retro.kolumne: Bands

retro.kolumne: Bands

Retro, retro, retro yeah! Die neue Kolumne über alte Dinge. Kennt Ihr diese Spiele, Filme, Accessoires noch? Aus der Kindheit, meist noch aus den 90ern, stammten sie und sind vielleicht ja doch noch ein Guilty Pleasure des ein oder anderen. Dieses Mal mit dem Thema: Bands

Rückblende: Wir befinden uns in den 90ern. Genauer gesagt im Jahr 1995. Denn genau in diesem Jahr erblickte ich das Licht der Welt. Mehr oder minder gehöre ich damit zur Generation der Millennials. Heute hat man schon fast vergessen, dass die Menschen damals an Silvester 1999 dachten, dass die Welt untergeht. In Anbetracht der heutigen umwelt- und klimapolitischen Lage ist diese Tatsache ein richtiger Schenkelklopfer. Aber weiter im Kontext…

Geprägt durch meine sehr viel ältere Schwester fand ich früh Kontakt zur Musik und zu den üblichen Fernsehsendern MTV und VIVA. Wenn ich eins vermisse, dann diese beiden Sender und zwar genauso wie sie Ende der 90er bis Anfang der 2000er waren. Nicht der Shit, der danach kam.

Music makes you lose control

Du wirst dir vielleicht denken, dass ich jetzt gleich von Tokio Hotel schreiben werde, aber nö. Diese Band war nicht so meins. Ich schreibe auch nicht von den Backstreet Boys. Es sollen keine traumatischen Erfahrungen geweckt werden. Gott, was war das damals für eine Katastrophe. Wo sie doch zuvor sangen ,,I’ll never break your heart”. Wir alle wissen spätestens nach unserer ersten Beziehung, dass dieser Satz eine Lüge ist.

Es ist für mich gar nicht so leicht eine Band zu finden, von der ich sagen würde, dass ich sie konsequent über die Jahre gehört habe. Nie habe ich ein Fan-Dasein gehegt. Fanszenen habe ich ehrlich gesagt nie so richtig verstanden. Dennoch gab es zwei Bands, die mich trotz ihres musikalischen Wandels immer wieder mit ihren Texten berührt haben.

Will eventually be a Memory of a time when…

Linkin Park hat sich im Jahr 1996 damals noch unter dem Namen ,,Xero” gegründet. Die Band bedient ein weites Genrespektrum, welches von Electro Rock bis Post-Grunge reicht. Im Jahr 1999 gewann sie mit Chester Bennington ihren charismatischen Frontsänger hinzu und der Erfolg setzte prompt nach ihrem ersten Album ,,Hybrid Theory” ein. Bis heute ist die Band eine der erfolgreichsten Bands des 21. Jahrhunderts. Am 20. Juli 2017 beging Chester Bennington Suizid. Für Millionen von Fans brach damit eine Welt zusammen. Durch seine Texte, die auch von Schwermut und Hoffnung geprägt waren, wird Chester aber dennoch in den Herzen seiner Fans am Leben gehalten.

Hier meine persönlichen Lieblingslieder:

  1. Crawling
  2. Bleed it out
  3. Faint
  4. Leave out all the rest
  5. Papercut

Please don’t put your life in the hand of a Rock’n’Roll Band

Zugegeben ist Coldplay keine Rock’n’Roll Band, sondern mehr eine britische Pop-Rock-Band. Ebenfalls wie Linkin Park gründete sich die Band im Jahr 1996. Anfang der 2000er Jahre fand Coldplay ihren kommerziellen Durchbruch mit ihrem ersten Album ,,Parachutes”. Mittlerweile hat die Band weltweit über 80 Millionen Tonträger verkauft. Aber ihr Erfolg ist ihnen nicht zu den Köpfen gestiegen. Seit mehreren Jahren unterstützt Coldplay soziale Organisationen wie Amnesty International und Oxfam.

Hier meine Lieblingslieder der Band:

  1. Shiver
  2. In my Place
  3. Don’t Panic
  4. Speed of Sound
  5. The Scientist

Welche Bands haben dich über die Jahre begleitet?

Mimimi-Mittwoch: Die Mär vom politisch Neutralen

Mimimi-Mittwoch: Die Mär vom politisch Neutralen

Wut, Hass, Zorn: All diese Gefühle verbindet man so manches Mal mit seinen Mitmenschen. Genau für solche Momente ist diese Kolumne da. Wann immer wir uns mal gepflegt über Leute auslassen oder uns auch generell mal der Schuh drückt, lest ihr das hier.

Seit ich hier an der Uni studiere, kursieren Begriffe wie ,,unideologisch‘‘, ,,unpolitisch‘‘ und ,,politisch neutral‘‘. Es ist die Pest. Setzen sich Studierende gegen Diskriminierung, Rechts oder sonstige menschliche Widerwertigkeiten ein, dann sind sie ideologisch. Meistens kommen diese Kampfbegriffe, die mehr dazu dienen, das politische Gegenüber zu entwaffnen, aus dem liberalen oder konservativen Spektrum. Dabei ist nichts ideologischer als der Konservativismus, der Politik mit Religion vermischt, um seine Ansicht von der Ungleichheit der Menschen zu verbreiten. Wenn das im Islam geschieht, dann geht natürlich gleich das Abendland unter und alle kleinen Provinz-Politiker*innen fühlen sich berufen, vor ihrer Provinzpresse den Satz ,,Der Islam gehört nicht zu Deutschland‘‘ zu sagen.

Aber auch der Liberalismus ist nicht besser. Vom ursprünglichen Gedanken der Französischen Revolution – wir erinnern uns: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit – abgewichen, dient er heute mehr als Bettvorleger des Kapitalismus. Anhänger*innen dieser Ideologie beten den Satz ,,Der Markt regelt alles‘‘ von morgens bis abends runter. Studierende der Wirtschaftswissenschaften, die im Studium aufgepasst haben, werden wissen, dass das eine Utopie ist. Unter schwarz-weiß Christian Lindner aka. Gott für alle, die die ,,Männlichkeit‘‘ anders als bei Anhänger*innen von Bernd Höcke schon gefunden haben.

Halten wir also fest: sowas wie ,,unideologisch‘‘ gibt es nicht. Jeder Mensch hat irgendwelche Werte und Normen, glaubt an eine Religion oder zumindest an die Vorstellung, dass alle Menschen gleich viel wert sind oder eben nicht. Denn Ideologien sind am Ende des Tages nur Weltanschauungen, die entweder darauf aus sind zu töten oder Menschen miteinander zu verbinden.

Das Private ist politisch

Auch die Erzählung vom vermeintlich ,,Unpolitischen‘‘ ist unlogisch. In meinem bisherigen Leben bin ich noch nie auf einen Menschen getroffen, den ich als unpolitisch bezeichnen würde. Nicht alle sind parteilich organisiert oder sitzen jeden Abend vor ihren Flimmerkisten um drittklassige Polittalkshows zu gucken, die nicht der Ermündigung der Menschen dienen sondern vielmehr der semikritischen Betrachtung des Politikbetriebs mit Politiker*innen, denen es neben Leidenschaft auch oft an Augenmaß fehlt. In den späten 60er Jahren, als es noch Menschen mit Haltung gab, machten diese Sendungen auch noch Spaß – heute sitzen Menschen mit Haltung vor Gericht, weil sie sich an geltendes Menschenrecht gehalten haben und Menschen vor dem sicheren Tod im Mittelmeer gerettet haben.

Und wie steht es um die ,,politische Neutralität‘‘?

Ja, wenn du nicht gerade im Sinne des Staates also als verbeamtete Person arbeitest, ist auch diese Phrase ganz großer Quatsch. By the way heißt das übrigens nicht, dass Lehrkräfte keine politische Einstellung haben dürfen. Sie dürfen und sollten für bestimmte Grundwerte stehen. Jedoch sollten sie dabei keine Parteipolitik verbreiten.

Fazit: Die Begriffe ,,politische Neutralität‘‘, ,,unideologisch‘‘ und ,,unpolitisch‘‘ sind nicht nur dämlicher Sprech aus liberal-konservativer Seite, sie verhindern auch den gesellschaftlichen Diskurs über wichtige politische Anliegen. Wenn Personen wie Greta Thunberg zum Beispiel auf ihren Asperger Autismus oder wahlweise ihr Alter reduziert werden, dann hat das nicht nur damit zu tun, dass wir von vielen alten, weißen, verbitterten Männern der Wirtschaftswunderjahre regiert werden (man könnte auch den Begriff Patriachat droppen) – nein, dann hat das auch damit zu tun, dass sie durch Personen wie Greta vorgesetzt bekommen, wie mittelmäßig sie sind. Wenn Leute unserer Generation jetzt bewusst für 24h nach Malle fliegen, weil Malle heutzutage mehr als einmal im Jahr ist, dann hat das damit zu tun, dass wir insgeheim alle wissen, wie verloren wir sind. Nicht einmal die Pariser Klimaziele, insofern diese erreicht werden sollten, werden einen Temperaturanstieg von weniger als 1,5 Grad verhindern können. Und dieses unterbewusste Schwarmwissen lähmt uns. Deswegen neigen einige Personen dazu unter dem Mantra ,,Live fast, die young‘‘ zu leben, während andere ,,ideologisch‘‘ bei Fridays for Future mitprotestieren. 

Beitragsbild von Jannik Texler auf Pixabay
Banner: Julia Schlichtkrull

(Un)sicherheitsbehörden – Rechtsradikale in der Polizei und ihr Folgen

(Un)sicherheitsbehörden – Rechtsradikale in der Polizei und ihr Folgen

Zu diesem Thema luden vorgestern, am 06.02., der AkJ, LOBBI und das Bündnis ,,Greifswald für alle‘‘ zur Podiumsdiskussion ins St. Spiritus ein. Als Gäste auf dem Podium saßen Gunnar Mächler (leitender Polizeidirektor aus Greifswald), zwei betroffene Menschen aus Rostock und Greifswald und die TAZ-Journalistin Christina Schmidt, welche zu Nordkreuz recherchiert hat. Moderiert wurde die Veranstaltung durch Kristin Zimmermann vom Radio LOHRO.

Nach ein paar kurzen einleitenden Worten von LOBBI fing die Diskussion an. Im Zentrum der Thematik standen dabei aber nicht die Täter*innen und ihr Weg von der Arbeit als Beamt*innen der Exekutive bis zum Teil einer rechtsextremen Terrorgruppe, sondern die Betroffenen.

Zwei Personen erzählten von unterschiedlichen Vorfällen, die sie zum Opfer von rechten Polizist*innen machen. Person A arbeitet im sozialen Bereich und war jahrelang parteipolitisch aktiv in der Kommunalpolitik. Er erfuhr Monate nach dem Bekanntwerden der rechtsterroristischen Nordkreuzgruppe per Schreiben durch das Landeskriminalamt, dass er auf der Liste der Personen steht, die bei einem Zerfall der politischen Ordnung (gemeint ist hiermit das rein subjektive Empfinden der Nordkreuzmitglieder, welche an Verschwörungstheorien wie die des “großen Bevölkerungsaustauschs” glauben) mit Löschkalk und Leichensäcken beseitigt werden sollten. Person B aus Greifswald wurde durch die Veröffentlichung ihrer bisher unveröffentlichten personenbezogenen Daten durch Rechte in einer Facebook-Gruppe hellhörig. Sie stellte einen Antrag zur Überprüfung ihrer abgefragten Daten und wurde dabei auf dem Namen eines AfD-nahen Polizisten aufmerksam. Dieser Fall geht seit einigen Tagen auch durch die Presse.

Über das Thema Nordkreuz alleine kann man schon ein Buch schreiben, deswegen wird an dieser Stelle auf eine ausführliche Schilderung verzichtet. Was auch nach der Podiumsdiskussion bleibt ist die Gewissheit, dass der Staat hilflos erscheint im Kampf gegen Rechte innerhalb und außerhalb staatlicher Institutionen. Und es bleibt die Angst der Betroffenen. Derer, die informiert wurden durch das Landeskriminalamt, aber auch von jenen, welche nicht informiert wurden, weil Verantwortliche wie Lorenz Caffier seit Jahren massiv die Gefahr von Rechts unterschätzen und dadurch indirekt Unterstützung leisten, dass sich rechte Strukturen stärken.

Interessant waren auch die teilnehmenden Gäste der Veranstaltung. Neben einigen Polizist*innen, war auch ein Mitglied einer AfD-nahen Studentenverbindung anwesend, welcher auch mit Nikolaus Kramer (ehemaliger Polizist, MdL und Vorsitzender der AfD-Fraktion im Landtag) zu Besuch bei der Landtagsfraktion war und natürlich regelmäßig mit den hiesigen rechtsextremen Burschenschaften verkehrt.

Wer mehr zum Thema (Un)sicherheitsbehörden erfahren möchte, dem sei das Buch ,,Extreme Sicherheit – Rechtsradikale in Polizei, Verfassungsschutz, Bundeswehr und Justiz‘‘ von Matthias Meisner ans Herz gelegt.  

Beitragsbild: Flyer LOBBI

We’re not gonna take it – Gemeinsam gegen rechte Gewalt und in Solidarität mit dem Jugendzentrum Klex

We’re not gonna take it – Gemeinsam gegen rechte Gewalt und in Solidarität mit dem Jugendzentrum Klex

Das neue Jahr ist gerade einmal einen Monat alt und schon kam es vermehrt in Greifswald und Umgebung zu rechten Straftaten. Trauriger Höhepunkt in Greifswald war der Molotowanschlag auf das Jugendzentrum Klex währenddessen sich noch Menschen im Haus befanden. Wenige Tage später kam es ebenfalls vorm Klex zu einer ,,volks”-verhetzenden Straftat, bei der ein Mann antisemitische Parolen rief. Daraufhin fand heute eine Solidaritätsdemo statt. Hier ein Bericht.

Gegen 14 Uhr versammelten sich laut Polizeibericht rund 300 Personen auf dem Greifswalder Marktplatz. Anders als bei den Demos für Arndt war hier von kleinen Kindern bis älteren Menschen alles vertreten. Unterschiedliche Menschen verschiedener Initiativen, Politiker*innen, ein Teil des AStAs, Hochschulmitarbeiter*innen, verschiedene andere Gruppen und die Zivilgesellschaft setzten ein Zeichen gegen rechte Gewalt.

In den Reden kam die Angst vor einer Rückkehr der Zuständen der sogenannten #Baseballschlägerjahre (bei Twitter findest du unter dem Hashtag mehrere Beiträge zu dem Thema) zum Ausdruck, aber auch die Zuversicht, dass den Nazis hier vor Ort eine starke solidarische Community etwas entgegengesetzt wird. Von Seiten der Polizei kann man bis auf den üblichen ambivalenten Schutz bei Demos keinen Schutz erwarten. Selbst wenn die Polizei den inneren Drang verspüren würde, Menschen, die vor Nazis zur Zielscheibe erklärt werden, adäquat schützen zu wollen, so fehlt der Polizei dafür das Personal.

Und gerade weil das so ist, kommt es auf die Gesellschaft an. Ja, vielleicht genau auf dich. Denn vielleicht gehörst du ja zu den Personen, die zwar politisch interessiert sind, aber nicht auf Demos gehen. Aber vielleicht braucht es, damit du auf Demos gehst, erst einen Kipppunkt, der dich persönlich betrifft. Vielleicht erkennst du aber auch, dass mit Anschlägen auf Jugendzentren, kulturellen Begegnungsstätten und Menschen, die für eine progressive Gesellschaft kämpfen, nicht alleine sie gemeint sind, sondern wir. Und vielleicht führt dich diese Erkenntnis dazu, dass du bei der nächsten Demo auch mit dabei bist und zusammen mit den anwesenden Menschen sagst ,,We’re not gonna take it!”

Fotos: Ole Kracht

Ravensbrück. Ein Konzentrationslager für Frauen.

Ravensbrück. Ein Konzentrationslager für Frauen.

Wenn du zu einer Mahn- und Gedenkstätte fährst, dann ist das kein gewöhnlicher Wochenendausflug. Du machst es bewusst. Du fährst in dem Bewusstsein, dass nach so einem Tag immer etwas zurückbleibt. Vielleicht bricht ein Teil in dir und vielleicht gewinnst du einen Teil dazu. Wirklich beeinflussen kannst du es nicht. Heute jedenfalls möchte ich dir von meiner Exkursion zur Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück erzählen.

Ravensbrück ist nicht die erste Mahn- und Gedenkstätte, welche ich besuche. Als in der achten Klasse das Thema ,,Nationalsozialismus” behandelt wurde, fuhren wir zur Gedenkstätte Bergen-Belsen. Wer das Tagebuch von Anne Frank gelesen hat, weiß, dass in diesem Konzentrationslager neben vielen anderen bekannten Häftlingen auch Anne und ihre Schwester Margot Frank inhaftiert waren und ihren Tod fanden. Wer das Tagebuch noch nicht gelesen hat, sollte dies unbedingt tun!

Damals wie heute ist der Besuch eines ehemaligen Konzentrationslagers für mich jedes Mal eine neue Erschütterung. Ja, das Wort ,,Erschütterung“ trifft es sehr gut. Lange habe ich ein passendes Wort gesucht, um dieses Gefühl ausdrücken zu können. Das Wort ,,Schock“ empfand ich als ziemlich unpassend. Seit mehr als einem Jahrzehnt beschäftige ich mich mit dem Thema ,,Nationalsozialismus”, habe unzählige Bücher gelesen, ungefähr jede Doku gesehen und studiere mittlerweile Geschichte. Abgestumpft hat mich das alles nicht. Jede Gedenkstätte ist anders. Jede Gedenkstätte macht diese Verbrechen an der Menschheit fassbarer als jedes Buch und jede Doku.

Letztes Jahr war ich auf Exkursion in Prag. Auch hier besuchten wir eine Gedenkstätte: die Gedenkstätte Theresienstadt. Bergen-Belsen und Theresienstadt könnten nicht unterschiedlicher sein – es ist schwierig zu beschreiben. Wenn ihr die Chance habt, einmal eine Mahn- und Gedenkstätte eines ehemaligen Konzentrationslagers zu besuchen, dann macht es!

Ravensbrück ist nochmal ganz anders als Theresienstadt und Bergen-Belsen. Vieles ist in Ravensbrück nicht mehr erhalten. Zu DDR-Zeiten war nur ein kleiner Teil begehbar. Erst seit ein paar Jahren wird versucht, die Gedenkstätte wieder aufzubereiten. Wirklich gut erhalten sind jedoch die Häuser der Aufseher. Heute befinden sich darin Schlafmöglichkeiten und eine Kantine. Kannst du dir vorstellen da zu schlafen und zu essen, wo bis vor ein paar Jahrzehnten Nazis geschlafen und gegessen haben? In meiner Vorstellung ist das sehr makaber …

Ich hatte das Glück mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Frau Bärbel Schindler-Saefkow dort zu sein. Frau Schindler-Saefkow ist nicht nur Historikerin, sondern auch eine Zeitzeugin. Ihr Vater Anton Saefkow war Kommunist und baute eine große Arbeiterwiderstandsgruppe auf. Er wurde durch die Nationalsozialisten hingerichtet. Ihre Mutter Aenne Saefkow war ab 1944 in Ravensbrück interveniert. Die Schilderungen von Frau Schindler-Saefkow stammen also aus erster Hand. Ich kann es schlecht anders beschreiben, aber eine Führung mit Zeitzeugen ist immer etwas ganz Besonderes. Du kannst dir sicherlich vorstellen, was ich damit sagen will.

Skulptur ,,Tragende“ von Willi Lammert (Bildquelle: Ada Berg)

Diese Skulptur steht auf einem hohen Sockel und ragt über dem Schwedtsee auf. Auch die Menschen im Konzentrationslager konnten über den Schwedtsee Fürstenberg erblicken – die Kleinstadt, die direkt an das Konzentrationslager angrenzt. Die Bewohner*innen von Fürstenberg haben die Menschen auf dem Weg zu Arbeitseinsätzen durch die Stadt gehen sehen. In Schilderungen berichten die Bewohner*innen, dass sie von ,,nichts gewusst hätten“ … Interessant an der Skulptur ist die Geschichte dahinter. Bei einer Art ,,Appell“ mussten die Frauen lange stehen und verharren. Dies zerrte natürlich an den Kräften der Frauen, sodass sie nicht selten aus Erschöpfung zusammenbrachen. Das Zusammenbrechen war das sichere Todesurteil. Eine Frau jedoch zeigte Solidarität und trug die entkräftete Frau auf Händen. Aber es half nichts. Am Ende wurden beide Frauen getötet.

(Bildquelle: Ada Berg)

Stufen ragen in den Schwedtsee hinein. Auch in Ravensbrück wurden Menschen vergast. Da die Nazis nicht wussten wohin mit der Menge an Asche, wurde sie in den Schwedtsee gekippt. Um dem zu gedenken, legten wir Blumen auf die Wasseroberfläche nieder während Schwäne ihre Kreise zogen.

(Bildquelle: Ada Berg)

Unter einem großen Rosenbeet liegen weitere unzählige Frauen und Kinder in Asche begraben. Jedes einzelne Land, aus dem die getöteten Menschen stammten, züchtete eine eigene Art von Rose, um sie in Ravensbrück zu pflanzen. Nur in Ravensbrück gibt es diese speziellen Rosen. An der dahinterliegenden Mauer stehen in einzelnen Abschnitten die Namen der über 40 Länder. Ungefähr 28.000 Menschen wurden in Ravensbrück ermordet.

Da wir wieder in düsteren Zeiten leben, verzeihe mir folgende Abschlussbemerkung: Ja, Geschichte wiederholt sich bekanntlich nicht, dennoch ist ein erneuter Holocaust möglich. Wer daran nicht glaubt, vergisst die alltäglichen Unmenschlichkeiten auf der Welt. Siehe nicht weg! Siehe hin und sage entschlossen: ,,Nein!“.

Beitragsbild: Ada Berg