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Vertreter aus Pomerode besuchen Greifswald, um weiter an einer Klimakooperation zwischen beiden Städten zu arbeiten und voneinander zu lernen, Klimaziele zu erreichen.

Wer ist schon einmal mit einem Lastenrad über eine Stunde gefahren? In der ersten Novemberwoche durften Gäste der Stadt Greifswald ein Lastenfahrrad von der Innenstadt zur Klosterruine Eldena fahren. Für den November in Mecklenburg-Vorpommern haben sich die Mitbeiter aus Pomerode, auch nach eigenem Bekunden gute Tage ausgesucht. Es ist noch nicht allzu kalt und ab und zu sieht man sogar die Sonne. Ihre Heimatstadt Pomerode, mit der Greifswald seit 2001 eine Städtepartnerschaft pflegt, liegt in ganz anderen klimatischen Bedingungen. Im südlich gelegenen brasilianischen Staat Santa Catarina, herrscht gerade schönstes Sommerwetter. Was also führte die Pomeroder in diesem Herbst nach Vorpommern? Die beiden Städte sind nicht nur Partnerstädte, sondern sind im Rahmen des Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) 2015 eine Klimakooperation eingegangen. Bis 2016 haben sich Vertreterinnen beider Gemeinden zusammengesetzt und einige konkrete Maßnahmen erarbeitet, die jetzt umgesetzt werden sollen. Finanziert werden die einzelnen Maßnahmen, neben einem Eigenanteil der Gemeinden, durch eine Förderung des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Da die klimatischen und topographischen Grundvorrausetzungen der Gemeinden von höchst unterschiedlicher Natur sind, beschränkt sich der Maßnahmenplan auf Themengebieten, die tatsächlich beide Gemeinden betreffen und die konkret umsetzbar sind. Dieser Plan umfasst 32 Punkte, die sich in drei Themengebieten unterteilen. Das Hauptmerkmal der Kooperation liegt bei der Förderung von umweltfreundlicher Mobilität. Ein Thema, das in zwei Gebiete hineinreicht: Das Thema umweltfreundliche Mobilität selbst und die Förderung von nachhaltigem Tourismus. Jaime Eduardo Jensen, Direktor für Umwelt in Pomerode, berichtet, dass bei ihm zwar auch Fahrradgefahren wird, allerdings in geringerem Umfang als in Greifswald. Um das Fahrradfahren in Südbrasilien zu erleichtern, werden mehr und bessere Fahrradwege geplant und sollen auch mit sofortiger Wirkung umgesetzt werden. Die Infrastruktur von Greifswald soll in dieser Hinsicht auch als Vorbild dienen. Beide Städte planen mittelfristig das Fahrradfahren durch eine Erhöhung der Parkgebühren attraktiver zu machen.

Aber nicht in allen Bereichen kann sich Greifswald als Vorreiter und Beispiel für die Partnerstadt positionieren. Michael Haufe vom Stadtbauamt Greifswald erzählt, dass es in Pomerode eine jährliche Sperrmüllaktion gebe, bei der alle ihren Sperrmüll zentral sammeln und man sich legal nehmen kann, was noch zu gebrauchen ist. Der Rest wird von der Stadt entsorgt. Zudem soll in Pomerode, neben einer Überarbeitung des gesamten Abfallkonzeptes, ein Wertstoffhof eingerichtet werden. Dieser Punkt fällt in das Themengebiet „Reduktion des Energie- und Resourcenverbrauchs“ , in dem neben der „konsequenten Nutzung von Recyclingpapier“ in beiden Stadtverwaltungen auch ein großes Augenmerk auf die Umweltbildung gelegt werden soll.

Die Frage, ob die neue rechtspopulistische Regierung Brasiliens unter Jair Bolsonaro die Durchführung des Maßnahmenplans beeinträchtigen könnte verneint Claudio Krueger, der als Bauingenieur in der Stadtplanung für Pomerode arbeitet. Die bestehenden Gesetzte zum Umweltschutz in Brasilien seien über einen langen Zeitraum entstanden und können rechtlich nicht einfach durch eine Person wieder umgeworfen werden. Die Zeitfenster, die sich beide Gemeinden für die Umsetzung der Maßnahmen geben, reichen teilweise jedenfalls bis ins Jahr 2030 und geben, zumindest in einer kleinen Stadt im Süden Brasiliens, Hoffnung auf eine längerfristige Klimastrategie.

 

Foto v.L.n.R Stephan Braun Stadtbauamt Umwelt Greifswald, Jaime Eduardo Jensen Direktor für Umwelt Pomerode, Michael Haufe Stadtbauamt Umwelt Greifswald, Claudio Krueger Bauingenieur Stadtplanung

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