt nicht in dem Maße zu verzeichnen gewesen.

        Ja, und über Leute, die pauschal alle Verbindungsstudenten in "Burschenschaften" stecken, muss nicht geredet werden!

      3. buckley    

        Hm… Die Linksextrem-rechtsextrem-Gleichsetzerei halte ich für eine ziemlich naive, wenn auch leider wirkungsmächtige Idee bürgerlicher Politiker_innen. Und das nicht nur weil sie – wie der dude ausgeführt hat – die Unterschiedlichkeit der Ziele und Mittel sowie des Reflektionsgrades linker wie rechter Gewalt ausblendet. Auch eine inhaltliche Auseinandersetzung schadet nicht.

        Zum Beispiel ein Utopienvergleich. Und um dem Ede-Reflex vorzubeugen: mit Ausnahme von einigen älteren Leuten, kenne ich keine Person, die sich selbst als "autonom", "linksradikal" oder "sozialistisch" bezeichnet, und den real existierenden Sozialismus in z.B. der Sowjetunion oder der DDR als positiven Bezugspunkt nutzt, zu dem zurückgekehrt werden soll. Selbstkritik in der Linken dauert etwas, findet aber durchaus bis Weilen statt (deswegen zünden Linke heute auch lieber Bundeswehrfahrzeuge an anstatt Altnazi-Arbeitgeberpräsidenten zu erschießen).

        Eine linksextreme Utopie (jo, ganz grob) ist eine Welt, in der es keine Grenzen und Nationalstaaten mehr gibt, keine Diskriminierung aufgrund angeborener oder sozial zugeschriebener Merkmale (so Geschlecht, Hautfarbe, Behinderung, so Zeuch), in der weltweit solidarisch und vor allem bedarfsgerecht-partizipativ produziert und konsumiert wird (kaum zu glauben, aber auch die leninistische/stalinistische/maoistische Marx-Interpretation hatte ein vergleichbares Ziel). Möglichst so, dass die Umwelt nicht bei drauf geht und ohne Herrschaft, Waffen und anderen fiesen Machtmitteln.

        An welchem Punkt findest Du, dass sich diese Utopie mit einer rechtsextremen Utopie (zur Erinnerung: hierarchisch organisierte, abgeschottete Volksstaaten, in denen Menschen, die sich nicht in den homogenen Volkskörper integrieren, ausgestoßen werden, und die ständig darum miteinander konkurrieren, welches Volk mächtiger ist, und daher den anderen seinen Willen aufdrücken kann) in der Weise vergleichen lässt, beide seien zu bekämpfende Extreme? Ist doch komplett unterschiedlich.

        Und gerade als mich dem (eventuell sogar christlich motivierten) Humanismus verpflicht fühlende_r bürgerliche_r Politiker_in sollte ich doch in der Lage sein zu unterscheiden, ob Linke in pazifistischer Intention Bundeswehrfahrzeuge anzünden oder Rechte Obdachlose erschlagen, weil diese am Volkskörper parasitieren und daher lebensunwert sind. Wer das gleichsetzt, so scheint mir, ist blind oder will nicht hingucken.

    3. Oliver    

      >dumme uniformen und jede menge männer die bier trinken

      Na zum Glück trinkt die linke Szene nur Bionade. Und Chucks und Kapuzenpullover sind natürlich viel individueller! 😉

      1. buckley    

        Und die Aufnäher, Alter? Die hast Du vergessen. Und ohne oder mit Basecap, Piercings, etc. Statt Chucks gehen auch Docks und auch Turnschuhe aller Marken sind beliebt. Da ist schon noch ordentlich Spielraum. Du könntest höchstens die Pluralität als uniform bezeichnen.
        Und Bionade halte ich nur für vertretbar, wenn sich Gin darin befindet.

    4. Marco_Wagner    

      Dude, Carsten hat nicht gesagt, das man den Protest gegen Nazis sein lassen soll!
      Er hat lediglich die Methoden des Protestes hinterfragt und bestimmte Methoden negativ bewertet.
      Deine Meinung ist sehr stark (wie auch immer) ideologisch geprägt: Katholiken sind konservativ und katholische Verbindungsstudenten erst Recht extrem reaktionär- deshalb dürfen sie sich kein Urteil darüber erlauben- ein wirklich schwaches, ja eigentlich nicht haltbares Argument. Wenn kritisieren, dann nicht auf Lasten der politischen Strömung. Denn sowohl "Konservative", als auch "Linke" können zu bestimmten Sachverhalten einer Meinung sein. Und die Meinung des anderen abzulehnen, nur weil sie von einem "Konservativen" oder "Linken" kommt, halte ich für extrem intolerant.

      1. JJAbraham    

        Nachdem ich aber beim Webmoritz gelernt habe, wie sich 'linke' und 'rechte' Politik unterscheiden, nämlich das links jegliche Progressive, freiheitliche und die Wählerbeteiligung steigernde Politik ist, bin ich ja regelrecht vom CDU Wähler zum Vorreiter der Linkspartei geworden, damit sich mein Parteienbild mit meinem wertkonservativen fortschrittlichen Politikwillen deckt….

    5. Marco_Wagner    

      Übrigens, wenn du richtig "gestalkt" hättest, hättest du auch lesen müssen, dass er in seinem Profil bei politische Richtung "Mitte Links" stehen hat. Jemand der extrem reaktionär ist, wie du es hier unterstellst, der wird das wohl kaum in sein Profil reinschreiben, oder?
      Jedenfalls sind solche Kommentare, wie du sie hier abgegeben hast schlichtweg indiskutabel.

      Also immer schön auf dem Teppich bleiben!
      Wie gesagt, man muss kein Freund vom Verbindungstum sein, aber nicht gleich alle verdammen oder als "reaktionär" stigmatisieren, die in einer Verbindung sind. DAS halte ich auch für reaktionär (wenn auch nicht auf politischer Ebene).

      1. buckley    

        vielleicht hat Carsten aber auch einfach nur eine verzerrte Selbstwahrnehmung. Es gibt ja auch SPD-Mitglieder, die sich für links halten. Und Ede hält ja auch alles jenseits der CDU/CSU für zumindest links-liberal. Ich denke mal, der Begriff des "links-seins" ist einfach nicht besonders trennscharf.

        1. ret marut    

          Du hast eine etwas verzogene Wahrnehmung vom Begriff links, scheint mir. Der Begriff links stammt aus der Sitzverteilung in der französischen (und dann auch der deutschen) Nationalversammlung. Links (vom Redepult aus gesehen) saßen die Liberalen und SozialistInnen ("Linke") und rechts die MonarchistInnen und Konservativen ("Rechte"). Links bezeichnete die progressiven Kräfte (Stichworte: Freiheit, Gleichheit, Solidarität), rechts die reaktionären Kräfte (Stichworte: Ordnung, Differenz, Distanz). Im Zusammenhang mit der Industrialisierung und der einhergehenden Verelendung von ArbeiterInnen in den Indutriestädten kam die sog. "soziale Frage" auf, an der die Liberalen (die für den Markt und für bürgerliches Eigentum eintraten) von dem Lager der Linken ins Lager der Rechten überwechselten. So gesehen gehört die gute alte Tante SPD immer auch noch zur Linken, auch wenn es dort v.a. seit dem Schröder-Blair-Papier eine zunehmende Verbürgerlichung ("SPD der Mitte", New Labour) gibt – was ja die SPD auch entsprechend zerrissen und die Gründung der WASG erst hervorgerufen hat.
          Natürlich gibt es in der SPD wie auch bei den Grünen und der Linkspartei noch MarxistInnen, auch wenn die vielleicht nicht gerade die Mehrheit der Mitglieder stellen. Frag doch mal die Jusos hier vor Ort, ob sie sich als MarxistInnen sehen und warum sie (zumindest viele von ihnen) auch in der SPD organisiert sind. Die haben ganz gute Gründe dafür. Ich selber muß mir die nicht unbedingt zu eigen machen – sonst wäre ich ja Juso oder Sozialdemokrat geworden -, aber ich respektiere diesen Schritt.
          Ich muß schon ein bißchen schmunzeln, wenn Du sagst, Du kennst keine Leute, die sich linksradikal oder sozialistisch nennen. Ein Blick ins hiesige Studi-VZ zeigt jedenfalls, daß auch in solch einer Provinzuniversität SozialistInnen und radikale Linke der diversen Coleur studieren. Und darunter gibt es auch genügend, die sich natürlich auch positiv auf den Sozialismusversuch in der DDR beziehen. – Es gibt hier in Greifswald schließlich mehr als nur die kleine, miefige Welt der "Edmund Stoibers". 😉

  25. dude    

    nur weil sich eine burschenschaft studentenverbindung nennt, ändert das ja nix an den tatsachen. konservative bis rechte gesinnung, sexistische wie revisionistische äußerungen findest du in all diesen vereinen.

    uniformen die für sich stehen: http://www.studivz.net/Photos/Album/58d9ebc133dbc

    und hach, die lieben katholischen christen. christen an sich sind ja schon besonders gute menschen, aber die katholiken natürlich ganz besonders. wie sagte ratzinger (also euer vertreter gottes auf erden oder was er meint zu sein) "Man kann das Aids-Problem nicht durch die Verteilung von Kondomen regeln. Ihre Benutzung verschlimmert vielmehr das Problem" sehr gut. wo kann ich dem kdstv beitreten? ich hab auch keine lust mehr mein hirn zu benutzen.

    1. Hurtz    

      "nur weil sich eine burschenschaft studentenverbindung nennt, ändert das ja nix an den tatsachen. "

      Bitte mal erklären, das verstehe ich jetzt nicht. Ich dachte eine Burschenschaft ist immer eine Studentenverbindung, oder habe ich mich da getäuscht. Anders herum wird ein Schuh daraus, eine Studentenverbindung ist nicht immer eine Burschenschaft.

      "konservative bis rechte gesinnung, sexistische wie revisionistische äußerungen findest du in all diesen vereinen." Du scheinst dich ja gut in dieser Szene auszukennen, wenn Du alle Studentenverbindungen kennst.

      Was mir Sorgen bereitest, ist, dass Du hier in einer Diskussion Bilder eines webmoritz Autors hineinstellst, um diesen zu diskreditieren. Das ist meiner Meinung nach kein redliches Mittel der Diskussionskultur, bleibe doch bitte bei sachlichen Argumenten.

      1. dude    

        es wurde nach uniformen gefragt. ich zeigte sie.
        das das mit dem foto verlinken nich grad ne schöne sache ist, ist mir bewusst. jedoch muss man damit rechnen, wenn man sich so der öffentlichkeit (im studivz) präsentiert. genauso wie man damit rechnen muss, das verbindungsuniformen nicht bei jedem anklang finden.
        ich wollte ja nur daruf hinweisen, das hier protest gegen nazis kritisiert wurde. also protest gegen eine konservative gruppe. der autor ist aber selber mitglied einer konservativen gruppe. daher ist es auch verständlich was er schreibt und damit bezwecken will, das ist aber etwas das ich nicht gutheißen kann, schon gar nicht bei einem offiziellen studentischen medium.

        1. Oliver    

          Es ist ein absoluter Trugschluss, Konservative mit Nazis zusammenzuwerfen!?!?!?!? Was soll das? ist die CSU eine Nazi Partei???

        2. dude    

          na sagen wir die einen sind mehr, die anderen weniger konservativ. bzw. die einen stehen dazu was sie sind, die anderen nicht. haha.

        3. ret marut    

          Lieber dude!
          Laß Dir versichert sein: zwischen Konservativen und Rechtsextremen gibt es wesentlichen Unterschiede. Beides sind Strömungen der bürgerlichen Rechten, die sich in wesentlichen Punkten unterscheiden.

          Daß Carsten bei der Alemania organisiert ist, ist ja kein Geheimnis, hat er auch nie draus gemacht. Tut aber bei diesem Kommentar ehrlich gesagt auch nichts zur Sache, oder?

        4. Tischler    

          Ein sehr differenziertes und realitätsnahes politisches Weltbild hast du da!
          Es lebt ja gerade nur so von der Vielgepriesenen Humanität, Toleranz und gnadenloser politischer Bildung.
          Ich wünsche Dir damit noch viel Spaß, Toleranz und nen Blick über den Tellerrant…

      2. buckley    

        Naja, Hurtz: es gibt schon eine Menge Kritik, die unmittelbar an der Struktur von Studentenverbindungen ansetzt, also unabhängig davon, ob sie jetzt farbentragend, schlagend oder in einem wirklich üblen Dachverband organisiert ist. Insofern hat der dude mit seiner pauschalen Kritik vollkommen Recht. Auch wenn es bei den Verbindung richtig eklige (für Greifswald: Rugia und Markomania), und weniger eklige gibt.

        Ansätze struktureller Verbindungs-Kritik sind – nur schlagwortartig benannt – die Konstruktion einer fragwürdigen Männlichkeit (Wehrhaftigkeit, Uniformen, Saufen, "Coleur-Damen"), eine hierarchisierte Organisation des Zusammenlebens "auf dem Haus" (Füxe, Aktiva, Alte Herren), Sexismus (sowohl in dem Sinne, dass Frauen in fast keiner Verbindung zugelassen sind, als auch in dem Sinn, dass so die binäre Geschlechterordnung Mann/Frau perpetuiert wird), Lebensbundprinzip und Seilschaften (da sollten sogar Wirtschaftsliberale (finde ich besser als den Kampfbegriff Neoliberale) hellhörig werden; das sorgt nämlich zu Verzerrungen durch Intransparenz auf dem Arbeitsmarkt, tzzz).

        Schönes Ding zum weiterlesen vom Münsteraner AStA (warum hat HGW eigentlich kein Antifa-Referat?): http://www.asta.ms/material-infos/reader/verbindu

        Und weil es so schön ist, dazu ein Zitat aus Heinrich Manns "Der Untertan":

        „Ihm war, wenn es spät ward, als schwitze er mit allen aus
        demselben Körper. Er war untergegangen in der Korporation,
        die für ihn dachte und wollte. Und er war ein Mann,
        durfte sich hochachten und hatte eine Ehre, weil er dazugehörte.
        Ihn herauszureißen, ihm einzeln etwas anhaben das
        konnte keiner.“

  26. Frank Burkhardt    

    "das Mensch sein aber kann ihnen niemand absprechen", doch
    ich würde es versuchen. Stigmatisierung von Neonazis ist okay. Ich denke es macht den Neonazis nichts aus, ja sie nutzen die Stigmatisierung nach wie vor als ein Mittel um ihre "Art" als besonders abzugrenzen. Von daher sehe ich kein Problem, man muss nicht die eigenen moralischen Erwartungen bei Nazis anlegen. Ich würde noch einen drauf legen, so wie "Nazis aufs Maul hauen" und in diesem Falle ist Gewalt auch okay. Ich sehe es als andere Art der Kommunikation, eine Art präkulturelle Ausdrucksform, so "männlich", "national", "ruhmreich" und "ehrvoll" so wie halt der ganze Nazi-Scheiß. Wenn ich mich also mit jemandem auseinandersetzen will, welcher meine "Sprache" nicht versteht, muss ich halt seine "lernen" und benutzen.
    Eigentlich sollte man an dieser Stelle besonders Danke zu denen sagen, welche sich couragiert den Nazis entgegen stellen, die sich möglicherweise zum Nutzen aller auf ein demütigendes kulturelles Niveau begeben müssen, um der sehr viel weiter verbreiterten Ignoranz durch Wegschauen, Weghören und so tun als wäre nichts, etwas entgegen zu setzen. Wegschweigen, ist ja nicht mehr, jetzt wo alles nur noch Meinung ist.
    Stattdessen die Relativierung und Morallatte, Mensch und Menschlichkeit?
    Nein, Nazis sind keine Menschen, zumindest nicht im weiteren Sinne. Mensch = Homo sapiens, ja das sind sie wohl. Aber Mensch als vernunftbegabtes Wesen, als selbstverantwortliches Wesen, als kulturelles Wesen, als autonomes Wesen, NEIN das sind sie nicht. Wären sie es, wären sie auch keine Nazis.
    Nun da wir im aufgeklärten Teil der Gesellschaft wissen das nicht Penis = Mensch bedeutet, können wir daraus auch nicht ableiten, das da wo sich nur Penise versammeln auch automatisch nur Menschen sind.
    Oder hatten Hitler und seine Fans etwas menschliches nur weil sie homo sapiens waren? Ich stimme da nicht zu. Für mich sind Menschen kreativ und schöpferisch, sie bauen etwas und entwickeln sich, aber nicht um alles wieder zu zerstören. Echten Menschen ist auch egal wer "Schuld" ist, sie wissen Fehler haben und machen ist okay, aber sie machen auch nicht immer wieder die gleichen Fehler, sie suchen Gemeinschaft in ihrer vielfältigsten Form, sie arbeiten zu aller erst an sich selbst und die aller echtesten Menschen tun das alles mit einem Lächeln und nicht mit Hass und Verachtung in den Augen. So wenn hier nur aller echteste Menschen sind, dann lasst uns doch mal ganz fröhlich den Nazis aufs Maul hauen und danach nehmen wir sie an die Hand und bringen sie ins Krankenhaus. Ist das im demokratischen Sinne ein Aufruf zu einer Straftat? oder eine Beleidigung? oder muss ich mich hinter "meiner" freien Meinugsäußerung verstecken?

  27. Marco_Wagner    

    Was ich damit sagen will: Es gibt ohne Zweifel bessere Aktionen gegen Rechtsextremismus, als diese Hinweisschilder (ist zwar ganz "witzig", aber welche Wirkung soll das erzielen?)

    1. ret marut    

      Welche Wirkung? – Ich sehe das als eindeutige Aufklärungsmaßnahme. Im Sinnen von "So sehen Nazis heute (2009) aus." Bei vielen Leuten herrscht nämlich noch ein (durch die bürgerlichen Medien) geisterndes Bild vom "Skinhead mit Bomberjacke" vor. Solche gibt es natürlich auch noch, aber die hier vor Ort sind eher der Typ "Zimmermannhose und Thor Steinar", eben freie Kameradschaften (und in Personalunion auch NPD).

  28. ret marut    

    Oje, schon wieder ein Totalitarismus-Jünger! *augenroll*
    Ich empfehle mal: ein bißchen mehr Klassenanalyse und weniger "Extremismus"-Theoreme.

    1. Hansdampf    

      Na, immer noch von der guten Frau Arendt verstört? Immer noch dabei die Totalitarismus-Ideologie langsam aber sicher zu demontieren, weil sie einen nicht passt?

      1. ret marut    

        Die Theorie hat sich selber demontiert. Wer lediglich die Form vergleicht, aber nicht den Inhalt, wird stets auf abwegige Pfade gelangen.
        Ich verweise mal zur Hebung des Debattenniveaus auf folgenden Artikel aus der Analyse&Kritik 477 (2003) [ http://www.akweb.de/ak_s/ak477/03.htm ], der aufzeigt, daß a) die umstrittene Totalitarismustheorie schon weitaus älter ist als das, was dann Hannah Arendt schrieb, und b) als populistisches Kampfmittel konservativ-bürgerlicher Kreise im Kalten Krieg gegen marxistische Bestrebungen nach innen und außen benutzt wurde. (Arendt schränkt z.B. in der dritten Auflage ihres Hauptwerkes den Begriff Totalitarismus bezogen auf die SU auf die Stalinzeit bis 1953 ein – was aus meiner Sicht den Begriff nicht besser macht, aber zumindest aufzeigt, daß Arendt selber die inflationäre, rein politisch motivierte "Totalitarismusforschung" zunehmend kritischer betrachtete.) Ich bin also keineswegs von Hannah Arendt verstört, lehne vielmehr die Instrumentalisierung Hannah Arendts durch reaktionäre, antikommunistische Kreise entschieden ab. In den Topf gehört sie nämlich nicht.
        Weiterer Lesetip: Wolfgang Wippermann, Totalitarismustheorien, Darmstadt 1997.

  29. buckley    

    "Nicht in dem Maße?" Es gab keine Toten mehr, seit die RAF aufgehört hat!

    Und über pauschake Kritik an Verbindungen sollte durchaus geredet werden (siehe mein Eintrag oben).

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