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Seit mehr als zehn Jahren finden an deutschen Hochschulen die Festivals contre le racisme statt. In Greifswald ist man mittlerweile im dritten Jahr angekommen. Eine Vorschau.

Auch in diesem Jahr präsentiert der AStA in Zusammenarbeit mit verschiedensten Initiativen ein breites Programm aus Vorträgen, Partys, Theater und vielem mehr. Vom 1. Bis 9. Juni werden die unterschiedlichsten Locations in Greifswald zum Anlaufpunkt. Wir haben uns mit Hannah unterhalten, die das Festival seit Anfang diesen Jahres plant, wollen einen Blick auf die kommenden Veranstaltungen und in die Zukunft werfen.
Schon am Anfang schwärmt sie vom FCLR in Hannover, das sich über einen Monat erstreckt und eine große Zahl verschiedenster Veranstaltungen und Aktivitäten anbietet. Die Resonanz in Greifswald ließ im letzten Jahr zu wünschen übrig. Deswegen war eine deutliche Verkleinerung des Festivals geplant. Hannah erzählt, sie hatte sowohl die Öffentlichkeitsarbeit als auch Vernetzung mit anderen Initiativen von Anfang an ganz oben auf dem Zettel. Dadurch erstreckt sich das Festival dieses Jahr erstmalig über mehr als eine Woche.

Themen weit über den Tellerrand hinaus

Schon das erste Juni Wochenende hat es in sich. Am morgigen Freitag startet die erste Veranstaltung im St. Spiritus zum Thema „Strukturen der Identitären Bewegung in MV“ in Zusammenarbeit mit Greifswald für Alle. Die offizielle Openingparty steigt danach ab 23 Uhr in der ROSA. Am Samstag folgt dann das antirassistische Fußballturnier am Hansering, sowie am Abend der moritz.slam Vol. 2 im HS 2 des Campus Loefflerstraße. In der ersten Juniwoche sehen wir dann eine breite Mischung verschiedenster Veranstaltungen. Von Vorträgen zu Themen wie Racial Profiling oder Rechtspopulismus über das Interkulturelle Café hin zu einem Graffitiworkshop. Das ist noch lange nicht alles und deswegen für euch das ganze Programm zum in Ruhe stöbern hier und hier. Mit einem großen Open-Air-Konzert findet das Festival dann seinen krönenden Abschluss. Auf der Freifläche hinter der StraZe laden euch, zwischen kalten Getränken und interessanten Ständen, Banda Internationale, Loopmilla und Footprint Project zum gemeinsamen tanzen und feiern ein.

Wieso ? Weshalb ? Warum ?

Hannah erklärt, dass das Abschluss Open-Air ein wichtiger Bestandteil des Festivals ist. Für einige sind die meist doch recht speziellen Themen der inhaltlichen Angebote nicht immer so ansprechend bzw. interessant. Deswegen wollte sie ein breites, vielfältiges Programm schaffen, bei dem vom Picknick, über Café und Vorträge alles dabei ist, um möglichst viele Menschen einzuladen und Interesse zu wecken. Denn insbesondere das Abschlussfest setzt die Hürde, einen Blick in bestimmte Themengebiete zu werfen, sehr niedrig an. Zwischen entspannter Musik und verschiedensten Ständen der unterschiedlichen Gruppen und Initiativen hat man eher die Chance ins Gespräch zu kommen und eventuelle Fragen zu klären, als z.B. bei einem Vortrag.
Doch ein antirassistisches Fußballturnier besitzt, bis auf den Namen, im Umkehrschluss jedoch auch keinen direkten inhaltlichen Ansatz, eine Kritik die Hannah oftmals zu hören gekriegt hat. Die Balance zwischen der nötigen inhaltlichen Tiefe bzw. Auseinandersetzung und dem Anspruch, möglichst allen gesellschaftlichen Gruppen den Zugang zu ermöglichen, war bis zum Ende der Planung ein Drahtseilakt. Denn ob alt oder jung, Studi oder Azubi, Working- oder Workless-Class soll sich jeder einbringen und beteiligen können. Auch ein Fußballturnier kann für Vernetzung und Austausch sorgen, wie z.B. der jährlich in Stralsund stattfindende „Kick gegen Rassismus“ beweist.

Bald schon Geschichte ?

Trotz enormer finanzieller Kürzungen (wir grüßen das Campus Open-Air 2017) und meist nur oberflächlichem Interesse an einer Fortführung des Festivals aus den Reihen von StuPa und AStA erwartet uns auch in diesem Jahr ein buntes Programm aus verschiedensten Themen und Angeboten. Das Studium musste zurück-, private Termine hintenangestellt werden, erzählt uns Hannah. Wer sich abseits des Studiums engagiert, dürfte diese Probleme nur zu gut kennen. Doch Hannah hofft einfach nur, dass alles klappt, sich viele Leute in Diskussionen einbringen, die Veranstaltungen besuchen und die Chance zum Austausch nutzen.
Das Bitten und Betteln um Geld (ursprünglich nur 500€ für das gesamte Festival), nur ein Negativbeispiel, spricht Bände und hinterlässt nach diesem Gespräch die Frage, ob zur „studentischen Kultur“ nur Saufen und Feiern oder auch Demokratie und Streitkultur gehören. Ob und wie sich die Studierenden beteiligen, wird wohl die Zukunft des Festivals contre le racisme in Greifswald weisen.

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