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Am Samstag den 6.10. rief die Initiative Seebrücke MV zu einer Fahrraddemonstration über die Rügenbrücke auf. Weit mehr als 70 Menschen folgten dem Aufruf und schwangen sich auf ihre Räder.

Gegen 12 Uhr fanden sich bei bestem Fahrradwetter die TeilnehmerInnen neben dem Stralsunder Bahnhof ein. Familien mit Kindern, Lastenfahrräder, polierte Single-Speed-Räder und Omas altes Diamant – alle waren vertreten. Eingeladen hatte die noch recht junge Initiative Seebrücke MV. Orangene Luftballons wurden aufgepustet, Transpis entrollt und letzte Absprachen getroffen. Bis die Polizei intervenierte und offenbarte, dass es zwischen den Ordnungsbehörden Abstimmungsfehler gab und den AnmelderInnen eine falsche Route genannt wurde, der Startpunkt muss verlegt werden. Leider punkteten die beiden direkt vor Ort eingesetzten Beamten an diesem Tag nicht gerade mit Kulanz und Kooperationsbereitschaft. Sie traten von Anfang äußerst unprofessionell und rechtlich unsicher auf. Jegliche Versuche, die Demo auf der alten Route einfach starten zu lassen, scheiterten. So ging es erst umständlich zum Alten Markt, wo die Auftaktkundgebung startet. An diesem Punkt und im Laufe des Tages ließen es sich die Beamten nicht nehmen, Einzelpersonen und Fahrzeugkennzeichen abzufotografieren. Auch Personalienfeststellungen wurden durchgeführt, zumeist schien eine direkte Kommunikation mit den AnmelderInnen die Beamten zu verunsichern und sie suchten oft den direkten Kontakt zu Einzelpersonen, natürlich in gewohnter Art und Weise.

Die TeilnehmerInnen blieben jedoch motiviert und ließen sich nicht provozieren. So startete man nach einigen Redebeiträgen um halb zwei vom Alten Markt in Richtung Rügenbrücke. Am höchsten Punkt kam die Kolonne dann zum Stehen und es folgten Redebeiträge. 14:20 Uhr war es dann soweit, dass die AktivistInnen in 42 Metern Höhe ihr Transparent entrollten. „Seebrücke statt Festung Europa“ las man nun auf einer Länge von 30 Metern an der Rügenbrücke. Im Sund unter der Brücke kreuzte die Lovis und solidarisierte sich mit den AktivistInnen, auf ihren weißen Segeln prangte “No one is illegal”. Nach dem Ende der Redebeiträge begaben sich die Radler wieder in die Tiefen der Stralsunder Altstadt. Mit einem kleinen Schlenker landete die Demo dann wieder am Marktplatz, wo die zahlreichen Gäste der Cafés nicht schlecht staunten, wie sich der Platz nach und nach mit den Radfahrern füllte. Es wurden fleißig Flyer verteilt und Gespräche geführt. Einige abschließende Redebeiträge später wurde die Demo dann beendet. Die Festung Europa steht, aber der Widerstand wächst. Denn während im Mittelmeer weiter Menschen sterben, Europas grenzen ihren Bodycount weiter in die Höhe treiben, wird so getan als wären Folterknäste in Nordafrika und Deals mit Despoten am Bosporus die Lösung dieser Probleme. Darüber hinaus sehen sich zivile Seenotretter immer mehr der Repression der europäischen Staaten ausgesetzt, wie die Initiative Seebrücke MV in ihrer PM zur Demo kritisiert.

Fotos Land: Ole Kracht
Fotos Brücke: Eric Weissmüller

Kommentare

  1. leser    

    Danke für diesen Bericht. Leider glänzte die Greifswalder Lokalausgabe der Ostseezeitung vom 8.10. nur mit einem unwürdigen Artikel dazu, in dem die Demo hauptsächlich als Verkehrsproblem dargestellt wurde. Reisende und Polizei seien überrascht gewesen, dass die Demo auf die Rügenbrücke gefahren ist. Da frag ich mich doch: Haben die die öffentliche Ankündigung dieser Demo komplett verschlafen, oder was? Die Ostseezeitung hätte ja mal Polizei und Ordnungsamt dazu befragen sowie sich mal mit Teilnehmern unterhalten können, aber es ist ja so viel angenehmer, dem wütenden Volk (= im Stau stehenden Autofahrern) nach dem Munde zu reden. Greifswald braucht echt mal ne frische und seriöse Lokalzeitung links der OZ.

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