In Zeiten politischer Verwirrtheit fällt es nicht leicht einen klaren Kopf zu bewahren. Der Anklamer „DemokratieLaden“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie Demokratie umgesetzt werden sollte und den Weg in unsere Köpfe zurückfinden kann.

Die Ankunft in Anklam war alles andere als eine herzliche Begrüßung. Keine fünf Minuten vom Bahnhof entfernt wurden wir von geschätzten 25 Plakaten der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) und zehn Postern einer freien Kameradschaft begrüßt. Unfassbarer ist es noch, dass sich direkt daneben eine Kindertagesstätte befindet. Die Plakate wurden sauber angebracht und niemand hat versucht auch nur eines davon abzureißen. Fassungslosigkeit beherrschte diese Minuten des Betrachtens und skeptische Einwohner beobachteten, was wir denn da vor den Aufmachungen trieben. Mehrmals waren wir gezwungen Bewohner nach dem Weg zu fragen und nicht jeder schien uns gut gesonnen zu sein, wenn er unser Reiseziel erfuhr. Schlussendlich erreichten wir dennoch unseren Bestimmungsort: den „DemokratieLaden“. Dieser wurde am 21. März 2011 eröffnet und ist vom Marktplatz nur einen Katzensprung entfernt.

Demokratieladen in Anklam - hier soll Demokratie erlebbar gemacht werden

Freundlich wurden wir von Annett Freier und Tina Rath, den beiden Mitarbeiterinnen des Ladens, empfangen. „Demokratie erlebbar machen“, so lautet das Motto. Der Laden soll als Anlaufstelle für interessierte  Anklamer dienen. Darüber hinaus fungiert er zudem als Veranstaltungs, Ausstellungs- und Begegnungsstätte. Hier findet Demokratie nah am Bürger statt. „Dieses Bildungsprojekt wurde ganz bewusst in Anklam angesiedelt, weil hier eben nichts war, wo man sagen könnte, hier hat sich bereits Zivilgesellschaft wehrhaft gegen die rechtsextremen Entwicklungen organisiert“, erklärt Annett. Jedoch sind Tina und Annett nicht allein. Der Laden finanziert sich aus Fördergeldern der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern (LpB) und wird von vielen kreativen Köpfen der Stadt mitbestimmt. Hier erwachen Projekte, bei denen Annett und Tina als tatkräftige Berater zur Seite stehen, damit viele der Ideen eine mögliche Umsetzung finden können. „Es geht auch darum Schlüssel zu finden. Das Projekt sagt nicht, wir wissen wie bestimmte Schlüssel aussehen und in welches Schloss sie passen, sondern es ist Teil der Aufgabe den Schlüssel gemeinsam mit den regionalen Akteuren so zu bauen, dass er passt“, sagt Tina. Als Geschäftsstelle des Bildungsprojektes zur Entwicklung demokratischer Kultur und dem  „Demokratisches Ostvorpommern – Verein für politische Kultur e.V.“ soll hier eine Alternative zur rechten NPD geschaffen werden, die die Stadt selbst als „nationalen Leuchtturm“ betitelt. Demokratie und Toleranz sollen den Weg zurück in die Köpfe finden, ohne dabei mit dem erhobenen Zeigefinger daher zu kommen. Annett erzählt: „Da hängen die großen Naziplakate, die sind für alle Welt sichtbar, die nach Anklam kommt, aber das demokratische Engagement nicht und warum sollen wir uns verstecken und ihnen die Öffentlichkeit überlassen?“ Anklam eignet sich zudem als gewählte Geschäftsstelle, da sie zum einen als Kreisstadt fungiert und zum anderen durch die Verkehrswege als ein Knotenpunkt agiert.

Wie Demokratie „erlebbar“ gemacht werden kann, zeigt das entstandene Festival „Voices“, welches für Jugendliche und Familien dieses Jahr zum dritten Mal stattfindet. Am 7. Mai 2011 wird auf den Usedomer Peenewiesen von 12 bis 23 Uhr ein Spektakel für alle Altersklassen veranstaltet. Hier zeigt sich Demokratie und Akzeptanz von seiner besten Seite. Der Verein möchte den Menschen auf diese Weise nahe bringen, was Demokratie in seiner eigentlich Form heißt: „nämlich ich gestalte eine Gesellschaft mit“, so Annett und Tina. Gemeinsam konnten sie mehrere Projekte, vor allem mit der Anklamer Jugend auf den Weg bringen. Zum Beispiel wurde das örtliche Jugendzentrum durch gemeinsame harte Arbeit endlich neu renoviert. Genau diese Erfolge verschönern unter anderem das Stadtbild. Der „DemokratieLaden“ sollte als Vorbild gesehen werden, welchem weitere Landkreise und Städte folgen sollten!

Ein Bericht und Foto von Laura-Ann Schröder.

Richtigstellung:
Dieser Text entspricht nicht ganz der Heft-Version des Artikels. Er wurde an einer Stelle korrigiert. Wir schrieben im Heft „Nationalsozialististische Partei Deutschlands (NPD)“. Das ist nicht korrekt. Korrekt ist „Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD)“. Auch die hier verfügbare PDF wurde an entsprechender Stelle geändert.

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