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Nur wenige kamen zu der Diskussionsveranstaltung der Philosophischen Fakultät, in der die sinkende Anwesenheit und Strategien dagegen thematisiert wurde.

Autorin: Veronika Wehner

Schon seit einigen Jahren muss sich die Philosophische Fakultät dem Problem der Anwesenheit herumschlagen. Seit der neuen Prüfungsordnung ab 2012 sind die Zahlen der Anwesenden in den Lehrveranstaltungen deutlich gesunken. Um das zu ändern, steht die Anwesenheitspflicht für Veranstaltungen in der Philosophischen Fakultät, wie es sie an anderen Fakultäten gibt, im Raum. Da aber erst die Gründe für die gesunkene Zahl Studierender in den Lehrveranstaltungen ermittelt werden sollten, wurde, auch mit einem Beschluss auf der Vollversammlung im Wintersemester 2016/17 beschlossen, eine „semesterübergreifende Umfrage“ unter Studierenden und Lehrenden der Philosophischen Fakultät durchzuführen.
Auf der Grundlage dieser Umfrage fand am Montag, dem 19. Januar eine Diskussionsveranstaltung statt, bei der die Studierenden eingeladen wurden, sich an dem innerfakultären Diskurs zu beteiligen. Passend zur Thematik blieben die Hälfte der Reihen leer und auch von den Anwesenden waren nur wenige Studierende. Studiendekan Dr. Pantermöller, der die Veranstaltung moderierte, präsentierte, neben den Ergebnissen der Umfrage, auch wieder die Studie von Rolf Schulmeister, in der der positive Zusammenhang zwischen Erfolg und Anwesenheit erforscht wurde.
Die Ergebnisse der Umfrage, die unter den Studierenden nur eine Rücklaufquote von 9,8% hatte, überraschten einige der Anwesenden Lehrenden. Vor allem die Aussage der TeilnehmerInnen, dass das Lernen für Prüfungen anderer Fächer einer der Hauptgründe für Fehlzeiten ist, führte zu einer Debatte über angemessene Terminplanungen und Prüfungsformen der einzelnen Lehrstühle. Die Leiterin des Zentralen Prüfungsamt Hallex erklärte hierzu, dass es zwar festgesetzte Prüfungszeiträume gibt, aber keine Sanktionen für Prüfer, die ihre Prüfungen in die Vorlesungszeit legen. Ein Teilproblem, für das keiner der Anwesenden Lösung findet. Der Vorschlag aus dem Publikum, das Studium praxisnäher zu gestalten stößt auf Widerstand von Dekan Stamm-Kuhlmann, der die Praxisnähe als „Fetisch“, der nicht unbedingt etwas mit den Geisteswissenschaften zu tun hat, bezeichnet.
Es herrscht auch eine gewisse Ratlosigkeit, wie man die eigentlich Betroffenen in den Dialog einbeziehen kann. Nina Neie, die für die Studierendenschaft auf dem Podium sitzt und sich schon seit 2016 mit dem Thema beschäftigt, glaubt nicht, dass eine Veranstaltung wie diese eine Lösung bringt. Herr Grothe von den Kommunikationswissenschaften wehrt sich vehement gegen die Auffassung, die Universität sei ein Dienstleister, lässt aber durchblicken, dass interessant gestaltete Lehrveranstaltungen bei ihm auch Freitagsmorgens gut besucht seien. Darin sind sich wieder alle einig: wenn die Qualität der Lehrveranstaltungen stimmt, kommen auch Studierende. Nur die leidet auch unter der Abwesenheit, wie die Umfrage von den Lehrenden zeigt, die ihre Veranstaltungen teilweise aufgrund mangelnder Teilnahme ändern müssen. Auch deswegen bleibt: ohne das Mitwirken der Studierendenschaft an einer Lösung wird es keine geben und dann wird es über kurz oder lang zu einer Anwesenheitspflicht kommen. Andere Bundesländer haben sie bereits wiedereingeführt.

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