Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) strebt auf seiner Mitgliederversammlung an diesem Donnerstag eine grundsätzliche Debatte über das Thema Studiengebühren an. Auslöser ist ein Antrag von RCDS-Mitgliedern, die fordern, dass sich der RCDS für Studiengebühren ausspricht. Antragsteller sind nach webMoritz-Informationen Lucia Höfer, Martin Borchert, Henning Krüger, Thorben Vierkant, und Johannes Radtke. Radtke ist auch Vorsitzender des RCDS.

Johannes Radtke hat einen Antrag gestellt, der aber nicht unbedingt seine Meinung ist.

Wie dem webMoritz bekannt wurde, sind nicht alle Mitglieder des RCDS angetan von dieser Idee. Die RCDS-Mitglieder Franz Küntzel (bisher stellv. Vorsitzender, jetzt Referent für Hochschulpolitik im AStA) und Konrad Ulbrich (StuPa-Mitglied) haben einen Gegenantrag formuliert und eingebracht, der das genaue Gegenteil fordert. Er besteht schlicht aus dem Satz “Der RCDS Greifswald lehnt jedwede Art von Studiengebühren für Mecklenburg-Vorpommern ausdrücklich ab.”

Der Antrag der Befürworter von Studiengebühren ist deutlich differenzierter. Es werden sieben Bedingungen für die Einführung genannt, darunter transparente Informationen über die Verwendung der Gebühren, eigene Festlegung der Beitragshöhe durch die Hochschulen und sozialverträgliche Lösungen für Bafög-Empfänger. Dem RCDS droht auf der Mitgliederversammlung nun ein Flügelkampf. Welcher Antrag dabei eine Mehrheit finden wird, ist ungewiss.

Radtke: Wollte lediglich Debatte anstoßen

Johannes Radtkte teilte dem webMoritz auf Anfrage mit, er freue sich, dass durch Antrag und Gegenantrag eine Debatte in Gang gekommen sei. Obwohl er den Antrag für Studiengebühren mit entworfen und gestellt habe, bedeute das keineswegs, dass er für Studiengebühren sei. Man habe lediglich eine Debatte innerhalb des RCDS darüber in Gang bringen wollen. Bisher gebe es nämlich keinen Beschluss des Greifswalder RCDS zu diesem Thema. Der Antrag für Studiengebühren sei von einigen Mitgliedern des RCDS in der Projektwoche erarbeitet worden.

Konrad Ulbrich und Franz Küntzel haben einen Gegenantrag gestellt.

Indes werden auch Stimmen im RCDS laut, die sich um die Ausrichtung der Gruppe sorgen. Zudem mokieren sich einige Mitglieder, die nicht genannt werden wollen, über den Kommunikationsstil innerhalb des RCDS. Auf den letzten Sitzungen sei es mitunter zu unerfreulichen Wortgefechten zwischen den Mitgliedern gekommen, man habe sich sogar gegenseitig diffarmiert und beleidigt.

Inwieweit der webMoritz zeitnah über die Debatte auf der Mitgliederversammlung berichten kann, ist ungewiss: Uns liegen derzeit widersprüchliche Angaben darüber vor, ob die Sitzung öffentlich ist oder nicht.

Bilder: RCDS (Archiv)

Kommentare

  1. Papa_ya    

    Wollte Herr Ulbrich nicht sowieso zu den Jusos wechseln, weil ihm die Ausrichtung des RCDS nicht mehr gefällt?

  2. hendrik_h    

    Persönliche Klarstellung, damit kein falscher Gedanke aufkommt:

    ich für meine Person war immer gegen Studiengebühren und jeder der mich gut kennt weiß das. Ich werde diesen Pro-Antrag also niemals unterstützen.

    Den Antrag von Franz und Konrad finde ich gut und richtig. Er findet meine volle Unterstützung.

    P.S. Ich stehe ja auch nicht auf dem Pro-Antrag…

  3. Papa_ya    

    Vielleicht könnte der Webmoritz dann einfach mal besser recherchieren bevor er den Artikel so schreibt? Oder war die Verlockung des Skandals mal wieder zu groß?

    1. Carsten Schönebeck    

      Oder man fragt sich jetzt einfach warum, nach dem Bekanntwerden des Antrags, drei von fünf Antragstellern erklären, sie seien ja gar nicht für die darin formulierten Ziele.

  4. AlexanderM    

    Klarstellung:

    Ich bin zwar eigentlich für den Weltfrieden, habe aber nicht an ihm mitgewirkt und werde mich daher gegen ihn einsetzen. Wer mich kennt, weiß das auch.

    Kopf->Tisch

  5. Carsten Schönebeck    

    Antrag ist jetzt auch im Artikel verlinkt.

  6. Carsten Schönebeck    

    Antrag ist jetzt auch im Artikel verlinkt

  7. MartinHackbarth    

    Wieso haben die Pro-Studiengebühren Antragssteller ihre Aussage, man sei eigentlich gegen Studiengebühren, wieder gelöscht?
    Dürfen die Antragssteller, welche sich hier geoutet und sich schnell wieder gelöscht haben, ihre Meinung nicht niederschreiben oder sind sie aufeinmal doch noch für Studiengebühren?

    1. Manfred Peters    

      Diese Ideen entwickelt der RCDS wohl in dunklen, muffigen Kellern auch unter Anleitung von Ulrich Adam. JU/RCDS nennen diese Treffen wohl selbst euphemistisch „Stammtisch“. http://www.ju-greifswald.de/images/events/2010011

      Möglich, dass solche Veranstaltungen zur Orientierungslosigkeit der Handelnden führen. 😉

  8. Herruin    

    Im RCDS weiß man offensichtlich nicht ob man für oder gegen eine Sache ist.
    Sehr eigenartig!

  9. Herruin    

    Meinungspluralismus unter Ausschluss der Öffentlichkeit?
    Warum hat man denn so große Angst davor sich individuell zum Thema zu äußern und muss erst im geheimen verhandeln?
    Für mich ist das widersprüchlich.

  10. ret_marut    

    Mal ehrlich, der RCDS Greifswald will sich mit dieser Geschichte lediglich wieder ins Gespräch bringen. Kann ich gut nachvollziehen, er glänzt sonst ja nicht gerade vor Aktivitäten – was ich im übrigen noch das Sympathischste am RCDS Greifswald finde. 😉

    Der RCDS als Verband war immer für Studiengebühren. Als in Hessen 2008 die von der Pech-und-Schwefel-Koalition eingeführten Studiengebühren abgeschafft werden sollten, sprang der RCDS umgehend pro Studiengebühren in die Bütt. Ich zitiere mal aus einer RCDS-Pressemitteilung vom 09.04.2008 ( http://www.rcds-intern.de/default.asp?Gebiet=%3C!… )
    <Scharf kritisiert der RCDS die geplante Rücknahme der Langzeitstudiengebühren. Diese wird sehr schnell zu einer verstärkten Überfüllung der Hochschule führen. "Obwohl die Studierenden in Hessen in der Vergangenheit des Öfteren über überfüllte Hörsäle geklagt haben, ignoriert die hessische SPD die Bedürfnisse der Studentinnen und Studenten und trägt zu einer Verschärfung der Situation bei", kritisieren Kahle [Landesvorsitzender des RCDS Hessen] und Ludewig [Bundesvorsitzender des RCDS].>

    Der RCDS ist ein bürgerlich-konservativer Hochschulverband mit einem elitären Grundverständnis. In diesem Sinne sind Studiengebühren ein probates Mittel, um lästige Habenichtse aus den Unis zu vertreiben. Frei nach dem Motto: Wer hat, bleibt; wer nicht hat, kommt gar nicht erst rein.

    Konrad und Franz sind übrigens, wie ihrer Gegenantragsbegründung zu entnehmen ist, nicht grundsätzlich gegen Studiengebühren – halt nur gegen Studiengebühren in Greifswald bzw. MV. Das sind rein lokale wirtschaftliche Gründe, die sie vorbringen. Eine grundsätzliche Kritik an unsozialen Studiengebühren vermisst mensch dabei.
    Ich zitiere mal aus ihrer Begründung auszugsweise:
    <Es ist bekannt, dass der RCDS Bundesverband und zahlreiche Landesverbände sich in der
    Vergangenheit für Studiengebühren ausgesprochen haben. Eine Einführung solcher Gebühren kann
    unter Umständen in anderen, wirtschaftsstarken Regionen sinnvoll sein – bezogen auf die Situation
    in Mecklenburg gibt es jedoch große Besonderheiten. Es wird allseitiger Konsens sein, dass
    Mecklenburg-Vorpommern und insbesondere Greifswald und die Region Vorpommern
    überdurchschnittlich auf seine Studenten angewiesen ist.>

    Fazit: Alles hohles Gerede, mit dem der RCDS sich aber ins Gespräch bringen will – zumindest in den Webmoritz hat er es ja damit geschafft.
    Der RCDS ist und bleibt als Verband treuer Verfechter von Elite und Studiengebühren.

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