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150 Neonazis marschierten am gestrigen Tag in Begleitung von 700 Einsatzkräften durch Demmin. Etwa 550 Menschen zeigten vielfältigen Protest. Ein rückblickender Ablauf des Geschehens.

Auch am diesjährigen, internationalen Tag der Befreiung vom Faschismus, marschierten etwa 150 Neonazis durch die Hansestadt Demmin. Wie auch in den vergangenen Jahren sorgte ein Großaufgebot von 700 polizeilichen Einsatzkräften der Landespolizei M-V, der Landespolizeien Brandenburg sowie Niedersachsen und der Bundespolizei für die Durchführung des Gedenkaktes. Aus zahlreichen Städten Mecklenburg-Vorpommerns, aber auch aus Berlin, Hamburg und Lübeck, reisten etwa 550 Menschen per Bus und Auto an, um an zahlreichen Versammlungen, darunter auch zwei Demonstrationen, teilzunehmen. Nach Beendigung der Versammlungen vom Aktionsbündnis 8. Mai sowie der zweiten Demonstration unter dem Motto “Nicht-Wieder-Einzug der NPD in den Landtag MV”, begannen sich die Proteste in Richtung Aufzugsstrecke der Neonazis zu verlagern. Es kam zum vermehrten Einsatz von Schlagstock und Reizgas durch die Polizei, die immer wieder zahlreiche Gegendemonstranten von Hör- und Sichtweite des Aufzuges fernhielt. Mindestens eine Demonstrantin wurde bei dem Polizeieinsatz verletzt. Bereits zu Beginn und im Laufe der genannten zweiten Demonstration, nahm sich die eingesetzte Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) erkennungsdienstlich einen Journalisten vor, mit der Begründung des Verdachts auf Anfertigung von Polizistenportraits. Letztlich konnten die Neonazis auch dieses Jahr ihren Gedenkmarsch in Demmin absolvieren. Doch der Reihe nach: ein rückblickender Ablauf des Geschehens.

Zwei Demonstrationen: über 400 Menschen setzten Zeichen gegen Neonazis; Journalist erkennungsdienstlich behandelt

17 Uhr: Nach und nach versammelten sich am Bahnhof zahlreiche Menschen, um unter dem Motto: “Nicht-Wieder-Einzug der NPD in den Landtag MV” zu demonstrieren. Eine Sprecherin am Lautsprecherwagen erklärte jedoch, dass die Busse aus Rostock aufgrund von polizeilichen Kontrollen noch nicht da seien und die geplanten OrdnerInnen zu Beginn der Versammlung nicht zur Verfügung stünden. Kurzerhand sprangen Anwesende dafür ein. Nachdem gegen 17.30 Uhr erklärt wurde, dass die Busse in wenigen Minuten eintreffen würden, startete die Versammlung mit einer Kundgebung. Am Rande kam es zeitgleich durch die eingesetzte BFE zu einer erkennungsdienstlichen Maßnahme: ein Journalist wurde unter Verdacht gestellt, Portraitfotos von PolizistInnen anzufertigen. Während dieses Vorgangs wurde der Betroffene polizeilich gefilmt und einige anwesende, dokumentierende PressevertreterInnen, ebenfalls überprüft, darunter auch wir. Während die Demonstration des Aktionsbündnisses 8. Mai mit über Menschen am Markt startete, trafen nun auch die letzten Busse samt Polizeikonvoi am Hauptbahnhof ein. Die Demonstration begann gegen 17.47 Uhr mit über 300 Menschen, entlang der Bahnhofsstraße in Richtung Clara-Zetkin Straße.

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Lautstark bewegte sich die Demonstration in Richtung Marktplatz. Mit Chören wie “Wir wollen das Ene, Nazis in die Peene!”, “Nationalismus muss raus aus den Köpfen!” und “Kein Mensch ist illegal, Bleiberecht, überall!” schallte es in den sonst so ruhigen Straßen Demmins. Begleitet von einem Großaufgebot der Polizei, die auch in sämtlichen Seitenstraßen postiert war, ging es inmitten der aufgestellten Hamburger Gitter an den bereits angemeldeten und besetzten Mahnwachen vorbei. Die Demonstration verlief bis in die Kahldenstraße störungsfrei.

Gegen 18.20 Uhr bog die Demonstration in die Kahldenstraße ab und stoppte wenige Meter später. Der Grund: wieder wurde der zu Beginn betroffene Journalist von der BFE festgesetzt. Die Durchsage der Demosprecherin ließ nicht lange auf sich warten: “Lasst ihn seine Arbeit machen!”. Der Demonstrationsblock blieb solidarisch stehen. Nach etwa 20 Minuten wurde die erneute polizeiliche Maßnahme, unter Beobachtung der anwesenden DemobeobachterInnen und PressevertreterInnen, beendet und die Demonstration fortgesetzt. Aus der Pressemitteilung der Polizei ist zum derzeitigen Zeitpunkt keine strafrechtliche Verfolgung ersichtlich.

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Demonstrationen beendet – Zwischen Katz- und Mausspiel, Protest und Polizeigewalt

Nur wenige Minuten und einige hundert Meter später stoppte die Demonstration am Platz “Marienhain” erneut. Schnell wurde klar: Hier geht keiner mehr weiter – viele Leute liefen los in Richtung Treptowerstraße und Schillerstraße. Manche rannten, manche gingen, die Situation wurde sehr unübersichtlich. Die BFE hatte Mühe und lief hinterher, während am Ende der Schillerstraße kein Durchkommen mehr war. Von dort aus drängte die Polizei nach und nach die Menschen zurück. Es kam zum Schlagstock- und Körpereinsatz. Das Katz- und Mausspiel begann. Viele Menschen orientierten sich ab 19 Uhr an den angemeldeten Mahnwachen entlang der Clara-Zetkin Straße sowie weiteren Möglichkeiten an den Seitenstraßen, die zunehmend durch das Großaufgebot der Polizei abgeriegelt wurden.

 

Gegen 19.45 Uhr begannen die Neonazis sich auf ihrer Demonstration zu sortieren und liefen schließlich wenige Minuten später mit einem Großaufgebot der Polizei los. Beginnend am Stadion der Jugend in der Jarmener Straße in Richtung Marktplatz auf der Clara-Zetkin Straße.

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Nur wenige Minuten später musste die Demonstration jedoch stoppen. Der Grund: Die Linke sowie eine Gruppe von Musizierenden blockierte die Strecke der Nazis. Die Polizei wies anschließend die auf der Straße befindenden Personen auf das Versammlungsrecht hin und gab ihnen eine Frist von “10 Minuten für die Öffentlich- und Medienwirksamkeit“, wonach polizeiliche Zwangsmaßnahmen folgen würden. Es schallte lautstark “Nazis raus!” und minutenlang trillerten die Menschen, ehe die Frist der Polizei ablief.

Während die VertreterInnen der Linken nach der 3. Durchsage die Aufzugsstrecke, wie auch im letzten Jahr, verließen, blieben die Musizierenden sitzen und spielten weiterhin einige Perlen der klassischen Musikgeschichte.

Zunächst versuchten sogenannten “Konfliktmanager” der Polizei auf die Musizierenden einzureden. Ein Polizist sprach im halblauten Ton: “Das ist unhöflich, was sie hier tun.” Auch den Einsatz von polizeilichen Zwangsmaßnahmen “würde man Ihnen eigentlich nicht antun wollen.” Trotz aller Überredungskünste besprachen sich nun die polizeilichen Einheiten über das weitere Vorgehen, auch die BFE traf mittlerweile ein. Die Androhung körperlicher Gewalt gegen friedliche Musizierende lies infolge nicht lange auf sich warten. Die letzte Karte sollte ausgespielt werden.

Trotz alledem ließen sich die Musizierenden nicht von der exekutiven Gewalt beeinflussen. Kurz bevor die Räumung durch die BFE durchgeführt werden sollte, zeigten in etwa 100 Metern Entfernung einige Menschen lautstark ihren Unmut. Daraufhin lief ein Großteil der Einheit von dem geplanten Räumungsort in die Seitenstraße, woraufhin man sich für eine Vorbeileitung der NPD-Demonstration entschied. Währenddessen spielten die Musizierenden passende Töne.

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Zeitgleich wurde eine Blockade kurz vor dem Luisentor, bestehend aus sechs Gegendemonstranten von der BFE aufgelöst. Bei dem Eingreifen der Polizisten kam es zu mehreren Zwischenfällen, in deren Folge zwei Demonstranten verletzt wurden, woraufhin beide Personen notärztlich versorgt werden mussten. Über die sozialen Medien hieß es im weiteren Verlauf des Abends, dass beide aus anderen gesundheitlichen Problemen, welche nicht von der Polizei herbeigeführt wurden, versorgt werden mussten. Die Polizei griff bei der Auflösung der Blockade mehrfach in das Gesicht der Teilnehmer und machte Gebrauch vom Schmerzgriff. Mit teils vier Einsatzkräften gleichzeitig musste eine Person entfernt werden, was geschah, bevor die Nazis das Luisentor passierten. Hier wurden sie von einer Vielzahl an Gegendemonstranten, welche direkt am Streckenverlauf standen, begleitet. Die Darstellung in der Pressemeldung der Polizei, “dass die junge Frau aufgrund anderer gesundheitlicher Probleme durch Rettungskräfte betreut wurde”, ist schlicht und ergreifend falsch. Die Beobachtung und Dokumentation des Geschehens lassen sich eindeutig auf die angewendeten, gewaltsamen Maßnahmen der Polizei, vermehrt durch die BFE und Niedersachseneinheit zurückführen.

 

 

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Für die Neonazis ging es im kleineren Polizeispalier weiter in Richtung Luisentor, entlang der Mahnwache der Grünen. Kurz davor wurde auch Protest von oben gezeigt. Nicht von der Landesregierung, sondern von einem Gegendemonstranten auf einer Straßenlaterne. Er wies lautstark auf die rechte Ideologie der vorbeimarschierenden Neonazis hin, woraufhin er von ihnen abgefilmt wurde. Dabei traf sie gelegentlich ein Teil seiner feuchten Aussprache. Die Polizei bat ihn daraufhin, dies zu unterlassen, man ließ ihm jedoch den wohl gefährlichsten Ausblick auf der Route gewähren.

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Etwa 150 Neonazis auf dem Weg in Richtung Peene, kurz vor dem Marktplatz.

 

Um 20.38 Uhr liefen die Neonazis dann am Markt vorbei, während in über 50 Metern Entfernung, hinter den Hamburger Gittern, zahlreiche Menschen ihren Unmut äußerten und sich fortlaufend parallel zur Aufzugsstrecke bewegten. Entlang der Loitzer Straße ging es dann in Richtung Peenestraße. Doch zuvor lief die Polizei im Schnelltempo voraus, um an der Peene Stellung zu beziehen.

Kurz vor 21 Uhr trafen die Neonazis nun an der Penne ein, um ihren Gedenkakt zu vollziehen. In einigen hundert Metern Entfernung standen, hermetisch abgeriegelt, die Gegendemonstranten, die alljährlich auch mit Schäferhunden, Hamburger Gittern und einem Großaufgebot der Polizei von der rechten Veranstaltung ferngehalten wurden.

Nach etwa 20 Minuten war die Trauerveranstaltung der Neonazis beendet. Die Kränze wurden in die Peene geworfen. Nicht weit davon entfernt schwammen ein paar Gummipuppen. Mit einem tiefroten Sonnenuntergang im Hintergrund marschierten die Neonazis wieder entlang derselben Strecke zum Ausgangspunkt zurück. Währenddessen wurden die Menschen auf der anderen Seite von der Polizei im großen Stil eingekesselt. Dieser Zustand dauerte solange an, bis die Rechten ihre Versammlung beendeten, etwa eine Stunde. Angesichts der Vollsperrung an der Brücke hatten wir bereits auf twitter die Frage gestellt, wie man die medizinische Notversorgung hätte gewährleisten können, denn ein Durchkommen war absolut nicht möglich. Wie auch abschließend für den gesamten Tag. Trotz eines Rückgangs der Teilnehmer des Gedenkmarsches konnte mit einem Großaufgebot der Polizei ein weitesgehend störungsfreier Ablauf gewährleistet werden. Viele Menschen zeigten ihren Protest gegen Rechts. Doch mit welchen Mitteln abermals die demokratischen Grundwerte wie zB. Versammlungs- und Meinungsfreiheit angegriffen wurden, bleibt weiterhin zu klären.

 

Bevor wir uns aus Demmin verabschiedeten, sprachen wir mit zwei anwesenden Demonstranten, die uns ihre Sicht der Dinge schilderten.

Die selbst beobachtete Gewaltbereitschaft der Polizei am 8. Mai in Demmin hat uns erschreckt und führt uns erneut die Notwendigkeit einer Kennzeichnungspflicht vor Augen. Jeglicher Versuch, die Nazis an ihrem lächerlichen Trauerschauspiel zu hindern, wurde von der Polizei zerschlagen. Grundrechtlich gesicherter Protest in Hör- und Sichweite wurde ebenso verhindert. Für den skandalösen Polizeieinsatz und, in letzter Konsequenz, für den unbehelligten menschenverachtenden Geschichtrevisionismus der Nazis ist Lorenz Caffier als Innenminister und Dienstherr mitverantwortlich. Einzige Lichtblicke waren die zahlenmäßig dünne Aufstellung der Faschist*innen und die gut besuchte, engagierte und lautstarke antifaschistische Demonstration am frühen Abend.

(Hannes Thoms, Mitglied der Linksjugend [SDS] Greifswald)

Trotz zahlenmäßiger Überlegenheit war die Polizei unnötig aggressiv und gewalttätig. Anstatt zu deeskalieren wurden alle Gegendemonstrat*innen unter Generalverdacht gestellt. Die Ereignisse zeigen entweder hat Caffier die Polizei nicht mehr unter Kontrolle oder er hat die Lage bewusst eskalieren lassen.”

 

(Johannes Barsch, Juso Vorsitzender Vorpommern-Greifswald)

 

Beitragsbild: Philipp Schulz; Fotos: Philipp Schulz und Paul Zimansky

 

Kommentare

  1. Am westdeutschen Wesen    

    Da fuhren also westdeutsche Neonazis nach Demmin um einen Fackelzug zu veranstalten und westdeutsche Linke versuchten das zu verhindern.

    Soso. Am westdeutschen Wesen möge die Welt genesen. Das, was immer wieder gerne als Demonstrationstourismus bezeichnet wird, ist ein Demonstrationskolonialismus. Die Demminer müssen erdulden, dass ihre Stadt jedes Jahr von auswärts belagert und von beiden Seiten (!) instrumentalisiert wird. Nicht nur Demmin, sondern auch die Demminer und in beiderlei Fällen auch die Selbstmörder vom 8.Mai ’45 werden zu Objekten westdeutscher Bedürfnisbefriedigung degradiert. Das hat weder was mit Volk, noch mit Emanzipation zu tun. Wisst ihr was? Trefft euch doch nächstes Jahr irgendwo im verschissenen Ruhrgebiet oder im Internet oder wo auch immer. Demmin aber braucht diese Eingriffe von außen sicher nicht.

    1. fritzl    

      Die armen armen Demminer Zonis!!! Da kommen die Abgesandten des west(!!1)deutschen Links- und Rechtsterrorismus der 70er und 80er Jahre und machen aus dem malerischen Flecken im Hinterland ein Kriegsgebiet. Zu Hülf, Margot und Erich! Immer und immer wieder muss man sich als unbescholtener Ossi hier belästigen lassen. Mal sinds die Terroristen, mal die Professoren der Uni, mal andere Querulanten. Aber immer ausm Westen! IMMER!
      Hätten sie doch nur die Mauer stehen lassen, Demmin wäre heute noch so schön wie 1945. Da würden dann letztlich auch die Nazis nix schlechtes sagen können.

      1. Am westdeutschen Wesen    

        Das ist ja nun eine bekannte Strategie der überlegenen Klasse: die Anliegen der Gegenposition lächerlich zu machen anstatt sich mit ihnen zu befassen.
        Demmin braucht Westdeutsche, die ihre Ideologie ausleben wollen genau so wenig, wie Waisenkinder der 3. Welt Abiturienten der 1. Welt brauchen, die Selbstverwirklichungstrips ins Elend machen. In beiden Fällen geht man von zu Hause fort um an einem anderen Ort zu wirken. Dieses Wirken aber kommt nicht auf Geheiß und Verlangen der indigenen Bevölkerung, sondern entstammt einer übersteigerten Geltungssucht und auch einem inhaltlichen Desinteresse für das objektifizierte Fremde.

        1. Anne H.    

          Und die demokratische, plurale, post-Wiedervereinigungsgesellschaft der Bundesrepublik braucht keine ewiggestrigen DRR-Verklärer, Schwätzer und Lokalsherrifs! Sie haben sich mit ihrem Kommentar selbst lächerlich gemacht, wie soll man sich bitte mit einem solch’ verblödeten Nonsens objektiv befassen? Und – vielleicht ist das ja an Ihnen vorbei gegangen – es waren tatsächlich auch Menschen aus Demmin gegen den Nazimarsch auf der Straße, sogar aus Greifswald und Berlin sind Leute angereist. Liegen diese Orte nicht in ihrer geliebten Zone?
          Vielleicht steigen Sie einfach mal in die Zeitmaschine und kommen im Hier und Jetzt an, statt an den Schwachsinn zu glauben, jede Herausforderung für’s kleinstädtische Zusammenleben würde nur aus den alten Bundesländern importiert.

        2. Am westdeutschen Wesen    

          Ok. Natürlich. Gewiss, Gewiss. Wenn man das western-german privilege anspricht, ist man ein DDR-Verklärer.

          Ich finde es ekelhaft, wie hier westdeutsche Strategien der Vereinnahmung (und ja, auch Berliner und Greifswalder) legitimiert werden.

          Wenn Männer Frauen zu Objekten machen, über ihren Kopf hinweg agieren, dann ist das widerlich. Wenn Weiße Schwarze zu Objekten machen, sich in ihre Angelegenheiten einmischen und innerhalb dieser Angelegenheiten die Meinungsführerschaft beanspruchen, dann ist das verachtenswert. Aber wenn Westdeutsche, dem seit jeher als minderwertig empfundenen Ostdeutsche zeigen wollen, wie man richtig hetzt oder Nazis blockiert, dann ist das ebenso fehl am Platze. Die Berliner und Greifswalder sind in Sachen Toleranz und Intoleranz natürlich auch weiter als der rückständige Demminer. Na sicher.

          Es geht nicht um Demmin und nicht um die Demminer. Es geht den Demokonialisten darum, dass man seine eigene Politik (ob rechts, ob links) im Vorgarten der anderen austragen will. Dort, wo man selbst nicht aufräumen muss. Auf diesem Terrain, dass man erst in einem Jahr wieder sieht.

  2. Sarah    

    Schöne Gegendemo, äh, sorry, Exkursion des StuPa!

    1. Anne H.    

      Über wessen Kopf hinweg wird hier agiert? Von welchen Schwarzen und welchen Weißen reden Sie hier? Was ist die westdeutsche Strategie der Vereinnahmung? Wissen Sie überhaupt, was Sie da schreiben, oder sitzen bei Ihnen 27 Jahre Frust so fest, dass Sie nicht mehr richtig durchsehen? Ich meine diese Fragen tatsächlich ernst, vielleicht können Sie da ja mal etwas Licht ins Dunkel bringen.
      Und – vielleicht haben Sie das ja in den letzten zwei Jahrzehnten irgendwie verpasst – Demokratie findet überall statt. Und wenn sich im ach-so-unbescholtenen Demmin jedes Jahr ein Naziaufmarsch zuträgt, wird dagegen selbstverständlich demonstriert. Die Freiheit dazu steht im Grundgesetz, vielleicht haben Sie davon schonmal gehört. Wäre die lokale Politik und Verwaltung im armen armen Demmin in der Lage, einen kreativen Ausweg aus der gegenwärtigen Situation zu finden, würde auch der von Ihnen postulierte Demokolonialismus (…so ein abstruser Schwachsinn!) ausbleiben. Da dass nicht in Aussicht ist, werden weiter jedes Jahr Leute ihre Meinung kundtun und ihr Rechte wahrnehmen.
      PS: am Tag vor der Ereignissen in Demmin gab es mehrere große Demos gegen Nazis in Berlin. Am 1. Mai in vielen anderen Städten bundesweit ebenso. Soviel zu ihrer weltfremden Ansicht, man würde immer nur im “Vorgarten der anderen” agieren. Lesen Sie mal eine Zeitung!

      1. Am westdeutschen Wesen    

        Immer wenn dem Deutschen eine Meinung nicht passt, dann kommt er mit dem Grundgesetz. Ich kritisiere die wenig emanzipative und vereinnahmende Wirkung von westdeutschen Linken und Rechten. Da wird dann gleich gesagt: “Buhu, aber dem GG nach dürfen die das ja”. Das ist richtig, aber in der Debatte nur ein intellektuelles Feigenblatt. Dem Grundgesetz nach, dürfen die polierten Platten auch ihren Trauerkult zelebrieren. Ich kann akzeptieren, dass sie es dürfen ohne normativ richtig zu finden, dass sie es machen. So ist es auch mit den westdeutschen auf jährlicher Buschexpedition in Demmin. Das GG erlaubt das, aber ich finde es normativ nicht gut sowas zu machen. Ist das so schwer zu verstehen und sich argumentativ DARAN abzuarbeiten?

        1. Anne H.    

          Was ist denn bitte der Maßstab Ihrer seltsamen Normativität? Das GG ist also nur ein Feigenblatt (wurde ja auch vom bösen Wessi aufoktroyiert); nach wem oder was sollen sich denn dann die Menschen richten, die ihr Recht auf Demonstrationsfreiheit wahrnehmen wollen? (und ja, das gilt natürlich auch für Nazis!)
          Gibt es sowas wie den großen Demminer Wertekonsens? Oder die Goldene Bulle der pommerschen Provinz? Das großen Manifest der Hängengebliebenen? Wo ist es in Stein gehauen und kann nachgelesen werden? Oder ist das einfach ein reines persönliches Befindlichkeitsding von Ihnen, schmeckt Ihnen nicht, dass Leute ins beschauliche Hinterland fahren und dort ihre Meinung kundtun? Dann sind wir nämlich wieder am Ausgangspunkt – ein armer, backengebliebener Ossi will einfach seine Ruhe haben.
          Tja, Pech gehabt!

        2. Am westdeutschen Wesen    

          Ich sagte lediglich, dass ich nicht jedes Handeln gut finde, dass vom GG legalisiert wird. Ist das bei dir anders? Findest du gut, dass die Nazis in Demmin demonstrieren ?(diese Frage bitte beantworten)
          Ich nicht.

          Ich finde darüber hinaus aber auch nicht gut, wenn fremde Leute in ihnen fremde Regionen reisen, dort wilde Sau spielen und sich am Montag Morgen irgendwo in Wuppertal wieder von Mutti ihr Marmeladenbrot schmieren lassen.
          Weißt du was? Das Grundgesetz gibt mir das Recht das doof zu finden. Das GG gibt dir ja auch das Recht deine Meinung doof zu finden. Das GG aber als normatives Argument dafür zu nehmen, ob soziales Verhalten wünschenswert ist, oder nicht, ist schwach.

          Das Beste: Es muss nirgendwo einen Demminer Wertekonsens geben oder eine Goldene Bulle der pommerschen Provinz. Ich kann diesen Demokolonialismus einfach so Scheiße finden. Ich kann es einfach so Scheiße finden, wenn in der Öffentlichkeit das Bild entsteht, dass Demmin ein Nazinest ist, weil Fremde sich dort austoben möchten und ich kann Scheiße finden, dass westdeutsche Linke so tun, als könnten sie für die Demminer sprechen.

        3. M.W.    

          Woher nimmst Du eigentlich die Gewissheit, dass es sich dabei mehrheitlich um westdeutsche Linke handelt und nicht um ostdeutsche Linke?

  3. Anne H.    

    Ob ich es gut finde, dass Nazis in Demmin demonstrieren? Nein, find ich nicht gut. Aber ich sprech’ ihnen das Recht dazu auch nicht ab. Weil es nunmal im GG verbrieft ist, ob es uns passt, oder nicht.
    Und ihre Ausführungen zum Wuppertaler Marmeladenbrot zeigen einfach, wie behämmert Sie sind, entschuldigung! Wissen Sie was: Sie sollten sich freuen, wenn Leute aus Wuppertal herkommen und sich in Ihrem Drecksnest den Nazis entgegen stellen! Sie selbst machen es ja nicht, ist ja viel zu anstrengend, zu ungemütlich, lieber noch ein Bier, ‘ne Wurst und dann Tagesschau, wieder ein bisschen meckern über die Politik und die Welt da draußen.
    Jämmerlich ist das, weltfremd, erbärmlich und bemitleidenswert!
    Ein dreifaches Hoch auf die Wuppertaler Antifa!

    Hier, noch was zum Heulen für Sie. Vielleicht können Sie die Nazis ja mit Ihrem Selbstmitleid in die Flucht schlagen..
    http://www.nordkurier.de/demmin/protest-gegen-npd-aufmarsch-sex-puppen-in-der-peene-1122492505.html

    1. Am westdeutschen Wesen    

      Na wunderbar! Jetzt haben wir es ja. Man kann also für verfassungsmäßig verbriefte Rechte sein, ohne die konkrete Nutzung dieser Rechte im Einzelfall immer gut zu finden. Ich zum Beispiel finde nicht gut, wenn westdeutsche Linke und Rechte ihr Demonstrationsrecht gebrauchen um in den Osten zu fahren und dort wilde Sau zu spielen. Das Recht haben diese Leute natürlich – ohne Frage! Aber ich finde es schlecht, dass sie es machen und ich halte es auch für eine charakterliche Schwäche, wenn man Strategien der Vereinnahmung anwendet und somit impliziert, dass der Demminer unfähig ist, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Wenn zur Unfähigkeit noch Unwürdigkeit hinzukommt, dann wäre schon das Argumentationsmuster der Kolonialisierung Schwarzafrikas erreicht. Wunderbar….

      Zu der Sache mit den Sexpuppen? Findest du das gut? Wirklich? Ist es notwendig sexualisierte Frauenpuppen in einen Fluß zu werfen, in dem sich ’45 Mütter und Kinder aus Angst vor sexualisierter Gewalt ertränkt haben? Glaubst du nicht, dass so ein Vorgang heute noch diejenigen triggert, die damals zehn, vielleicht elf Jahre alt waren, dass mit angesehen haben, aber nicht gesprungen sind? Glaubst du nicht, dass es die triggert und emotional stark verletzt, die im Zuge der Kriegs- und Nachkriegszeit wirklich Opfer sexualisierter Gewalt wurden? Männer trifft dieses Problem zumeist nicht. Sexpuppen in die Peene zu werfen ist eine zutiefst antifeministische und verachtenswerte Aktion, die zeigt, dass Menschen ihre politische Deutungshoheit über die emotionale Unversehrtheit von Opfern sexualisierter Gewalt stellen. Das Leid von Menschen, die in jungen Jahren grauenhafte Selbstmordszenen erleben mussten wird auch billigend in Kauf genommen. Findest du das gut? Ich nicht. Ich finde es traurig, hinterhältig und unsensibel.

      1. Anne H.    

        Ich würde mir wirklich wünschen, dass Sie endlich aufhören, von “westdeutschen Linken” zu fabulieren! Es gibt KEIN west- und ostdeutsch mehr, merken Sie das nicht?? Es gibt Lübecker, die nach Demmin fahren und es gibt Greifswalder, die nach Hamburg fahren. Ei der Daus, das ist heutzutage möglich und gut so!
        Ehrlich gesagt halte ich die Paralle zwischen 6 Gummipuppen und (vielleicht!) 800 Wasserleichen für ziemlich an den Haaren herbeigezogen, ebenso wie Ihre Idee, dies würde die Betroffenen von damals heute noch triggern. Das ist ein herbeigeredeter Unfug, um die Proteste im Nachgang zu delegitimieren. Dies geschieht aus eben jenem Grund, aus dem Sie sich hier auch auslassen: man hat in Demmin lieber seine Ruhe, wenn die Nazis marschieren macht man eben das Fenster zu und hat den Rest des Jahres Ruhe.
        Diese Haltung ist makaber!
        Dass Nazis von lokaler Verwaltung unbehelligt und unter Schützenhilfe der Polizei jedes Jahr Kriegstote für ihre Zwecke missbrauchen dürfen, ist makaber!
        Dass Demonstranten ins Koma gewürgt werden und der Innenminister dann ihr Aufenthaltsrecht infrage stellt, ist makaber.
        Dass Nazis auf einem angeblichen Trauermarsch Kriegsrhetorik anstimmen dürfen und keinen interessiert’s, ist makaber.
        Vielleicht ist es auch makaber, Gummipuppen in die Peene zu werfen, ja. Aber das jetzt als Stein des Anstoßes zu nehmen ist noch viel hinterhältiger, verlogener und trauriger.

        PS: Der Bogen von den Opfern sexualisierter Gewalt hin zum antifeministischen Sexspielzeug ist wirklich nicht schlecht – chapeau! Vielleicht kann man das Gummipuppenschwimmen aber auch als demonstrative pro-feministische Entsorgungsaktion deuten?!

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