Alle Artikel von Sandro Teuber

Mensa-Workshop in der Projektwoche

Geschrieben von | Veröffentlicht am 18. Mai 2010 um 14:10 Uhr

In der kommenden Woche bietet die Grüne Hochschulgruppe (GHG) in Zusammenarbeit mit der AG Projektwoche einen Workshop an. Dabei geht es um eine Umgestaltung des Menüs in der Mensa, indem für die Mensa und die Studierendenschaft Leitlinien erarbeitet werden, wie  in Zukunft ökologisch sinnvoll eingekauft werden soll. Es wird gekocht, diskutiert und Flyer werden erstellt. Die großen Schlagworte sind: ökologisch, fair, saisonal, regional und ausgewogen. Weil in der Mensa Anfang März der Abteilungsleiter entalssen wurde, fehlt dort zurzeit ein Fürsprecher für die Öko-Bewegung. Die  Projektplaner haben mit der Mensa Greifswald einen Termin Anfang Juli geplant, um eine Woche lang Bio-Gerichte anzubieten. Diese Gerichte sollen von den Studenten in der Projektowche selbst erstellt und probiert werden.

Mensa am Schießwall

Den kritischen Anmerkungen der Mensaleitung, die Studierenden würden zu wenig Bio-Essen für ein sinnvolles und wirtschaftliches Angebot kaufen, wollen die Projekt-Mitarbeiter mit einer ehrgeizigen Werbekampagne entgegentreten. Tobias Dahms, Leiter der AG Projektwoche meint hierzu, es gebe bereits jetzt genügend Nachfrage für Bio-Essen unter den Studenten – nur würden diese die Mensa generell eher meiden. Die Gruppe plant mit täglich mindestens 40 Bio-Essen, die man in der Mensa verkaufen könnte.

Mensa nach Entlassung des Chefs derzeit führungslos

Insgesamt sieht die Lage beim Bio-Essen eher schlecht aus. Da der bisherige Mensa-Leiter Klaus Zeidler Anfang März entlassen wurde, ist die Mensa Greifswald derzeit “führungslos” und hat ihren wichtigsten Fürsprecher für das Bio-Angebot verloren. Unter Zeidlers Ägide kam es zur Einführung des Bio-Siegels und des Bio-Essens in der Mensa – leider bis dato ohne Erfolg.

Nach eigenen Angaben arbeitet die Mensa derzeit an der Kapazitätsgrenze. An eine Erweiterung des Bio-Angebotes sei nicht zu denken, erklärt Arne Arndt, der derzeitige vorübergehende Mensachef. Die Beteiligung der Studenten wird begrüßt, hat aber auch ihre Grenzen. Die Mensa hat zum Beispiel keinen einzigen ausgebildeten Bio-Koch. Dieser werde aber dringend benötigt, um die Qualität und die Quantität des Bio-Essens zu gewährleisten. Druck der Studierenden sei hier sogar gewünscht, heißt es von Seiten der Mensa.

Das Problem ist auch der Einkauf, so die Mensaleitung. Es ist äußerst schwierig, an gute Bio-Produkte in ausreichender Stückzahl heranzukommen. “Oftmals ist die gesamte Ernte bereits verkauft, bevor sie überhaupt eingefahren ist. Das hängt damit zusammen, dass die Einzelhandelsketten inzwischen eine so große Macht sind, dass  sie den Markt bestimmen, die Mensa hintenan stehen muss.”, so der ehemalige Mensa-Chef Klaus Zeidler in einem früheren Gespräch.

…Weiterlesen »

Bahnparallele wird ab Ende April freigegeben

Geschrieben von | Veröffentlicht am 9. April 2010 um 13:06 Uhr

Wenn alles nach Plan läuft, wird am 23. April die Bahnparallele vom Greifswalder Hauptbahnhof zur Gützkower Landstraße freigegeben. Wie die Stadt Greifswald in einer Pressemitteilung verlauten ließ, werden derzeit noch rund siebzig Bäume und Strauchgruppen eingepflanzt sowie 4.000 m² Rasen eingesät.

Bauarbeiten auf der Bahnparallele

Ursprünglich sollte die Bahnparallele bereits Ende Dezember übergeben werden, doch der lange Winter verzögerte die abschließenden Arbeiten. Bauleiter Matthias Krüger erklärte, dass frostfreies Wetter benötigt wird, “um Fahrbahn und Nebenanlagen in bester Qualität und verkehrssicher abliefern zu können.” Dadurch war das Datum der Einweihung mehrfach verschoben worden.

Die Bahnparallele oder Osnabrücker Straße, wie sie eigentlich heißt, ist der letzte Teil eines rund 35 Millionen Euro teuren Gesamtprojekts zur Abschaffung der beschrankten Bahnübergänge in der Hansestadt. Die Bahnunterführung, die bereits im Dezember 2008 eröffnet worden war, hatte Proteste einiger Radfahrer mit sich gebracht, die sich in der Verkehrsplanung der Stadt zu wenig berücksichtigt fühlten.

Auch wenn die Osnabrücker Straße von Radfahrern schon fleißig genutzt wird ist eine Sperrung der Strecke weiterhin nötig um die Bauarbeiten nicht zu stören. Umfangreiche Erdtransporte seien noch notwendig, außerdem stünden dem Unternehmen so genannte “Baufreiheit” zu erklärte Diana Redieck vom Tiefbau- und Grünflächenamt.

Update 20.4., 23 Uhr: Wie inzwischen feststeht, erfolgt die Freigabe der Bahnparallele am Freitag, dem 23. April, um 13 Uhr.

Foto: Pressemitteilung der Stadt

Sonntag bleibt “heilig” – Bäderregelung gekippt

Geschrieben von | Veröffentlicht am 8. April 2010 um 12:17 Uhr

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Greifswald hat der Regelung für verkaufsoffenen Sonntage im Land eine klare Abfuhr erteilt und das Gesetz für unwirksam erklärt. Einkaufen am Sonntag wird seltener möglich sein. Gegen die 44 verkaufsoffenen Sonntage hatten die  beiden evangelischen Landeskirchen in Mecklenburg-Vorpommern geklagt. Ihnen ging die “Ausnahmeregelung” zu weit.

Bislang war es für Urlauber wie Einwohner in Eldena ganz unkompliziert an einem Sonntag einkaufen zu gehen. Auf Grundlage eines Gesetztes vom April 2009 konnte die Kur- und Erholungsorte im Land bis zu 44 Mal im Jahr ihre Läden auch an einem Sonntag öffnen. Dieses Gesetz ist nun Geschichte. Die Richter erklärten, das Gesetz sei nicht mit der Landesverfassung vereinbar. Verkaufsoffene Sonntage müssen die Ausnahme bleiben, so das OVG weiter. Dies sei aber bei 44 geöffneten Sonntagen nicht mehr der Fall.

Reaktionen auf das Urteil

Promenade in Ahlbeck (c) Sebastian Wallroth

Die Kirchen zeigten sich erfreut und begrüßten das Urteil. Die Richter hätten mit ihrer Entscheidung den Sonntag als Tag der Erholung gestärkt, sagte der pommersche Bischof Hans-Jürgen Abromeit. Der mecklenburgische Landesbischof Andreas von Maltzahn ließ verlauten, der Sonntag sei generell der Tag, der den Menschen und der Gesellschaft die nötige Besinnung bringe. Weiter sagt er: “Der Sonntag als arbeitsfreier Tag wehrt der Tendenz der Ökonomisierung aller Lebensbereiche.”

Auch Ingo Schlüter vom DGB  zeigte sich erfreut, dass sich in diesem Rechtsstreit die gemeinsame Position von Gewerkschaft und Kirche zur Sonntagsruhe und zum Arbeitnehmerschutz durchgesetzt haben. Das Urteil sei eine wichtige Entscheidung gegen die Unkultur “Ich kaufe, also bin ich”,  so der  DGB-Nord-Vizechef.

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) war enttäuscht über das Urteil. Die bisherige Regelung habe zur “Entbürokratisierung und Deregulierung” beigetragen und den Einzelhändlern in den Tourismusorten genutzt. “Niemand wird gezwungen, sein Geschäft am Sonntag zu öffnen”, erklärte der Minister. Ein Vertreter des Schweriner Wirtschaftsministeriums räumte ein, das Land sei mit der in der Verordnung festgelegten Zahl verkaufsoffener Sonntage “vielleicht etwas übers Ziel hinaus geschossen”.

Greifswald und die Konsequenzen

Auch in der Greifswalder Innenstadt sind nach der alten Regelung elf verkaufsoffene Sonntage im Jahr möglich. Dies wurde in der Vergangenheit aber kaum genutzt. Stattdessen organisiert der Innenstadtverein mehrmals im Jahr Samstage mit erweiterten Öffnungszeiten als sogenanntes “Mitternachtsshopping”.

Die Konsequenzen des gestrigen Urteils stehen noch nicht fest, da eine Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig möglich ist. Das Urteil ist also noch nicht rechtskräftig – vorerst bleibt es bei den bisherigen Sonntagsöffnungszeiten.

Kommentar von Sandro Teuber

Zwei Feststellungen vorab: Wir leben in einer säkularisierten Gesellschaft zum einen, zum anderen das System unter dem wir leben ist der Kapitalismus. Unter diesen Grundannahmen fällt es unheimlich schwer solch ein Urteil zu verstehen. Die Menschen in einem freien Land sollten die Freiheit haben ihre Geschäfte zu öffnen wann sie es für richtig halten.

Die Kirche spricht davon, dass der Sonntag als arbeitsfreier Tag die Tendenz der Ökonomisierung aller Lebensbereiche verhindere. Da hat die Kirche leider die letzten 100 Jahre verpasst. Es sind bereits alle Lebensbereiche ökonomisiert. Ein Haushalt wird wie ein Wirtschaftsbetrieb verwaltet, Kinder müssen Zielkriterien erreichen und sich “durchsetzen”. Nicht, dass ich das befürworte, aber so ist meiner Meinung nach die Realität.

Ein Einkauf am Sonntag hat Vorteile für viele Menschen in dieser Region. Zum einen für die, die 6 Tage die Woche arbeiten müssen und so mal in Ruhe ihre Wocheneinkaufe machen können. Für uns Studenten, die ewig verplant, das Mehl zum Backen vergessen haben und natürlich die tausenden Touristen, die eine solche Freiheit sehr zu schätzen wissen.

Natürlich brauchen wir Menschen einen oder mehrere Ruhetage. Aber es kann doch nicht sein, dass die Kirche diktiert welcher es sein solle. Was wir brauchen sind Arbeitgeber, die gemeinsam mit ihren Mitarbeitern gesundheitlich positive Rahmenbedingungen schaffen. Sprich wir brauchen ein anderes Verhältnis Arbeitgeber und -nehmer und nicht das pochen auf Jahrtausende alte Traditionen.

Niemand wird gezwungen sein Geschäft an einem Sonntag zu öffnen. Genau dort beginnt der Knackpunkt. Wir sind nicht gezwungen zu öffnen, sondern gezwungen zu arbeiten. Um ein Einkommen zu haben müssen wir uns der Arbeitswelt beugen und uns zu ihren Konditionen  “beschäftigen” lassen. Hier ist die Krux. Hier sollten Kirchen und Gewerkschaften ansetzen. Wir müssen weg von der Knechtschaft durch die Arbeitgeber hin zur Einstellung, dass ein Arbeitgeber ein lebensfreundliches Umfeld für seinen Mitarbeiter zu schaffen hat. Wir brauchen Arbeitgeber, die ihre Angestellten als ganzen vollwertigen Menschen anerkennen und als solchen beschäftigen.

Wer Raum für sich hat wird wird auch einen Platz für die Kirche in seinem Leben haben. Auch an anderen Tagen als an einem Sonntag!

Am Mittwoch: “Spring Break” in der Kiste

Geschrieben von | Veröffentlicht am 6. April 2010 um 23:25 Uhr

Die Kiste gestaltet am kommenden Mittwoch einen Tanzabend mit DJ Krasser zum Thema “Spring Break”, also Frühlingsferien. Beim “Spring Break” handelt es sich um die amerikanische Variante der Semesterferien, die allerdings in der Regel nur ein bis zwei Wochen dauert – für amerikanische Studenten die Möglichkeit, in die Welt hinauszuziehen, möglichst viel zu feiern und sich (mehr oder weniger) gepflegt die Birne zuzulöten.

Ein Höhepunkt dieser Feierei ist der “Wet T-Shirt Contest“, bei der eine Menge Mädels auf der Bühne stehen und sich die Hemdchen nass spritzen lassen. Ob es am Mittwoch in der Kiste ebenfalls zu diesem fragwürdigen Ereignis kommt, ist der Redaktion nicht bekannt. Der  Eintritt ist bis 23 Uhr frei und kostet danach 2 €.

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage der Kiste.

Shutter Island – Aus der Sicht eines Psychologen

Geschrieben von | Veröffentlicht am 4. März 2010 um 13:46 Uhr

Es gab schon einige Filme über Psychiatrien. Nun setzt Martin Scorsese eins drauf mit diesem dunklen Psycho-Thriller, über eine auf einer Insel gelegene “Nervenheilanstalt”. Der Plot, welcher in den 50ern spielt rollt alsbald auch fast alle Klischees über “Verrückte” und die dazugehörigen Anstalten in altbekannter Weise aus.

Aber erstmal ganz gemächlich der Reihe nach:  Der US-Marshal Edward „Teddy“ Daniels, gespielt von Leonardo DiCaprio, untersucht mit seinem Partner Chuck Aule (Mark Ruffalo) das Verschwinden der Patientin Rachel Solando aus einer, heute würden wir sagen, Forensischen Anstalt. Hier werden Menschen untergebracht, die für sich oder für Andere eine Gefahr darstellen. Die Insassen sind keine Gefangenen sondern Patienten.

Handlung mit Längen

Le

Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley und Mark Ruffalo im Gespräch

Ob man davon auch auf einer Insel sprechen kann sei dahingestellt. Zurück zum Film. Diese, auf der Insel “Shutter Island”, vor Massachusetts gelegene  “Nervenheilanstalt”, wird beim Eintreffen der FBI Marshalls von einem Sturm heimgesucht, der verhindert, dass die zwei die Insel verlassen können und die Zwei müssen so zwangsweise ihre Ermittlungen fortsetzen. Mit jeder Szene wird Edwards misstrauischer, niemand scheint die Wahrheit zu sprechen.  Auch er selbst nicht. Denn eigentlich ist Edward wegen jemand ganz anderen auf die Insel gekommen. Edward vermutet den Mörder seiner Frau auf dieser Insel.

Aha. Sehr plausibel. Liest sich für mich nach einem zweitklassigem  Roman. So ist es auch. Scorsese entnahm diese Handlung vom gleichnamigen Roman des US-amerikanischen Schriftstellers Dennis Lehane. Da hat er sichs zu leicht gemacht, denn die Handlung hat vor allem im Mittelteil ihre Längen. Merkbar auch beim Greifswalder Publikum, das unbedingt in den stillsten Momenten für Unruhe sorgte. Mein Tipp: Lieber in der Nachtvorstellung oder alleine gucken.

…Weiterlesen »

Bau der Ostseepipeline verzögert sich

Geschrieben von | Veröffentlicht am 11. Februar 2010 um 21:38 Uhr

WWF Deutschland und BUND gehen gegen den Bau der Gaspipeline vor und legen gegen die Genehmigung der Ostseepipeline eine Klage im Oberverwaltungsgericht Greifswald ein. Wie die Umweltverbände berichten, werde die Ostsee durch die geplanten Eingriffe des Pipelineprojekts weitaus stärker belastet als im Planfeststellungsbeschluss des Bergamt Stralsunds im Dezember 2009 dargestellt. Die Umweltschützer fordern weitere Ausgleichsmaßnahmen für die rund 7,4 Milliarden Euro teure Erdgastrasse von Wyborg nach Lubmin bei Greifswald.

Verlauf der Ostseepipeline - (c) Samuel Bailey

Verlauf der Ostseepipeline - (c) Samuel Bailey

Lediglich 40% der gesamten Ausgleichsmaßnahmen sind abgedeckt. Hier müsse nachgebessert werden, so Jochen Lamp Ostsee-Experte des WWF, damit die geplanten Eingriffe in die Meeresumwelt voll ausgeglichen werden. Der Ostsee drohten ansonsten massive Schäden durch die Freisetzung großer Mengen Stickstoff und Phosphor.

Der Baubeginn der Gaspipeline durch die Ostsee ist für April 2010 geplant. Die 1.220 Kilometer lange Gaspipeline soll ab 2012 jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach Westeuropa liefern.

Foto Pipelines: Morat Faxe

Grüne gegen Parkhaus an der Mensa

Geschrieben von | Veröffentlicht am 1. Februar 2010 um 16:01 Uhr

Die Greifswalder Grünen kündigen Widerstand gegen das geplante Parkhaus an der Mensa an. In ihrer Pressemitteilung ließen sie verlauten, dass sie keinen Bedarf für ein Parkhaus sähen. Zuallererst müsse eine Überlastung der anderen Parkmöglichkeiten in Greifswald nachgewiesen werden.

Die OZ berichtete vergangene Woche über die Pläne der Greifswalder Parkraumbewirtschaftungsgesellschaft (GPG) für ein neues  Parkhaus neben der Mensa mit 200 Stellplätzen. Begründet wurde dies von den Geschäftsführern der GPG Detlef Borchert und Fred Wixforth mit erhöhten Bedarf.


Parkhaus an der Mensa auf einer größeren Karte anzeigen

Dies sehen die Grünen anders und schreiben in ihrer Stellungnahme;

Das für viel Geld eingerichtete Parkleitsystem zeigt eigentlich immer und zu jeder Tageszeit freie Plätze an. Zu allererst müssten belastbare Zahlen zur Auslastung der bestehenden Parkmöglichkeiten vorgelegt werden, die eine wirkliche Überlastung anzeigen.

Zudem weisen sie darauf hin, dass es auch bei erhöhtem Bedarf mögliche Alternativen für das Mensa Parkhaus gäbe. Die Grünen führten hier den Nexö-Platz an. Desweiteren argumentieren sie, dass das derzeitige Parkkonzept vorsieht den Autoverkehr möglichst außerhalb der Wallanlagen zu halten. Daran solle man sich halten.

In einer Stellungnahme nachzulesen auf dem Grünen-Blog sammelt Hans-Georg Wenghoefer etwaige Argumente gegen den Bau. Er weist auf die historische Bedeutung des stadtwalls hin, die man respektieren müsse. Die geplanten Steckdosen für Elektroautos ließen sich auch ohne Parkhaus realisieren.

bauluecke_stadt

Hier könnte das Fahrradparkhaus entstehen

In den Leserbriefen der OZ spiegelt sich ebenfalls die Ablehnung der Bürger gegen den geplanten Bau wider. Robert Krowas findet, dass man den alten Wall wiederherstellen sollte und zusätzliche Parkmöglichkeiten für Fahrräder schaffen könne statt Bäume zu fällen. Diese Idee dürfte bei vielen Studenten Anklang finden, da die mangelnden Parkmöglichkeiten für Fahrräder schon lange für chaotische Zustände zu Stoßzeiten sorgten.

Über ein Fahrradparkhaus wird auch im Radverkehrskonzept nachgedacht. Hier böte sich eine Baulücke in der Domstr. an. Vor allem Touristen und Verwaltungsmitarbeiter könnten dort ihr Rad abstellen. Vorgesehen sind auch ein Infoladen, Schließfächer sowie eine Selbsthilfewerkstatt.

Bilder

Startseite – “martinroell” via flickr

Foto Baulücke – Stadt Greifswald

Dritte Bürgerkonferenz: Neue Ideen für den Radverkehr

Geschrieben von | Veröffentlicht am 29. Januar 2010 um 13:12 Uhr

Auf der dritten Bürgerversammlung zum Kommunalen Klimaschutz, in der es um das Radverkehrskonzept der Hansestadt Greifswald ging, gab es eine lebhafte Debatte zwischen Befürwortern und Gegnern über den Ausbau des Radverkehrs. Eine Vielzahl von Freunden des Radverkehrs sprach sich für den Ausbau aus, woraufhin Kritiker erwiderten, dass es nicht zu unsinnigen Verkehrsführungen für Autofahrer kommen dürfe. Insgesamt nahmen etwa siebzig Bürger teil und brachten ihre Meinung in den Radverkehrsplan ein.

In der Veranstaltungsreihe, die sich mit dem übergeordneten Ziel beschäftigt, den Ausstoß an CO2 zu senken, wurde im ersten Teil das Radverkehrskonzept durch die Stadt und die Planungsbüros Dr.-Ing. Ditmar Hunger aus Dresden vorgestellt und im Anschluss in drei getrennten Arbeitsgruppen diskutiert.

Bürger diskutieren über Möglichkeiten der Verbesserung

Bürger diskutieren über Möglichkeiten der Verbesserung

Bei der allgemeinen Debatte nach der Vorstellung des Planes entflammten kurzzeitig einige Emotionen. Einige Radverkehrsbefürworter hatten die Finger in die Wunde gelegt und die Schwachstellen der Verkehrspolitik angesprochen, wie z.B. die fehlende Diagonalquerung der Europakreuzung. Dies rief unter anderen einen Busfahrer aufs Tableau, der es für unverständlich hielt, warum für eine Diagonalkreuzung 100.000€ im Haushalt bereitgestellt würden, wenn für Busverkehr nicht einmal Geld für defekte Bus-Ampeln bereitstehe.

In den drei Arbeitsgruppen “Radroutenführung”, “Attraktivität der Radwege” und “Schwerpunkte” äußerten sich alle Bürger sehr positiv gegenüber den vorgestellten Projekten. Vor allem die Diagonalquerung und die Freigabe der Anklamer Straße sowie Domstraße gefielen. Auch die Erweiterung der Fahrradstraße begrüßten die Bürger.

Gerhard Imhorst im Gespräch mit einer Bürgerin

Gerhard Imhorst im Gespräch mit einer Bürgerin

Einige Punkte konnte die Teilnehmer den Planern noch mit auf den Weg geben. Zum einen müsse die Öffentlichkeitsarbeit intensiviert werden. Hier sahen viele Radfahrer Nachholbedarf vor allem in der Aufklärung der Autofahrer. Viele fühlten sich bedrängt vom motorisierten Verkehr und forderten teilweise sogar Kontrollen an gefährlichen Stellen. Auch an der Europakreuzung sehen die Einwohner Greifswalds noch Nachholbedarf. Es wurden die Vergrößerung der mittleren Insel angemahnt und auch die Ampelschaltungen müssten an die Fußgänger- und Fahrradströme angepasst werden.

Ein weiterer wichtiger Kritikpunkt betrifft die Radabstellmöglichkeiten. Hier sei Greifswald eindeutig unterentwickelt und müsse nachbessern. Auch die in Aussicht gestellten 16 Fahrradboxen am Bahnhof konnten die Bürger kaum zufriedenstellen.

Als aktueller und derzeit brennendster Punkt wurde die nicht vorhandene Räumung der Rad- und Fußwege kritisiert. Dies sei eine massive Benachteiligung des unmotorisierten Verkehrs und nicht hinnehmbar für die Bürger der Stadt.

Der verantwortlicher Planer Gerhard Imhorst zeigte sich zufrieden mit den Rückmeldungen und gab an, die Einwände in einen aktualisierten Radverkehrsplan bis März integrieren zu wollen. Dieser neue Plan wird dann im Frühjahr in den politischen Gremien besprochen. Wichtig sei es, so Imhorst, die Akzeptanz des Radverkehrs gegenüber den Autofahrern zu erhöhen. Dies benötige Zeit, was eben auch einen gewissen Lernprozess für alle Verkehrsteilnehmer beinhalte.

Am Freitag: “Kleingeldprinzessin” solo im Klex

Geschrieben von | Veröffentlicht am 27. Januar 2010 um 20:07 Uhr

Die Berlinerin Dota Kehr (besser bekannt unter dem Namen “Kleingeldprinzessin“) spielt diesen Freitag  im Greifswalder Jugendzentrum Klex auf. Diesmal kommt die Liedermacherin ohne ihre Bandkollegen “Die Stadtpiraten”, aber mit ihren frechen, meist leichten und immer doch zum Nachdenken anregenden Liedern im Gepäck in die Hansestadt. Dementsprechend akustisch wird der Freitagabend im Klex.

Einen Namen in Greifswald machte sich die Künstlerin bereits mit mehreren Auftritten im Klex oder auf dem Hoffest der Germanisten im Sommer 2007. Ihre zeitkritischen Lieder handeln von überbordenden Konsum, Einsamkeit, Fernweh und den alltägliche Fallen des Lebens. International konnte sie sich auf Einladung des Goethe-Instituts  bei Konzerten in Neuseeland, Russland oder Brasilien präsentieren und tourte auch als Straßenmusikerin durch die Welt wodurch sie auch ihren Namen erhielt.

kleingeldprinzessin

Die Kleingeldprinzessin mit ihrer Gitarre

Zusammen mit ihren Bandkollegen hat sie bereits 7 CDs  herausgebracht. Alle in Eigenregie, denn einen Plattenvertrag wollten die viel beachteten Künstler noch nicht unterschreiben. Auch für den Wahlkampf 2005 wollten sie sich nicht instrumentalisieren lassen und behielten lieber ihr Stückchen Unabhängigkeit vom deutschen Musik-Mainstream.

Zu hören ist die Kleingeldprinzessin im Klex ab 21.30 Uhr, Einlass eine Stunde zuvor für 6€/5€. Unterstützung erhält sie von Frank Fuzz.

Foto: Bandhomepage

Arndt und die Bürger: Die zweite Anhörung der Namenskomission

Geschrieben von | Veröffentlicht am 21. Januar 2010 um 19:08 Uhr

Im St. Spiritus nahmen am vergangenen Mittwoch die Bürger Greifswalds Stellung zur Namensdebatte um Ernst-Moritz-Arndt und sprachen sich mehrheitlich für den streitbaren Pommern aus. Die Namenskommission des Senats hatte die Einwohner der Stadt geladen, um vor allem die nicht-wissenschaftlichen Aspekte  der Diskussion aufzugreifen.

schattschneider_weber-260x169-carsten_schoenebeck

Die Senatoren Thomas Schattschneider und Prof. Hannelore Weber moderierten die Anhörung

Gut siebzig Bürger folgten dem Aufruf und beteiligten sich rege an der Diskussion, die insgesamt – und für viele überraschend – sachlich geführt wurde. Beachtenswert waren sicherlich die Vorschläge von Gisbert Menzel, Student der Greifswalder Universität von 1955 – 1960, der sich für eine Fortsetzung der Debatte auch nach der Entscheidung des Senats aussprach.  Argumente beider Seiten sollte für eine moderne Arndt-Biografie genutzt werden. Studenten sollten in Zukunft mit einer Feier immatrikuliert werden in der die Diskussion über Arndt einen Platz einnimmt. Außerdem schlug er vor, dass die Arndt-Museen, wie z.B. Garz auf Rügen einer Überprüfung unterzogen werden, um auch dort auf strittige Punkte in seiner Biografie hinzuweisen.

Professor Rosenbaum: Studenten sind nicht ernst zu nehmen

Weniger konstruktiv äußerten sich einige Emeriti der Universität. Sie drohten in Person von Herrn Rosenbaum damit, die anstehende Entscheidung des Senats nicht zu akzeptieren und warfen den Arndt-Kritikern eine mutwillige Destabilisierung der Universität vor. Er sah in Ernst-Moritz-Arndt ein Vorbild für die Befreiung von der sowjetischen Knechtschaft in der DDR und sprach den Studenten das Vermögen ab sich in ihrem jungen Alter mit dem Thema Arndt auseinander zu setzen. Sie sollten, so Rosenbaum, “erst mal Studieren, einen Abschluss machen und zehn Jahre Berufserfahrung sammeln”.

Einen Tiefpunkt erlebte die Diskussion als sich Wilhelm Parthenius, ehemaliger Medizinstudent, zu Wort meldete und Arndt, historisch etwas fragwürdig, in den Kontext des “stets friedfertigen deutschen Volkes” setzte. Bodo Müller, der sich bereits in mehreren Leserbriefen an die Ostseezeitung für eine Namensbeibehaltung ausgesprochen hatte, übte schwere Kritik an der Initiative “Uni ohne Arndt”. Den “Tapir-Comic” im Heft zur studentischen Urabstimmung verglich er mit “Karikaturen aus Goebbels besten Zeiten”.

Politik meldet sich zu Wort

rathjen-250x330-carsten_schoenebeck

Kommunal- und Landespolitiker Sebastian Rathjen meldete sich mehrfach zu Wort und versuchte zu beschwichtigen.

Ulrich Rose in Doppelfunktion als Kreisvorstandsmitglied der Grünen und Antiquar gab zu Bedenken, dass bei einer Abschaffung des Namenspatron der Name der Stadt stärker mit der Uni transportiert werde. Das sei gutes Marketing für die Hansestadt. Sebastian Ratjen,  Kommunal- und Landespolitiker der FDP zeigte sich staatsmännisch und versuchte das Gift aus der Debatte zu nehmen indem er davon sprach das Schlechte an Arndt als Lehre zu nehmen und seine guten Taten als Beispiel für die Zukunft. Er warnte davor Arndt und seine historische Interpretation den Rechtsextremen zu überlassen.

In vielen Wortbeiträgen spiegelten sich die Emotionen wider, die einige Menschen mit der Debatte verbinden. Auch Hans-Jürgen Schumacher, Schriftsteller aus Greifswald zeigte sich recht erregt in der Debatte, konnte aber doch den wichtigen Punkt anbringen, dass Arndt für viele einfach eine Identifikationsfigur sei, unabhängig von der Geschichte. Viele Menschen seien, irgendwie mit dem Namen Arndt verbunden. Egal ob durch Schule, Straße oder Universität. Ihnen sei der Name hochgradig wichtig.

Zu den Äußerungen seines Parteikollegen Axel Hochschild, nahm der Bürgerschaftsabgeordnete Dr. Rainer Steffens Stellung. Hochschild und die Greifswalder CDU würden in keiner Weise die Unabhängigkeit des Senats angreifen, viel mehr gehe es darum den Austausch zwischen Universität und Stadt zu fördern, in dem auch die Bürgerschaft sich zur Namensdebatte äußere.

Für Mitte Februar wird im Senat eine Beschlussfassung zur Namensablegung erarbeitet werden, über die dann Mitte März abgestimmt wird. Die Namenskomission hat angekündigt Tonaufnahmen der Bürgeranhörung in den kommenden Tagen auf der Internetseite der Universität zu veröffentlichen.

Kommentar von Sandro Teuber

Der Mensch ist in der Lage zu filtern. Wichtiges von unwichtigen. Das Pulver beider Seiten ist verschossen. Neue Argumente Fehlanzeige. Was war also wichtig und gut an dieser Debatte?

Wichtig und gut waren die wenigen Hoffnungsschimmer auf einen Kompromiss, die wenigen wirklich konstruktiven Beiträge zur Debatte. Allen voran Gisbert Menzel, der interessante und gewinnbringende Vorschläge machte um Studenten, Professoren und Bürger zu einen. Ob mit oder ohne Arndt wird es nach der Debatte wichtig bleiben das Thema in der Universität am Leben zu erhalten.

Wichtig und gut ist die Debatte selbst. Wann hat es in der Geschichte dieser Universität den Zustand gegeben, dass sich alle gemeinsam, frei und kritisch zu ihren Wertvorstellungen äußern dürfen? Es ist wichtig sich selbst und seine Traditionen hinterfragen zu dürfen. Das ist gelebte Demokratie und dazu kann man nur allen Beteiligten gratulieren.

Unwichtig und schlecht sind die Verleumdung, die Vereinfachungen, die Vorurteile und Klischees mit denen beide Seiten arbeiten. Sie versperren den Blick auf das Wichtige, auf das Ziel eines Kompromisses für den es nun Zeit ist.

Fotos: Carsten Schönebeck

Seite 1 von 212