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Diese Betonwände, ich meine die der Wolfsschanze (Beitragsbild), an denen sich Sprengmeister die Zähne ausbissen und die an einem der schönsten Flecken Nordosteuropas liegen, haben sich in das Gedächtnis eingebrannt. Sie verstecken sich tief in den masurischen Wäldern. Monumental, beeindruckend, sogar spannend auf der einen Seite, bedrohlich auf der anderen. Bedrohlich meint hier nicht die Gefährlichkeit der Bauwerke für Touristen, die sie betreten – denn das ist hier so ziemlich uneingschränkt möglich. Ich denke da eher an die Truppenbewegungen und Manöver in Polen in letzter Zeit.

Die Bunker scheinen dann wohl doch keine mahnende Funktion zu tragen, obwohl die Wolfsschanze jährlich von vielen Besuchern begutachtet wird. Im Allgemeinen geht es wieder brutal zu, oder nicht? Die Angriffe auf Gaza sind nur die aktuellsten Bilder. An vielen Orten gibt es sinnloses Blutvergießen. Vor der Haustür konnten wir in den letzten zwei Jahren die US-Transporte live erleben, welche den Leuten Angst einjagten und dies bestimmt jetzt noch tun. Als Außenstehender ist es schwer einzuschätzen, ob das nur Säbelrasseln ist oder ernst. Es wirkt jedenfalls unheilvoll wie die tanzende Kobra vor dem Biss, als ob er jederzeit wieder beginnen könnte. Der Krieg. Dabei ist das Ende des ersten Weltkriegs noch keine 100 Jahre her, der am 11. November seinen Hundertsten „feiern“ würde. Die Denkmäler stehen überall bei uns in der Stadt und auf dem Land. Anscheinend reich(t)en sie nicht. Damals und heute. Die Daten vom „Zweiten“ brauche ich nicht zu nennen. Ebenso gibt es ein Datum im Jahr, das heute den Beinamen „Tag des Widerstands“ trägt. Am 20. Juli 1944 versuchte eine Gruppe Widerständler Einfluss auf die Geschichte in Europa zu nehmen. Wie die Geschichte verlaufen wäre, wenn das Attentat funktioniert hätte, darüber sollen Historiker entscheiden. Der in Afrika schwer verwundete Carl Schenk Graf von Stauffenberg flog vom Flugplatz Rangsdorf bei Berlin zu einem Meeting in der Wolfsschanze. Von dort aus ging es per Flugzeug wieder zurück nach Rangsdorf. Auf den Landebahnen brachten übrigens auch Heinz Rühmann und Beate Uhse (ob die Studierenden mit dem Namen noch etwas anfangen können?) ihre Maschinen sicher zu Boden.

Und heute war mal wieder der 20. Juli. Im Berliner Tiergarten am Bendlerblock hatte die Bundeswehr den Akt zum Gedenken an Stauffenberg vorbereitet und in Rangsdorf um 15:00 Uhr die Gemeinde. Nicht jedem Studierenden dürfte Rangsdorf ein Begriff sein. Es ist eine Gemeinde, die mehr Einwohner hat als Greifswald Studenten und Studentinnen. Bei tropischen Temperaturen versammelte sich am Ufer des malerisch schönen Rangsdorfer Sees an jenem Freitag eine Gruppe Gedenkender. Den einführenden und mahnenden Worten von Bürgermeister Klaus Rocher folgte ein Vortrag über Oberst Hansen, einem Mitverschwörer, der in Rangsdorf ein Haus besaß. Nach dem Attentat wurde er, so referierte der Redner, zum Tode per Strick verurteilt. Ein Strick war es nicht, eher ein Draht, der einen dreißig-minütigen Todeskampf nach sich zog. Anschließend wurden zur Ehre der Widerständler vor dem Stein der Kranz und Blumen abgelegt.

Der Stein ist, ja, man muss es zugeben, relativ winzig. Dafür gibt es Gründe. Die Anerkennung des Tages als Tag des Widerstands zog sich etwas. Außerdem war dieses Gelände in Rangsdorf mit Problemen behaftet. Dadurch, dass die sowjetischen Streitkräfte hier nach dem Ende des zweiten Weltkriegs anwesend waren, konnte das Flughafengelände nicht betreten werden. Dennoch ist das hier ein kleines schönes Fleckchen Erde für ein kleines Denkmal. Im nächsten Juli jährt sich das Attentat zum 75. Mal.

Fotos: Michael Fritsche

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