moritz.playlist – Twenty One Pilots

moritz.playlist – Twenty One Pilots

Musik  Töne mit Zusammenhang, oder gerne auch ohne. Im Prinzip systematischer Krach. Jede*r hat schonmal Musik gehört, aber was ist die Geschichte hinter den einzelnen Stücken, auch Lieder genannt, und womit verbinden wir sie? Was lösen sie in uns aus und wer hat sie erschaffen? webmoritz. lässt die Pantoffeln steppen, gibt vor, was angesagt ist und buddelt die versteckten Schätze aus. Unsere Auswahl landet in eurer moritz.playlist.

„Stressed Out“, „Heathens“, „Ride“. Drei Songs mit jeweils mehr als einer Milliarde Aufrufen sowohl auf Spotify als auch auf YouTube. Vor allem „Stressed Out“ wurde  von Radiosendern und Bluetoothboxen so hochfrequentiv gespielt, dass am Ende ironischerweise  eher der Song an sich „outstressing“ war. Allerdings sind Twenty One Pilots künstlerisch sehr viel komplexer als diese drei „Hits“ es vermuten lassen. Schon der Namensursprung deutet auf eine gewisse melancholische Tiefe hin. „Twentyone Pilots“ leitet sich ab aus einem Drama von Arthur Miller, in welchem Aufgrund der Entscheidungen, die der Hauptprotagonist im Laufe des Stückes trifft, 21 Piloten während des zweiten Weltkriegs ihr Leben verlieren. Der Name der Band soll als stetige Erinnerung dienen, seinen moralischen Kompass zu beizubehalten, egal wie schwer die Entscheidungen sind, die vor einem liegen.

Twenty One Pilots wurden 2009 gegründet und bestehen heute aus dem Musiker-Duo Tyler Joseph und Joshua Dunn. Joshua Dunn geht auf dem Schlagzeug so ab, dass bei ihm klare Punkeinflüsse von Bands wie The Offspring oder Blink 182 durchscheinen. Währenddessen wandert Tyler Joseph als Songwriter so unbekümmert durch alle möglichen Genres wie ein Backpacker durch Asien und versucht dabei, im Gegensatz zum Backpacker, wirklich sich selber zu finden. Seine Songs handeln meistens von Depression und dem wütenden Chaos in seinem Kopf, dem er mithilfe des Songschreibens Struktur zu geben vermag.

Auf die moritz.playlist kommen zwei Songs von Twenty One Pilots, die ihre Vielseitigkeit großartig verdeutlichen. „Car Radio“ ist ein Song ohne Refrain, besteht nur aus drei Akkorden und hat nichtmal ein catchiges Intro. Trotzdem ist dieser Song einer der bedeutendsten und interessantesten, die die Band  jemals auf einer Platte verewigt haben. „Warum“, fragt ihr? Findet es selbst heraus und hört ihn euch gerne in unserer Playlist an. Danach kommt „House of Gold“ auf die Playlist. Ein Song, der darstellt wie Twenty One Pilots es schaffen, zwischen leichten Melodien und schweren Texten zu balancieren und dabei noch großartig zu klingen. Zuletzt kommt der Song „Not Your Fault“ von „Awolnation“ auf die Liste, der in seinem Stil an die frühen Songs von Twenty One Pilots erinnert und der einen Refrain mit absolutem Ohrwurmpotential besitzt.

Twenty One Pilots passen nicht in das Indie-Schema, es gibt keine coolen Gitarrenriffs, keine Songs, die sich allein auf die Akustikgitarre verlassen und auch kein Albumcover im Retrolook. Trotzdem werden sie von vielen Indie-Fans gehört und geliebt, was wahrscheinlich daran liegt, dass sie ihr eigenes Ding durchziehen, anstatt sich einem bestimmten Trend anzupassen. Ein Album von Twenty One Pilots anzuhören ist ein Abenteuer, man weiß nie was als nächstes passiert. Aber dass es etwas Neues, nie vorher Dagewesenes ist, das weiß man mit Sicherheit.

Titelbild: Eric Nopanen 
Beitragsbild: Wesley Gibbs

Die unendliche Geschichte – Teil 12

Die unendliche Geschichte – Teil 12

Einfach mal abheben in ein anderes Universum, auch dafür ist der webmoritz. da! Ihr könnt jeden Freitag ein anderes Redaktionsmitglied auf einem neuen Teil der intergalaktischen Reise unserer unendlichen Geschichte begleiten. Die Rahmenbedingungen haben wir in einer gemeinsamen Sitzung aus unseren Ideen zufällig ausgewürfelt, danach haben wir die Geschichte jedoch der individuellen Kreativität und Gnade unserer Redakteur*innen überlassen. Wohin die unendliche Geschichte führen wird, ist für uns also auch noch ungewiss, aber wir bieten Corona-Craziness, Ärger und Spaß ohne Ende – garantiert!

Was bisher geschah …
Gerhard Schmitt, Galapagos-Schildkröte, Investigativjournalist und Entenfotograf, landet als blinder Passagier in dem Enten-Raumschiff Große Kosmische Ente ganz schön holprig auf dem Planeten Meridia (Teil 1). Hier beginnt ein großes Abenteuer für den mutigen Schildkröterich. Zunächst wollte er nur Enten in Krisengebieten fotografieren, doch als er Justus, das kleine Schnabeltier, kennenlernt, dessen Vater vom Meritär entführt wurde, so wie auch die Enten (Teil 6), muss er auf einmal selbst zum Helden werden. Gemeinsam suchen sie die Mudixe auf (Teil 7), die beinhärtesten Journalist*innen des Planeten, die zu wissen scheinen, wo sich das geheime Meritärlager befindet. Nach einem Waldbrand und der (angeblichen) Rettung durch den angeberischen Cornelius von Nussingen (Teil 10) machen sich Gerhard, Justus und die Mudixe Lila und Julica auf den Weg zum geheimen Geheimlager des Meritärs, bis sie zu einem dubiosen Loch im Boden kommen (Teil 11).

 

Teil 12 Keine Zeit für Schildlife-Crisis

Alles war dunkel. Sie waren auf etwas sehr Weichem gelandet, aber unser liebenswerter Schildkröterich hatte noch nicht identifiziert, was es war. „Vermudixt und zugenäht“, hörte Gerhard Julica fluchen. „Ich hatte ganz vergessen, wie tief dieses Loch ist.“ „Worauf sind wir hier gelandet?“, fragte Justus leicht bibbernd, leicht angeekelt. „Eine Erfindung des Meritärs“, sagte Lila. „Das ist auf 1111 Grad Celsius erhitztes Strontium. Wenn es schließlich wieder abkühlt, nimmt es diese weiche, gummiartige Form an.“ Gerhard rappelte sich auf. Man musste kein investigativer Investigativjournalist sein, um sich für die Frage zu interessieren, die Gerhard nun stellte: „Gibt es hier irgendwo Licht?“ Justus antwortete prompt: „Ich habe bei meiner Verfolgung der entführten Enten ein EiPhone auf dem Boden gefunden, dass eines der Tiere verloren haben muss. Damit kann ich uns den Weg leuchten!“ Gerhard war stolz auf das kleine Schnabeltier. „Weißt du, du solltest vielleicht über eine Karriere als Investigativjournalist nachdenken, du hast einen richtig guten Spürsinn.“ „Dabei habe ich nicht einmal eine Nase“, antwortete Justus und Gerhard kamen Zweifel, ob das Jungchen wirklich so helle war, wie er gerade angenommen hatte. „Naja egal, würdest du bitte einmal das Licht anmachen?“ „Ja klaro.“ Endlich wurde der Ort mit Licht erfüllt. Sie waren in einem Gang gelandet, der nur in eine Richtung führte. So rappelten sie sich auf und machten sich auf den Weg durch den dunklen Tunnel. Julica und Lila stimmten nach einiger Zeit ein Lied an. Ein alter Faultier-Folklore-Song, der ungefähr so ging: „My Faultier is over the ocean, my Faultier is over the sea, my Faultier is over the ocean, oh bring back my Faultier to me …” Ihre Stimmen waren wie der Gesang einer Lerche im Frühling und Gerhard musste sich sogar eine Träne aus den Augen wischen, als Lila fulminant eine höhere Oktave anstimmte und wie eine junge Faultiergöttin „toooo meeeeee“ schmetterte.

„Wir sind da“, sagte Justus plötzlich, der vorausgegangen war. Vor ihnen war ein Fahrstuhl in den Gang gebaut. „Ah super“, sagte Julica, „Um den zu benutzen, müssen wir noch den geheimen Geheimcode eingeben.“ „Was ist der geheime Geheimcode?“, fragte Gerhard. „1111“, sagte Lila und es kostete Gerhard alle Anstrengung, nicht seine schrumpeligen Augen zu verdrehen. Als der Fahrstuhl ansprang, sagte Lila: „So, weiter kommen wir nicht mit. Wir haben morgen ja wieder Redaktionssitzung, die immer um 19:15 Uhr stattfindet. Außer …“ „Ja, ich weiß, außer wenn MNTM läuft“, unterbrach Gerhard sie harscher, als er gewollt hatte und fügte deshalb hinzu: „Vielen Dank für alles. Wenn ich mich irgendwann mal revanchieren kann, sagt mir Bescheid, und ich komme so schnell herbeigeeilt, wie es einer Schildkröte nur möglich ist, Galapagos-Ehrenwort.“ Justus und Gerhard stiegen in den Fahrstuhl ein und fuhren zurück Richtung Erdoberfläche.

Nach einer Weile hielt der Fahrstuhl an und seine Türen öffneten sich. Sie lugten mit ihren Köpfen in den neonlichtdurchfluteten Gang, zu dem sie der Fahrstuhl gebracht hatte. Niemand war da. Ein Weg führte nach links und einer nach rechts. „Also gut“, flüsterte Gerhard, „Wir sind hier, um die Enten und deinen Vater zu retten. Ich denke, wir sollten uns aufteilen du gehst nach links und ich gehe nach rechts, und wenn irgendjemand etwas findet, macht er ein Geräusch wie ein Hirsch in der Brunftzeit.“ „Was ist ein Hirsch?“, fragte Justus. „Ach egal, pfeif einfach den ersten Vers von „My Faultier is over the ocean, wenn du etwas gefunden hast.“ Justus nickte zustimmend, dann machten sich die beiden auf den Weg, das kleine Schnabeltier nach links und Gerhard nach rechts.

Gerhard war das alles nicht geheuer warum war hier niemand? Er schlich mit der Gewandtheit einer dreißigeinhalbjährigen Galapagos-Schildkröte durch die Gänge und auf einmal kam er an Gitterstäben vorbei. Die Zellen waren zunächst alle leer, doch schließlich hörte er aus einem der Räume lautes Geschnatter und Gequake. Er ging auf die Zelle zu und es bot sich ihm ein äußerst sonderbares Schauspiel. Er sah ein Schnabeltier sowie zwölf Enten und Erpel um einen runden Tisch herumsitzen und Poker spielen. Sie blickten auf, als er sich ihnen näherte. „Sind Sie Justus‘ Vater?“, fragte er das Schnabeltier. „Ja, der bin ich. Was ist hier los? Wer sind sie?“ Justus‘ Vater war überhaupt nicht so, wie Gerhard ihn sich vorgestellt hatte. Er trug eine Sonnenbrille, hatte an jedem Ohr einen Ohrring und ein Tattoo auf der Schulter, das aus den Buchstaben „A.M.A.B.“ bestand. Justus Vater, dem Gerhards Blick aufgefallen war, sagte verschmitzt lächelnd: „Gefällt es Ihnen? Das bedeutet ‚All Meritärs are blöd‘“. „Ich und Ihr Sohn sind hier, um sie zu retten“, sagte Gerhard ungehalten. „Mein Sohn ist hier?“, fragte das Schnabeltier. „Ja und wir wollen Sie retten. Gibt es irgendwo einen Schlüssel für die Zelle?“ „Ja, im Büro des Meritär-Marschalls ist einer.“ Gerhard ließ sich den Weg zu dem Büro des Meritär-Marschalls beschreiben und sagte: „Alles klar, ich besorge den Schlüssel, hole ihren Sohn und dann kriegen wir euch hier raus.“ Er machte sich auf den Weg zum Büro, doch nach der ersten Biegung sah er etwas, das ihm fast die Brille von der Schildkrötennase herunterrutschen ließ. Durch den Spalt einer Tür konnte er ihn sehen. War das möglich? Konnte es sein? In diesem Zimmer auf einem Schreibtisch lag: der Sauerteig.

 

Puh, ganz schön spannend. Was wird Gerhard jetzt tun? Vielleicht schafft er es noch die anderen zu retten oder er wird am Ende doch noch erwischt, während er sich über den heißgeliebten Sauerteig hermacht. Warum hat Gerhard noch niemanden vom Meritär gesehen und wer hat eigentlich den Waldbrand angezettelt? Ist das vielleicht alles eine Verschwörung von ganz oben?

Illustration: Elisa Schwertner

Theaterrezension: „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“

Theaterrezension: „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“

Das Theater Vorpommern hat die Türen zu seinen heiligen Hallen geöffnet und der Betrieb läuft wieder. So auch das Drama „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“, eine Tragikomödie über die Beziehungen zweier Pärchen, bei denen die berühmte rosa-rote Brille schon ordentliche Knackse erlitten hat.

Verbale Boxkämpfe und rhetorische Leberhaken

„Ich schwör’s dir…wenn du existieren würdest, ich würde mich scheiden lassen…“ Uff. Schon im ersten Akt fliegen bei Martha (Claudia Lüfftenegger) und George (Mario Gremlich) ordentlich die Fetzen. Es fühlt sich an wie ein verbaler Boxkampf, bei dem beide Figuren versuchen, einen rhetorischen Leberhaken möglichst schmerzhaft beim Gegenüber zu platzieren. Die Gemeinheiten finden im Laufe des Stücks ihren Höhepunkt, als Martha anfängt, mit Nick (Tobias Bode) vor den Augen ihres Mannes zu flirten (siehe Bild). Wie bei einem Boxkampf gibt es aber auch die kleinen Ruhephasen. Bei Martha und George spiegelt sich das in gemeinsamem Gelächter wider und man hat das Gefühl, dass das einzige, was diese beiden in ihrer Beziehung noch gemeinsam haben, Niederträchtigkeit sei. Das sonst so leichtlebige Studierendengehirn fragt sich bei diesem Stück auf einmal, ob Vodka vielleicht der einzige Treibstoff einer langjährigen Beziehung ist.

Wer hat Angst, sein Leben ohne Illusionen zu Leben?

Das Stück hatte seine Uraufführung 1962 in New York und wurde von dem Dramatiker Edward Albee verfasst. 1966 erhielt es sogar den Ritterschlag einer Verfilmung (5 Oscars), in welcher sich Elisabeth Taylor und Richard Burton in den Hauptrollen einen Geschlechterkampf liefern. In der Darstellung der Perfidität und Boshaftigkeit stehen die Schauspieler*innen des „Theater Vorpommern“ den Hollywoodgrößen in nichts nach und schaffen es, großes Theater in Greifswald zu etablieren. Die Interpretation von Reinhard Göber beschönigt nichts und trotzdem bewerkstelligt es die Inszenierung, das ein oder andere befreiende Gelächter aus dem Publikum herauszukitzeln. Das ganze Stück hält sich an die aristotelische Einheit von Zeit, Ort und Handlung, was dem geschulten Möchtegern-Germanisten, wie dieser Autor einer ist, natürlich sofort auffällt. So findet die ganze Handlung an einem einzigen Abend im Wohnzimmer von Martha und George statt. Sie kommen gerade von einer Party und während George eigentlich ins Bett möchte, erwartet Martha noch Gäste. Das junge Paar Nick (Tobias Bode) und Süße (Friederike Serr) kommen auf einen Mitternachtstrunk bei dem „Liebespaar“ vorbei. Zunächst werden die beiden nur in den Konflikt von George und Martha eingebunden, woraufhin jedoch auch ihre eigenen Probleme zum Vorschein kommen, die es ordentlich in sich haben. Es ist wirklich schwierig, nicht selbst verbittert zu werden bei einer so großartigen Darstellung der Hassliebe von allen vier Darsteller*innen. Aber was zur Hölle hat das mit Virginia Woolf zu tun? Edward Albee beantwortet die Frage wohl folgendermaßen: „Wer hat Angst, sein Leben ohne Illusionen zu leben?“ Virginia Woolf war bekannt dafür, der Gesellschaft einen Spiegel vorzusetzen, der die ungeschönte Realität unserer geistigen Zustände gnadenlos aufzeigt. Mit dieser Perspektive wird der Name des Stücks, das eigentlich „Excorzism“ heißen sollte, nachvollziehbar. Alle Charaktere spielen sich selbst auf die eine oder andere Art und Weise etwas vor und kommen somit in Konflikt mit ihrem Umfeld, vor allem mit dem unmittelbaren: „Dem*r Ehepartner*in“.

Zyniker*innen sind nur enttäuschte Romantiker*innen

Der Zynismus tröpfelt durch jeden Akt dieses Stückes. Insbesondere der Selbsthass, den die Figuren in sich tragen, wird, wie bereits erwähnt, auf die Umwelt projeziert und vorallem auf den*die Partner*in. Deswegen bekommt eine besondere Szene auf einmal sehr viel Bedeutung. Martha und George erinnern sich daran, wie sie sich kenngelernt haben. Dieser kleine Schnipsel des Romantischen zeigt, wie ehrlich sich die beiden einmal geliebt haben. Der kurze Einblick in die Vergangenheit ist jedoch schnell vorbei, als Martha schreit: „Da wusste ich noch nicht, was für ein VERSAGER er ist“. Wie es so oft bei Romantiker*innen der Fall ist, konnten beide den gegenseitigen romantischen Vorstellungen nicht gerecht werden und so haben sie in ihrer Enttäuschung den Zynismus als Schutzschild gewählt, um nie wieder so ernüchtert zu werden. Man könnte also ganz pathetisch aus dem Drama die Lebenslektion ziehen, dass die Zyniker*innen unserer Gesellschaft vielleicht nichts weiter sind als enttäuschte Romantiker*innen. Schlussendlich lässt sich sagen, dass dieser sezierende Blick in die kleinste Zelle einer Gesellschaft, die Familie, überaus gelungen ist und zum Nachdenken anregt. Die Gemeinheiten sind zum Teil bestürzend, zum Teil unterhaltsam und man hat danach viel Gesprächsstoff für die nächsten Tage. Für ein erstes Date wäre dieses Stück wahrscheinlich nicht gerade optimal gewählt, aber für den*die leidenschaftliche*n Theatergänger*in oder auch nur Kulturinteressierte*n ist das Drama ein absolutes Muss.

Beitragsbild: Peter van Heesen 

Umsonst und draußen – Die Fête de la Musique

Umsonst und draußen – Die Fête de la Musique

Endlich ist wieder was los! Es ist beinahe so, als wäre alles wieder normal: Der Hafen füllt sich mit Studierenden, die Extremprokrastination betreiben, in der Einkaufspassage trifft man auf barfüßige Straßenmusiker*innen und sogar Festivals finden wieder statt. Bei der „Fête de la Musique“ am 21. Juni, dem längsten Tag des Jahres, kannst du dich auf viele unterschiedliche Acts, unter anderem in der STRAZE, dem Klex und dem St. Spiritus, freuen. Organisiert wird das Ganze von radio 98eins, dem gemeinnützigen Greifswald International Students Festival e.V. — kurz “GrIStuF” — und St. Spiritus.

Die allererste „Fête de la Musique“ wurde 1982 in Paris abgehalten und zog eine Verbreitung durch ganz Europa nach sich. 2007 wurde dann der Ruf der „Musique“ auch an der Ostsee vernommen und seitdem findet das Festival auch in Greifswald statt. Ziel ist es, regionalen und kleineren Künstler*innen eine Bühne zu geben, die vielleicht nicht direkt in unseren Spotify-Algorithmus reingedrückt werden. Somit zeichnet sich das Festival auch durch seine unschlagbare Vielseitigkeit aus. Sei es nun die Ska-Band „Turtleneck“ oder das Rap-Duo „Hinterlandgang“, hier findet jede*r was zum Mitwippen. Wenn dein Interesse jetzt geweckt sein sollte, kannst du dich über die Homepage der Fête de la Musique anmelden.

Damit unter den aktuellen Bedingungen so ein Festival überhaupt möglich ist, müssen einige Dinge noch beachtet werden. Zum einen besteht eine Testpflicht. Wer also noch nicht geimpft oder genesen ist, muss einen tagesaktuellen Coronatest vorlegen. Außerdem herrscht auf den Veranstaltungen ein Tanz- und Alkoholverbot. Falls euch das Risiko trotzdem zu hoch sein sollte, kann natürlich auch im privaten Rahmen ordentlich abgezappelt werden. radio 98eins bietet nämlich die Möglichkeit, das gesamte Programm entweder über ihren Youtube-Kanal oder direkt übers Radio auf der Frequenz 98,1 MHz mitzuverfolgen. Natürlich kann es auch sein, dass du den ganzen Tag überhaupt keine Zeit hast, weil du, sobald die Corona-Schranken oben waren, deinen Malle-Urlaub gebucht hast. Für diesen Fall wird moritz.tv am Start sein und die Essenz des Festivals in einem Aftermovie festhalten.

Konzerthighlights:

Was? Turtleneck
Wann? Montag, 21.06.2021, 21 Uhr
Wo? STRAZE
Wie klingen die so? Soundcloud

Was? Hinterlandgang
Wann? Montag, 21.06.2021,18:30 Uhr
Wo? klex
Wie klingen die so? Spotify, Youtube

Was? Zig Zag
Wann? Montag, 21.06.2021, 20 Uhr
Wo? St. Spiritus
Wie klingen die so? Soundcloud

Das gesamte Programm könnt ihr euch hier anschauen.

Titelbild: Martin Pauer

Tage der Akzeptanz – Aktionswochen für queere Vielfalt in Greifswald

Tage der Akzeptanz – Aktionswochen für queere Vielfalt in Greifswald

Am 17. Mai vor genau 31 Jahren hat die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität aus dem Krankheitskatalog entfernt. Dadurch wurde der 17. Mai zu einem symbolträchtigen Tag, der im Namen der Selbstbestimmtheit, der Gleichberechtigung und der freien sexuellen Orientierung gefeiert wird.

Geschichte

Der 17. Mai 1990 hat also den Stein der „Wokeness“ ordentlich ins Rollen gebracht. Zunächst wurde der Tag zum „International Day Against Homophobia“ (Internationaler Tag gegen Homophobie) ausgerufen und häufig als IDAHO abgekürzt. In diesen Namen wurde 2009 die Transsexualität als eigenständige sexuelle Orientierung integriert und der Tag zum „International Day Against Homophobia and Transphobia“ umgetauft. Seit 2015 wurden des Weiteren die Biphobie und die Interphobie hinzugefügt, um alle Menschen zu inkludieren, die sich selbst nicht mit dem heteronormativen „Idealbild“ der Gesellschaft identifizieren können.

So wurde der 17. Mai zum „Tag gegen Homo-, Bi-, Inter*-, Trans*-Feindlichkeit“ (IDAHOBIT) und die Parole ist klar: Bei all der Ungleichheit in unseren Neigungen, Vorlieben und Orientierungen, wen wir nun lieben oder als was wir uns auch fühlen, sind wir alle gleich viel wert!

Aktionswochen für queere Vielfalt in Greifswald

Im Zuge der Aktionswochen für queere Vielfalt hisst auch die Stadt Greifswald die Regenbogenflagge und bekennt Farbe(n). Vom 17.05. bis zum 30.06. wird es im Namen der „Tage der Akzeptanz“ verschiedene Veranstaltungen geben, die vom Aktionsbündnis Qube, dem Filmclub Casablanca, Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Greifswald und der STRAZE organisiert werden. Los geht es am 17.05. um 18 Uhr mit einer Kundgebung auf dem Greifswalder Marktplatz und um 19 Uhr mit einer Lichtinstallation an der Fassade der Stadthalle.

All dies läuft unter dem Hashtag #idahobit_mv. Es erwarten euch Filmvorstellungen, wie das Drama „Als wir Tanzten“ von Levan Akin, das in Cannes seine Premiere feierte oder „Unsound“, ein australischer Film über junge Liebe, Transition und das Miteinander von Hörenden und Gehörlosen. Weiterhin könnt ihr an Workshops teilnehmen und unter anderem euer eigenes kleines „Zine“ erstellen (das sind Amateurmagazine, deren Themenauswahl, von Subkultur bis Suppenrezept, ganz eurer Kreativität überlassen wird). Wenn ihr eher etwas Entspanntes sucht, dann kommt doch einfach auf einen kleinen Klönschnack in die STRAZE zu dem Event „Kaffee & Kuchen“ vorbei.

Wer sich für eine der Veranstaltungen interessiert oder mehr über das Programm erfahren möchte, kommt hier zu den Details und zur Anmeldung.

Viel Spaß euch!

Programmhighlights online:

Was? Beitrag: Sibylla Schwarz – eine feministische Dichter*in aus Greifswald
Wann? Mittwoch, 26.05.2021
Was genau erwartet mich? Der Vortrag findet auf Instagram im Rahmen der Social Media Rallye zum IDAHOBITA* MV statt.

Was? Workshop „Gestalte dein eigenes Zine“
Wann? Montag, 24.06.2021, 17 bis 20 Uhr
Was genau erwartet mich? Zines als Kurzform von „magazines“ sind in Eigenregie erstellte kleine Heftchen, bei denen du deiner Kreativität freien Lauf lassen kannst.

Was? Workshop „ADHS, Autismus, queer – Hilfe, diese Welt macht mich fertig!“
Wann? Samstag, 26.06.2021, 11 bis 13:30 und 14:30 bis 17 Uhr
Was genau erwartet mich? In diesem Vortrag wird der Alltag von Transgeschlechtlichkeit, Sexismus und Geschlecht im Zusammenhang mit Autismus und ADHS beleuchtet werden.

Was? Workshop „Ableismus – eine Einführung“
Wann? Mittwoch, 30.06.2021, 16 bis 18 Uhr
Was genau erwartet mich? Ableismus ist die Abwertung von Menschen mit Behinderung. Die Veranstaltung wird eine Einführung in das Thema und die wichtigsten Debatten geben.

Programmhighlights offline:

Was? Kundgebung: Internationaler Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit
Wann? Montag, 17.05.2021, ab 18 Uhr
Wo? Marktplatz, Greifswald

Was? Kreativ-Ausprobier-Raum für trans*, inter*, nichtbinäre Personen
Wann? Samstag, 29.05.2021, ab 12 Uhr
Wo? Im Garten der STRAZE

Was? Kaffee + Kuchen
Wann? Freitag, 18.06.2021, 16:30 bis 18:30 Uhr
Wo? Im Garten der STRAZE

Das ganze Programm auf einen Blick.

Beitragsbild: Sharon Mccutcheon auf Unsplash