von Archiv | 17.05.2005
Eindrücke aus dem Südosten von Indien
Am Stadtstrand von Madras flattern die Planen im Wind, sie sind nur lose an Brettern befestigt. Vom Meer weht der Wind landeinwärts. Da liegt der Indische Ozean, der Golf von Bengalen, glitzernd in der Morgensonne, die Dünung legt die Wellen ganz sanft ans Ufer. Von hier aus kann man die St. Thomé Church sehen, dort sollen die sterblichen Überreste des Heiligen Thomas aufbewahrt sein.
Der Papst hat dort gebetet in der Krypta irgendwann in den Achtzigern. Die Kirche liegt leicht erhöht etwas weiter landeinwärts.
Ich stehe inmitten von Trümmern am Strand. Mit Ziegelsteinen doppelt gemauerte Wände liegen in faustgroßen Stücken vor mir –Häuser haben hier gestanden, für indische Verhältnisse sehr stabil gebaut. Davon ist nicht mehr viel übrig. Soweit man sehen kann, nur Ruinen. Weiter hinten steht ein einzelnes Haus, das den Wellen getrotzt hat, die hier am 26. Dezember 2004 auf Land getroffen sind.
Gebückte Gestalten zwischen diesen Steinen graben in den Trümmern noch immer nach etwas Verwertbarem. Mir kommen diese Bilder seltsam bekannt vor, aus Dokumentationen über den Zweiten Weltkrieg, über die Trümmerfrauen. Und auch wenn hier keine kriegerische Auseinandersetzung stattgefunden hat, diese Menschen in den Trümmern kämpfen – ums Überleben.
Die Planen flattern im Wind, sie sind ihr neues Zuhause, auf der anderen Straßenseite liegen die Überreste ihrer Häuser und hinter den Planen rauscht das Meer.
Und auch wenn hier keine kriegerische Auseinandersetzung stattgefunden hat, diese Menschen in den Trümmern kämpfen – ums Überleben.
Zwischen diesen Planen leben sie jetzt. Entlang der Küstenstraße bauen sie Slums. Sie, denen nun nur noch die Trümmer gehören. „Wir können nirgendwo anders hin, überall in der Stadt schickt man uns weg“, sagt mir ein Mann. Und da sie niemand auf seinem Grundstück weiter landeinwärts duldet, müssen sie am Strand bleiben. Ob sie Angst haben, frage ich, Angst, dass noch einmal etwas Ähnliches passiert. Der Mann schlenkert langsam mit dem Kopf – das heißt in Indien „Ja“. „Manche schlafen nicht mehr“, sagt er noch. Und wer schläft, der wacht unter dem Rauschen der Wellen morgens auf.
Lothar Kleipaß ist Entwicklungshelfer für den Internationalen Landvolkdienst Bad Honnef. Er betreut Projekte rund um die Welt und steht jetzt auf dieser Straße und schüttelt den Kopf: „Wenn hier in der Landeshauptstadt von Tamil Nadu die Versorgung nicht funktioniert, wie soll das dann auf dem Land aussehen?“
Der Staat hat Hilfe versprochen, hat auch versprochen, die Menschen umzusiedeln. Manche haben auch Soforthilfe bekommen – Fischerfamilien zuerst – sie haben bei der indischen Regierung Priorität. Sie haben sich davon Kochgeschirr gekauft und Lebensmittel. Was sie aber wirklich brauchen, ist eine Perspektive: Ein Boot, Netze. Vielleicht für die, die sich noch trauen, wieder raus zu fahren. Manche Frauen halten ihre Männer davon ab, wieder fischen zu gehen. Sie haben Angst, Witwen zu werden und sie kennen schon so viele andere Witwen.
Ein paar Tage später stehe ich auf einer Bühne in Mangalapuram und gen. Sie stammen von hier und sind in der Hoffnung auf einen Job in die Städte gegangen, nach Pondicherry oder Cuddalore. Jetzt kommen sie zurück. Anders als die Menschen am Stadtstrand in Madras haben sie Dörfer, Verwandte und eine Organisation, die sie aufnimmt. Es ist ein seltsames Gefühl, Hilfsgüter zu verteilen. Zwei Kamerateams sind da und Fotografen und sie sagen, ich solle in die Kamera schauen.
Meine Mitreisenden haben 16.000 Euro an Spendengeldern gesammelt. 168 Familien wird damit das Nötigste zum Bestreiten des Alltags finanziert. Ich verteile Eimer und Aluminiumtöpfe, Seife, Binden, Reis und Zucker und ich sehe diese Menschen und ich habe dieses Gefühl wie am Strand in Madras. Das Gefühl, dies alles wahrzunehmen und zu wissen, was hier passiert ist, aber ich kann es nicht wirklich verstehen, ich kann es nicht nachfühlen.
Es ist kein großartiges Gefühl, Hilfsgüter auszuteilen, es ist eher bedrückend. Vielleicht schämen sich diese Menschen auch. Menschen, die sonst gewohnt sind, selbst in den schlimmsten Notlagen eigene Lösungen zu finden, zu improvisieren, ihrem Karma entsprechend die Herausforderungen des Lebens zu ertragen und nicht aufzugeben.
Shiva ist der Gott, der nach indischem Glauben die Welt erschafft, zerstört und wieder neu erschafft. Er ist Zerstörer und Quelle der Erneuerung und Schöpfung zugleich. Vielleicht bedarf es einer solchen Gottheit für die Menschen in Tamil Nadu im Süden Indiens, um mit dieser unvorhersehbaren Katastrophe psychisch fertig zu werden und nicht an der Sinnlosigkeit zu verzweifeln.
Aber Shiva allein ist keine Stütze, es braucht Menschen und Geld, vor allem aber eine Perspektive für die Zukunft. Ein langfristiges Konzept, das die Betroffenen in vorhandene Strukturen integriert.
Lothar Kleipaß bemüht sich zum Beispiel um die Finanzierung von Nähmaschinen und Kühen, die durch ihre Milchproduktion für die Besitzer eine tägliche Einnahmequelle bedeuten. Kleinkredite zu guten Konditionen, um Geschädigten Straßenstände mit Lebensmitteln zu finanzieren.
Und bald darauf sitze ich im Flugzeug Richtung Frankfurt. Die Stewardess bringt das Essen und ich könnte auf zwölf verschiedenen Kanälen Unterhaltungsprogramme hören. Manchmal sehe ich noch die Bilder der Menschen an den Stränden, wo sie nun ausharren, monatelang, und ich habe mich kaum getraut, für die kurze Zeit, die ich dort war, dem Meer den Rücken zuzudrehen. Das alles ist so unwirklich – wie dieser Moment im Flugzeug, als ich über den Satz stolpere: „Schwimmweste unter ihrem Sitz“.
Geschrieben von Jonas Wipfler
von Archiv | 17.05.2005
Studieren und Feiern im wilden Nordosten
Im äußersten Nordosten der EU, südlich von Finnland, östlich von Schweden und nördlich von Lettland. Wir befinden uns auf einem Streifzug durch das ebenso kleine wie begeisternde Estland.
Während die Hauptstadt Reval (estnisch Tallinn, 400.000 Einwohner) das wirtschaftlich-politsche Zentrum Estlands ist, bildet Dorpat (estnisch Tartu, 100.000 Einwohner) mit seinen etwa 20.000 Studenten das geistig-intellektuelle Herz des Landes, in dem ich mich acht Monate als Austauschstudent aufhalte. Universität und Studenten prägen wie in Greifswald das Stadtbild. Es gibt viele Kneipen und Cafés und die Universität bekommt jedes Jahr mehr Geld vom Staat.
Ein kleiner Ausflug in die Geschichte ist im Baltikum Pflicht: Die 1632 vom Schwedenkönig Gustav II. Adolph als „Academia Gustaviana Dorpatensis“ gegründete Alma Mater wurde später wegen des Nordischen Krieges nach Pernau verlegt und 1802 als „Kaiserliche Universität zu Dorpat“ von den baltendeutschen Ritterschaften mithilfe des russischen Zaren wiedereröffnet.
Weltweite Bekanntheit erlangte sie vor allem im 19. Jahrhundert. In ihrem „goldenen Zeitalter“ brachte sie unter anderem Wilhelm Ostwald (Nobelpreis für Chemie 1909) oder Karl Ernst von Baer (Zoologe, Embryologe, Evolutionstheoretiker) und viele bedeutende Größen der Wissenschaft mehr hervor. Teilweise waren über 90 Prozent der Professoren und Studenten deutschsprechend.
Russisch-nationalistische Tendenzen und „Russifizierung“ führten 1919 als Abwehrreaktion zur ersten estnischen Unäbhangigkeitserklärung und der Neueröffnung als seitdem einzige estnischsprachige Volluniversität der Welt. Ein Faktum, auf das die etwa eine Million Esten mit Recht stolz sind. Auch die heutige schwarz-blau-weiße estnische Flagge entstammt einer hiesigen Studentenverbindung.
Seit der Wende hat sich viel getan, die Universität erneuerte viele alte Gebäude und baute neue, schloß Partnerschaftsverträge und ist in die „Coimbra-Group“ – einen Zusammenschluss alt-ehrwührdiger, europäischer Universitäten – aufgenommen worden.
Das wichtigste Thema für den studentischen Leser: Das Nachtleben. Drei altstadtnahe Diskotheken haben sechs mal die Woche geöffnet. Traditionelle Kneipen, in denen man auch gut essen kann, (vergleichbar mit dem „Alten Fritz“ oder der „Domburg“) gibt es zuhauf und der Preis von 40 Kronen (circa 2,55 Euro) für einen Liter zünftiges Bier kann durchaus animieren. Kneipenknüller sind ein umgebauter Pulverfaßkeller „Püssirohukelder“, das legendäre „Zavood“, das „Krooks“, der wilde Irish Pub oder das „Suudlevad Tudengid“ („küssende Studenten“) am Rathausplatz.
Dorpat ist ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge durch Estland sowie nach Lettland, Finnland, Litauen, Königsberg und allgemein Rußland. Jedoch sind gerade die kleinen Ausflüge in die estnische Landschaft, an die vielen Seen, auf die rund 2000 Inseln, den großen Peipussee im Osten und in die kleinen Dörfer die erlebnisreichsten und schönsten. Busse fahren fast überall hin und sind äußerst preiswert. Am besten ist es, mit dem Auto abseits der großen Fahrströme die estnische Wirklichkeit zu erkunden. Besondere Leckerbissen sind die vielen alten Herrenhäuser, zum Beispiel das nach schottischem Vorbild von Baltendeutschen errichtete Schloß in Alatskivi nordöstlich von Dorpat und die alten Ordensburgen. Letzter Tipp: Vom 30. Juni bis 07. Juli finden hier die internationalen Hansetage statt.
Fazit: Wer sich mit gemütlichen Esten einfach mal zehn Minuten anschweigen, morgens um drei von einem angeheiterten, rudimentär Deutsch sprechenden Russen eine halbleere Wodkaflasche spendiert bekommen oder einen amerikanischen Mormonen in der Disko begeistert tanzen und hüpfen sehen will, der sollte ein Auslandssemester in Tartu machen.
Nägemiseni („Auf Wiedersehen!“, „Bis bald!“)
Geschrieben von Jörg Weber
von Archiv | 17.05.2005
Wie schon beim letzten Mal wird das Students Festival wieder medial durch ein FestivalTV begleitet werden. Täglich soll eine einstündige Berichterstattung über Greifswald-TV gesendet werden, voraussichtlich jeweils um 19.00 Uhr.
Hierin erfasst sein sollen laut Projektkonzeption die ?Darstellung verschiedener Sichtweisen zu verschiedenen Kulturen und den globalen Problemen unserer Weltordnung? und die Represäntation der Grundidee des Students Festivals: ?Wir setzen ein Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit, Intoleranz und Gewalt?.
Eine Stunde Fernsehen erfordert jedoch mehr Arbeit, als es für den Konsumenten erscheinen mag. Ein Team von rund 50 Leuten wird nach vorangegangenen Workshops zur Einführung in die Materie audiovisueller Medienarbeit jeden Tag ab 13.00 Uhr bis in den Abend am Rotieren sein. Nach der Aufzeichnung im ?Live-on-tape-Verfahren? werden die Nachbearbeitung, die Sichtung des Materials durch Greifswald-TV und die Einspielung den Rest des Tages bis zur Sendung in Anspruch nehmen. Ungeduldige und Nichtempfänger außerhalb des Sendegebietes können die Sendung zudem weltweit über einen Livestream im Internet verfolgen. Im Fernsehen werden zusätzliche Sendungen mit Infos zu den Hintergründen laufen. Nach Abschluss des Festes soll abrundend eine Doku produziert werden, eine zusammenfassende DVD ist auch geplant.
Das Team setzt sich dementsprechend aus lauter ?guten Leuten? zusammen, wie die Chefredaktion betont. Beim FestivalTV könne jeder, auch der Neuling, allumfassende Kenntnisse in Hinblick auf Medienkompetenz erwerben. Mitwirkende lernen während ihrer Arbeit alle Bereiche der Produktion kennen, nicht bloß einzelne Sparten. Mathias und Johannes, die Chefredakteure, verwirklichen hier den Anspruch, ?professionelles? Fernsehen zu schaffen.
Ermöglicht wird das Ganze durch zur Verfügung gestellte Produktionsmittel der Mitarbeiter und Mitwirkenden, finanziert durch den FSR Kommunikationswissenschaft/ Germanistik, das Studierendenparlament und das EU-Projekt ?Youth – Jugend für Europa?. Das Landesjugendamt hat ebenfalls finanzielle Hilfe zugesagt.
Man darf wohl gespannt sein, was hier geschaffen und geschafft werden wird. Die endgültigen Sendezeiten und weitere Infos gibt es unter www.moritzTV.de, wie immer werden Flyer in der Mensa ausliegen und Greifswald-TV wird all das auch in seinen Videotext stellen.
Geschrieben von Stephan Kosa
von Archiv | 17.05.2005
?Touch the world? lautet das Motto, welches das ?Greifswald International Students Festival? vom 04. bis zum 12. Juni eine Woche lang begleiten wird. Erwartet werden ungefähr 450 Teilnehmer aus 118 verschiedenen Ländern der Welt, die im Zuge des Festivals die Möglichkeit bekommen, sich mit ihren kulturellen Erfahrungen in aktuellen Themen aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik auszutauschen.
Die Studenten nehmen in dieser Woche nämlich neben diversen Veranstaltungen wie Poetry Slams und Podiumsdiskussionen hauptsächlich an einem von sechs verschiedenen Workshops teil, die sich thematisch in ?Grüne Globalisierung?, ?Konflikte in der Welt?, ?Interkulturelles Lernen und Bildungssysteme?, ?Entwicklungszusammenarbeit?, ?Bioethik und Migration?aufgliedern.
Das idealistische Grundkonzept aller Workshops ist es, thematische Probleme aufzuzeigen und entsprechende Lösungsvorschläge auszuarbeiten, die mit den kulturellen Interessen aller Teilnehmer vereinbar sind. Gestaltet wird die Workshop-Arbeit maßgeblich von den beiden Groupleadern die jeweils 20 Studenten zu Diskussionen auf Englisch anregen sollen. Flexibilität wird hier groß geschrieben, denn die Teilnehmer besitzen die Möglichkeit, besonders relevante Themen noch in den Workshop zu integrieren respektive pointierte thematische Schwerpunkte zu setzen, die sich vielleicht schon während des Kennenlernens in den Internetforen ergeben.
Die Grüne Globalisierungs-Workshops erörtern die Bedeutung der Umwelt in unserer globalisierten Welt sowohl für Entwicklungs- als auch für Industrieländer. Im Zuge dessen sollen von den Teilnehmern Konzepte die zwischen den individuellen Interessen und ökologischer Nachhaltigkeit vermitteln, entwickelt werden.
Der Fokus des Workshops ?Konflikte in der Welt? liegt maßgeblich auf Krisengebieten wie die in Nahost, Ruanda und dem Sudan. Ausgehend von diesen Konfliktregionen soll der Weg zu alternativen, weil gewaltfreien, Interventionstechniken zur Entschärfung des Konfliktpotentials aufgezeigt werden. Hierfür werden die Teilnehmer von Experten in Mediationstechniken geschult. Besonders wichtig scheint den Initiatoren hier zu sein, die Brücke zwischen den theoretischen Inhalten und der praktischer Umsetzung zu schlagen. Die Studenten sollen nämlich ihre erlernten Schlichtungsfähigkeiten auch in ihrem privaten Umfeld anwenden können.
In den Gruppen des ?Interkulturelles Lernen und Bildungssysteme? stellen die Studenten die jeweiligen Bildungssysteme ihres Landes vor und vergleichen darauf aufbauend ihr Verständnis von interkultureller und sozialer Kompetenz. Das Hauptziel der Veranstaltung zeigt sich auch besonders deutlich in den anderen Workshops: Unter Auseinandersetzung mit der Einstellung ihres Heimatlandes, anderer Länder und der internationalen Gemeinschaft, wird die Bereitschaft zum Perspektivenwechsel und Verständnis gefordert. Umgesetzt wird dies, indem zum Beispiel die dispergierenden Sichtweisen der Aus- und Zuwanderungsländer zum Thema ?Migration? gegenübergestellt werden und dort die Motivationen der Menschen, die ihr Heimatland verlassen, ergründet werden. Oder in den Gruppen der ?Entwicklungs-zusammenarbeit?, wo seitens der Industrieländer die Motive und für die Entwicklungsländer der tatsächliche Effekt und Sinn der Zuwendung untersucht wird. Und selbst die Bioethik ist danach ausgerichtet: Neben der moralischen Ebene und dem Interesse der medialen Vermittlung des Themas, wird sich eine Gruppe der Thematik aus nationaler, die andere Gruppe auf internationaler Ebene annähern.
Zusätzlich werden in allen Workshopgroups zahlreiche Referenten, aus Indien, Kenia und dem Rest der Welt eingeladen, die mit einem reichhaltigen Angebot an Vorträgen einen wichtigen Beitrag zu den einzelnen Themen und für die Diskussionen leisten.
Die Referenten des Greifswalder International Students Festivals 2005 waren:
James Shikwati – Vortrag Entwicklungszusammenarbeit Thema: „The developing world needs trade not aid“
James Shikwati ist Direktor des ?Inter Region Economic Network (IREN Kenia). Er hat unzählige Artikel über Entwicklung, Umwelt, Handel und Landwirtschaft in internationalen Zeitungen unter anderem in ?The Times – London?, ?The Guardian? ?The Wall Street Journal? oder der ?The Washington Post? veröffentlicht.
Aufgewachsen in einem abgelegenen Tal im westlichen Kenia, kam James Shikwati erst in seiner Studienzeit in den frühen 1990er Jahren mit internationaler Politik in Kontakt. An der University of Nairobi lag sein Interesse bei Philosophie. Dort wurde er von einem Professor ermutigt, außerhalb Kenias neue Erfahrungen und Eindrücke zu sammeln.
Nach seinem Studium unterrichtete er unter anderem an der Kiptewit High School Geografie und Ethik.
Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Unterstützung des Welthandels. Er ist der Meinung, dass Handel der Weg ist, um die Armut zu lindern. Er führte zahlreiche Gespräche mit lokalen kenianischen Meinugnsführern, um sie von der Idee zu überzeugen. Weiterhin wirkt er in verschiedenen internationalen Foren mit, die sich mit der Förderung des Handels beschäftigen (z.B.: The East African – American Business Summit, the AGOA initiative in Mauritius, and The World Trade Organization mini ministerial in Sydney Australia & The World Trade Organization ministerial meeting in Cancun and the World Economic forum in Chattanooga – USA)
Gegenwärtig ist James Shikwati der Gründer und Geschäftsführer des Inter Region Economic Network [IREN Kenya], eine unabhängige nicht-kommerzielle public policy Forschungs- und Bildungsorganisation, die marktorientierte Antworten auf derzeitige sozialökonomische und ökologische Probleme sucht.
Steffen Behrle – Vortrag Grüne Globalisierung
Thema: Einfluss der Weltbank auf internationale Umweltpolitik – Anforderung an internationale Organisationen
Steffen Behrle ist Mitarbeiter des Potsdamer Instituts für Klimaforschung. Er arbeitet an einen Global Governance Project, in dessen Rahmen der Einfluss der Weltbank auf die Umweltpolitik untersucht wird.
Steffen Behrle hat Politikwissenschaft auf Diplom am renommierten Otto Suhr Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin studiert. Als Fulbright Stipendiat hat er an der Graduate School of Duke University (Durham, NC) Politikwissenschaft, Public Policy und Soziologie studiert.
In seiner Abschlussarbeit konzentrierte er sich auf die Rolle von internationalen Organisationen in neuen Mechanismen für globale Regierungsgewalt und analysierte die Funktionen des Vereinten Nationen Umweltprogramms (UNEP) in globalen Partnerschaften für aufrechtzuerhaltene Entwicklung.
Omid Nouripour – Podiumsdiskussion Migration Thema: EU Emigration Politics
Omid Nouripour (29), Mitglied des Bundesvorstands von Bündnis 90/Die Grünen, lebt in Frankfurt und promoviert gerade im Fach Deutsche Philologie. Seit 1996 ist er Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen und ist seit dem Amtantritt Roland Kochs Sprecher der Grünen Jugend in Hessen.
Sein Schwerpunkt in verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Tätigkeiten liegt in der demografischen Entwicklung der Gesellschaft, der Jugend- und Altenpolitik und beim Dialog der Religionen und Kulturen. Er ist Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft MigrantInnen und Flüchtlinge. Sein besonderes Interesse für diesen Bereich mag an der doppelten Staatsbürgerschaft liegen. Seit Juli 2002 ist Nouripour deutsch-iranischer Doppelstaatler.
Neben seiner politischen Tätigkeit für die Grünen in der Bundesrepublik war er unter anderem kooptiertes Mitglied des Landesvorstandes der Europa-Union Hessen (2000-2003) und Chef-Redakteur der Bundesweiten Immi/ Grün-Zeitschrift ?Ubi bene ibi patria? (2000).
René Röspel – Vortrag Bioethik Thema: Sicht der Bioethik aus Politik und Wirtschaft
René Röspel ist Mitglieder SPD-Bundestagsfraktion. Er ist Vorsitzender der Enquete-Kommission ?Ethik und Recht der modernen Medizin? sowie Mitglied im Umweltausschuss des Bundestages.
René Röspel wurde am 9. Juli 1964 in Hagen/Westfalen geboren. Nach dem Abitur und einer Ausbildung zum Versicherungskaufmann studierte er Biologie an der Ruhr-Universität Bochum und schrieb seine Diplomarbeit am Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie, Dortmund. Von 1994 bis 1998 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Tumorforschung am Universitätsklinikum Essen. René Röspel ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Geschrieben von Kai Doering, Verena Lilge, Jessyca Keil
von Archiv | 17.05.2005
Visa-Hürden erschweren Reise nach Greifswald
Ein Visum für einen oder mehrere Bekannte aus dem nichteuropäischen Ausland zu organisieren, kann schon schwierig sein.
Visa für circa zwei Drittel der 450 Teilnehmer des Students Festivals in Greifswald zu erwirken, ist harte Arbeit. Das musste auch Julia feststellen, Mitglied der zuständigen Organisationsgruppe beim Festival-Team.
Was macht man also in Zeiten von Visa-Affäre und verängstigter Einwanderungspolitik? Erst einmal die doppelte Teilnehmerzahl einladen, rein prophylaktisch. Der geringste Teil der Teilnehmer wird aus Europa und Südamerika kommen, wo keine Visumspflicht besteht. Für Gäste aus der so genannten dritten Welt ist die Erlangung eines Visums jedoch kein Zuckerschlecken – obwohl jeder von ihnen eine schriftliche Einladung des Festival-Teams mit Unterschrift der Prorektoren erhielt. Außerdem hatte das Team meist noch den direkten Kontakt zu den Botschaften der jeweiligen Länder organisiert, um mögliche Unstimmigkeiten aus dem Weg zu räumen. Das Auswärtige Amt soll sich hier auch als hilfsbereit erwiesen haben.
Real sieht es nämlich so aus: Briefe kommen überhaupt nicht erst an, da das Postsystem nicht funktioniert. Schreibfehler im Namen erweisen sich als große Hindernisse, so wie bei einer Tatiana aus Russland, die mit ?Tatjana? angeschrieben wurde. Die Botschaft in Nigeria hält gar fälschungssicheres Papier mit Wasserzeichen für die Einladung für notwendig, Einladungen nach Europa könne man dort an jeder Straßenecke kaufen. In afrikanischen Ländern ist es zudem meist so, dass Männer zwischen 20 und 30 Jahren mit wenigen oder ohne familiäre Bindungen wenige Chancen auf eine Visumserteilung haben. In Ghana wurden bei 200 vorliegenden Einladungen bis zum Redaktionsschluss erst zehn Visa erteilt.
Die Lösung muss dann am Telefon gesucht werden, im Kontakt mit den Botschaften. Julia ist jedoch trotz der Widrigkeiten einigermaßen optimistisch. Durch die verdoppelte Einladungszahl arrangiert man sich mit den Widrigkeiten. Außerdem werde die Reisefreiheit bei Studentenfestivals zum Glück noch recht groß geschrieben. Die Fischer-Affäre habe so viel nicht daran geändert. Julia hofft wie die anderen Gruppenmitglieder, dass es reicht, zu ?tun, was wir können?.
Geschrieben von Stephan Kosa