von Klara-Marie Zwerschke | 28.06.2024
Es ist die wohl berühmteste Liebestragödie aller Zeiten. Eine Geschichte von einer verbotenen Liebe auf den ersten Blick, von zwei verfeindeten Familien im italienischen Verona – die Rede ist selbstverständlich von Romeo und Julia. Seit dem 07.06.2024 wird William Shakespeares Meisterwerk in Form eines Sommer Open Air am Theater Vorpommern aufgeführt. Auch der webmoritz. durfte wieder einmal an einer Inszenierung teilnehmen und kann nun davon berichten.
„Kein Leidensweg war schlimmer irgendwo als Julias und ihres Romeo.“
Zwischen den Familien Montague und Capulet herrscht ein scheinbar nicht beilegbarer Bürgerkrieg. In den Straßen von Verona kommt es immer wieder zu heftigen Kämpfen und Blutvergießen zwischen den Beteiligten und auch die politischen Instanzen vermögen nichts auszurichten, selbst unter Androhung der Todesstrafe. Doch inmitten der Auseinandersetzungen und des Hasses passiert das Undenkbare, das schlichtweg Verbotene. Auf einem Fest der Capulets treffen zwei Sprösslinge der verfeindeten Familien, Romeo Montague und Julia Capulet aufeinander und verlieben sich. Heimlich wird eine Vermählung durch den Pater Lorenzo geschlossen, das Glück der Liebenden scheint vollkommen. Doch es soll nicht, darf nicht sein. Auf offener Straße entbrennt ein Streit zwischen Romeos Freund Mercutio und Julias Vetter Tybalt. Als Romeo dazwischengeht, wird Mercutio tödlich verwundet. Im Zorn tötet Romeo den Angreifer Tybalt und zahlt dafür die Konsequenzen. Er wird aus Verona verbannt. Während seiner Abwesenheit beschließt Julias Vater, seine Tochter mit dem Grafen Paris zu verheiraten. Ein durch Pater Lorenzo initiierter Plan, Julia zu retten, schlägt fehl. Unwissenheit und eine tragische Verkettung von Ereignissen treiben Romeo und Julia schlussendlich in den Selbstmord, ihn durch Gift und sie durch den Dolch ihres Geliebten. Eine sinnlose Familienfehde sorgt dafür, dass die Liebenden erst im Tod miteinander vereint sein können. Shakespeares Tragödie, geschrieben 1597, fasziniert auch heute noch Menschen auf der ganzen Welt und sorgt immer wieder für Adaptionen im Theater, Film und Literatur.
Was dürfen die Zuschauer*innen erwarten?
Inszeniert wird das Stück in seiner deutschen Fassung nach Frank Günther durch Regisseur Jens Kerbel (*1975). Anlässlich des Caspar-David-Friedrich-Jahres 2024 darf man sich als Zuschauer*in in dieser Sommersaison insbesondere auf die außergewöhnliche Kulisse der Klosterruine Eldena freuen, in welcher das Stück Open-Air aufgeführt wird. Das romantisch anmutende Gemäuer, kombiniert mit der authentisch-zeitgenössischen Kostümierung auf den zuvor veröffentlichten Pressefotografien sind es, durch die man bereits vor der Aufführung gedanklich in das elisabethanische Zeitalter (1558-1603) einzutauchen vermag. Auch ohne die Geschichte zu kennen, kann man sich anhand der Bilder bereits auf wilde Degen-Kämpfe, Geschrei, auf heftige Emotionen und Leidenschaft einstellen. Mit Shakespeares Werk bereits vertraute Zuschauer*innen hingegen dürfen sich während der Vorstellung auf die Suche nach den zahlreichen Gegensatzmotiven der Tragödie begeben, die hier theatral aufgearbeitet wurden. Seien es „Hass und Liebe, Melancholie und Glück, Alter und Jugend, Verliebtheit und Sexismus, Herrschaft und Diener, weltliche und religiöse Gewalt, Tragik und Komik“. Spannung und Faszination sind garantiert!
Besucher*innen der zuletzt vom webmoritz. rezensierten Theaterproduktion „der herzerlfresser“ werden bei den Darsteller*innen auf altbekannte Gesichter treffen, wie Philipp Staschull als Romeo, Amelie Kriss-Heinrich als Amme/Fürstin und Olivier Günter als Mercutio. Umso freudig gespannter war der webmoritz. vor der Aufführung am 21.06. auf die vielen anderen Schauspieler*innen und ihre Rollen!
Eindrücke aus einer gelungenen Vorstellung
Wenn ich an den Freitagabend zurückdenke, fällt mir zunächst einmal nichts anderes ein als „Was war das bitte wieder einmal für eine geniale Produktion des Theaters Vorpommern?“ Bereits zu Beginn des Stücks wurde den Zuschauer*innen mitgeteilt, dass es sich zwar um eine im Wortlaut getreue Wiedergabe von Shakespeares Werk handelt, jedoch mit verschiedenen modernen Stilmitteln versehen wurde. Wer also befürchtet, hier ausschließlich mit bitterem Ernst und Tragik konfrontiert zu werden, kann beruhigt werden. Seien es Party-Szenen, das Einbeziehen des Publikums auf der Suche nach einer passenden Frau für Romeo, der BMW des Grafen Capulet (Hannes Rittig) oder der markante Ausruf „JuLiAaAaA“ der Lady Capulet (Gabriele Völsch) sorgten für Lacher seitens des Publikums. Auch für Musik-Liebhaber*innen ist etwas dabei. So sorgten die wunderschönen Soli von Julia-Darstellerin Nora Hickler, Amelie Kriss-Heinrich und Philipp Staschull für Gänsehaut-Momente und angehaltenen Atem. Außerdem fanden Künstler*innen wie ABBA („Lay All Your Love On Me“) und Kylie Minogue („Can’t Get You Out of My Head“) Eingang in das Stück, was immer wieder für Schmunzeln und eine erfrischende Abwechslung sorgte. Was die schauspielerische Leistung betrifft, so weiß ich gar nicht, wen ich am meisten hervorheben soll. Jede Rolle war großartig und treffend besetzt und die Kostümierung durch Toto begeisterte in Sachen Authentizität und moderner Touch. Hinsichtlich der Kulisse machte mich meine Begleitung als Kunsthistoriker darauf aufmerksam, dass die Klosterruine Eldena als „sterbende Architektur“ mit in das Stück integriert wurde, beispielsweise in Form der berühmten Balkon-Szene. In Kombination mit verschiedenen Nebel- und Lichtelementen kam diese natürlich ganz besonders in der Dunkelheit zur Geltung.
Weniger dem Stück selbst als glücklichen Zufällen gedankt, sorgte zunächst ein Turmfalke für passende tierische Untermalung der Lerchen-Szene und zusätzlich das Wetter dafür, dass ausgerechnet in dramatischen Momenten zunächst ein leichter Regen einsetzte, die Spannung durch ein nahes Gewitter gesteigert wurde und schließlich wenige Minuten nach dem tragischen Tod der beiden Liebenden und dem Ende der Vorstellung ein heftiger Wolkenbruch einsetzte.
Insgesamt war es ein fantastischer Abend, sodass ich das Ensemble für ihre gelungene Produktion nur loben und mich bedanken kann.
Weitere Termine
Ihr möchtet selbst einmal in die Welt zweier verfeindeter Familien und in die tragische Liebesgeschichte ihrer beiden Kinder eintauchen? Dann ist Beeilung geboten, denn die nächsten beiden Aufführungstermine sind bereits ausverkauft! Weitere Informationen gibt es hier.
- 02.07. / 19:30 Uhr; ausverkauft
- 10.07. / 18:00 Uhr; ausverkauft
- 11.07. / 19:30 Uhr
- 13.07. / 19:30 Uhr
- 14.07. / 18:00 Uhr
- 16.07. / 18:00 Uhr
- 17.07. / 19:30 Uhr
- 18.07. / 19:30 Uhr; Letzte Vorstellung
Beitragsbild: Peter van Heesen
Zur Person der*des Autor*in
Geboren und aufgewachsen im Kreis Ludwigslust-Parchim, ist Klara ihrer Heimat MV treu geblieben und studiert seit 2018 an der Uni Greifswald. Bei webmoritz. ist sie seit Ende 2020 vorrangig als Lektorin tätig. Zurzeit steht sie kurz vor dem Abschluss ihres Masters im Studiengang „Sprache und Kommunikation“.
von Lucas Hohmeister | 05.06.2024
Am 07. und 08. Juni findet wieder einmal die 24-Stunden-Vorlesung an der Universität Greifswald statt. In den Hörsälen der Rubenowstraße 1 erwarten euch auch dieses Jahr wieder jede Menge verschiedene Vorträge, Workshops und sonstige Veranstaltungen, um sich inspirieren zu lassen. Wir haben den Programmplan mal etwas genauer unter die Lupe genommen.
Von Shakespeare und Vampirismus
Wie bereits erwähnt, erwarten euch eine Reihe interessanter Vorträge. Direkt im Anschluss an die Einleitung durch Oberbürgermeister Stefan Fassbinder, folgt ein englischer Beitrag zum Thema Shakespeare und Ökologie von Jennifer Henke in Hörsaal 5. Den letzten Vortrag vor Mitternacht hält Markus Heitz in Hörsaal 5. Der gelehrte Historiker und Germanist verfasste bereits mehr als siebzig Bücher, überwiegend zu den Genres Fantastik, Horror und Space Fiction. Passend dazu wird er einen Vortrag zum Thema Vampirismus und der genauen historischen Betrachtung des Volksglaubens halten.
Für Abwechslung ist gesorgt
Neben den ganzen Vorträgen wird aber für genügend Abwechslung gesorgt. Von 19:15 – 22:00 Uhr wird der FSR Physik am Sprachlabor 3 einen Grillabend veranstalten. Weitere Versorgung liefert der AStA am kommenden Tag von 06:00 bis 08:00 Uhr mit einem selbstorganisierten Frühstück. Es gibt neben Essen noch weitere Möglichkeiten, sich zu beschäftigen. Wolltet ihr immer schonmal wissen, wie man richtig moderiert? Von 21:45 Uhr bis um 23:00 Uhr wird Florian Schwegler einen Workshop genau zu diesem Thema veranstalten. Für die etwas Gemütlicheren unter euch gibt es von 04:00 Uhr bis 06:00 Uhr einen Zeitblock, wo ihr stricken und häkeln könnt. Zeitgleich dazu gibt die Kiste euch aber auch die Chance, mit etwas Karaoke abzufeiern. Am kommenden Morgen gibt es von 08:15 – 09:30 Uhr dann noch etwas Yoga im Innenhof, um gut in den Tag starten zu können.
Das war nun natürlich nur ein kleiner Einblick in das, was euch bei der 24-Stunden-Vorlesung erwartet. Werft gerne nochmal einen Blick auf das komplette Programm. Wichtig zu erwähnen ist noch, dass die Vorträge allesamt auch auf Moodle im Livestream verfolgt werden können, sodass ihr diese auch von Zuhause genießen könnt.
Was? 24-Stunden-Vorlesung der Universität Greifswald
Wann? 07. Juni, 15 Uhr – 08. Juni, 14:30 Uhr
Wo? Rubenowstraße 1, Altes Audimax
Beitragsbild: AStA der Universität Greifswald
von Katrin Haubold | 22.01.2015
Ist Shakespeare wirklich gestorben? So sahen es die Studenten der Anglistik/Amerikanistik vor nicht allzu langer Zeit, als ihre Dozentin Conny Loder die Universität 2013 verlassen musste. Sie war bekannt für ihre Shakespeare-Aufführungen, die sie mit den Studierenden einübte. Die beiden Studentinnen Lilli Aerts und Romy Reinecke haben sich dem Stück angenommen. Während Lilli die Produzentin war, übernahm Romy die Regie. webmoritz. sprach mit ihnen über Conny Loder, die Proben sowie Sperrmüllhaufen.
(mehr …)
von Christin Brennenstuhl | 18.07.2008
Das Theater hat uns mal wieder eine Pressemitteilung zugeschickt, um ein wenig Werbung für ihr aufwendiges Theaterspekakel „Was ihr wollt“ im Museumshafen zu machen. Das machen wir doch gerne:
Kurzum: Wer die Antwort auf die Frage „Aus welchem Land stammt William Shakespeare?“ kennt, bekommt vom 21. bis 26. Juli 20 % Rabatt auf den Normalpreis. (mehr …)
von Kerstin Zuber | 29.06.2008

Am Freitag, den 27.06.2008, fand die große Premiere der Shakespeare-Komödie „Was ihr wollt“ auf der Freilichtbühne am Museumshafen Greifswald statt. Das um 1600 entstandene Stück wurde dabei nicht nur durch Schauspiel, sondern auch Choreographie und Musik modern in Szene gesetzt.
Die Geschichte…
Viola und ihr Zwillingsbruder Sebastian erleiden Schiffbruch, werden im Meer getrennt und an der Küste Illyriens angeschwemmt. Beide halten den jeweils anderen für im Meer ertrunken und versuchen nun, sich auf der für sie fremden Insel Illyrien zurechtzufinden. Viola verkleidet sich als Mann und heuert am Hofe Orsinos, des Herzogs von Illyrien, an. Alsbald verliebt sich Viola unsterblich in den Herzog, der jedoch in die schöne und reiche Olivia verliebt ist. Olivia aber will von seinem Werben nichts wissen, so dass Orsino seinen Pagen Viola, die sich jetzt Cesario nennt, zu Olivia schickt, um an seiner statt um sie zu werben. Auch Olivia hält Viola/Cesario für einen Mann und verliebt sich auf Anhieb in ihn. Als dann auch noch Violas/Cesarios Zwillingsbruder Sebastian auftaucht, werden beide für die gleiche Person gehalten und es kommt zu allerlei aberwitzigen Szenen und vielen Verwirrungen…
Moderne Inszenierung mit klassischen Elementen
Schauspieler und Regisseur Matthias Nagatis drückt der Komödie „Was ihr wollt“ mit seiner modernen Inszenierung einen Stempel der
Leichtigkeit auf, ohne die melancholischen Momente der Liebe zu vergessen. Immer wieder wird zwischen den überwiegend heiteren und farbenfrohen Szenen – gekonnt umgesetzt durch phantasievolle Kostüme, beschwingte Musik und lebenslustige Tänze – auch die andere, die traurige Seite der Liebe dargestellt. Um die Tiefe der Gefühle, die Shakespeare mit seinen Texten zum Ausdruck brachte, dem Publikum noch näher zu bringen, wurden originale Textpassagen von Andreas Murnau vertont. Die Umsetzung der Melodie mit einer Laute, die Marco Bahr (Narr am Hofe Olivias) eigens für diese Inszenierung zu spielen lernte, schafft dabei das Gefühl einer barocken Zeit, die sich im Wechselspiel mit den vielen modernen Elementen des Stückes befindet. Anspielungen auf die aktuelle Fußball-EM und die Einbeziehung der lokalen Gebäude und Straßen (z.B. Marienkirche, Roßmühlenstraße) gehören dabei ebenso zu der neuen Interpretation wie die teilweise doch recht neu-deutsche Umgangssprache der Figuren, die zur Erheiterung des Publikum beiträgt.
Matthias Nagatis überzeugt jedoch nicht nur mit seiner hingebungsvollen Inszenierung. Auch als Antonio, Sebastians Freund, gelingt ihm eine überzeugende Darstellung, die den anderen Schauspielern in nichts nachsteht. Besonders hervorzuheben ist darüber hinaus Marta Dittrich, die als Olivias Kammermädchen mit ihrer Quirlichkeit und Liebeslust eine außerordentliche positive Präsenz zeigt. Als Sinnbild der beschwingten Leichtigkeit dieser Komödie stechen zudem insbesondere Markus Voigt und Hannes Rittig hervor, die als die stets betrunkenen Sir Toby Rülps und Sir Andrew Leichenwang nicht nur für Schabernack und jede Menge Spaß stehen, sondern auch perfekte Übergänge zwischen Schauspiel, Ballett und Musik schaffen.
Lest hier, was das Publikum über das Stück denkt… (mehr …)