Springer verkauft Ostsee-Zeitung an Madsack

Geschrieben von | Veröffentlicht am 5. Februar 2009 um 11:44 Uhr
Kategorien: Greifswald

Nach langen Verhandlungen ist der Deal perfekt: Die Axel Springer AG (u.a. BILD) verkauft ihre Beteiligungen an verschiedenen Regionalzeitungen an Madsack. Darunter ist die für Mecklenburg-Vorpommern und besonders für Greifswald einflussreiche Ostsee-Zeitung.

Wenn man es genau nimmt, übernimmt die “Lübecker Nachrichten GmbH” die Anteile der Axel Springer AG an der Ostsee-Zeitung GmbH & Co KG. Damit wird die Ostsee-Zeitung (OZ) eine 100-prozentige Tochterfirma der Lübecker Nachrichten.

Da die Axel Springer AG gleichzeitig ihre Beteiligungen an den Lübecker Nachrichten (49 Prozent) an die Verlagsgruppe Madsack verkauft, kann man von einem Verkauf der OZ insgesamt sprechen. Für die OZ sollen dabei lediglich 35 Millionen Euro geflossen sein.

Axel Springer trennt sich aber nicht nur von

der OZ, sondern auch von den Kieler Nachrichten (24,5 Prozent), der Leipziger Volkszeitung (50 Prozent) sowie ihren Anteil an der norddeutschen Verlagsholding Hanseatische Verlags-Beteiligung (23 Prozent). Käufer in allen Fällen ist die Verlagsgruppe Madsack (u.a. “Hannoversche Allgemeine Zeitung”). Das Gesamtvolumen der Transaktionen, die noch der Zustimmung der Kartellbehörden bedürfen, soll laut Ostsee-Zeitung insgesamt 310 Millionen Euro betragen.

Die Lübecker Nachrichten und die Ostseezeitung arbeiten bereits im überregionalen Mantelteil der zwei Zeitungen zusammen. Die Gewerkschaft DGB fürchte nun Entlassungen, falls die Mantelteile weiter zusammengelegt werden. “Die größte Tageszeitung an der Küste ist nun vollständig von den Lübecker Nachrichten abhängig”, bilanziert Ingo Schlüter vom DGB

Nord. “Unter diesen Umständen die publizistische Eigenständigkeit des Blattes und die Arbeitsplätze auf Dauer zu sichern, ist eine Herausforderung.”

Warum Springer seine profitablen Beteiligungen abgibt, ist nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise will sich der Verlag auf Osteuropa oder das Internet konzentrieren, wo mehr Rendite erwartet wird.

Ob sich etwas an der Qualität des umstrittenen Greifswalder Lokalteils ändert, hängt von der Strategie des neuen Investors ab.

Foto: Marco Herzog

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7 Kommentare zu “Springer verkauft Ostsee-Zeitung an Madsack”

  1. GKords sagt:

    Auf jeden Fall ein interessanter Vorgang. Könnte meines Erachtens auch mit der Wirtschaftskrise zusammenhängen, unter der Springer wohl nicht unerheblich zu leiden hat. Jedenfalls haben sie jüngst ihre große Gala zur Verleihung der Goldenen Kamera abgesagt und den Preis stattdessen ganz unspektakulär in ihrer Hausbibliothek verliehen.

  2. ret marut sagt:

    Madsack statt Springer: Von der Traufe in den Regen!
    Kritischer und seriöser wird der Journalismus dadurch auch nicht. Aber schon interessant, wie Madsack weiter gen Norden und Nordosten expandiert.
    Bei Madsack haben die Lokalredaktionen wirklich nicht mehr viel zu melden, der Mantel wird zentral gestaltet. Aber: Ist das bei der OZ heute wesentlich anders? Eine größere Entlassungswelle bei der OZ sehe ich jedenfalls nicht anrollen, anders als Kollege Schlüter. Ich werde am Wochenanfang mal beim FB 8 von ver.di nachfragen, was die dazu denken.
    Außerdem lohnt es sich wahrscheinlich auf N3 am 11.02.2009 um 23:00 Uhr mal wieder bei ZAPP reinzuzappen, um in dieser Sache auf dem Laufenden gehalten zu werden. ;)

  3. Dein persönlicher Feldzug gegen die Lokalredation der OZ wird langsam langweilig.

  4. El Panso sagt:

    Ohja, dieser Artikel ist ganz eindeutig ein Feldzug gegen die OZ, alle Burschenschaftler, Thor Steinar Pullis und achja voller Beleidigungen gegen Kommentatoren.

  5. An anderer Stelle:
    http://www.mvregio.de/nachrichten_region/187979.h
    steht, dass der HVB-Anteil an den Lübecker Nachrichten in der Hand des Springer Konzerns bleibt. Damit bliebe über diese Minderheitsbeteiligung der Einfluss aus dieser Richtung erhalten.

    Anm.: Wenn man Madsack auf Englisch schreibt, d.h. mad sack, wird daraus ein verrückter Überfall. Hoffentlich kein Hinweis auf die weitere Entwicklung der OZ.

  6. PS: Madsack ist eher nicht für CDU-nahe oder gar (ja, das ist mittlerweile schon ein Unterschied) konservative Publizistik bekannt. Insofern dürfte sie das Problem über kurz oder lang von alleine lösen.

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