Das umstrittene Steinkohlekraftwerk Lubmin ist trotz des Rückzugs des dänischen Investors Dong Energy am 11. Dezember 2009 und des darauffolgenden Jubels der Kraftwerksgegner noch nicht zu Grabe getragen.

Wie in den letzten Wochen mehrfach den Medien zu entnehmen war, läuft das Genehmigungsverfahren weiter. In einer Pressemitteilung von Dong Energy heißt es: „Während dieser Phase beabsichtigt die Projektgesellschaft, keine Schritte zu unternehmen, die der Realisierung des Kraftwerksprojekts entgegenstehen. Insbesondere werden die gestellten Genehmigungsanträge nicht zurückgezogen“.

Die Projektgesellschaft gibt es nach wie vor.

Die Projektgesellschaft Kraftwerke Greifswald, an der Dong Energy 74,9 Prozent der Anteile hielt, die Frankfurter Aktiengesellschaft WV Energie das restliche Viertel, sucht aktiv nach weiteren Investoren. Äußern will man sich dazu aber derzeit nicht: Ein Sprecher der WV Energie, auf deren Website das Projekt noch in der alten Form mit DONG als Hauptbeteiligtem zu finden ist, teilte mit, es würden aufgrund des noch laufenden Ausstiegsverfahrens derzeit keine Auskünfte an die Medien gegeben.

Nach den Worten des Dong-Sprechers Michael Deutschbein ist der Rückzug des dänischen Investors mit einem „Mangel an Unterstützung auf politischer Ebene“ zu begründen. Der folgende Strategiewechsel Dongs sei ein „normaler Prozess in der Projektentwicklung“. Sowohl die WV Energie als auch Deutschbein wollten keine näheren Angaben zum laut Ostseezeitung „unübersichtlichen Firmengeflecht“ von Dong Energy in der Region machen, welches aus der Projektgesellschaft, der Kraftwerke Greifswald GmbH&Co.KG sowie der Kraftwerke Greifswald Verwaltungs-GmbH und der Kraftwerke Greifswald Beteilgungs-GmbH besteht. Deutschbein betonte gegenüber dem webMoritz lediglich: „Es geht hier durchaus alles mit rechten Dingen zu“.

Genehmigungsbehörde: Verfahren wird derzeit nicht aktiv weitergeführt

So viel Dreck wie in dieser Darstellung der Kraftwerksgegner würde das Kraftwerk wohl nicht ausstoßen.

Laut Horst Wroblewski, Amtsleiter der Staatlichen Ämter für Umwelt und Natur (StAUN) Stralsund und Ueckermünde, ist das Genehmigungsverfahren zwar nicht beendet, wird aber derzeit auf Bitte der Antragstellerin auch nicht aktiv weitergeführt. „Wir warten momentan darauf, dass sich die Projektgesellschaft positioniert“, so der Leiter. Es handele sich zudem nicht um ein Einzelverfahren. Vielmehr seien Genehmigungen im Bereich des Bundesemissionsschutzgesetzes, des Naturschutzes, der Nutzung des Boddens, der Grundwasserabsenkung für Kraftwerksbau und -betrieb sowie je nach noch ausstehenden Unterlagen des Artenschutzes notwendig. Jedes dieser Verfahren sei nur genehmigungsfähig, wenn auch die anderen es sind.

Wenn die Anstragsteller zu zahlreichen Punkten wie etwa dem Artenschutz noch fehlende Unterlagen nachreichten, würde das Verfahren noch etwa ein Dreivierteljahr beanspruchen, schätzt der Amtsleiter: „Was wir hier machen, ist umweltschutzrechtlich europäische Spitzenliga. Es sind einerseits sehr viele Richtlinien zu beachten, andererseits gibt es auch Fragen, die derzeit noch nicht ausreichend geklärt sind oder in denen wir uns an aktuellen Gerichtsbeschlüssen orientieren müssen. Nach dem derzeitigen Stand der naturschutzfachlichen Unterlagen wäre das Projekt nicht genehmigungsfähig“.

Erhebliche Mehrkosten gegenüber ursprünglicher Planung

Oskar Gulla

Sollte das Steinkohlekraftwerk genehmigt und genügend Investoren gefunden werden, würden sich bei Inbetriebnahme erhebliche Mehrkosten gegenüber dem ursprünglich geplanten Betreibungsbeginn ergeben. Ab dem Jahr 2013 müssen Energiekonzerne den vollen Preis für CO2-Zertifikate zahlen. Hinzu kommen Kosten für die Vorratseinspeisung.

Oskar Gulla, Vorsitzender der Bürgerinitiative „Kein Steinkohlekraftwerk in Lubmin“ Greifswald formulierte diese Schwierigkeiten für den Steinkohlekraftwerksbau gegenüber dem webMoritz so: „Bei der Ankunft Dongs war die Hürde für den Kraftwerksbau 70 Zentimeter hoch. Jetzt ist sie zwei Meter höher“. Das liege nicht nur an den Mehrkosten, sondern auch an der Arbeit der Kraftwerksgegner sowie den zahlreichen Umweltauflagen, ist sich Gulla sicher.

Sowohl ökologisch wie auch ökonomisch könne kein Konzern den Kraftwerksbau noch rechtfertigen, sagt der Greifswalder. Sollte wider den derzeitigen Erwartungen das Genehmigungsverfahren dennoch positiv für den Bau des Kraftwerks ausfallen, so seien die Bürgerinitiativen noch immer zu einer Klage bereit. Diese könnte den Baubeginn noch erheblich verzögern.

Ein Gutachten des emerittierten Greifswalder Wirtschaftsprofessors Manfred Jürgen Matschke zur Wirkung des Kraftwerks auf die (regionale) Wirtschaft sei nur ein müdes Lächeln wert, sagte Gulla. Matschke hatte im Februar eine Untersuchung im Auftrag des Rats für Technik, Energie und nachhaltige Entwicklung im Unternehmerverband vorgelegt, die zu dem Schluss kommt, hätte ein Kraftwerksbau erhebliche positive Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung in der Region.

„Professor Matschke muss dieser Region böse sein.“, konstatiert Gulla. Auch bei anderen Gegnern des Kraftwerks wie den Greifswalder Grünen stieß Matschke auf scharfe Kritik. Es handle sich um „Stammtisch-Gaukeleien“, Matschke sei nicht ernst zu nehmen. Gulla sagte dem webMoritz, seiner Ansicht nach würden durch ein Steinkohlekraftwerk insgesamt rund 300 Arbeitsplätze in einer Region entstehen, in welcher mithilfe regenerativer Energieerzeugung 3.500 möglich wären. Gulla abschließend: „Jetzt ist die Politik gefragt. Der Platz sollte so schnell wie möglich anderen Unternehmen zur Verfügung stehen.“

Professor Matschke nahm zu den Vorwürfen Stellung gegenüber dem webMoritz. Da er darauf besteht, dass seine Antworten an dieser Stelle vollständig wiedergegeben werden, folgen diese nun in Interviewform:

Interview mit Professor Matschke

Professor Manfred J. Matschke

webMoritz: Zunächst wäre es sehr interessant, warum Sie dieses Gutachten übernommen und in wessen Auftrag.

Prof. Matschke: Man hat mich im August 2009 gefragt, und ich habe nach Klärung der Voraussetzungen im Oktober 2009 den Auftrag angenommen, weil es keinen sachlichen Grund gibt, einen Auftrag zu einer regionalwirtschaftlichen Analyse eines bedeutenden Investitionsvorhabens nicht anzunehmen. Der Auftraggeber war der Rat für Technik, Energie und nachhaltige Entwicklung im regionalen Unternehmerverband.

webMoritz: Sie nennen vorab ja einige Aussagen, die diejenigen des Investors DONG noch übertreffen. Sind dies Schätzungen oder schon genaue Berechnungen? Worauf basieren sie?

Matschke: Der Investor hat sicherlich keine regionalwirtschaftliche Analyse durchgeführt. Ein Ausschreibungsverfahren gab es auch noch nicht. „Versprechungen“ des Investors kenne ich nicht. Sie wären für mich als Gutachter auch bedeutungslos gewesen. Meine Kernaussagen sind Ergebnisse von Berechnungen auf Basis von Input-Output-Analysen, Multiplikatoranalysen, Variantenrechnungen sowie Monte-Carlo-Simulationen. Diese Berechnungen beruhen – soweit inhaltlich erforderlich – auf Angaben des Investors, die auf ihre Plausibilität überprüft wurden, ferner auf einer im Auftrag der Landesregierung Nordrhein-Westfalen erstellten umfangreichen Studie zu Kraftwerksinvestitionen und vielen weiteren statistischen und literarischen Informationen.

Hinsichtlich der deutschlandweiten Input-Output-Analysen beruhen die Berechnungen auf volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen des Statistischen Bundesamtes und dessen Veröffentlichungen zu so genannten Leontieff-Inversen, die man für Input-Output-Analysen benötigt. Es sind Matrizen mit 71 Zeilen und 71 Spalten, die die volkswirtschaftlichen Sektoren und deren Verflechtungen in 5.041 Koeffizienten abbilden. Grundlage der M-V-bezogenen Input-Output-Analysen ist eine Forschungsarbeit, deren Brauchbarkeit und deren Konsistenz zur deutschlandweiten volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung von mir überprüft wurden. Vergleichbare volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen und Leontieff-Inversen wie auf Bundesebene stellt das Statistische Landesamt für M-V nicht zur Verfügung. Solche gibt es übrigens für die meisten Bundesländer nicht.

webMoritz: Abschließend: Wie stehen Sie selbst zu diesem Projekt?

Matschke: Meine Aufgabe war eine gutachterliche Sachaussage, nicht eine politische Meinungsäußerung. In der Politik agiert man für mich zu sehr auf Basis von „Meinungen“ – der eine meint halt das, der andere eben was anderes – und zu wenig auf Sachaussagen. Basisannahmen waren für mich die Genehmigung nach dem Bundesimmissionschutzgesetz und der nachfolgende Bau durch den Investor. Man kann schließlich keine regionalwirtschaftliche Analyse machen, wenn man nicht voraussetzt, dass es zur Investition kommt. Aus meinen gutachterlichen Sachaussagen ergibt sich, dass die Kraftwerksinvestition und die damit verbundenen und mir bekannten Folgeinvestitionen etwa im Bereich des Umweltschutzes und der Ausgleichsmaßnahmen aber auch des Schiffbaus in der Bauphase von herausragender regionalwirtschaftlicher Bedeutung für Mecklenburg-Vorpommern gewesen wären. Dieses Gesamtinvestitionsvolumen in der etwa vierjährigen Bauphase macht das 7,2-fache des Investitionsvolumens der Universitäts- und Hansestadt Greifswald und des Landkreises Ostvorpommerns zusammen im Zeitraum von 2007 bis 2010 aus. Das beträgt auf Basis von Istgrößen für die Jahre 2007 und 2008 und von Plangrößen für die Jahre 2009 und 2010 zusammen 122,4 Millionen Euro. Der berühmte „Peanuts-Maßkrug“ vom Chef der Deutschen Bank Ackermann im Umfang 50 Millionen Euro würde also fast 18 Mal gefüllt werden können. 🙂

Der Übernachtungsbedarf der bis zu 1500 Beschäftigten auf der Baustelle wird von mir auf rund 642.000 Übernachtungen in der Bauphase geschätzt. Bei einem Übernachtungspreis von 25 Euro pro Übernachtung sind das etwa 16 Millionen Euro. Das ist mehr als das 10-fache des Umsatzes des statistisch erfassten Gastgewerbes in Lubmin im Jahr 2008, der von mir auf Basis von 34.111 Übernachtungen und einem geschätzten durchschnittlichen Übernachtungspreis von 45 Euro pro Übernachtung auf ungefähr 1,54 Millionen Euro geschätzt wird. Im Jahr 2008 hatte dieses Gastgewerbe in Lubmin eine jahresdurchschnittliche Auslastung von ca. 23 Prozent der Bettenkapazität. Schade, dass man nicht hört, wie laut die Betten in der Region, nicht bloß in Lubmin, schreien: „Wir stehen leer!“

Die direkten Beschäftigungswirkungen in der Betriebsphase entsprächen derjenigen des gesamten Konzerns der Stadtwerke Greifswald, also von der Holding über die Gas-, Strom-, Fernwärme-, Wasserversorgung, der Entsorgung, des Verkehrsbetriebs, ferner von BIG-Bildungszentrum und Schwimmbad. Sind das Peanuts?

Der webMoritz hatte Profesor Matschke übrigens schon einmal zu seiner Haltung zum Kraftwerksprojekt befragt – damals allerdings als Kandidaten bei der Kommunalwahl und nicht als Wissenschaftler. Damals sagte er auf die Frage, was er von den Plänen des Investors halte unter Anderem:

„Ich stehe […] dem Umweltschutzgedanken sehr aufgeschlossen gegenüber. In der Vorlesung habe ich den Studenten unter anderem beigebracht, dass das, was jetzt mit Blick auf das Kraftwerk in Lubmin abläuft, ein Genehmigungsverfahren nach Recht und Gesetz und nicht nach politischem Gusto, also keine politische Geschmackssache, ist. Denn ein Antragsteller hat einen Rechtsanspruch auf Genehmigung, wenn die Genehmigungsvoraussetzungen erfüllt sind.“

Bilder: Screenshot der Betreiber-Homepage (oben) via webMoritz-Archiv, alle anderen: webMoritz-Archiv

Kommentare

  1. floordress    

    Sehr interessant. Als nicht-Wiwi müsste ich mich natürlich umfassend mit den Fachtermini beschäftigen, was ich zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht gemacht habe. Allerdings mag mir die "Bettenrechnung", ob ihrer Kurzfristigkeit, nicht so recht gefallen. Ein möglicher Rückgang der Nachfrage der Betten während der Laufzeit des Kraftwerks aufgrund anzunehmender Luftverschmutzung wird einfach ausgeschlossen bzw. nicht berücksichtigt? Dies ist jetzt keine rhetorische Frage.

  2. Manfred Peters    

    Ein interessanter Beitrag, aber warum verwendet Ihr eine Fotomontage, die sich als eine plumpe Fälschung der BI und von Jabbusch´s Gnaden erwiesen hat?
    Richtig wäre das Bild oben rechts („Kraftwerke Greifswald“). Dort erschließt sich aber nur einem Insider die geplante Lage des SKW.
    Es ginge nicht nur um „soviel Dreck…“, sondern um die Platzierung eines SKW an den Strand.
    Mehr dazu im Beitrag: Unterschriften gegen Kohlekraftwerk 17. Februar 2008 | Von Sebastian Jabbusch
    http://www.webmoritz.de/2008/02/17/volksinitiativ
    Übrigens, der „Kommentaranonymus“ bin ich nicht. Manfred Peters schreibt Leserbriefe und Kommentare immer mit Klarnamen!
    Wer kann mir die Berechnung des „Peanuts-Maßkrug“ erklären? 50X18 sind nach meiner Rechnung ungleich 122,4. Mit den ursprünglich vorgesehenen 5 Mrd. € Investitionen korreliert dies Angabe ja auch nicht.
    Bitte unterstellt mir jetzt nicht wieder, dass ich kritiklos den Kraftwerksbau befürwortet hätte. Ich bin aber u. a. gegen die oben beschriebene Fälschung.

    1. Sebastian Jabbusch    

      Jetzt hab "ich" die Grafik gefälscht? Herr Peters – sie leiden unter einer Verfolgungs-Paranoia!

      1. Manfred Peters    

        Ich habe nicht geschrieben, dass Herr Jabbusch das gefälscht hat. Der Beitrag von 2008 mit den Kommentaren sagt auch schon damals etwas von laxen Umgang des S.J. mir der Wahrheit.
        Die Paranoia kann man eher hier verfolgen:
        http://jabbusch.tose.de/uniohnearndt/2010/03/die-

        1. FBM1349    

          ganz ehrlich?

          wenn dir was an dem webmoritz-artikel 2008 nicht gepasst hat, hättest du das lang und breit damals klären können. das jetzt wieder auszugraben um irgendwas zu beweisen, empfinde ich als unlauter. ich habe nur kurz drüber geschaut, aber was das von dir monierte bild anbelangt, hat sich sebastian jabbusch in den kommentaren doch selbst dazu geäußert und es als übertreibung beschrieben. dein link auf die UoA-seite ist übrigens nicht funktionstüchtig, wie mir scheint.

          du hast also heute schon 3 links gepostet.
          – 1 link von 2008 mit nicht nachvollziehbaren anschuldigungen verknüpft
          – 1 link offenbar falsch eingefügt und mit dem vorwurf der paranoia verknüpft (bitte keine diskussion darüber, wer den 1. stein geworfen hat)
          – 1 link schwer erreichbar aber auf nachfrage zumindest entsprechend nachvollziehbar.

          gute quote :P.

        2. Manfred Peters    

          Das Kommentarsystem hier verfälscht nach einiger Zeit die Adressen. Ich hatte schon einmal darauf hingewiesen. Wenn man von dem "link" oben den Anhang hinter „die“ entfernt kommt man zum gemeinten Beitrag. Für einen Spezialisten wie Dich doch kein Problem? Ich hab es dreimal positiv getestet!
          Sonst hier der Titel: 28.03. Die selektive Wahrnehmung / Hetze der OZ
          Oder neuer Versuch:
          http://jabbusch.tose.de/uniohnearndt/2010/03/die-

          Aber wir kommen wohl vom Thema weg!
          Zu „nicht gepasst hat, hättest du das lang und breit damals klären können“- ich bin kein Papagei!
          Danke für den Besuch auf meiner „intensedebate“ Seite und wenn möglich ab jetzt eine Zukunftsdiskussion. Die heißt in Lubmin – Gaskraftwerke.

  3. Jan_Peter    

    Herr Matschke scheint ja nicht gerade viel Vertrauen in studentische Medien zu haben…
    Und – wie hat er den Smiley artikuliert?

  4. FBM1349    

    "eine Fotomontage, die sich als eine plumpe Fälschung der BI und von Jabbusch´s Gnaden erwiesen hat"

    sich erwiesen hat? das klingt jetzt ganz so, als hätte das jemand verschwiegen oder versucht das gegenteil vorzutäuschen, sprich das bild als "echtes" projektbild zu verkaufen. ist das so?`

      1. FBM1349    

        Ohne Verbindung!
        Firefox kann keine Verbindung zu dem Server unter http://www.kein-kohlekraftwerk-lubmin.info aufbauen.

        1. Manfred Peters    

          Oben rechts verwendet die BI das Bild immer noch als Beweis "wie die Sicht sich mit
          Steinkohlekraftwerk verändert " !
          Die OZ musste dazu eine Richtigstellung veröffentlichen.
          Zitat:OZ vom 04.12.2007
          Kraftwerk am Strand unsichtbar
          Aufgrund eines technischen Fehlers ist in der Sonnabend-Ausgabe der Greifswalder Zeitung (S. 17) eine Fotomontage der BI „Zukunft Lubminer Heide“ veröffentlicht worden, die zu Irritationen führte. Die Aussage, dass das Steinkohlekraftwerk etwa Läufern vom Strand aus ins Auge fällt, entspricht nicht den Tatsachen. … ist das Werk vom Strand aus nicht zu sehen.“

        2. FBM1349    

          ah, jetzt seh ichs auch. punkt für dich.

          irgenwie kann ich mir das dennoch nicht vorstellen. zwar meine ich gelesen zu haben, dass die höhe der türme reduziert wurde (was gleichzeitig mit einer schlechteren verteilung von abgasen einhergehen soll), aber 85m sollen es dann doch sein…wie ein försterdreieck funktioniert, weiss ich…dass man das kraftwerk nicht sehen können soll, kommt mir komisch vor – aber das is ohnehin nur ein nebenaspekt für meine persönliche einschätzung.

  5. Sebastian Jabbusch    

    Die Bettenrechnung ist ja mal mega-lustig. Wäre mir völlig neu, dass polnische Gastarbeiter (ja – so ist es nun mal! ) sich in Hotels einbuchen !!

    Sorry Leute – guckt Euch die großen Baustellen der Welt an – da werden Wohncontainer für die Arbeiter hingestellt und fertig. Wenn Lubmin Glück hat, steigt der Umsatz beim örtlichen Konsum und Spirituosenvertrieb.

    Naja – nicht die erste Milchmädchenrechnung von Matschke…

    1. FBM1349    

      sorry sebastian, aber das geht zu weit.

      man mag von der rechnung halten, was man will, aber
      a) ist ein kohlekraftwerk ja keine x-beliebige baustelle und da schätze ich, dass auch nicht x-beliebige bauunternehmen ihre x-beliebigen bauarbeiter hinschicken…wie sehr dein container-argument daher zieht ist ebenso fraglich. wenn du mehr fakten dazu aufbieten könntest, sähe das vielleicht anders aus.

      b) mit deinem kommentar über spirituosenvertrieb begehst du den gleichen fehler wie sarazzin oder auch rüttgers…

    2. Ja_K    

      Man kann diese Bettenrechnung begründet bescheuert und falsch finden – zur Illustration des Sachverhalts den stereotypen polnischen und alkoholisierten Gastarbeiter heranzuziehen ist irgendwie total daneben.

  6. AufgDemokrat    

    Ich möchte nochmal was anderes hier einwerfen:

    Es wird den sogenannten "Erneuerbaren Energien" vorgeworfen, sie seien nicht 24 Stunden gleichbleibend abrufbar, was ja auch stimmt. Windenergie erzeugt nur Strom bei Wind, Sonnenenergie nur am Tag. Viele sehen darin einen Grund an den herkömmlichen Energie-Quellen festzuhalten wie z.B. Atom oder Kohle oder Gas.

    ABER: Es gibt mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten Energie mit "Potentiellen Energiespeichern" zu speichern. Ich rede nicht von herkömmlichen Akkus!

    So gibt es z.B. die Idee mit Wasserpumpspeichern, die Wasser auf einen Stausee pumpen und bei Bedarf wieder durch Turbinen laufen lassen.
    Ich bin da auf die Idee gekommen warum man sowas nicht ganz einfach mit Gewichten machen kann, die man mit Generatoren hochzieht bei Stromüberkapazität und bei Bedarf wieder runterlässtund somit wieder Strom erzeugt.
    Diese Idee gibt es schon seit 1994 !!!! als Patent.

    Die beste Lösung wäre es eine Solarthermalanalge zu bauen, da diese Gegenüber Solarzellen einen besseren Wirkungsgrad aufweisen, da sie das ganze Sonnenspektrum benutzen. In Rohren wird ein Medium wie Wasser erhitzt und treibt dann Turbinen an. Das kann natürlich nur am Tag passieren. Die Anlage müsste aber so groß sein, dass man am Tag eine Überkapazität an Strom produziert wird, die dann mit Pumpspeicherkraftwerken oder der oben genannten Methode mit Gewichten gespeichert wird.

    Eigentlich alles ganz einfach.

    1. Matthias Hühr    

      "So gibt es z.B. die Idee mit Wasserpumpspeichern, die Wasser auf einen Stausee pumpen und bei Bedarf wieder durch Turbinen laufen lassen." Wieso Idee? Solche Kraftwerke gibt es schon seit zig Jahren. Mit diesen Kraftwerken erzeugt man aber keine Engergie, sondern speichert diese nur. Produktionsspitzen werden abgebaut indem das Wasser in den Stausee gepumpt wird. Bei erhöhten Bedarf kann dann mit dem Wasser Energie wiedergewonnen werden. Das Problem ist aber, wo pumpst du das Wasser für die entsprechenden Mengen von benötigter Energie hin? Das ist nur in einem Begrenztem Umfang möglich und nicht wirklich weiter ausbaubar. Wir sind ja nicht in China wo man mal so ein paar Täler für Stauseen fluten kann. Und das mit den Gewichten ist um ehrlich gesagt unsinnig, da die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht stimmt. Das Wasser ist da einfacher zu handhaben.

      1. 007testbild007    

        Die Schweiz ist voll von solchen Pumpspeichern… allerdings geht es hier hauptsächlich um grosse Mengen billigen Nachtstroms aus AKW´s…
        Da Physik sich noch nicht zuverlässig überlisten lässt benötigt das hochpumpen mehr Energie als das spätere Ablassen erzeugt…
        Auf den ersten Blick mag die Technik in Verbindung mit regenerativen Energien gut aussehen…
        Leider macht der Mensch daraus den "schmutzigsten Strom" :

        "Während natürliche Wasserkraft absolut CO2-frei ist und als erneuerbare Energie bezeichnet werden darf, erzeugen Pumpspeicherkraftwerke eigentlich den schmutzigsten Strom im System.
        Das deshalb, weil der Strom für das Hinauf-Pumpen aus Braunkohle, Gas oder Atomkraftwerken gewonnen wird. Das hat nichts mit natürlicher Wasserkraft zu tun."
        http://tirol.orf.at/stories/144192

      2. 007testbild007    

        Die Schweiz ist voll von solchen Pumpspeichern… allerdings geht es hier hauptsächlich um grosse Mengen billigen Nachtstroms aus AKW´s…
        Da Physik sich noch nicht zuverlässig überlisten lässt benötigt das hochpumpen mehr Energie als das spätere Ablassen erzeugt…
        Auf den ersten Blick mag die Technik in Verbindung mit regenerativen Energien gut aussehen…
        Leider macht der Mensch daraus den "schmutzigsten Strom" :

        "Während natürliche Wasserkraft absolut CO2-frei ist und als erneuerbare Energie bezeichnet werden darf, erzeugen Pumpspeicherkraftwerke eigentlich den schmutzigsten Strom im System.
        Das deshalb, weil der Strom für das Hinauf-Pumpen aus Braunkohle, Gas oder Atomkraftwerken gewonnen wird. Das hat nichts mit natürlicher Wasserkraft zu tun."
        http://tirol.orf.at/stories/144192

        1. CptSubtext    

          Die Teile sind großteils für Green Washing da. Da haste recht. Die werden mit Atomstrom auf Frankreich hochgepumpt und dann wird ihr erzeugter Strom als Ökostrom teuer verkauft.

          Dadurch das das so gut funktioniert und die Leute total blöd sind, hat diese "Ökowelle" bereits angefangen in der Schweiz die Natur zu zerstören weil die Betreiber liebsten dort alle Täler aufstauen möchten. Somit ist viel Lebensraum von Tieren vernichtet worden nur für diesen Ökotrick.

      3. AufgDemokrat    

        Ich weiß, dass man mit den genannten Pumpspeicherkraftwerken nur Energie speichert. Es sollte nur eine Idee gezeigt werden wie man erneuerbare Energie, die sehr schwankend ist, speichern könnte.
        Das mit dem erhöhten Staubecken ist natürlich ein Problem im Flachland. Hier gibt es keine Berge und künstlich sowas zu bauen wäre wahrscheinlich zu teuer.
        Die Idee mit den Gewichten habe ich als deutsches Patent im Internet gefunden, da ich selber so eine Idee hatte und einfach mal gegoogelt habe.
        Es wird dabei einfach ein Gewicht freihängend an einer Winde mit Elektromotor gehangen und bei Überkapazität hochgezogen und bei Bedarf wieder herabgelassen, so dass der Elektromotor zum Ggenerator wird.
        Ich weiß nicht wie es zu handhaben ist?

    2. CptSubtext    

      Solarthermieanlage? Dann sag mir ma bitte wieviel Megawatt das Teil erzeugt?
      Laut http://www.kein-kohlekraftwerk-lubmin.info/ plante Dong Energy 2x 800 MW zu installieren.

      Nu hab ich ma verzweifelt gesucht wat so eine Solarthermieanlage produzieren kann. Und da hab ich leider nix gefunden. Wäre dankbar für einen Link auf eine Solarthermieanlage die nicht gerade in der Wüste von Arizona oder so steht und das die 2x 800 MW erzeugt.

      1. FBM1349    

        ups, du hast den wikipediaartikel nicht gefunden?

        na dann:
        "Das Statistische Bundesamt rechnet bei Solarthermischen Kollektoren, die zur Heizungsunterstützung eingesetzt werden, im Jahr mit einem mittleren Ertrag von

        [..] 40 W/m²"

        "Die nutzbare jährliche Wärmeenergie, die ein nicht vakuum-isolierter Flachkollektor liefert, liegt bei ca. 350 kWh/m²"

        aber du hast recht: es ist schon irgendwie bequem, wenn man sich irgendwo ein riesne kraftwerk hinbauen kann und dieses dann etliche MW liefern kann. so angepasste lösungen erfordern immer eine gewisse flexibilität…

        1. AufgDemokrat    

          Man bräuchte dann also so ca. 4500 qm an Flachkollektoren um ein äquivalentes Kraftwerk zu mit Solarthermie zu haben. Das geht ja fast: Machen wir eine Fläche von 200 x 22 m. 😉
          Aber wahrscheinlich sind die Kosten wieder zu hoch. Solarthermie lohnt sich erst ab einer bestimmten Größe. Ich weiß nicht ab welcher?

        2. FBM1349    

          im Wikiartikel geht es vornehmlich um Wärmeenergie.

        3. CptSubtext    

          Ich red hier nicht von einem theoretischen Wikipediaartikel. Was mich interessiert ist eine reale aktiv laufende Großsolarthermieanlage, in unseren Breitengraden und nicht in irgendeiner Wüste auf dieser Welt. Das einzige was ich gefunden hab war eine 48 MW Anlage in Nevada. Daher möchte ich gerne sehen, das dieser Vorschlag auch sinnig ist.

        4. FBM1349    

          also das statistische bundesamt wird sich eher selten mit nevada beschäftigen.

          es macht meiner ansicht nach keinen sinn für mecklenburg-vorpommern über solarthermieanlagen zu diskutieren – hier können wir windräder aufstellen.

          es kommt darauf an die richtigen anlagen am richtigen ort zu bauen.

          dass solarthermie allerdings für privathaushalte und somit dezentral trotzdem irgendwie sinn machen kann, bleibt von dieser feststellung jedoch unberüht.

    3. FBM1349    

      ja, eigentlich alles ganz einfach.

      ich hab kürzlich einen beitrag auf dradio wissen gehört, die vor- und nachteile diverser speicher verglichen hat.

      was die von dir favorisierten passivspeicher angeht, gibt es grundlegend wohl 2 probleme:
      – natürliche standorte sind in deutschland sehr begrenzt. man kann nicht beliebig viele passivspeicher in die gegend stellen. ob das auch für deine flaschenzug-speicher-idee gilt, weiss ich nicht, aber es gibt noch ein 2. problem:
      – der wirkungsgrad: speicherung verringert den wirkungsgrad der energieerzeugung immer als faktor. momentan ist man da noch nicht so weit, wie man vielleicht sein müsste. ich glaube in der sendung wurden für pumpspeicherkraftwerke wirkungsgrade um 0.7 genannt, das ist extrem unbefriedigen.

      es gibt aber wirklich eine enorme vielfalt an technologien, die spitzen in erzeugung und verbrauch ausgleichen können. woran es mangelt ist mitunter der wille zur investition in forschung und die infrastruktur.

      denkbare varianten sind z.b. auch wasserstoffspeicher, die auslagerung von zu viel strom in flotten von elektrischen geräten, z.b. der million elektroautos, die bald durch deutschland fahren sollen. es gibt auch ansätze den überflüssigen strom in thermische systeme umzuleiten. ist zu viel strom da, wird er in großen kühlhäusern genutzt: der fisch wird dann nicht auf -25 sondern auf -30 grad heruntergekühlt und später werden die kühlaggregate dann wieder heruntergefahren.

      kurzum – und das ist ja auch nichts neues: man wird sich was energieerzeugung und "-sicherheit" angeht früher oder später von den systemen zentraler erzeugung und speicherung trennen müssen.
      was dringed erforscht werden muss ist neben der effizienzsteigerung bei der erzeugung erneuerbarer energien ebenso deren speicherung.

      1. Manfred Peters    

        Zitat: „wirkungsgrade um 0.7 genannt, das ist extrem unbefriedigen.“
        Das ist extrem falsch! Tut mir Leid, dass ich mich wieder mal einmischen muss, aber hier läuft wissenschaftlich und physikalisch wieder etwas stark aus dem berühmten Ruder.
        Für das Pumpspeicherwerk: „… Pumpspeicherkraftwerke(n) einen teilweise erheblichen Eingriff in Natur und Landschaft darstellt. Sie sind jedoch zurzeit das großtechnische Verfahren mit dem höchsten Wirkungsgrad, …“
        Hier ein allg. Vergleich unter „Wirkungsgrad“:
        http://de.wikipedia.org/wiki/Kraftwerk
        Daraus:
        " Die angegebenen Wirkungsgrade beziehen sich auf das Verhältnis von erzeugter elektrischer Energie zur eingesetzten Primärenergie. … Der Wirkungsgrad hat eine hohe Relevanz bei hohen Primärenergiekosten (zum Beispiel Öl und Gas). Wenn die Primärenergie gratis ist (zum Beispiel Wind, Sonne, Wasser) sind die Investitionskosten pro kW entscheidend."

        1. FBM1349    

          oh, manfred peters hat wieder tolle links. leider enthält dein link überhaupt kein zahlenmaterial zum pumpspeichern.

          der artikel zu pumpspeicherkraftwerken sagt jedoch: "Bei modernen Werken werden zwischen 70 % und 85 % der zugeführten elektrischen Energie wieder zurückgewonnen." – ich habe nur aus der erinnerung die informationen des radiobeitrags zusammengefasst. leider kann ich diesen grad nicht mehr online finden. dennoch war meine informationen ja wohl nicht "extrem falsch", wenn ich jetzt den wikiartikel zur verifikation heranziehe.

          dass diese 70% als als faktor mit dem wirkungsgrad der energieerzeugung verrechnet werden müssen habe ich bereits oben geschrieben. auch hier frage ich mich also, was denn so "extrem falsch" ist?

          auch, dass es nicht beliebige standorte für solche kraftwerke gibt, habe ich sogar als ersten problempunkt hervorgehoben.

          WO ist also dein problem?

  7. CptSubtext    

    – MV kann nicht von Tourismus alleine leben.
    – Strom muß dort produziert werden wo er verbraucht wird. Stromtransport ist ineffektiv.
    – Ein modernes Kohlekraftwerk sieht völlig anders aus als eines aus den 50ern, und erzeugt auch heutzutage wesentlich weniger Emissionen
    – Vom KKW ist vom Touristenstrand gar nicht zu sehen, das Kohlekraft werk auch nicht. (Die Fotomontage ist gutgemachte Propaganda muß man schon loben)
    – Wir sind in Europa daran gewöhnt 24/7 mit Wärme und Strom versorgt werden zu können. Diesen Standard kann man nur halten indem man regelmäßig für alte Kraftwerke auch Neue nachbaut. Sobald wir hier wie div. andere Länder das Problem von regelmäßigen Netzausfällen haben (Energiekrise inc.) wird die öffentliche Meinung aber ratzfatz umspringen und der Bau von 5 neuen Atomkraftwerken gefordert werden.

    Hier mal die Luftaufnahme von Lubmin+KKW
    http://www.kein-kohlekraftwerk-lubmin.info/images

    1. FBM1349    

      "- Strom muß dort produziert werden wo er verbraucht wird. Stromtransport ist ineffektiv."

      du meinst auf den dächern von häusern?

      1. CptSubtext    

        Im Ansatz nicht nicht verkehrt. Im Prinzip lohnt sich das z.b. für Bauernhöfe die ja gewöhnlich weitab von Siedlungen sind. Vorrausgesetzt die äußeren Bedingen sind vorhanden um derart lohnenswert zu machen.
        Bei einer 50.000 Einwohner Stadt sind allerdings 50.000 dezentrale Minikraftwerke pro Dach wieder sinnlos.
        Da lohnt 1 Anlage für mehrere. Siehe Geothermie für Stadtteile. (wobei es dort auch wieder auf die regionalen Bedingungen ankommt.

        Allgemein ist es aber bescheuert. Atomstrom aus Frankreich oder Solarstrom aus der Sahara nach Vorpommern zu transportieren um ihn hier zu verbrauchen. Dezentralisierung muß sein, aber es sinnlos übertreiben kann man es auch.

  8. AufgDemokrat    

    Das Verfahren was ich mit den Gewichten beschrieben habe, heißt "Hubspeicherkraftwerk". Solche Energiespeicher haben einen Wirkungsgrad von 65% und sind damit gleich hinter den Pumpspeicherkraftwerken.
    Das Problem sind da noch die Solarthermalanlagen, die noch zu wenig Strom produzieren. Zu wenig kW pro qm.
    Das kann für den Privathaushalt interessant sein.

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