shadow

Wieder ist eine ganze Woche rum. Und was für eine. Am Mittwoch waren es sogar schon über 20°C in Greifswald.

Da macht man sich zu Beginn der Woche noch ernsthaft Gedanken darüber, über was man am Sonntag eigentlich schreiben soll, aber dann kommt glücklicherweise wieder eine Stupasitzung. Dabei weiß man auch einige Tage danach irgendwie gar nicht so recht, was einen fassungsloser zurücklässt: Die Tatsache, dass das neugewählte Präsidium nach nichtmal einem Monat das Handtuch schmeißt oder die Einladung der NPD durch den AStA. So oder so: Die vergangene Stupasitzung war keine, auf die man selbst durch vier mehr oder weniger aktive Jahre in der Hochschulpolitik vorbereitet sein konnte. Nun ist es ja gewiss nicht das erste Mal, dass es einen Rücktritt aus dem Präsidium gab und auch ein Rücktritt des gesamten Präsidiums ist in ähnlicher Form schon mal vorgekommen. Damals wurde das aber wenigstens noch zu Beginn der Sitzung angekündigt und dementsprechend gab es die Möglichkeit, Nachfragen zu stellen. Ganz zum Schluss der Sitzung zurückzutreten und als Grund mangelnden Respekt anzugeben, gewürzt mit etwas situationsbezogener Gesellschaftskritik, ist da schon ein ganz anderes Kaliber. Respekt ist aber verdammtnochmal keine Einbahnstraße. Wer einem Gremium vorsitzt, ist diesem gegenüber auch verpflichtet. Das könnte man jetzt mit der reinen Erfüllung der satzungsgemäßen Arbeit erfüllt sehen, aber damit allein ist kein arbeitsfähiges Gremium zu machen. Aber genau das hätte die Greifswalder Studierendenschaft im Moment bitter nötig. Schließlich gab es da noch diese andere Kleinigkeit am Dienstag, die zu der wahrscheinlich längsten Personaldebatte in der Greifswalder Hochschulpolitikgeschichte führte: Die Einladung der NPD zu einer Podiumsdiskussion. Organisiert durch den AStA. Der AStA, der immer wieder bemüht war, zu betonen, wie wichtig doch Weltoffenheit und Toleranz für die Ernst-Moritz-Arndt-Universität sei. Der AStA, der mit einer Fotoaktion am 01. Mai noch ein klares Statement gegen Rassismus setzen wollte und Intoleranz sowie Rassismus den Vogel und nicht die Kiste von innen zeigen wollte. Dieser AStA wollte also – mit Zustimmung aus Präsidium und Stupa – einen verurteilten Gewalttäter aus den Reihen der NPD zu einer Podiumsdiskussion einladen. Die NPD. Aus demokratischen Gründen. Nun ist Demokratie ja bekanntermaßen eines der Steckenpferde der NPD, über die Einladung waren sie daher besonders erfreut. Die Zusage ihrerseits ließ dann auch nicht lange auf sich warten und kam noch schneller an als die Personaldebatte. Bevor diese letztendlich kam, konnte der AStA seine Beweggründe für die Einladung der NPD noch öffentlich während der Stupasitzung darlegen. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der NPD sei gewünscht; wenn sie argumentativ auseinandergenommen würde, würde der aufmerksame und eventuell noch unentschlossene Wähler schon merken, wessen Geistes Kinde die NPD sei, so die Hoffnung. Ein hehres Ziel, gäbe es da nicht das Problem, dass gruppenbezogener Feindlichkeit nicht mit Argumenten beizukommen ist. Die Rolle als politischer Underdog zieht in Debatten in der Regel leider besser als jedes Argument. Und der gemeine NPD-Wähler freut sich viel zu sehr darüber, dass seine Partei es aufgrund des neuen Greifswalder Weges geschafft hat, an einer offiziellen Podiumsdiskussion innerhalb einer Universität teilzunehmen. Der Verlauf der Debatte spielt dann bei der Wahlentscheidung keine Rolle mehr. Für die Mehrheit im Stupa spielte die Einladung der NPD scheinbar auch keine große Rolle. Nach einer Entschuldigung und der Beteuerung, dass man sich der Tragweite dieser Entscheidung nicht bewusst gewesen sei, entschied man sich dazu, alle Beteiligten “abzumahnen” und zwang ihnen noch eine Pressemitteilung auf. Da stellt sich den Nicht-Stupisten, die der Personaldebatte naturgemäß nicht beiwohnen konnten, unwillkürlich die Frage, welche Verfehlungen ein (hochschul)politisches Gremium begehen muss, um durch das Stupa von seiner Arbeit entbunden zu werden. Die NPD zu einer hochschulpolitischen Podiumsdiskussion einladen, reicht halt heute nicht mehr aus, da muss schon stärkerer Tobak her. Was macht Erdoğan eigentlich gerade? Ist ja schließlich fast wieder Dienstag. PS: Übrigens ein schönes Gefühl, von der NPD verlinkt zu werden. Danke dafür.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


CAPTCHA-Bild
Bild neu laden

Ähnliche Artikel