Interview mit Professor Roland Rollberg, Mitherausgeber des Protestblattes Nr.1
moritz: Was hat Sie und Ihre Mitautoren bewogen, jetzt ein solches Journal herauszugeben?
In Ermangelung des Original-Journals haben wir uns erlaubt, ein Jahr nach der letzten offiziellen Ausgabe unsere eigene satirische Version zu produzieren: zum einen, um an den schmerzlichen Verlust unserer vorzüglichen Universitätszeitung zu erinnern, zum anderen, damit von Pechmanns Schicksal nicht hinter verschlossenen Türen besiegelt wird. Immerhin haben wir so in der Ostsee-Zeitung vom 9. November 2005 einen sehr aussagekräftigen Bericht über die öffentliche Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Stralsund provozieren können. Darin war unmißverständlich zu lesen, daß Richter Rückert im Namen des Volkes keinen Zweifel daran ließ, „daß die von Pechmann vorgeworfenen Pflichtverletzungen nicht ausreichen, um eine Kündigung zu rechtfertigen“. Insofern ist von Pechmann moralisch uneingeschränkt rehabilitiert!
Haben Sie und Ihre Mitautoren um die akademische Karriere zu fürchten, nachdem Sie ein solches Schriftstück herausgegeben haben?
Zum Glück nicht! Auch unter dem herrschenden Zeitgeist der „political correctness“ sind wir noch nicht wieder so weit, daß man als beamteter Wissenschaftler um seine berufliche Zukunft bangen muß, wenn man sich in seiner Freizeit journalistisch betätigt und sein verfassungsgemäßes Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnimmt.
Wie schätzen Sie den Prozess gegen Edmund von Pechmann ein: Hätte er als Leiter der Pressestelle weiter beschäftigt werden können?
Da die Kündigungen laut Urteilsspruch nicht gerechtfertigt sind und da es sich bei den Rektoratsämtern um vergängliche Wahlämter handelt, hätte man meines laienhaften Erachtens nach nicht dem Auflösungsantrag des Landes stattgeben sollen. Anstatt Herrn von Pechmann seine existenzsichernde Stelle aus „Zumutbarkeitserwägungen“ heraus zu nehmen, hätte ich es sinnvoller gefunden, für ihn eine Übergangslösung bis zur nächsten Magnifizenz zu schaffen, die wahrscheinlich wieder gern mit Herrn von Pechmann zusammengearbeitet hätte – schließlich zählen die Altrektoren Kohler und Ohlemacher ja auch zu den Unterzeichnern der Protestaktionen vom März und Oktober.
Was fehlt an der Universität Greifs-wald ohne das Uni-Journal?
Eine höchst informative Universitätszeitung in feuilletonistisch-geistreichem Gewand, die in besonderem Maße auch der überregionalen Wahrnehmung der Ernst-Moritz-Arndt-Universität zu Greifswald gedient hat.
Wird es eine Nr. 2 des Protestblattes geben?
Wenn Herr von Pechmann auch beruflich wieder uneingeschränkt rehabilitiert wird, sehe ich da keine Notwendigkeit!
Geschrieben von Ulrich Kötter



