Caspar David Friedrich war einer der größten Maler der Romantik. Deshalb bekam er pünktlich zu seinem 230. Geburtstag endlich eine neue Wohnungseinrichtung geschenkt, gestiftet von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung.

Die Stadt Greifswald stellt die Räumlichkeiten mietfrei und auf unbestimmte Zeit zur Verfügung. Gegen ein kleines Entgelt von 1,50 Euro (ermäßigt 1 Euro) kann man nun seit dem 5. September 2004 das Caspar David Friedrich-Zentrum in der Langen Straße 57 auf eigene Faust erforschen. Dies taten wir dann auch prompt. Eine freundliche ältere Dame saß am Empfangstisch und freute sich über studentisches Interesse. Sie erklärte sich freundlicherweise bereit, uns nach Möglichkeit Auskunft über das Caspar David Friedrich-Zentrum zu geben. Auch die lichte, freundliche Atmosphäre machte den Besuch sehr angenehm. Wir nahmen uns zuerst eine Schiebetafel vor, der man alles Wissenswerte über Caspar, David und Friedrich entnehmen kann. Diese füllt nebst Museumsshöppchen und Sitztischchen (die Kissen sind mit Motiven Friedrichs bedruckt) den Eingangsraum auch schon aus. Highlights  im Shopangebot sind unter anderem Seifen mit dem Originalwappen der ehemaligen Friedrichschen Seifensiederei sowie eine Briefsammlung Friedrichs in Buchform und ein bebilderter Kalender. Nachdem man diese Fülle kleiner Schmankerl eingehend bewundert hat, zieht es einen in den nächsten Raum des Zentrums. Hier wird ein Bezug zwischen Friedrichs zahlreichen Rügenreisen und seinem Werdegang hergestellt. Eine Karte von der Insel Rügen zeigt die verschiedenen Stationen seiner Reisen. Exemplarisch werden einzelne Zeichnungen Friedrichs jener Orte gezeigt, an denen er auf diesen Reisen verweilte.
Wir gehen in den Keller. Hier erwartet den Besucher der erste von zwei Kellerräumen, in denen die Friedrichsche Seifensiederei einst untergebracht war. Dieser wurde zur Eröffnung des Zentrums insbesondere für (Dia-) Vorträge hergerichtet. Den zweiten Raum hat man weitestgehend in seinem ursprünglichen Zustand belassen. In ihm befinden sich ein alter Siedekessel, ein Ofen, diverse Kellen sowie ein großer Bottich voller Pottasche. Man kann  alle Arbeitsschritte der Seifenherstellung einfach nachvollziehen. Relativ neu ist der Holztisch zum Kerzenziehen, der in der Mitte dieses Raumes steht. An ihm kann der Besucher auch heute noch in angebotenen Workshops die eine oder andere Kerze für sich ziehen, wie es schon zu Friedrichs Zeiten gemacht wurde. Hier endet der Besuch des Zentrums mit einigen interessanten Eindrücken in das Leben Friedrichs.
An manchen Wochenenden, Ende letzten Jahres speziell in der Adventszeit, bietet das Zentrum Vorträge und Workshops an. So konnte man sich zum Beispiel an den Samstagen der Adventswochen von Herrn Dr. Lissok viel Wissenswertes über ?Friedrichs künstlerische Zeitgenossen in Vorpommern? erzählen lassen oder ?Last-Minute-Geschenke bei Caspar David Friedrich? basteln.
Seit dem Jahr 2001 schreibt die Caspar-David-Friedrich-Gesellschaft e.V. jährlich den Caspar-David-Friedrich-Preis aus, der studentischen Künstlern aus Orten, an denen Friedrich gewirkt hat, verliehen wird. Der Preis wird dotiert mit 2.000 Euro. Die Künstler sollen einen geistigen Bezug zu den Werken Friedrichs herstellen und sich in ihrer Arbeit aus dem Bereich der Bildenden Kunst mit aktuellen Fragestellungen zum Verhältnis von Mensch Natur und Kunst auseinandersetzen. Letztes Jahr wurde der Preis am 5. September verliehen, dem 230. Geburtstag Caspar David Friedrichs. Er wurde dem jungen Künstler Martin Mannig im Pommerschen Landesmuseum überreicht. Wie alle Gewinner des Preises durfte auch er seine Arbeiten dort eineinhalb Monate ausstellen.

Friedrichs 230. Geburtstag

Die Preisverleihung fand im Rahmen der Feier zu Friedrichs 230. Geburtstag statt. An diesem Sonntagnachmittag veranstaltete das Pommersche Landesmuseum am Schießwall unter strahlend blauem Himmel ein Hoffest, dessen Themenschwerpunkt Caspars Bruder Christian Friedrich war und zu dem auch Familien mit ihren Kindern eingeladen waren.
Die Kleinen durften sich im Hof an Mitmachständen versuchen, zum Beispiel an der Holzschnitttechnik. Alternativ konnten sie das auch bei Bildbetrachtung und dem Anfertigen von Collagen tun, Betreuung natürlich inklusive. Wem das nicht reichte, der schaute sich das niedliche Figurentheater in der Galerie an.
Für die Großen lief dort anschließend ein Diavortrag über ein Bildnis, welches Friedrichs Bruder Christian darstellt. Später waren in der Museumsstraße einige musikalische Beiträge und Gedichte nicht alltäglicher Art zu genießen. Den Abschluss des Abends bildete die Vorführung eines Films des WDR, der anlässlich des 200. Geburtstags Friedrichs gedreht wurde. Sein Titel, bezeichnend für das, wofür Friedrich meist versinnbildlicht wird, was aber sein Schaffen und seine Interpretation der Kunst exakt beschreibt: ?Caspar David Friedrich – Leben und Werk des romantischen Malers?.
Öffnungszeiten des Zentrums in der Langen Strasse 57 / Eingang Turmgasse von Januar bis Mai 2005:
Dienstag bis Samstag 11.00 – 16.00 Uhr

www.caspar-david-friedrich-gesellschaft.de

Geschrieben von Anne Bingezu und Stephan Kosa