Mit der Wanderausstellung „Opfer“ und bewegenden Bildern hat der Opferhilfeverein Ende April in Greifswald auf sich aufmerksam gemacht. Doch nicht nur Kinder und ältere Menschen gehören zur Klientel von Wilhelm Daetz und seinem Team – auch Studenten nehmen die Hilfe des Weißen Rings in Anspruch.


„Wachrütteln“ sollte die Ausstellung im Rathauskeller – so formuliert es Wilhelm Daetz, Leiter der Außenstelle des Opferhilfevereins WEISSER RING e.V. in Greifswald. Denn auch und besonders in Greifswald, wo die Kriminalitätsrate in den letzten Jahren deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt lag, sei Gewalt im täglichen Leben kein Fremdwort. Unter dem Titel „Opfer“ gab es etwa 100 Motive zu Themen wie häusliche und sexuelle Gewalt zu betrachten, die an Provokation nicht geizten: Ein Dildo auf einem Babyschnuller, viel Blut und allgegenwärtig zerschlagene Gesichter dominierten die Präsentation.

Viele Besucher erfuhren so zum ersten Mal von der Existenz des Weißen Rings und dessen Zielsetzung: Schnelle und unbürokratische Hilfe für unverschuldet in Not geratene Kriminalitätsopfer. „Oft handelt es sich bei diesen Opfern in Greifswald um junge Mädchen“, so die Erfahrung von Wilhelm Daetz. Doch auch Studentinnen machen einen signifikanten Anteil der Opferarbeit aus. Hier gehören Stalking und sexuelle Gewalt zu den Hauptproblemen, ebenso wie Fälle, in denen jemand erst als erwachsene Person über Vorfälle in der Kindheit sprechen will. Nicht nur für diese Fälle hat der Weiße Ring immer ein offenes Ohr, sondern auch Diebstahl, Mobbing und vor allem häusliche Gewalt sind immer wieder ein Thema.

Die Mitarbeiter des Weißen Rings in Greifswald arbeiten allesamt ehrenamtlich. Da dieses Engagement oft mit einem gewissen persönlichen Risiko und psychischer Belastung verbunden ist, betont Herr Daetz, dass eine klare Trennung zwischen Arbeit und Privatleben von Nöten sei, um erfolgreiche Opferhilfe leisten zu können. Nichtsdestotrotz stelle die Mitarbeit eine große persönliche Bereicherung dar und vermittle das Gefühl, wirklich helfen zu können – auch wenn manchmal das einfache Zuhören schon die größte Hilfe darstelle.

Auch nach dem Ende der Ausstellung im Rathauskeller ändert sich nichts an diesem Einsatz, auch wenn sich die Greifswalder Außenstelle über ein wenig mehr öffentliches Interesse freuen kann. Denn über die schockierenden Motive selbst mag man streiten – „wachgerüttelt“ haben sie allemal.

Der Weiße Ring existiert seit 1976 und finanziert sich hauptsächlich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Er hilft Kriminalitätsopfern unter anderem durch persönliche Betreuung, Hilfestellung im Umgang mit Behörden und finanzielle Zuwendungen. Die Außenstelle in Greifswald mit ihren acht aktiven Mitarbeitern ist über weisser-ring@greifswald.de zu erreichen. Auch weitere Ehrenamtliche werden noch gesucht.

Geschrieben von Robin Drefs