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Die Redakteur*innen der moritz.medien haben sich schon immer einen Kopf um unsere Umwelt gemacht und darüber berichtet. In unserer neuen Kolumne erzählen wir euch, was wir über das Thema Nachhaltigkeit denken und geben euch viele hilfreiche Tipps, um euer Leben (noch) nachhaltiger zu gestalten.

Mikroplastik

Plastikteilchen, deren Durchmesser weniger als fünf Millimeter beträgt, werden als Mikroplastik bezeichnet. Dann unterscheidet man außerdem noch zwischen primärem und sekundärem Mikroplastik. Primäres Mikroplastik wird von der Industrie schon in dieser kleinen Größenordnung hergestellt, wohingegen sekundäres Mikroplastik durch Umwelteinflüsse erst mit der Zeit zerkleinert wurde. Eine Vorstellung davon, wie Mikroplastik aussieht, wenn man es noch mit bloßem Auge sehen kann, können Shampoos oder Peelings vermitteln. Dort kann man in manchen Sorten die kleinen Plastikpartikel erkennen.

Wie das Mikroplastik aber ins Meer gelangt, möchte ich nun erklären. Das primäre Mikroplastik wird industriell hergestellt und dann zu Kunststoffprodukten weiterverarbeitet. Dabei kann es aber schon durch Unfälle auf Containerschiffen ins Meer gelangen. Ansonsten wird es zur Reinigung von Schiffen per Sandstrahl benutzt oder als Fleece zu Kleidung, zu Verpackungsmaterial oder zum Inhaltsstoff in manchen Kosmetikprodukten verarbeitet. Nun gelangen durch das Waschen dieser Kleidung oder die Benutzung solcher Kosmetikprodukte die kleinen Plastikteile ins Abwasser. Und von dort aus über die Flüsse auch ins Meer. Waschmaschinenfilter und Kläranlagen sind meistens nicht in der Lage, diese Partikel aufzuhalten. Pro Waschgang kann es sich bei Fleece-Kleidung sogar um bis zu 2.000 Kunstfasern handeln (laut Umweltbundesamt). Jetzt wird das Mikroplastik langsam zersetzt und neben den frei werdenden Stoffen wie Flammschutzmitteln oder Weichmachern lagern sich auch Umweltgifte wie das Insektizid DDT an den kleinen Plastikpartikeln an (berichtet der NABU). Im weiteren Verlauf gelangen die Partikel jetzt auch in die Nahrungskette. Von Kleinstlebewesen zu Muscheln, über Fische und bis hin zum Menschen können sie so gelangen. Auch am Meeresboden lagern sie sich ab und schädigen die dort ansässigen Lebewesen.
Das sekundäre Mikroplastik muss erst als Teil eines größeren Kunststoffproduktes ins Meer gelangen. Am Strand als Tüte, Flasche oder Eimer zum Beispiel. Oder auch durch illegal auf See entsorgtem Müll. Mit der Zeit wird das Kunststoffprodukt nun durch die Sonne, den Wind und Meeresströmungen zerkleinert. So kann es sich, genau wie das primäre Mikroplastik, anreichern und in die verschiedenen Organismen gelangen.

Auswirkungen von Mikroplastik auf Tiere und Pflanzen

Ein wesentliches Problem stellt die Größe des Mikroplastiks dar. Man kann es, anders als im Meer treibenden Abfall, nicht einfach so herausfischen oder am Strand aufsammeln. Außerdem können immer mehr Lebewesen das Mikroplastik aufnehmen, je kleiner es wird. Allerdings ist bis heute nicht vollständig geklärt, welchen Schaden Mikroplastik wirklich anrichten kann. Man findet es zwar schon in so gut wie allen Meerestieren oder deren Ausscheidungen, aber bisher sind keine Langzeitergebnisse bekannt. Jedoch haben Forscher herausgefunden, dass Wattwürmer, die in mit Mikroplastik belastetem Schlamm leben, weniger fressen und Entzündungen bekommen. Auch Miesmuscheln zeigen Entzündungserscheinungen, wenn sie Mikroplastik aufnehmen. Andere meinen auch, physiologische Störungen oder die Bildung von Tumoren sind denkbar. Auch ein, teilweise durch diese Erkrankungen bedingter, früherer Tod der Meerestiere ist möglich (so Nadja Ziebarth, Meeresschutzexpertin beim BUND, in einem Artikel aus dem Greenpeace Magazin Utopia).

Auswirkungen von Mikroplastik auf den Menschen

Also gibt es viele Theorien und Forschungsergebnisse darüber, was Mikroplastik mit Tieren anrichten kann. Da dieser Kreislauf aber nicht bei den Tieren endet, will ich noch die Auswirkungen auf den Menschen näher beleuchten. So geht man davon aus, dass die Weichmacher in Plastikprodukten über beispielsweise den Verzehr von Fisch auch in den menschlichen Körper gelangen können. Dort wirken sie ähnlich wie Hormone und lassen sich bereits im Blut der meisten Menschen nachweisen. So eine Störung des Hormonhaushalts kann besonders auf anfällige Personen, wie Kinder sehr schädlich wirken und deren Entwicklung beeinträchtigen. Bei Männern ist man mittlerweile der Ansicht, dass Schadstoffe aus Plastik zu Unfruchtbarkeit und Krebserkrankungen führen können. Denkbar sind auch andere Erkrankungen wie eine Schwächung des Immunsystems oder Herzkrankheiten, die durch diese hormonähnlichen Stoffe hervorgerufen werden (wie man aus diesem Artikel des Online Magazins RESET.org entnehmen kann). Für mehr Informationen zu diesem Thema empfehle ich an dieser Stelle eine Broschüre des BUND.

Fisch gilt allgemein als sehr gesund und wird oft als eine gute Möglichkeit angesehen, weniger Fleisch zu essen. Doch mit den unsichtbaren Giftstoffen, die in vielen Meerestieren zu finden sind und dem Wissen, was diese Stoffe anrichten können, fällt es schwer noch so simpel zu denken. Nächste Woche geht es in der Kolumne weiter mit Zukunftsperspektiven und Projekten gegen die Verschmutzung unserer Meere.

Beitragsbild: Felix Michau
Banner: Jonathan Dehn

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