Weihnachtszeit ist Vorfreude und Geheimnistuerei, Nächstenliebe und Besinnung. Sie duftet nach heißem Glühwein, frisch gebackenen Keksen und mühsam gepellten Mandarinen. Der Dezember lebt von kleinen Aufmerksamkeiten und Traditionen, wie den Adventssonntagen mit der Familie, dem mit Süßigkeiten gefüllten Schuh am Nikolausmorgen und dem täglichen Öffnen des Adventskalenders. Weißt du noch, wie du jeden Tag vor Weihnachten aufgeregt aufgestanden bist, um vorfreudig zu deinem Schokoadventskalender zu tappen? Die moritz.medien verstecken das Weihnachtsgefühl hinter 24 Fenstern. Im heutigen FensterDer Versuch eines positiven Jahresrückblicks

Je häufiger man sich momentan verabschiedet, sich schöne Festtage wünscht und den üblichen weihnachtlichen Abschieds-Smalltalk führt, und das, während uns das Virus immer näher kommt, fällt vor allem im Jahresrückblick auf, dass sich gewisse negative Floskeln etabliert haben. Gratulationen und Wünsche werden immer „trotz der Pandemie“ (oder ausweichender: „trotz der Umstände“) übermittelt und so spüren wir gerade zum Jahresende noch einmal, wie sehr 2020 geprägt von der Angst vor eben diesen Umständen und den damit verbundenen Veränderungen war und ist.

Natürlich ist das alles mehr als verständlich; allerdings wäre es umgekehrt auch schade, das ganze Leben der letzten Monate, fast das ganze Jahr, nur als Einschränkung in Erinnerung zu behalten, denn es haben sich auch unerwartete Chancen ergeben, die nicht nur trotz, sondern auch gerade wegen der Umstellungen entstanden sind. Wir haben daher zum Jahresabschluss hier ein paar unerwartet positive Aspekte der letzten Monate für euch gesammelt:

  • Hey, wer könnte sich noch vorstellen, zu einer 8 Uhr-Vorlesung so aufzustehen, dass man die Dusche, Anziehzeit, das Frühstück und die Strecke dahin noch schaffen würde?! Zwar fehlt der Tapetenwechsel und vor allem natürlich der persönliche Kontakt in den Lehrveranstaltungen; aber die Zeit, die dadurch gespart wird, kann auch viel wert sein.
  • Durch die Umstellung auf noch mehr digitale Kommunikationsmethoden hat sich der Kontakt zu Freund*innen, die sowieso in der Ferne wohnen, teilweise noch verstärkt. Da sich die digitalen Formate noch mehr etabliert haben, hat sich das auf die Beziehungen übertragen, die sonst nur von ein paar Nachrichten oder Telefonaten lebten.
  • Es haben sich dabei gänzlich neue Formate des Zusammenseins etabliert, die man auch in den nächsten Jahren immer noch nutzen kann: digitale Weinabende, Kaffee- und Kuchen-Treffen, hybride Sitzungen mit mehr Flexibilität für alle Teilnehmenden, online Sporttreffen, gemeinsames Arbeiten an Dokumenten aus der Ferne, digitale Spieleabende undundund.
  • Manche Freundschaften haben sich dadurch trotzdem verstärken oder auch erst entwickeln können – und das vielleicht viel intensiver als bei den sonst üblichen Gruppentreffen oder eher zufälligen Begegnungen in der Uni. Wenn man den Kontakt will, muss man sich auch aktiv darum bemühen und Interesse zeigen; durch Spaziergänge oder kleinere Treffen ist man gezwungen, sich wirklich aufeinander zu konzentrieren und mehr miteinander zu sprechen, was doch auch viel mehr bedeuten kann.
  • Auch wenn viele Veranstaltungen oder Praktika so nicht stattfinden konnten, an vielen Unikursen hätte man durch Überschneidungen gar nicht erst teilnehmen können, wenn sie nicht digital und asynchron durchgeführt worden wären. Auch das hätte dann mindestens zusätzlichen Stress, wenn nicht sogar zusätzliche Semester, bedeutet. Außerdem wurden Veranstaltungen, die in Präsenz sonst eine begrenzte Teilnehmendenzahl hatten, zu unserem Glück digital oft ausgeweitet.
  • Und wo wir schon bei aufgezeichneten Lehrveranstaltungen sind: Die Möglichkeit zum Zurückspulen ist bei manchen Themen die Rettung – wie viele Informationen haben die Jahrgänge vor uns in der Hektik der Präsenzvorlesungen wohl schon verpasst? Und für andere Fälle das genaue Gegenteil: Vorlesungen auf 1,5-facher Geschwindigkeit anhören, kommt manchmal doch einfach mehr als gelegen.
  • Insgesamt gibt es in einigen Bereichen auch eine viel höhere Flexibilität. Der Tag kann häufig nach dem eigenen Arbeitsrhythmus geplant werden. Frühstück, Mittagessen und sonstige Mahlzeiten können entspannt auch während der (online) Uni verspeist werden und ja, auch die Flexibilität der Jogginghose sollte an der Stelle nicht in der Aufzählung fehlen.
  • Durch die fehlenden Treffen oder Aktivitäten ist auch mehr Zeit für bereits untergegangene oder bis dato unentdeckte Hobbys und Interessen ermöglicht worden. Dazu gehören etwa Makramee, puzzeln, Sprachen lernen oder malen.
  • Wir wollen es nicht hoffen, aber vielleicht kommt es doch an einigen Stellen auch ganz gelegen, manchen Menschen auch mal nicht über den Weg laufen zu müssen.
  • Über die ganze Zeit in der Wohnung freut sich wenigstens eine Gruppe – die Pflanzen!
  • Social Distancing kann auch eins gebracht haben, nämlich mehr Nähe zu sich selbst. Ob wir wollten oder nicht, man war gezwungenermaßen mehr alleine, mehr mit sich selbst – aber das muss keine Einsamkeit bedeuten. Vielleicht sind dadurch Verhaltens- oder Gedankenmuster wieder deutlicher geworden, die sonst vom Trubel des Alltags und der Geselligkeit überdeckt waren und denen man sich jetzt widmen konnte. Auch wenn das auch unangenehme Sachen sein können, so wissen wir doch mehr über uns selbst, als es sonst möglich gewesen wäre.
  • Man hat teilweise gemerkt, wer oder was wirklich wichtig ist – für einen selbst, aber auch für unsere Gesellschaft. Zu solchen Reflexionen wäre es sonst vielleicht nie gekommen, sie können uns aber auch in Zukunft noch nachhaltig positiv begleiten.

Titelbild: Julia Schlichtkrull

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