von Archiv | 17.05.2005
Antonia Michaelis – diesen Namen sollte man sich merken. Denn mit ihren 26 Jahren wird sie bereits als „Stern am Kinderbuchhimmel“ (Kommentar vom „Buchreport“) gefeiert. Und: Sie ist Medizinstudentin in Greifswald. Soweit das Wichtigste.
Wie kommt man als Medizinstudentin zum Bücherschreiben? Seit ihrem sechsten Lebensjahr schreibt Antonia Michaelis und mit 16 ging sie mit ihren Manuskripten auf die Frankfurter Buchmesse und suchte erfolglos nach einem Verleger.
Erst als vor 3 Jahren der Loewe-Verlag auf sie aufmerksam wurde, kam der erhoffte Wendepunkt. Es zeigte sich, dass sie Talent besaß und 2003 erschien ihr erstes Buch „Die wunderliche Reise von Oliver und Twist“. Seitdem hat sie bereits 14 weitere Bücher veröffentlicht. Unter anderem auch „Hier bei uns in Ammerlo“ (siehe Buchkritik), eine Kindergeschichte mit 4 Freunden und einer Menge Abenteuer. Das Ganze spielt in Eldena und Wieck. Dabei lehnt sich die Autorin stark an „Die Kinder von Bullerbü“ an. „Astrid Lindgrens Foto steht auf meinem Schreibtisch“, erzählt sie von ihrem Vorbild, „leider ist sie gestorben, bevor ich ihr einen Brief schreiben konnte“.
Antonia Michaelis’ Geschichten sind jedoch nicht nur spannend, sondern auch sehr fantasievoll und träumerisch. Denn sie zeigt uns, was wir manchmal vergessen: Dass Kinder in einer Art Halbwelt leben, „in der sie Dinge anders erleben als die Erwachsenen und in der sie für Dinge Erklärungen finden, die vielleicht nicht immer ganz real sind“. Das ist der Stoff, aus dem ihre Bücher sind.
Doch nicht nur ihr Talent ist bemerkenswert, sondern auch ihr bisheriger Lebenslauf. In Augsburg aufgewachsen, ging sie nach dem Abitur für ein Jahr nach Indien, um dort Kinder in Englisch, Kunst und Schauspiel zu unterrichten. Ausserdem unternahm sie noch zahlreiche Reisen nach Italien, in die Türkei, nach Griechenland, Syrien und England. Diese Erfahrungen verarbeitete sie auch in ihren Büchern. Als sie danach eine Art Ankerplatz suchte, kam sie wieder nach Deutschland zurück und entschied sich für ein Medizinstudium in Greifswald. Seitdem studiert und schreibt sie hier. Wobei ihre Leidenschaft mehr dem Schreiben als der Medizin gilt.
Und als wäre das nicht genug, renoviert sie zur Zeit auch noch ein altes Häuschen an der Ostsee, in dem sie später leben möchte. Nebenbei stehen an den Wochenenden Lesungen in Schulen und anderen Einrichtungen auf dem Terminplan.
Ein Projekt der besonderen Art hat sie gerade abgeschlossen. Zusammen mit Schülern der Montessori-Schule hat sie ein Buch geschrieben, das demnächst erscheinen wird. Die Ideen lieferten dabei ausschließlich die Kinder.
Fast alle Bücher sind ein voller Erfolg, was sicher auch an ihren Lesungen liegt. Wenn sie vorliest, bewegt sie sich von einem Ort zum anderen, kriecht unter Tische, fuchtelt mit den Händen, hebt und senkt dabei die Stimme und erweckt so die Geschichte zum Leben. Die Kinder sitzen staunend da und lauschen jedem Wort. So erreicht sie die Kinder und begeistert die Erwachsenen. Was wünscht man sich mehr?
Geschrieben von Katharina Sass
von Archiv | 17.05.2005
Grass-Lithographien im Koeppenhaus
Hätte es Hans Christian Andersen nicht gegeben, wäre die Welt um zahlreiche Märchen und das Koeppenhaus um eine Ausstellung ärmer. In der Galerie des Koeppenhauses lädt die Ausstellung „Günter Grass illustriert Hans Christian Andersen“ seit dem 1. April 2005 zum Besuch ein.
Der deutsche Literatur-Nobelpreisträger weiß hierbei bekannte sowie weniger bekannte Märchen des dänischen Dichters in Szene zu setzen.
Vor rund anderthalb Jahren ist Grass von der Stadt Odense, der Geburtsstätte Andersens, anlässlich des 200. Geburtstages des Dichters um eine Mappe mit sieben Lithographien gebeten worden. Grass hat diesen Auftrag erfüllt und darüber hinaus weitere 50 bis 60 Lithographien erstellt, weil er zunehmend Freude an der Auseinandersetzung mit den Märchen empfand.
Insgesamt 40 dieser Illustrationen werden nun in Greifswald ausgestellt. Großformatig und auf feinstem Büttenpapier erwachen die Helden der Märchen zu neuem Leben. Während der Kaiser also seine „neuen Kleider“ zur Schau stellt und der Zinnsoldat aus dem Bauch des Fisches gerettet wird, präsentieren sich dem Betrachter unter anderem auch das Däumelinchen, die Schneekönigin und das hässliche Entlein. Grass beweist damit die Bandbreite seines zeichnerischen Könnens und vermag die Märchen Andersens faszinierend darzustellen.
Geschrieben von Grit Preibisch
von Archiv | 17.05.2005
Frei und ungebunden will die Journalistin Sally Goodchild sein. Deshalb liebt die Amerikanerin ihren Job als Auslandskorrespondentin.
Bei einem Einsatz in Somalia verändert sich ihr Leben und ihre Vorstellungen über die Zukunft in wenigen Tagen. Der englische Journalist Tony Hobbs rettet ihr das Leben und die beiden verlieben sich.
Nach wenigen Tagen wird aus der stürmischen Affäre mehr. Sally ist schwanger und beschließt, Tony nach London zu folgen. Doch ihr Schicksal ändert sich nach der Geburt des kleinen Jack dramatisch. Als Sally erkennt, in welcher Lage sie sich befindet, ist es schon fast zu spät für sie und ihr Kind. Doch die junge Mutter beginnt um ihren Sohn zu kämpfen, auch wenn die Lage ausweglos scheint.
Douglas Kennedy zeigt, dass Liebe zugleich etwas Schönes und Wundervolles, aber auch gefährlich und grausam sein kann und dass es sich lohnt, für jemanden zu kämpfen, den man liebt.
Das Buch Douglas Kennedy ist im Lübbe Verlag erhältlich.
Geschrieben von Verena Lilge
von Archiv | 17.05.2005
Das rote Lämpchen des Anrufbeantworters blinkt bedrohlich in der Dunkelheit, als Louise Nightingale nach Hause kommt. Anstelle einer Stimme ist minutenlang nichts zu hören bis der Anrufer auflegt.
Das rote Lämpchen des Anrufbeantworters blinkt bedrohlich in der Dunkelheit, als Louise Nightingale nach Hause kommt. Anstelle einer Stimme ist minutenlang nichts zu hören bis der Anrufer auflegt.
Das Buch von Elizabeth Corley ist im Scherz Verlag erhältlich.
Geschrieben von Verena lilge
von Archiv | 17.05.2005
Ist der Sozialstaat am Ende? Können wir uns Wohlstand nur noch leisten, wenn wir soziale Abstriche hinnehmen? Und wer profitiert von der Beschneidung des Sozialstaats eigentlich wirklich?
Diesen Fragen geht Heribert Prantl, Redakteur der Süddeutschen Zeitung, in seinem Buch „Kein schöner Land – die Zerstörung der sozialen Gerechtigkeit“ nach. Ohne Beschönigungen sagt er in drastischer Klarheit, was Sache ist. Er beschreibt, wie die sozialen Errungenschaften der Nachkriegszeit Schritt für Schritt abgebaut wurden, während die Bevorzugung der Reichen im Land gleichzeitig zunahm. Doch Prantl prangert nicht nur an. Er zeigt auch Wege auf, die seiner Meinung nach aus der Misere führen. Er übersetzt die Sprüche der Politiker in klares Deutsch und sagt, was getan werden müsste.
Dabei analysiert Prantl mit dem Sachverstand des Juristen und schreibt mit den Spitzen des Journalisten die Bestandsaufnahme eines Staates zwischen Hartz IV und Exportweltmeisterschaft. Ein Buch, das nicht erst nach der Kapitalismuskritik eines Franz Müntefering brandaktuell ist.
Das Buch von Heribert Prantl ist im Droemer Verlag erhältlich.
Geschrieben von Kai Doering