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Schweinisch wird es am kommenden Donnerstag um 20 Uhr in der Wirkstatt.  Allerdings nur im intimen Rahmen der literarischen Lesung. Jürgen Buchmann liest in der Gützkower Straße 83 aus seinem neuen Buch und klärt, wie ein Münsterländer Mastschwein das Wort zu Fall bringen will.

„Memoiren eines Münsterländer Mastschweins“ , vor Kurzem im Greifswalder freiraum-Verlag erschienen, ist ein Nischen-Buch. Im positiven Sinne.

Eine etwas aus der Mode gekommene Erzählperspektive (Schwein), die diffiziele und feingliedrige Sprache, welche einen dichten und geschliffenen Text voller Liebe zum sorgsam Geschriebenen ausdrückt, der umfassende Intellekt des Autors, sein schelmischer Humor.Den zwölf Kaptiteln stellt Buchmann Zitate großer Dichter und Denker vergangener Zeiten voran, deren Namen einigen humanistisch gebildeten Ü30-Jährigen mitunter noch bekannt sein könnten. Meine Generation blättert entweder verstört weiter oder konsultiert Wikipedia. Und wird, im zweiten Fall, kaum verändert doch bereichert, weiterleben.

Quádrupedánte putrém sonitú quatit úngula cámpum.

Vierfüß’gen Schalls lässt der Huf

den morastigen Boden ertönen.

Vergil, Aeneis (20 v. Chr.)

Gleichsam enden alle Kapitel mit den Stimmen aus dem Stall & Kommentare des Kobens , deren Entschlüsselung Menschen außerhalb des Sprachraums „Verler Platt“ nahezu unmöglich erscheint:

´n pa dage daovo ha he sejn onkel votellt, he wull dichter wärn. Dat ha us in Mastholte no failt,´n schwejn, dat dichtet. Sick vo de löitens graut daon, dat was, wat he wulle. [… ] (Seite 14)

Jürgen Buchmann, Jahrgang 1945, studierte Klassische Philologie und Philosophie in Hamburg, Tübingen und Konstanz (Promotion zum Dr.phil 1974) Von 1975 bis 2005 Dozent arbeitete er an der Universität Bielefeld. Seit 2006 lebt er als freier Schriftsteller und Übersetzer in Werther/Westfalen.

„Ansichten eines Münsterländer Mastschweins“ ist ganz wunderbar oldschool, ohne Internet, Globalisierung, Drogenexzesse oder Effekthascherei. Der  Provinzialismus der Geschichte sollte nicht mit seichter Heimatdichtung verwechselt werden, ist doch der Dr. phil. und langjährige Dozent für Philosophie und alte Sprachen Jürgen Buchmann in der weiten Welt der Kultur ebenso verwurzelt wie in Ostwestfalen-Lippe.

Womit ist am Donnerstag also zu rechnen?  Mit vergnüglichen Momenten voll augenzwinkernder Streiflichter, deren Witz  Hochkultur wie auch ländlichen Raum durch den Perspektivwechsel hin zum Schwein karikieren. Das Verlesen von dessen Arbeitsproben ist der ungekrönte Höhepunkt einer Jürgen Buchmann Lesung und kombiniert wunderbares Sprachgfühl mit markantem Sinn fürs Vorlesen.

Kurz & bündig:

Donnerstag, 19. April 2012/ Wirkstatt / 20 Uhr/ Eintritt: 2/3 Euro

 

Und nach dem Zuhören:

Bis 19. Mai werden zehn Illustrationen der Grafikerin Isabel Wienold zu den „Memoiren“ in der Wirkstatt ausgestellt.

 

Fotos: freiraum-Verlag (Artikelbild, keine CC-Lizenz), Ole Schwabe

 

 

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