von Archiv | 27.11.2007
Mit dem zweiten Kammerkonzert des Theater Vorpommerns gedachten Katja Pfeifer und Johannes Gebhardt des vor 250 Jahren verstorbenen italienischen Virtusoen und Komponisten Domenico Scarlatti.
Neben Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Antonio Vivaldi scheint Domenico Scarlatti (1685 – 1757) heute fast in Vergessenheit geraten zu sein. Zu Unrecht. Mit seinen über 550, meist einsätzigen Sonaten schuf der italienische Komponist ein umfangreiches Werk für das Chembalo. Nicht allein als glänzender Virtuose seiner Zeit, sondern auch als Veredler der Spieltechnik für Tasteninstrumente und als Formentwickler der heutigen Sonate wirkte Scarlatti. Anlässlich seines 250. Todesjahres widmeten ihm Katja Pfeifer und der Johannes Gebhardt am vergangenen Sonntagnachmittag das 2. Kammerkonzert des Theater Vorpommerns in der Museumshalle des Pommerschen Landesmuseum. Dabei verwoben die Aufführenden gewinnend die durchsichtigen Sonaten für Cembalo mit einer Auswahl italienischen Sonetten aus zwei Jahrtausenden. Denn gemäß der Wortwurzel liegt dem Sonett und der Sonate der Klang zugrunde. In der mit Bedacht zusammengestellten Programmabfolge verfolgten die aufmerksam lauschenden Zuhörern beispielsweise den Jacopo da Lentini als Meister des Wortspieles, den vor Liebe hin und her gerissen Francesco Petrarca und einen empfindlich getroffenen Nicolò Machiavelli. Katja Pfeifers zweisprachige und bewegende Rezitation der kunstreichen Verse fügte Johannes Gebhardt Scarlattis mal heitere, mal stillere Klangbilder mit der zarten Klarheit des nussfarbenen Cembalos hinzu. Eine gelungene Verbeugung vor dem alten Meister, ohne dass das spätere Sonatenschaffen Ludwig van Beethovens nicht denkbar wäre.
Geschrieben von Uwe Roßner
von Archiv | 26.11.2007
Vom 8. bis zum 9. Dezember findet das hochschulpolitische Wochenende des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) in der Binzer Jugendherberge auf Rügen statt. Den teilnehmenden Studierenden soll damit die Entscheidung für eine Kandidatur bei den Gremienwahlen im Januar 2008 erleichtert werden. Plätze sind dafür noch frei. „Den Aufbau, die Funktion und die Wichtigkeit der Gremien wollen wir dabei vermitteln“, sagt Organisator Konstantin Keune. Kurze Vorträgen und die Simulation von Sitzungen des Senats oder des Studierendenparlaments (StuPa) sollen beispielsweise deren Entscheidungsprozesse erlebbar machen. „Für viele ist das sicherlich erst einmal Neuland“, meint der AStA-Referent für Hochschulpolitik. Den angehenden Entscheidungsträgern soll damit eine rasche und erfolgreiche Arbeit nach der Wahl erleichtert werden. Für Unterbringung und Vollpension entfällt auf jeden Teilnehmer ein Selbstkostenbeitrag von 10 Euro. Anmeldeschluss ist der 5. Dezember.
Geschrieben von Uwe Roßner
von Archiv | 26.11.2007
Das polnische Motion Trio verlieh dem 10. Jubiläum des Greifswalder PolenmARkTs im Theater Vorpommern einen ganz eigenen Glanz.
Festivals leben von Höhepunkten. Keine Frage. Doch wenn dies bereits für die Zusage eines Künstlers gilt, dann dürfen die Erwartungen beim Auftritt keine geringen sein. Mit dem Motion Trio erhüllte sich der PolenmARkT zum zehnten Jubiläum einen Traum. Endete eine Anfrage vor zwei Jahren erst einmal negativ, so ist der Auftritt des polnischen Akkordeontrios am vergangenen Freitagabend im Theater Vopommern zweifelsohne ein ausnahmsloser Erfolg. Für alle Beteiligten. Denn weder Veranstalter, Musiker oder Publikum konnten den so außergewöhnlich verlaufenden Abend vorhersehen. „Es ist beeindruckend, in die Runde zu sehen“, begrüßte Alexander Pehlemann das ungeduldig wartende Publikum. Anstelle einer langen Lobesrede durfte das quer durch Europa tourende Motion Trio rasch ins Rampenlicht treten. Spritzig, groovend und mit einer guten Portion spielerischen Witz gelang den drei Akkordeonisten bereits nach der Eröffnung des Abends etwas Unerwartetes und bisher in Greifswald selten Erreichtes: der Saal tobte. „Keine Angst. Es ist nicht das letzte Stück“, sagte Bandleader Janusz Wojtarowicz mit ruhiger Freude ins Mirkofon.
Mit ausgefeilten Kompositionen über den ersten Frühlingstag, eine Reise nach Islamabad oder einen Tango erzählte das 1996 gegründete Ensemble beispielsweise ganz einmalig ihre kleinen Klangeschichten. Weit zogen dabei Pawel Baranek, Marcin Galazyn und Janusz Wojtarowicz ihre Akkordeons auf, wechselten plötzlich in blitzschnelle Läufe über und wandelten dabei mühelos zwischen eingeflochtener Klassik, Jazz, Rock und Techno. Selbst Folklore fehlte dabei nicht. Atemberaubend entpuppte das Trio ihr Instrument als Rhythmuskasten, volltonigen Melodiebogen und noch nie gehörter Effektmaschine. Tiefste Verbeugungen half ihm am Ende nichts. Mit Standing Ovations und Jubelrufen rang das Publikum den Musikern überraschenderweise gleich drei Zugaben nacheinander und lange bittend ab. Mit Handküssen und tiefen Verbeugungen trat das Motion Trio als selten so gefeierter, ja verehrter Gast in Greifswald ab. Respekt!
Geschrieben von Uwe Roßner
von Archiv | 22.11.2007
Antiquariate duften nach Büchern. Normalerweise. Beim Eintritt in die Steinbecker Straße 20 roch es am vergangenen Mittwochabend nach heißen Waffeln und warmen Apfelsaft. Lesepult, Mikrofon und ein Wasserglas standen bereit. Zum Veranstaltungsbeginn war kein Stuhl mehr frei. Die Lesung des Antiquars ist beim Greifswalder PolenmARkT zu einem festen Termin geworden. Seit gut vier Jahren. Dabei wählt Dr. Ulrich Rose gezielt einen polnischen Autor aus. Zum zehnten Jubiläum ist es Ryszard Kapuscinski (1932 – 2007). Der im Januar an den Folgen einer Herzoperation verstorbene Journalist gehört zu den am häufigsten übersetzten Autoren seines Landes. Als Reporter für die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtete er aus Asien, Südamerika und vor allem Afrika. „Notizen eines Weltbürgers“ ist Kapuscinskis letztes Buch, eine Sammlung feinsinnig beobachteter und knapp festgehaltener Alltagsmomente. „Lapidarium“ heißt es im Original. Aus dem mit grünen, gelben und orangenen Lesezeichen gepräparierten Band stellte Ulrich Rose erst die hintergründige Anekdoten über die Umbrüche im postkolonialen Afrika der fünfziger und sechziger Jahre vor, um im zweiten Teil nach der Pause nach Europa, zum deutsch-polnischen Verhältnis und den anderen Eigenheiten des Nachbarn östlich der Oder zurück zu kehren. „Man lernt unheimlich viel von seiner Sicht“, sagte Ulrich Rose über Kapuscinski. „Es wäre schön, wenn sich immer mehr Menschen für ihn interessieren würden.“
von Archiv | 22.11.2007
Die Reihe ?Reden über Musik? des Instituts für Kirchenmusik der Universität Greifswald in Kooperation mit der Volkshochschule und der Gesellschaft für Pommersche Geschichte, Altertumskunde und Kunst wird gegen Ende des Monats im Pommerschen Landesmuseum fortgesetzt. Den Anfang macht am 27. November um 20 Uhr PD Dr. Peter Tenhaef mit seinem Vortrag ?Die bangste Trauerklage, die uns zur Erde beugt…?. In dessen Mittelpunkt steht die Rolle der Musik in akademischen Trauerfeiern an der Greifswalder Universität im Zeitalter des Barock und der Aufklärung. Die Zeremonien anlässlich des Todes zweier schwedischer Könige in den Jahren 1660 und 1792 werden dabei miteinander verglichen und die beträchtlichen veränderte Umgang mit dem Tod daran aufgezeigt. Erhaltene Dokumente lassen eine genaue Nachzeichnung der Stimmungen und äußeren Umstände zu. Was heute noch an Relikten davon in der öffentlichen Trauerkultur eine Rolle spielt, ist eine Frage, die ebenfalls gestellt wird.
Am 11. Dezember 2007 spricht Martin Loeser unter dem Motto ?Bei einer Tasse Kaffee? über die Musik in Greifswalder Bürgerhäusern. Am 15. Januar 2008 gibt UMD i. R. Ekkehard Ochs Einblicke in den Beethoven-Kult, Händel-Enthusiasmus und den Beginn bürgerlichen Konzertwesens in Greifswald in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.