von Archiv | 15.01.2005
Die Coenbrüder Joel und Ethan sind bisher mit Filmen wie ?Oh Brother, Where Art Thou??, ?Fargo? oder ?The Big Lebowski? bekannt geworden. Diese folgen ja eher nicht dem Mainstream-Vorbild Hollywoods, sondern fangen zumeist eine ganz bestimmte Atmosphäre ein. Wer diese Filme mochte, wird auch von Ladykillers nicht enttäuscht.
Das britische Original mit Alec Guinness spielt in London und wird geschickt amerikanisiert. Bei dem Worte ?Remake? mag man zusammenzucken, doch hier ohne Grund. Ihre neueste Besetzung ist Tom Hanks, der als extravaganter Philologe mit einer Bande von bizarren Gangstern einen Jahrhundertraub vom Hause einer alten Dame aus plant.
Der Film begeistert durch schwarzen, skurrilen Humor, vor allem aber durch eine perfekt ineinander greifende komplexe Handlung. Halt irgendwie typisch Coen.
An Extras fehlt es jedoch etwas. Lediglich zwei kurze Proben der Gospelmusik des Films, eine Dokumentation über den Musikmacher sowie eine ?Ohrfeigenparade? stehen bereit. Das durchaus ansprechende, animierte Menüdesign wiederum entspricht sowohl dem Flair des Films als auch dem der Regisseure und gefällt. Passend zum sprachwissenschaftlichen Protagonisten sind sieben Menüsprachen, vier Tonspuren und acht Untertitel wählbar. Das schwarze Moment der Südstaatenstadt Mississippi findet sich im Gospel-Soundtrack des Films angenehm wieder, welcher wie auch die DVD selbst eine durchaus lohnenswerte Investition darstellt. jmk
Geschrieben von Joel Kaczmarek
von Archiv | 15.01.2005
Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs (Special Extended DVD Edition)
Ein Ring sie zu knechten… – nein, vier! So viele mehrschichtige Ringe sind nämlich in der rechtzeitig zu Weihnachten erschienen Special Extended vom dritten Teil des Herrn der Ringe.
Insgesamt ist diese Fassung um 48 Minuten länger als die normale, welche sich vor allem in einer längeren Szene in Isengard und vor dem schwarzen Tor wieder finden. Aber auch sonst gibt es für die Geschichte interessante Neuerungen.
Nach einer grünen und einer braunen Box (Teil eins und zwei) ist die dritte nun blau und weiß wiederum mit Freude am Detail zu überzeugen. Die Hülle ist bestanzt und bemalt und auch die Menüs der DVD sind im typischen Herr der Ringe-Design des Buches von Bilbo und Frodo Beutling gehalten. Wer sich noch an unsere Rezension von der normalen Fassung erinnert wird zahlreiche Neuerungen bemerken. Neben der englischen und deutschen Dolby Digital 5.1-Tonspur gibt es jetzt außerdem noch eine gänzlich neue: Deutsch in DTS ES 6.1! Ähnlich wie zur normalen Fassung sind nun noch sieben weitere Dokumentationen verfügbar sowie zwei interaktive Karten der Reiseroute der Gefährten. Während des Films können vier verschiedene Kommentare angehört werden, vom Regisseur, den Designern, den Produzenten und den Darstellern. Sprich: Insgesamt wieder ein Bombast an Extras und ein hervorragender längerer Film, was nicht nur Fans zusagen dürfte. jmk
Geschrieben von Joel Kaczmarek
von Archiv | 15.01.2005
Durchaus ungewöhnlich: Beim neuesten Film mit Filmikone Robert DeNiro gibt es nicht ein Ende, sondern derer gleich fünf.
Die Geschichte ist schnell erklärt: Das amerikanische Bilderbuchpärchen Paul und Jessie Duncan verliert bei einem Autounfall ihren Sohn Adam. Der renommierte Wissenschaftler Doktor Richard Wells bieten daraufhin an, ihren Sohn zu klonen und ihnen eine gänzlich neue Identität zu verschaffen. Nach seinem eigentlichen Todestag fängt der geklonte Adam allerdings an, sich zu verändern…
Leider wissen die erwähnten vier englischen Alternativ-Enden nicht gänzlich zu überzeugen, obwohl sie viele mögliche Endszenarios durchspielen. Der Film an sich ist durchaus sehr spannend, durch die hervorragende Schauspielleistung von Cameron Bright als Adam. Ich glaube, er ist der erste kleine Junge, bei dem man es wirklich mit der Angst zu tun bekommt, wenn man ihn diese Rolle spielen sieht. Leider kann man dies nicht von den anderen Rollen behaupten, die alle etwas unausgereift und nicht bis zu Ende gedacht erscheinen.
An Extras gibt es eine B-Roll, das die Dreharbeiten einiger Filmszenen zeigt, einen Regiekommentar und verschiedene Statements der Darsteller. Vor dem Film gibt es außerdem vier Trailer, sechs Trailer als Menüpunkt und zwei Trailer und vier Spots des Hauptfilms selbst. Passabel. Die Tonspur ist Dolby Digital 5.1 in Englisch und Deutsch. Ein unterhaltsamer Popcornabend ist also allemal drin, ein Muss ist der Film aber allenfalls für Fans. jmk
Geschrieben von Joel Kaczmarek
von Archiv | 15.01.2005
Jeder kennt das Lied von Hans Peter Kerkeling. „Witzigkeit kennt keine Grenzen“. So trällerte es in seiner damalige Sendung und der Abspann von „Kein Pardon“ endete genau mit dieser Feststellung. Pardon! – Hape lügt! Witzigkeit hat Grenzen und Witzigkeit ist individuell uns unterscheidet uns wie unsere Fingerabdrücke voneinander.
Witzig ist nicht jeder. Doch jeder kann eine Wi(n/t)zigkeit dazu beitragen, sein kleines Leben etwas sonniger zu gestalten. Jeder regt sich über das zunehmend grauer und kälter werdende soziale Umfeld auf, aber nur wenige kämpfen bisher dagegen an. Stattdessen stopfen wir alles in uns rein, Bücher und Vorlesungen – dass uns dabei das Lachen im Halse stecken bleibt. Aber niemand bewegt sich locker auf dem gesellschaftlichen Parkett, der nicht wenigstens in Ansätzen Grundregeln des Humors beherrscht und hier und da mal für einen Lacher sorgt oder mindestens anständig mitlacht. Auch wenn sich die wissenschaftliche Lach-Forschung schon eingehend mit dem Thema befasst hat, so wurden Erkenntnisse wie „Lachen ist gesund“ eher belächelt. Nicht mal der deutsche Volksmund lacht.
Wie groß jedoch die Sehnsucht danach ist, zeigt der eine oder andere Blick in das Fernseh- und Kinoprogramm. Der erfolgreichste deutsche Film ist „witzig“, zumindest für die Mehrheit der Humorsuchenden. Comedy rules! Günther Jauch ist kein Comedian, kommt aber unglaublich gut an – wegen der lockeren Art.
Doch warum wollen wir alle „locker“ sein und pausenlos lachen? Wir brauchen Kraft, wir brauchen Selbstbewusstsein, um „da draußen“ erfüllt über die Runden zu kommen. Humor ist der Quell der Glückseligkeit. Kein Geringerer als Onkel Goethe selbst bringt es auf den Punkt: „Weißt du, worin der Spaß des Lebens liegt? Sei lustig! – Geht es nicht, so sei vergnügt!“ Auch die, die in der Schule den Faust im Nacken hatten, müssen ihm jetzt beipflichten.
Auch wenn ich selber nicht witzig bin – mitlachen kann ich trotzdem. Und zwar überall: In der Vorlesung, in der Mensa und beim Einkaufsbummel. Auch später beim Vorstellungsgespräch und im Büro, am Telefon und sogar im Chat. Aber Vorsicht: „Hütet Euch!“ sagt der Schäfer zu seinen Schäfchen. Hütet euch vor der Verstellung: Der Kampf zwischen Authentizität und Nursotunalsob geht auch ohne uns eine Runde weiter! Dann lieber die Gratwanderung machen und noch mal darüber nachdenken – oder das Nachdenken bleiben lassen und es einfach tun. Auch ein schlechter Witz ist immerhin einer.
Gehörig Werkmasse zum Selberbasteln liefert die Sprachwissenschaft zur Genüge. Homonyme sind besonders flexibel und exzellent dazu geeignet, mal einen etwas anderen Blick auf die Wörter zu werfen, die wir jeden Tag so bedenkenlos benutzen. Was sagt man zu einer Kuh, die man fotografieren möchte? „Kuh guck’!“ Das Einfache ist manchmal mehr als das große Brimborium – kompliziert ist die Welt genug! Und wer die „Kuh auf der Weide“ sieht und sich fragt, wie die denn auf den „Baum“ hochgeklettert sein könnte, der wird auch die feinen sprachlichen Nuancen in den Tönen seines Kommilitonen deuten können. Denn „krumm“ nehmen einem nur diejenigen etwas, die bar jeder Selbstironie ihr Eigenes als „gerade“ ansehen!
Geschrieben von Karsten Linde
von Archiv | 15.01.2005
Kinder erzieht am besten, wer sich mit Ihnen beschäftigt
Die Supernanny ist los! Unsere Fernsehgesellschaft hat einen neuen Superhelden geschaffen. Sie heißt Katharina Saalfrank, kommt aus Berlin und ist Mutter von vier Kindern.
Mittwochs zieht sie uns in den Bann und Deutschland schaut zu, wenn die Supernanny in die Erziehung eingreift und Hilfe suchenden Eltern mit Rat und Tat beisteht. Sie versucht Kinder, die trotzen, schlagen und einen Willen fern ab der Eltern haben, wieder in ein normales Familienleben einzugliedern.
Doch was sehen wir da eigentlich?
Wir sehen Kinder, die seit langem über die Strenge schlagen und nicht auf ihre Eltern hören. Sie tyrannisieren die Familie und werden als böse hingestellt.
Doch wie kam es dazu? Welchem Einfluss unterliegen diese Kinder, damit sie solch einen Charakter entwickeln? Unsere Kinder werden in ihrem Heranwachsen durch mehrere Faktoren beeinflusst: Die Eltern, den Kindergarten, die Familie, Freunde. All diese Menschen bilden ein Umfeld, das Kinder prägt. Es wurde also geschafft, in vier, fünf Jahren ein Kind zum Trotz zu erziehen. Doch erziehen wir sie denn wirklich dazu oder ist es nicht eine normale Phase, in der jedes Kind das Recht hat, einmal bockig zu sein?!
Wenn die Supernanny gerufen wird, ist es meist ein Fall, wo Eltern die Geduld fehlt. Sie setzen sich seit langem nicht mehr mit ihrem Kind auseinander und schließlich ist professionelle Hilfe notwendig.
Sie lebt für kurze Zeit bei der Familie, stellt Regeln auf und tritt bei schnellem Erfolg, der sich durch Disziplin der Eltern ergibt, aus dem Leben der Familie. Es macht einen Anschein wie Mary Poppins, doch per Video beobachtet sie das Zusammensein weiter und nach dem ersten Rückfall klingelt sie wieder an der Haustür.
Es hört sich einfach an, doch aus pädagogischer Sicht liegt hier ein harter Kritikpunkt. Eine Hilfe suchende Familie, die auf pädagogische Betreuung angewiesen ist, kann nicht wie am Fließband abgefertigt werden. Gerade deshalb kommt es bei so vielen Kindern zu einem Rückfall. Hier wäre eine längere Betreuung wichtig, um auch diese regressiven Phasen erzieherisch zu meistern.
Schön und gut, worum geht es eigentlich?
Um ein Kind zu einem vollwertigen Mitglied unserer Gesellschaft zu erziehen, bedarf es einer Norm- und Wertevermittlung, die auch das Einhalten von Regeln und das Setzen von Grenzen bedarf. Diesen theoretischen Wert in die alltägliche Erziehungsarbeit einfließen zu lassen scheint nicht immer ganz einfach. Wie man bei RTL sieht, scheinen gerade hier vermehrt Eltern Schwierigkeiten zu haben, denn wer will schon erziehen, wie seine Eltern? Oder wer möchte sich nach 1968 noch den autoritären Stiefel anziehen?
Daher ist es oft unangenehm Grenzen zu setzen (schließlich ist Kinder erziehen auch anstrengend). Das eigene Kind in seine Schranken zu weisen, ist nicht nur ein autoritärer Akt, sondern drückt auch Zuneigung aus. Es zeigt dem Kind, dass man es respektiert und ihm Aufmerksamkeit schenkt, indem man sich mit ihm beschäftigt.
Nur immer das Beste für sein Kind zu wollen heißt nicht, keine Grenzen und Regeln zu setzen. Es ist vielmehr wichtiger zu erklären, warum man hier eine Grenze zieht und selbst wenn es mal heißt: ?Weil ich es so mag?. Dies gibt dem Kind mehr Vertrauen, als es in seinem Handeln allein zu lassen.
Trotz Regeln und Grenzen, trotz Superhelden und Nannys, die tausend Erfahrungen mit Kindern haben, ist Erziehung immer noch Beispiel und Liebe (frei nach Fröbel). Nicht ein perfekter Erzieher, sondern ein Erzieher, der sich um sein Kind kümmert und sich mit ihm auseinandersetzt, wird eine ausgeglichene Beziehung zu seinem Kind erlangen.
Eine Nanny, kommt in eine zerrüttete Familie und muss strikte Grenzen setzen, um sich durchzusetzen. Sie stellt Regeln ohne großen Spielraum auf und formt so das Kind nach ihrem Willen. Jedoch geht es im Alltag nicht um die Kontrolle des Kindes nach unseren Wünschen, sondern darum, dem Kind einen freien Willen zu geben. Den Wert der eigenen Entscheidungsfindung und die stete Bereitschaft, unser Handeln zu erklären, schafft eine Eltern-Kind Beziehung, in der gewisse Regeln gelten, es jedoch immer Handlungsspielräume gibt. Kinder brauchen Grenzen – Eltern auch.
Geschrieben von Kilian Jäger