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Kennt ihr eigentlich schon Klarschiff? Ein toller Artikel aus dem moritz.magazin 136 – Das Vogelnest ist Kaputt – Veronika Wehner. Eine Plattform auf der wir die Verwaltung erreichen.

Mit Vandalismus und kaputten Straßen steht man in Greifswald nicht alleine da. Das Portal zur Bürgerbeteiligung Klarschiff bietet Bürger*innen die Möglichkeit Probleme zu melden.

Wir alle bewegen uns mit mehr oder weniger wachen Augen durch unseren Wohnort. Manches ist vertraut, anderes plötzlich ganz anders. Veränderungen im Straßenbelag, Müll in den Wassergräben oder defekte Spielgeräte auf Spielplätzen sind nicht nur ärgerlich, sondern können auch eine Gefahr für die Benutzer darstellen. Was kann ein aufmerksamer Mensch machen, der es nicht in Ordnung findet, dass die Geräte, auf denen die eigenen Kinder vielleicht spielen, kaputt sind; oder wenn eine Menge Müll in den Gewässern vor dem Bahnhof unschön ins Auge fällt? Wer ist dafür verantwortlich, diese Probleme anzugehen? In der Regel gibt es für derartige Störfälle eine Stelle in der Verwaltung, die sich um so etwas kümmert – und auch hoffentlich bereits von alleine darauf aufmerksam geworden ist. Irgendjemand wird sich schon darum kümmern, und wenn nicht, gibt es wenigstens einen Grund “die da oben” zu beschimpfen. Eine proaktivere Haltung, nämlich die zuständigen Stellen über Missstände zu informieren, ist oft kompliziert. Wer weiß schon, wer für eine kaputte Schaukel oder eine ungepflegte Grasnarbe zuständig ist? Wir selbst sind es – zumindest in einem gewissen Umfang. Wir sind Bürger*innen dieser Stadt und wenn es darum geht, die Stadt in zu erhalten und zu verbessern, stehen auch wir in der Verantwortung.

Je mehr Menschen hingucken, desto mehr entdecken sie. Nicht umsonst gibt es langsam aber sicher eine Bewegung hin zu einem Bottom-Up Ansatz in der Verwaltung. Auch die Bundesregierung bemüht sich, auf das Pferd mit aufzusteigen; und zwar indem sie kurz vor den Wahlkämpfen sogenannte Bürgerdialoge veranstaltet, in denen einige Bürger*innen sich mit ihren Vorschlägen, Fragen und Problemen direkt an die Politiker*innen richten können. In den kleineren Verwaltungsebenen, etwa in Stadtgebieten gibt es hin und wieder Projekte, bei denen eine aktive Beteiligung der Einwohner erwünscht ist. Eine solche Initiative besteht seit einigen Jahren auch in Mecklenburg-Vorpommern. Die Städte Schwerin und Rostock haben es vorgemacht, und seit etwas über drei Jahren ist auch die Universitäts- und Hansestadt dabei: Klarschiff, das Portal zur Bürgerbeteiligung.

Gefahr auf dem Spielplatz
Auf der Onlineplattform, die Bürger*innen über die Website der Stadt erreichen können, kann jeder auf einer interaktiven Stadtkarte eine Meldung machen zu Dingen, die einem aufgefallen sind – wie beispielsweise die beschädigten Spielgeräte in der Fettenvorstadt. Hier ist jemandem im Oktober 2017 aufgefallen, dass die “Spielgeräte seit über einem Jahr defekt“ waren und die Abzäunung für die spielenden Kinder gefährlich seien – beides forderte Verbesserung. Das Konzept des Portals ist es, die Meldungen zeitnah zu überprüfen und an die entsprechende Behörde weiterzuleiten. Das soll den Prozess nicht nur schneller machen und die Mühe verringern, die zuständigen Stellen selber herausfinden zu müssen; es soll auch die Hemmschwelle für Bürger*innen senken, sich in ihre Gemeinde einzubringen.
Über 2500 Meldungen dieser Art wurden seit der Einführung der Seite an die Stadt weitergegeben. Wer eine Meldung über ein Problem machen will, kann mit einer Benutzermaske auf der Seite des Portals zwischen neun Hauptkategorien wählen, die von Straßenschäden über Müll und Vandalismus bis zum Melden von Falschparkern reichen. In Greifswald werden die meisten Probleme zwischen der nördlichen und der südlichen Mühlenvorstadt sowie in der Fleischervorstadt gemeldet. Die anderen Stadtteile sind aber, wenn auch mit einer geringeren Meldedichte, eifrig dabei. Zusätzlich zu der Hauptkategorie kann im Anschluss zwischen mehreren Unterkategorien ausgewählt werden. Auch die Möglichkeit, zusätzliche Beweisfotos hochzuladen, ist gegeben. Nachdem die Meldung aufgegeben wurde, können über das Portal die Entwicklungen zur Bearbeitung und Zuständigkeit nachverfolgt werden. Die Meldung zu den kaputten Geräten vom Oktober letzten Jahres zum Beispiel wurde an den Bauhof weitergeleitet, der im April verkündete, dass die Spielgeräte ersetzt worden seien.

Nicht jede Idee hat eine Lösung
Die Beteiligung über das Portal beschränkt sich aber nicht nur auf Beschwerden über Graffitis und volle Mülleimer. Es gibt eine zweite Funktion, mit der direkte Vorschläge und Wünsche geäußert werden können. Aktuell zeigt Klarschiff Greifswald die Umsetzung von 12 Ideen im Stadtgebiet an, fast 60 Ideen werden bereits bearbeitet und die restlichen 55, die noch offen sind, werden früher oder später noch in Angriff genommen. Auch hier zeigen sich die Bewohner der Fleischervorstadt besonders fleißig. Die rote Farbe, die den Status einer neuen Meldung anzeigt, ändert sich schnell in das Gelb, das den Nutzern anzeigt, dass das Problem „in Behandlung“ sei. Auf der seiteneigenen Statistik werden für den Mai über 70 erledigte Meldungen angezeigt.
Wer in Greifswald regelmäßig draußen unterwegs ist, dürfte sich angesichts der vielen Baustellen an den Straßen nicht wundern, dass die Mehrheit der Probleme, die gemeldet werden, im weitesten Sinne mit Straßenverkehr zu tun haben. Meistens handelt es sich um Schäden an Fahrradwegen oder Straßen, aber auch Beleuchtung und Ampelschaltungen sind ein beliebtes Thema. Müllentsorgung muss sich seinen zweiten Platz mit der Instandhaltung von öffentlichen Grünanlagen und Spielplätzen teilen. Auch bei den Ideen geht es häufig um Vorschläge, die Verkehrsführung zu ändern oder durch Ampeln, Straßenlampen oder Schildern sicherer zu gestalten. Damit eine Idee den Schritt zur Umsetzung schafft, braucht sie 15 Unterstützer. Wer seine Freunde und Bekannte dazu animiert, sich einer Meldung anzuschließen, hat gute Chancen, dass der Vorschlag wenigstens geprüft wird. Aber nicht jede Idee lässt sich umsetzten. Die Karte hat für nicht umsetzbare Meldungen eine ganz eigene Färbung. Alles, was sich nicht auf öffentlichen Flächen abspielt, kann über Klarschiff nicht in Angriff genommen werden. Gelegentlich passiert aber dennoch etwas: Die umgestürzte Statue in Schönwalde 2 am ehemaligen Hörsaal und Studierendenclub wurde auf dem Portal als Vandalismus gemeldet und wird jetzt vom Rechtsamt bearbeitet. Die Universität Greifswald hat, als Grundstückseigentümer, den Akt wieder aufrichten lassen.

Es handelt sich allerdings nicht bei jeder Meldung um ein einzelnes Problem. Gelegentlich werden Probleme mehrfach genannt – beispielsweise wenn die erste Meldung zu dem Thema übersehen oder das Problem nicht ausreichend gelöst wurde. Der Spielplatz in der Fettenvorstadt hat gleich sechs Meldungen. Während sich die meisten Meldungen mit knappen Beschreibungen begnügen, kann es auch zu nahezu lyrischen Abhandlungen kommen. Oder, wie im Fall der Fettenvorstadt, zu einem einseitigen Schlagabtausch mit der Stadt, weil sich Initiator*innen „langsam (….) veralbert“ fühlen, da die Geräte im Mai noch immer nicht freigegeben wurden und das „Vogelnest“ noch nicht ersetzt wurde.

 

Beitragsbild: Screenshot der Website Klarschiff

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