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Unangenehm treffend, wie man sie kennt: Sibylle Bergs Theaterstück „Viel Gut Essen“ zeigt, wie einfach sich die Unzufriedenheit mit den eigenen emotional-sozialen Lebensumständen auf Minderheiten projizieren lässt.

Ein Gastbeitrag von Daniela Obst.

Ein 17-jahrelang alleinverdienender Familienvater, der, so mutmaßt der Zuschauer, wegen seiner emotionalen Steifheit von Frau und Sohn verlassen wurde, durcheilt Gedankenfetzen von Rückblenden in die eigene Jugend und von Rechtfertigungen der aktuellen Lebensumstände. Allzu leicht verbinden sich das für ihn normative, patriarchalisch geprägte Familienleben, Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Homophobie. Währenddessen kocht er ein Versöhnungsmahl für die zerissene Familie, die wahrscheinlich nie erscheinen wird. Zwar als Monolog inszeniert, aber dennoch nie langatmig werdend, überzeugt Stephan Waak mit seiner schauspielerisch facettenreichen Umsetzung. Konkret, trocken, böse.

Fazit: Empfehlenswert, wenn Bergs Zynismus verstanden wird

Letzte Vorstellung am 29.11.2018, Café Koeppen, 20 Uhr, 13€/ 9€ ermäßigt. Hinterher wird für alle Pasta gekocht, also etwas Platz im Magen lassen!

Beitragsbild: Jonathan Dehn

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