Falls du nicht nachdenken kannst oder willst, leg das Buch weg!

Falls du nicht nachdenken kannst oder willst, leg das Buch weg!

Zwei Jahre Pandemie und jeden Tag stellt man sich die Frage, ob Menschen – und vor allem Entscheidungsträger*innen – eigentlich irgendetwas aus diesen zwei Jahren gelernt haben und diese neuen Erfahrungen vielleicht auch endlich einmal anwenden können. Dario Schramm erlebte die letzten zwei Jahre als Schüler einer gymnasialen Oberstufe mit all den Problemen, die nicht nur seit 50 Jahren ignoriert, sondern seit zwei Jahren immer akuter werden. In seinem Buch Die Vernachlässigten rechnet er mit dem deutschen Bildungssystem ab, bringt aber auch Vorschläge zur Verbesserung.

Die Vernachlässigten erschien am 31. Januar 2022 und umfasst 137 Seiten. 118 Seiten reiner Fließtext teilen sich somit auf Vorwort, Einleitung, neun Kapitel und Epilog auf. Die Kapitel widmen sich einzelnen Schwerpunkten innerhalb des Bildungssystems, wie beispielsweise der Digitalisierung, Schulsozialarbeit oder der Inklusion.

Dario Schramm ist Jahrgang 2000 und machte 2021 sein Abitur in Nordrhein-Westfalen. In seinem letzten Schuljahr begleitete er das Amt des Generalsekretärs der Bundesschüler*innenkonferenz – sozusagen war er Schülersprecher aller Schülersprecher*innen. Seit Herbst 2021, also seit dem letzten Wintersemester, studiert er an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder Recht und Politik. Im Einleitungstext gibt Dario Schramm erst einmal einen kleinen Überblick über die Situation, wie er sie in den letzten zwei Jahren erlebt hat. Er schreibt von Parkplatztreffen mit seinen Mitschüler*innen, wie die Frustration über die Situation immer weiter anstieg, dass er nichts von Lehrerbashing hält und wie er seinen Weg in die Schulpolitik fand.

Wir kennen es alle!

Jede Person hat eine Schule von innen gesehen. Die Mehrheit kennt demnach den maroden Zustand staatlicher Schulen: bröckelnder Putz, verstopfte Toiletten, undichte Dächer. Auch Dario Schramm kann ein Lied von der schlechten baulichen Substanz singen, was er in seinem ersten Kapitel auch gleich tut. Beim Lesen musste ich feststellen, dass meine Gefühle zwischen Lachen und Weinen wanderten, denn so lustig die Geschichte mit der Kaffeemaschine im Lehrer*innenzimmer, die den Stromkreis überlastete, weswegen im Raum darunter die Lichter flackerten, auch ist: Sie zeigt, wie bescheiden es um deutsche Schulen steht. Würde man Schüler*innen fragen, welche Probleme sie so kennen – jede*r von ihnen hätte etwas zu erzählen.

Für eine Wirtschaftsnation wie die deutsche ist es schlichtweg verwerflich, in welchem maroden Zustand unsere Schulen und damit unsere Nachwuchsstätten sind. Ursache des Problems ist, dass die Gebäude in kommunaler Hand sind. Denn ausgerechnet die Kommunen sind finanziell schwach aufgestellt.

Dario Schramm, S. 25

Dieses erste Kapitel zeigt bereits, wie genau sich Schramm mit dem deutschen Schulsystem und der Verwaltung von Schulen und dem Personal auseinandergesetzt hat. Er weiß, wie Bauaufträge ausgeschrieben werden müssen. Er hat sich mit dem Fachkräftemangel auseinandergesetzt, der über das Gesundheitswesen hinausgeht. Schramm erklärt ausführlich, wie Lehrer*innenstellen vergeben werden und wo die Probleme von „normalen“ Lehrer*innen auf Stellen für die Sonderpädagogik liegen. Außerdem gibt er einen Einblick zu der Vergabe von Schulsozialarbeiter*innen.

Die Corona-Pandemie hat nicht nur beim Thema Digitalisierung große Unterschiede deutlich gemacht. Mittellose Bildungssystem-Teilnehmende haben in der Pandemie keine Chance gehabt, vernünftig an der Bildung zu partizipieren. Doch auch davor war es für genau diese Akteure bereits schwierig. Bildung ist eben nicht für jede Person kostenlos. Egal, ob Digitalpakt Schule, die Kultusminister*innenkonferenz, Förderprogramme für einkommensschwache Familien: die Hürde Bürokratie zieht sich durch unser Bildungssystem.

Doch auch von Seiten des Lehrapparats gibt es große Defizite: Schramm selbst weist jedoch eindeutig daraufhin, dass dies selten an den Lehrer*innen selbst liegt, sondern viel mehr ein Problem innerhalb der Ausbildung des Lehrkörpers ist. Dass Schüler*innen mit Talenten und Begabungen oft einen Nachteil dadurch erfahren, dass das Lehrpersonal schlichtweg damit nicht umzugehen weiß, sieht er ebenfalls als Barriere. Er zeigt auf, wieso Schulen oft als feindliches Biotop betrachtet und weniger als motivierender Lernort gesehen werden.

Ich verbinde Schule (aus eigener leidvoller Erfahrung) mit harten Stühlen, kantigen Tischen und einem verkrusteten System alter, eingestaubter Denkweisen.

Dario Schramm, Seite 28

Lesenswerter Mehrwert

Für mich persönlich haben die ersten Kapitel zu Modernisierung, Digitalisierung und zur Kommunikation vor allem neue Einblicke in ein System gebracht, welches ich bis dahin lediglich als Schülerin kennenlernte und weniger als Akteurin, die in diesem für Veränderungen sorgen möchte. Die drei Kapitel haben dazu beigetragen, dass ich öfter mit dem Kopf geschüttelt habe, als ich eigentlich wollte. Außerdem helfen die Kapitel dabei, ein unfassbar bürokratisches System zu sehen, in dem es niemanden mehr wundern sollte, dass alles so bescheiden läuft.

Ebenfalls etwas Neues stellt für mich das Kapitel zur Schulsozialarbeit dar. Ja, mir ist klar, dass es so etwas gibt. Ich selbst bin jedoch nie damit in Berührung gekommen und zu meiner Schulzeit – das klingt jetzt so als wäre ich super alt, aber mein Abitur liegt eigentlich erst sechs Jahre zurück – gab es schlichtweg in meiner Region keine Schulsozialarbeiter*innen. Ähnlich die Situation um die Inklusion: Meine Schulen waren alle DDR-Bauten. Da war nicht viel mit Fahrstühlen oder Klassenräumen, die für jeden Menschen zugänglich sind. Schramms Buch gibt also auch mir, die doch eigenltich noch jung und frisch aus dem System „Schule“ heraus ist, einen neuen Blick und vor allem neue Informationen.

Ein bisschen Kritik

Schramms Buch soll zum Nachdenken, zur Reflexion und vor allem zum Hinterfragen der derzeitigen Situation an unseren Schulen und in unserem Bildungssystem anregen. Das schafft es definitiv! Dass es dabei auch noch leicht verständlich und gut erklärt wird, ist ein großer Bonuspunkt. Doch an der ein oder anderen Stelle habe ich mich auch widersprechen gehört (oder gedacht). Natürlich sind Schramms Ideen eben nur als genau das gedacht: Ideen, Vorschläge, Handlungsmöglichkeiten. Doch man darf ja trotzdem widersprechen. Zum Beispiel bei dem „einfachen“ Gedanken, den Numerus Clausus an Universitäten für Berufe mit Mangel herunterzusetzen. Das Problem ist komplexer und wird nicht durch das Aussetzen des NCs verbessert – was drei Jahre Hochschulpolitik doch mit einem machen.

Auch der Punkt der Lizenzen in der Online-Lehre hat mich etwas aufhorchen lassen. Ja, man kann durchaus Geld für bereits vorhandene – datenschutzrechtlich fragwürdige – digitale Infrastruktur ausgeben. Der richtige Weg ist länger, aber effektiver, weil er unsere eigene Infrastruktur, unsere Rechenzentren, unsere Server stärkt.

Wenn ihr, nachdem ihr dieses Kapitel gelesen habt, einfach die Seite umblättert, ohne euch Gedanken über das zu machen, was ich gerade geschrieben habe, empfehle ich euch: Legt das Buch lieber gleich weg!

Dario Schramm, Seite 71

Fazit

Es gibt innerhalb des Buches durchaus noch weitere Punkte, die ich anders denken würde. Doch dafür ist diese Rezension nicht gedacht. Worauf ich eigentlich hinaus möchte: Das Buch ist sehr gut und verständlich geschrieben. Man merkt, dass Dario Schramm sich in das System eingearbeitet hat und er auch komplexe Vorgänge mit einfachen Worten erklären und darlegen kann. Man kann seine Gedanken verstehen, seine Wut nachempfinden und reflektiert auch die eigene Position beim Lesen – sofern man kritisch mit seinen eigenen Privilegien umgehen kann. Eine meiner Notizen an einem Absatz ist wortwörtlich: „diggi, bin ich priviligiert“ – was vollkommen ernst gemeint ist.

Dieses Buch hat mir mehrfach Gänsehaut bereitet. Bei jedem Fachkräftemangel – seriously, ich hatte ja keine Ahnung, wie schlimm es wirklich ist! – stellte sich mir die Frage, ob man in solch ein kaputtes System wirklich ein Kind setzen möchte. Wenn es um die Kultusminister*innenkonferenz oder das Bildungsministerium ging, kam mir mehrmals die Frage, ob die damalige Bildungsministerin überhaupt ihre Kompetenzen kannte – es wirkt jedenfalls nicht so.

Die Probleme unseres Bildungssystems sind unfassbar vielfältig und vielschichtig, doch Dario Schramm schafft es, diese Probleme in neun Kapiteln und 137 Seiten darzulegen, Möglichkeiten der Verbesserung aufzuzeigen und vor allem zum Nachdenken anzuregen. Ich hoffe, dass es nicht nur mir so erging. Denn eine Reform hat unser Bildungssystem dringend nötig und dieses Buch gibt einen guten Überblick über die Großbaustellen.

Vielleicht zum ersten Mal in unserem Leben begreifen wir, was Schule neben der Vermittlung von Lerninhalten ist: soziales Netz, Ort des Austauschs, Zentrum der Kommunikation.

Dario Schramm, Seite 15

Beitragsbild: Laura Schirrmeister

Auf die Anmeldung, Fertig, Los! – Hochschulsport im Sommersemester

Auf die Anmeldung, Fertig, Los! – Hochschulsport im Sommersemester

Wie zu jedem Semesterbeginn startet wieder die Buchung des Hochschulsports. Ab 18 Uhr am morgigen Sonntag könnt ihr euch für die kommenden Angebote und Sportkurse anmelden. Wer einen Platz haben möchte, sollte sich beeilen, denn wie immer sind diese heiß begehrt.

Neben altbewährten Klassikern wie Zumba, verschiedenen Trainings- und Kraftsportkursen sowie Teamsportarten, werden in diesem Sommersemester auch neue Kurse angeboten. Zu diesen neuen Angeboten gehören beispielsweise Bodyshape & Stretch, Fußballtennis, Cricket, Ballet Barre meets Yin Yoga und auch ein freier Discofox-Kurs.

Für Interessent*innen gibt es außerdem die Möglichkeit, am Samstag, dem 23.04.2022, von 10 Uhr bis 14 Uhr beim Rugby hineinzuschnuppern. Darüber hinaus werden auch mehr freie Spielkurse angeboten. Spieler*innen, denen lediglich das Equipment oder ein Spiel- und Sportort fehlt, erhalten damit ebenfalls die Möglichkeit, Sport treiben zu können. Hierbei müssen jedoch beim Fitnessstudio die Zeitslots beachtet werden – der Sportplatz steht entsprechend außerhalb der Kurszeiten zur Verfügung. Für die Rennradfahrer*innen werden einmal wöchentlich begleitete Rennradrunden angeboten; für die Läufer*innen (und die, die es werden wollen) einmal wöchentlich Lauftreffs – letztere getrennt für Anfänger*innen und Fortgeschrittene.

Für das Sommersemester gilt die 3G-Regel für Präsenzkurse. Wer vollständig geimpft, tagesaktuell in einem Testzentrum getestet oder genesen ist, darf am Angebot teilnehmen. Weiterhin wird es einige digitale Angebote geben, wie Yoga, das Early Bird Workout oder auch Total Body Conditioning.

Das gesamte Programm des Hochschulsports für das Sommersemester 2022 kann unter diesem Link eingesehen werden.

Das Wichtigste auf einen Blick:

Einschreibung? ab Sonntag, den 3. April 2022, 18 Uhr
Präsenz? 3G-Regelung (Getestet nur aus einem Testzentrum!)
Neue Kurse? Bodyshape & Stretch, Fußballtennis, Cricket, Ballet Barre meets Yin Yoga, freier Discofox, Workout of the Day, Funktionelles Intervalltraining, Yoga auf Schwedisch und Beachvolleyball
Freie Kurse? Nutzung Range-Sportplatz, Fitnessstudio, Fußball, Volleyball, Spikeball, Basketball, Beachvolleyball, Teqball
Wo findet man das Ganze? unter diesem Link!

Beitragsbild: Laura Schirrmeister

umgekrempelt: Chefredaktion

umgekrempelt: Chefredaktion

Im Oktober 2018 begann nicht nur meine Studienzeit an der Universität Greifswald, sondern auch meine Zeit bei den moritz.medien. Nach knapp drei Jahren beim moritz.magazin – als Redakteurin und auch Ressortleiterin – wurde ich während der Corona-Zeit mehr oder weniger von der web.redaktion adoptiert. Nach einer stabilen Rate von einem Artikel pro Jahr auf dem webmoritz., habe ich mich im November 2021 dazu entschieden, mich für die nächste Chefredaktion aufstellen zu lassen, da Lilli und Julian aufhören möchten. Damit startete dann auch schon die Einarbeitungsphase – doch jetzt ist’s ernst.

Woche 1 – Handyvibrationen, Dauergrinsen und E-Mail-Tags

1. März 2022 – es ist soweit: Lilli verlässt die Chefredaktion und ich rücke für sie nach. Sie hat das Amt zwei Jahre lang innegehabt und, wie ich finde, nicht nur einen guten, sondern einen großartigen Job gemacht. Es sind große Fußstapfen, in die ich trete, und vielleicht macht mich der Gedanke etwas verrückt.
Was gerade schon passiert? Mein iPhone hört nicht auf zu vibrieren. Lilli fügt mich sämtlichen Gruppen hinzu und tritt zeitgleich aus diesen Gruppen aus – natürlich nicht, ohne sich von allen zu verabschieden und sich für die Zeit zu bedanken.
An meinem ersten Tag schaue ich ein Mal in WordPress. Ich sehe plötzlich drei neue Artikel, die in Arbeit sind und außerdem bereits ein (fertig) im Titel haben, von deren Existenz ich bisher jedoch noch gar nichts wusste. Etwas panisch schreibe ich Julian, um zu fragen, was es damit auf sich hat. Er sagt, dass die Artikel noch eine Sperrfrist hätten und an ihnen auch noch gearbeitet werde. Ich könne mir die Artikel gern einmal ansehen und meine Meinung dazu schreiben.

Die Übergabe gestaltet sich kurz: Weder Adrian noch ich haben aktuell Fragen. Wir besprechen unsere neuen Groupware-Tags. Julian leitet die Wünsche an Lukas weiter, der kurze Zeit später Vollzug meldet. Ich frage Julian, wie man die Seiten einzeln bearbeiten kann. Er zeigt es mir, nur irgendwie ist bei mir der Divi-Button nicht vorhanden. Ich gehe also manuell über fünf Seiten auf die Seite, um mit Hilfe von Divi unsere Team-Seite zu bearbeiten. Ein bisschen Module und Bilder und Namen verschieben (und kurz etwas Schreien) später, ist die TeamSeite aktualisiert.

Ich hatte mir vorgenommen, morgens direkt in WordPress und Groupware zu schauen und Aufgaben abzuarbeiten. Der Wecker klingelt um 8 Uhr. Ich stehe auf, jedoch erst um 10 Uhr. Beim Blick ins Backend sehe ich, dass Julian bereits das Interview mit dem Oberbürgermeister ein letztes Mal gegenliest und veröffentlicht. Ich setze mich auch noch mal kurz nach Veröffentlichung dran und ändere noch zwei kleine Dinge. Die Redaktionssitzung leitet Julian – auch weil ich Angst habe, etwas zu vergessen.

Am Vortag hatten wir uns kurzfristig darauf geeinigt, dass noch ein Artikel zur Ukraine erscheinen soll. Annica hat diesen dankenswerterweise übernommen. Ich bin gespannt, will ihn vor Veröffentlichung lesen – wie sich das als Chefi nun einmal gehört – muss dabei jedoch feststellen, dass erst Annica, dann Lilli, dann wieder Annica und zum Schluss Julian den Artikel bearbeiten. 12 Uhr geht er dann online und ich habe es nicht noch einmal geschafft, ihn zu lesen.

Am nächsten Morgen prüfe ich Punkt 10 Uhr erst einmal, ob der neue Artikel online ist. Ist er – damit hat er mehr geschafft als ich. Ich liege nämlich im Bett und schaue mir auf der Seite liegend den Artikel an. Ich schreibe mir noch auf, Julian zu fragen, wer nach dem Lektorat die Veröffentlichung des Artikels plant. Anschließend setze ich mich mit meinem Kaffee hin und bearbeite eine Löschanfrage. Ich lösche das erste Mal einen Artikel aus unserem Backend. Wow. Aufregend. Außerdem tagge ich direkt noch die E-Mail mit dem grünen „ERLEDIGT!“-Tag. Der erste Tag wurde gesetzt. Noch aufregender.

Die drei Artikel vom Wochenbeginn sind mittlerweile zu fünf Artikeln herangewachsen. Ich habe den Überblick verloren. Ich nehme mir vor, irgendwann in den nächsten Tagen endlich einmal in die Artikel hineinzuschauen, damit ich eine Woche später auch weiß, worum es geht – also außer das, was aus dem Titel der Artikel bereits klar wird.

Woche 2 – Artikel, Artikel, Artikel und ein bisschen Überforderung

Ich realisiere, dass die erste Woche doch tatsächlich geschafft ist. Die Redaktion steht noch, mein PC hat noch kein Feuer gefangen, ich habe Divi erst ein Mal angebrüllt. Das ist gut. Heute steht traditionell der StuPa-Ticker an. Julian hat noch gar nicht gefragt, wer heute Abend alles am Start ist – ich mach das dann einfach mal. Es melden sich Julian und Annica zurück. Ich stelle mich auf eine gemütliche Ticker-Runde ein. Eine halbe Stunde vor Beginn melden Annica und Julian jedoch Verspätung an. Nervosität setzt ein. Um 20 Uhr logge ich mich ein und fange an, die Fenster in einer sinnvollen Reihenfolge anzuordnen, damit ich im Pad auf Moodle schreiben und im Anschluss ohne Probleme in WordPress kopieren kann. Kurz vor Sitzungsbeginn kommen Annica und Julian und sogar noch Juli hinzu und wir tickern die sehr kurze StuPa-Sitzung zu viert.

Der Rest der Woche verläuft ruhig. Ich übernehme die Redaktionssitzung am Donnerstag, da Julian verhindert ist. Glücklicherweise ist die Sitzung nicht so groß. Wer gerade keine Prüfungen hat, macht Urlaub und genießt eine moritz.freie Zeit. Die Sitzung ist – meiner Meinung nach – etwas holprig. Das Protokoll will nicht so ganz wie ich. Immerhin macht das WLAN aber mit und fällt nicht aus – wie sonst übrigens immer. Nach der Redaktionssitzung leite ich eine Anfrage weiter, schicke einer Redakteurin noch einen Artikel und gebe Julian ein kleines Update. Ich werfe noch einen Blick auf WordPress: Freitags kommt die neue Podcast-Folge. Ich schaue kurz in die Podcast-Folge hinein, stelle fest, dass ich keine Ahnung habe, wie das funktioniert und logge mich aus.

Als ich auf dem webmoritz. nachschaue, sehe ich, dass Julian den Podcast bereits freigegeben hat. Die Folge hat plötzlich einen Text. Okay, den gab es gestern irgendwie noch nicht. Ich habe jetzt wirklich viele Fragen. Dafür ist Marets Ankündiger lektoriert und benötigt nur noch die letzte Abnahme durch die Chefis. Geilo! Ich lese also den Text, schaue mir nochmal das Layout an, gebe Schlagwörter ein UND PLANE DAS ERSTE MAL EINEN ARTIKEL! Ich schreibe fix Julian, dass das erledigt ist und bin dabei ein bisschen stolz auf mich.

Am nächsten Tag schreibt mir Julian, dass ich noch ein paar Dinge vergessen habe. Hahahahaha. Es fehlten wohl noch der Textausschnitt für den Teaser und einige kleine Einstellungen. Man kann nur dazulernen. Meine Hausarbeit, die zu Beginn von Woche 3 eingereicht werden muss, bringt mich noch zum Verzweifeln, aber dafür ist es diese Woche trotz der aufgekommenen Fragen doch etwas ruhiger gewesen.

Woche 3 – Prüfungsphase, Lesezeit und ruhige Sonntage

Die Redaktion ist diese Woche … nicht schläfrig, aber eher zurückhaltend. Bei einigen Redakteur*innen läuft nach wie vor die Prüfungsphase. Ich bin sehr dankbar, genau in dieser Zeit den Wechsel zu haben, da das bedeutet, dass ich in aller Ruhe alles erkunden kann und sich die Ereignisse nicht überschlagen.

Wir starten mit der Chefsitzung in die Woche. Dabei treffen sich alle Chefredaktionen und die Geschäftsführung, um Organisatorisches zu besprechen und einen Überblick zu geben, was die einzelnen Redaktionen eigentlich machen.

Donnerstag steht wieder einmal die Redaktionssitzung an. Trotz Prüfungsphase kamen jede Woche knapp zehn Personen, was eine richtig gute Zahl ist. Der Redaktionsplan füllt sich weiter. Svenja arbeitet noch an ihrem Artikel – bisher hatte sie sich aber auch noch nicht wegen Unklarheiten gemeldet. Ich setze mich auf meinen Balkon – Südseite, es ist schön warm und sonnig. Ich habe von Nina ein Rezensionsexemplar eines Buches bekommen, das ich jetzt erst einmal lesen werde.

Am Abend schaue ich nochmal in WordPress und sehe vier neue Artikel, von denen zwei gerade von den Redakteurinnen bearbeitet werden. Ich freue mich über die eifrige Arbeit der Redaktion. Im Verlauf des Abends werde ich noch die restlichen Redakteur*innen an ihren Artikeln arbeiten sehen. Annica schreibt noch eine Nachricht, ob Julian und ich vielleicht ihren Artikel lesen könnten, da sie bisher sehr unzufrieden damit sei. Ich schreibe es auf meine Liste für den nächsten Morgen.

Mein Biorhythmus hat sich mittlerweile verschoben: ich werde am Sonntag um 8:30 Uhr wach. Wtf. Mit meinem Kaffee und zwei Brötchen setze ich mich auf den Balkon – es ist immer noch schön sonnig – und schaue ins Backend. Ich lese Annicas Artikel, gebe mein Feedback dazu, schaue kurz in die anderen Artikel und genieße den „ruhigen Sonntag auf der Terrasse“, der mit Arbeit begleitet wird. Ich lache kurz, freue mich aber auch, die Aufgaben in dieser Atmosphäre bearbeiten zu können. Zu viel zu tun zu haben, während Teile der Redaktion immer noch in Prüfungen stecken, ist schließlich meckern auf ganz hohem Niveau. Aus den vier neuen Artikeln, die noch in Arbeit sind, sind mittlerweile sieben Artikel geworden – okay, zwei Artikel kommen von mir, von denen einer dieser hier ist.
Ein Artikel wird noch im Laufe des Tages fertig. Ich lektoriere nochmal, trinke währenddessen zwei Tassen Tee und esse Flammkuchen.

Am Ende des Abends wird mein Freund mich ansehen und sagen, dass er sieht, dass ich den ganzen Sonntag an verschiedenen Sachen für die Medien gearbeitet habe, dabei aber sehr glücklich wirke. Ich freue mich, denn er hat recht. Ist das dann überhaupt Arbeit nach deutscher Definition, wenn man dabei Spaß hat?

Woche 4 – Mobbing in der Chefredaktion, Hausaufgaben und Fehler

Es steht wieder einmal eine StuPa-Sitzung an – Julians letzte Sitzung als Chef und zeitgleich die letzte Sitzung der Legislatur. Ich starte wieder vorerst allein in die Sitzung und dichte Polarkreis 18s Song „Allein“ um. Julian reagiert darauf mit einem Gollum-GIF. Danke dafür!

Am nächsten Tag schickt mir Julian einen Screenshot. Er hatte versucht dieses umgekrempelt zu lesen, ich hatte jedoch vorgesorgt und lediglich „tjahahahaha, ihr hattet gehofft, jetzt etwas lesen zu können!“ geschrieben, um der neugierigen Meute aus Lektorat und Chefredaktion vorzubeugen.

Donnerstag fällt die Redaktionssitzung einmal aus, da keine der Ressortleiterinnen anwesend sein kann. Die Redaktion bekommt dafür die Aufgabe drei verschiedene Vögel zu fotografieren. Außerdem sieht unsere Seite plötzlich komisch aus. Julian und ich sind uns einig, dass das ganz schön hässlich ist. Lukas wird informiert und schickt uns Bilder von Back- und Frontend. Er findet den „technischen Unterschied“ leider auch nicht, der optische jedoch sei sehr sichtbar. Lukas zaubert und ändert erst einmal etwas am Layout, damit es nicht ganz so „super hässlich“ aussieht. Eventuell fallen die Worte „ich hasse Divi“. Wir einigen uns darauf, dass es besser als vorher ist, aber immer noch … weniger schön.

Freitags erscheint wieder der Podcast. Julian teilt mir mit, dass er die Folge nicht abnehmen kann und ich das bitte machen soll. Ich schaue in den Beitrag: Es steht nichts drin. Irgendwann schreibt mir Svenja, ob ich bitte den Beitrag verlassen könnte, damit sie ihn bearbeiten kann. Ich muss mir dringend angewöhnen, Beiträge nicht nur zu öffnen, sondern nach der Bearbeitung diese auch wieder zu verlassen. Danach nehme ich noch Annicas Beitrag zum studentischen Prorektorat ab. Es hat alles irgendwie geklappt. Am nächsten Morgen schreibt mir Julian noch eine Liste mit Fehlern. Ich lache kurz, weil es teilweise richtig dumme Dinge sind, die ich übersehen habe. Wow. Es läuft. Ab und an zwar eher bergab, aber es läuft.

Außerdem steht die Greifswald räumt auf Aktion an, bei der wir mitwirken. Mein Wecker klingelt um 6 Uhr morgens. An einem Samstag. Das passierte zuletzt, als ich aktiv Schach gespielt habe. Ich vermisse die Aufstehzeiten definitiv nicht. Dass es viel zu früh ist, merke ich daran, dass ich ohne mein Handy losfahre und nochmal zurück muss. Ich genieße die Zeit mit einigen Redakteur*innen, die ich bereits seit sehr langer Zeit nicht mehr außerhalb von BigBlueButton gesehen habe.

Sonntag schreibe ich Julian einen kurzen Überblick über die Artikel, die wir für die Woche einplanen können. Es werden mehr. Vor allem dieser hier wird endlich fertig – einen Tag vor Julians letzter Redaktionssitzung. Den Montag verbringe ich kurzerhand auf Usedom. Auf dem Weg stelle ich fest, dass ich kein Ladekabel für meinen Laptop mitgenommen habe. Damit kann ich nur solang arbeiten, bis der Akku leer ist. Dienstagmorgen reicht der Akku gerade noch aus, um Lillys Artikel ein letztes Mal zu lesen und zu planen.

Fazit und ein wenig Danksagung

Es ist Mittwoch, der 30. März. Ein Monat ist um. Ein Monat Chefredaktion. Ein Monat laufen lernen (oder fliegen?). Es fühlt sich ein wenig irre an, vor dem Laptop zu sitzen und diesen Umstand zu realisieren. Nach vier Wochen hat sich mein Schlafrhythmus angepasst. Ich komme morgens aus dem Bett, arbeite mit Kaffee in der Hand und Taylor Swift auf den Ohren die ersten Aufgaben für die Redaktion ab. Es macht viel Spaß und vermutlich ist genau das einer der entscheidenden Gründe, wieso ich aus dem Bett komme. Die Arbeit ist abwechslungsreich und das Team trotz Prüfungen sehr motiviert. Artikel tauchen teilweise einfach auf, Redakteur*innen kommen mit Ideen und nehmen Projekte selbst in die Hand. Die Aufgaben, die ich selbst übernommen habe, wurden von Woche zu Woche umfangreicher, aber sie sind alle machbar. Für den Fall, dass man nicht weiß, wie etwas funktioniert, gibt es einfach immer eine*n Ansprechpartner*in in einer der 20 Signal-Gruppen.

Ich habe übrigens immer noch nicht die Artikel mit der Sperrfrist aus Woche 1 gelesen. Dafür hat Lukas mein Divi-Problem gelöst und ich kann endlich mittels Button in den Divi Builder wecheln. Ein etwas größeres Problem, das ich feststellen durfte, betrifft meine Terminplanung: Ich brauche mehr Platz, um auch die Artikelplanung und weitere To-Dos aufnehmen zu können. Daran arbeite ich defintiv noch.

Vielen Dank an dieser Stelle besonders an Julian und Lilli, die uns – Adrian und mich – bereits seit November an die Aufgaben der Chefredaktion heranführen und auch noch immer für uns und unsere Fragen erreichbar sind, einen Leitfaden bauen und uns den Karren nicht vor die Wand fahren lassen. Außerdem auch ein Dankeschön an Lukas, der in den letzten vier Wochen ein wenig mehr von uns genervt wurde, weil Dinge nicht funktionieren wollten (oder die Anwender*innen zu blöd waren).

Beitragsbild: Anna Katharina Kassautzki

Auf dem Weg zum Tarifvertrag? Die neue Hochschulgruppe der DGB Jugend

Auf dem Weg zum Tarifvertrag? Die neue Hochschulgruppe der DGB Jugend

Zwischen Pandemie-Frust, aufgenommenen Vorlesungen, ruckelnden Seminaren und dieser einen letzten Folge auf Netflix, haben sich drei Studierende gedacht, dass es eine gute Zeit wäre, um eine neue Hochschulgruppe zu gründen. Wieso eine Gewerkschaft auch an einer Uni hilfreich ist und was es mit TVStud auf sich hat: Anna hat die Antworten!

Es ist Donnerstagnachmittag. Während über Greifswald erstmalig wieder die Sonne scheint, treffe ich mich mit Anna Kunow auf Jitsi. Wir haben uns verabredet, um eine Runde über die Gründung der DGB HSG zu sprechen.

Hallo Anna! Bevor wir hier mit den tiefen inhaltlichen Fragen starten, würde ich mit einer einfachen Frage anfangen: Was ist eigentlich der DGB?

Der DGB ist, wenn man es ausschreibt, der Deutsche Gewerkschaftsbund. Das ist der Dachverband verschiedener Gewerkschaften. Diese Gewerkschaften sind in unterschiedlichen Bereichen tätig und der Deutsche Gewerkschaftsbund ist die Gemeinschaft aus genau diesen. Im DGB sind 8 Gewerkschaften vertreten, unter anderem ver.di und auch die GEW (Anm. d. Red.: ver.di Dienstleistungsgewerkschaft und Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft)

Und ihr dachtet euch jetzt: Lasst doch einfach mal eine Hochschulgruppe gründen? Wie kam es denn dazu und wann habt ihr euch so richtig gegründet?

Die Idee entstand in der Stipendiat*innen-Gruppe der Hans-Böckler-Stiftung. Das war Ende 2020 bis Anfang 2021. Da unsere Gruppe aber nicht besonders groß ist und auch Corona uns vor Probleme gestellt hat, dauerte es nach der ersten Idee allerdings noch etwas. Dann haben wir uns Hilfe von unserem Jugendbildungsreferenten, Robin, geholt. Er arbeitet bereits mit der DGB-Hochschulgruppe in Rostock zusammen und konnte uns da helfen. Zur Umsetzung kam es dann im Mai und Juni 2021. Dann kam die klassische Frage nach Räumen und Werbung – da hat Robin auch wieder geholfen.
Am 10. November 2021 haben wir uns richtig gegründet. Wir haben ein Statut und eine Sprecherin gewählt – das bin in dem Fall ich. Bei dem Gründungstreffen waren wir drei Gewerkschaftsmitglieder. Mittlerweile sind drei Aktive sowie eine Person, die hoffentlich in Zukunft bei uns anfangen wird und wir beschäftigen uns aktiv mit der Suche nach neuen Leuten. Um gut und regelmäßig zu arbeiten bräuchten wir vermutlich eine Handvoll Leute, die aktiv sind und Lust haben, Veranstaltungen zu organisieren. Mit Robin haben wir aber aktuell noch eine große Hilfe.

Bei Gewerkschaften denkt man ja meist eher an „klassische“ Arbeitnehmer*innen, die vor allem körperliche Arbeit ausführen. An Universitäten möchte man eher Wissenschaftler*innen ausbilden. Wozu braucht man eine gewerkschaftliche Hochschulgruppe an einer Universität?

Am besten, ich fange mit der laufenden TVStud Kampagne an (Anm. d. Red.: Tarifverträge für Studentische Beschäftigte). Es ist so, dass auch wir Studierende durchaus an Universitäten beschäftigt sein können – als Hilfswissenschaftler*innen, Tutor*innen und studentische Hilfskräfte. Fast alle Beschäftigte an deutschen Hochschulen sind tariflich angebunden oder verfügen über tarifvertragliche Regeln, wie Urlaubsansprüche, Lohnfortzahlungen und auch Personalvertretungen. Leider nur fast alle, da wir Studierende, wenn wir an der Uni arbeiten, nicht mit darunter fallen. Das sorgt zum einen dafür, dass es zu schlechterer Bezahlung kommt. Andererseits führt das aber auch zu dem Problem, dass andere Mindeststandards nicht eingehalten werden, wie eben Urlaubsanspruch, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und auch diese Kettenbefristung. Das ist natürlich auch mit existenziellen Unsicherheiten verbunden. BAföG fördert nicht jede*n Studierende*n. Im Jahr 2019 wurden nur knapp 11 Prozent der Studierenden durch BAföG gefördert. Dagegen haben ein Drittel der Studierenden durch Erwerbstätigkeit ihr Studium und ihr Leben finanziert. Gerade für die ist sehr wichtig, dass endlich Tarifverträge auch für studentische Beschäftigte kommen.

„Viele Arbeitnehmer*innen wissen gar nicht, was für Rechte sie letzten Endes haben.“

Anna Kunow

In Berlin wurden bereits erfolgreich Tarifverträge für Studierende erkämpft. Die Landesregierung in MV hat nun das Vorhaben, diese Tarifverträge einzuführen. Seht ihr euch in der Position, weiter Druck zu machen, damit das Wahlversprechen auch eingehalten wird?

Ja, wir sehen uns einerseits als Ansprechpartner*innen für Studierende an dieser Uni, aber auch als Interessenvertretung der Studierenden nach außen. Neben Rostock hat nun auch die Uni Greifswald eine DGB-Hochschulgruppe. Damit sind beide großen Universitäten erst einmal ausgestattet, um für bessere Arbeitsbedingungen zu mobilisieren. Es ist tatsächlich so, dass die Tarifgemeinschaft Deutscher Länder da eine relative Blockade-Haltung gegenüber ver.di und GEW zeigt. Deswegen ist es wichtig zu zeigen, dass auch wir uns dafür einsetzen. Wir wollen demnach dahingehend Druck aufbauen.

Ihr seht euch also auf der einen Seite als Vernetzungspunkt, aber auf der anderen auch als Verhandlungspartner*innen? Du hast schon die fehlenden Personalräte für studentische Beschäftigte angesprochen. Ist es an der Stelle dasselbe?

Beides, sowohl Vernetzung als auch Vertretung sind für uns sehr wichtig. In der Pharmazie gibt es beispielsweise Laborpraktika, die acht Stunden dauern und in diesen acht Stunden ist keine einzige Pause vorgesehen. Wer eine Pause macht, bekommt häufig zeitliche Probleme. Dafür sind wir auch Ansprechpartner*innen. Das ist kein klassisches Arbeitnehmer*innen-Problem, aber es ist ein Problem im Vollzeitjob Studium.

Die TVStud-Kampagne ist eines eurer großen Projekte und auch ein wichtiges Ziel, das es zu verfolgen gilt. Was habt ihr noch für Pläne als neue Hochschulgruppe?

TVStud vereint viele Ziele: Planbarkeit durch Mindestvertragslaufzeit, existenzsichernde Löhne, die regelmäßig nach Tarif steigen. Genauso wie Urlaubsanspruch, Lohnfortzahlung, Mitbestimmung beispielsweise durch Personalräte – auch hier sind die Studierenden nicht vertreten. Die Anzahl Studierender an der Universität ist schließlich nicht niedrig. Es geht jedoch auch darum, Diskussionen anzuregen und politische Debatten mit anzustoßen. Wir halten uns auch offen, Anträge zu stellen, wenn uns in unserer Arbeit Sachen auffallen. Außerdem planen wir zwei Seminarreihen, sobald Präsenzveranstaltungen wieder guten Gewissens möglich sind. Wir haben langsam alle genug von digitalen Konferenzen.

Du studierst Medizin, was auch oft mit den seltsamsten Arbeitsbedingungen für Studierende verknüpft ist, wie zum Beispiel im Praktischen Jahr. Siehst du da auch potenziell Möglichkeiten, etwas zu verändern?

Das Praktische Jahr ist schon sehr fragwürdig. Es ist ein Jahr, in dem man richtig arbeitet. Jeden Tag. Überstunden erwähne ich einmal nicht, das ist uns allen klar. Es gibt teilweise Kliniken, die dieses Jahr nicht vergüten. Da ist es schon ein Glücksfall, wenn man von der Klinik einen Essensgutschein für eine Mahlzeit bekommt. In den ganz harten Fällen gibt es aber wirklich gar nichts. Daran arbeitet aktuell der Marburger Bund, sodass es hoffentlich irgendwann einmal eine Vergütung für das PJ gibt. In Greifswald gibt es immerhin schon 400 € Aufwandsentschädigung. Das ist im Vergleich schon wirklich gut.

Du hast außerdem Seminarreihen erwähnt. Was schwebt euch da denn vor?

Wir haben aktuell zwei Seminarreihen im Kopf, sind jedoch noch eine kleine Gruppe und müssen schauen, was sich tatsächlich umsetzen lässt. In einer Seminarreihe soll es um mentale Gesundheit im Studium gehen. Hier würden wir den Fokus gerne auf die Vermittlung von praktischen Inhalten und nützlichen Tipps legen. Wie kann man sich im Studium entspannen? Was ist gut für den Stressabbau? In unserer Stipendiat*innen-Gruppe sprechen wir regelmäßig darüber, wie es uns aktuell geht. Man merkt bei fast allen, dass Motivation und Disziplin während der anhaltenden Pandemie ein großes Problem darstellen. Außerdem wollen wir regelmäßig Seminare zur Studienfinanzierung anbieten. Beispielsweise wollen wir so vermitteln, dass Stipendien nicht eine 1,0 benötigen. Es zählt nun mal nicht nur die Leistung, sondern auch das Engagement. Aber auch, was das BAföG angeht, wollen wir vermitteln. Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung steht, dass das BAföG umfassend reformiert werden soll. Hierzu wollen wir informieren und Fördermöglichkeiten in voller Breite darstellen.

Das klingt wirklich spannend! Eure Sitzungen finden ja wahrscheinlich auch digital statt. Kann man da bei Interesse eigentlich teilnehmen und muss man dafür Gewerkschaftsmitglied sein?

Wir machen derzeit Sitzungen über Microsoft-Teams. Wenn man daran teilnehmen möchte, kann man uns gern vorher eine E-Mail schreiben, dann schicken wir die Einladung zu. Wir versuchen uns regelmäßig alle drei bis vier Wochen zu treffen. Da wir aktuell nur zu dritt sind, sprechen wir uns ab, wann wir alle können. Wir haben auch schon anderen Hochschulgruppen geschrieben, dass sie gern zu unseren Sitzungen kommen können. Man muss nicht zwangsläufig Mitglied einer Gewerkschaft sein.

Wenn ich als Studentin einer Gewerkschaft beitrete, was wären dann meine Vorteile?

Gewerkschaften sind eine gute Möglichkeit, politische Arbeit zu leisten. Die DGB-Jugend und unsere Mitgliedsgewerkschaften bieten ein breites Bildungsprogramm zu gewerkschaftlichen und politischen Themen – etwa eine wunderbare Bildungsreise nach Israel, die dieses Jahr stattfinden wird. Hinzu kommen natürlich noch viele weitere Möglichkeiten, sich in Gremien zu engagieren und, vielleicht am wichtigsten, die Zukunft der Arbeit zu gestalten. Das ist schließlich die Kernaufgabe für uns als Gewerkschaften: Wir setzen uns für gute Arbeitsbedingungen ein und das können wir nur gemeinsam.

Danke für deine Zeit und das Interview! Letzte Frage: Wann ist eure nächste Sitzung?

Unsere nächste Sitzung ist am 9. Februar 2022 um 19 Uhr. Wer Lust hat, kann da gern vorbei kommen!


Anna studiert im 9. Semester Humanmedizin an der Universität Greifswald. Zuvor hat sie eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin gemacht. Im Oktober 2014 ist sie ver.di beigetreten und hat auch bereits als Teamdelegierte zwischen der Gewerkschaft und ihrer Station diverse Aufgaben übernommen. Sie ist Hans-Böckler-Stipendiatin und seit November 2021 die erste Sprecherin der Hochschulgruppe der DGB Jugend.

Titelbild: DGB Jugend Mecklenburg-Vorpommern
Beitragsbild: Laura Schirrmeister

Adweb.kalender 21. Fensterchen: Weihnachtskarten mal selbstgemacht

Adweb.kalender 21. Fensterchen: Weihnachtskarten mal selbstgemacht

Alle Jahre wieder weihnachtet es auch beim webmoritz.! Hier wird Weihnachtsmusik gedudelt, werden Plätzchen gebacken und Geschichten der vergangenen, diesjährigen und zukünftigen Weihnacht unter flackernden Lichterketten geraunt. Einen Teil dieser besinnlichen Stimmung möchten wir wieder in unserem Adweb.kalender mit euch teilen. Hinter dem 21. Fensterchen erwartet euch: eine kleine Anleitung für selbstgemachte Weihnachtskarten.

Weihnachtskarten – schön kitschig und immer auch ein bisschen hässlich. Dennoch gehören sie zu Weihnachten wie Plätzchen backen, Adventskränze und Weihnachtsbäume. Wieso dieses Jahr nicht einfach einmal selbst die Weihnachtskarten gestalten? Klingt schwierig? Ist es aber gar nicht.

Was ihr braucht, ist eigentlich nicht viel:

  • Papier und Lineal
  • Bleistift und Radiergummi
  • ein paar bunte Stifte
  • ein bisschen Geduld
  • Mut zur Hässlichkeit

Hinweis und Alternativen zum Material:

Zum Papier:

Am besten eignet sich das klassische Postkartenpapier mit 220g/m2. Dieses ist jedoch ziemlich teuer und nicht so einfach kurz vor Weihnachten zu finden. Die passende Größe könnt ihr darüber hinaus auch einfach selbst zurecht schneiden. Hier ein paar Alternativen, die weniger weh tun:

  • Skizzenpapier (kennt man aus der Schule)
  • Karteikarten (falls man sie loswerden will)
  • Druckerpapier (hat meistens 80 g/m2, mein hierbei verwendetes Papier hatte 90 g/m2)

Zu den Stiften:

Generell habe ich für die hier gezeigten Karten einfache Fineliner und Filzstifte sowie Buntstifte verschiedener Marken (die dreieckigen Buntstifte von Faber-Castell sind auch Aquarellstifte! Einfach mal mit einem feuchten Pinsel über die Zeichnung streichen!) benutzt.
Legt euch am besten auch noch ein Schmierblatt bereit, damit ihr die Stifte vorher einmal ausprobieren könnt. Bei Filzstiften, die lange nicht benutzt wurden, kann es passieren, dass die Pigmente verloren gehen. Damit wird der Braunton ganz schnell zum Grauton.

Zu Geduld und Mut zur Hässlichkeit:

Es fällt schwer. Ja, wirklich schwer. Es passt nicht immer gleich alles vom ersten Moment so, wie man es sich eigentlich vorstellt. Oft denkt man am Ende: „Verdammt, ist das hässlich geworden!“ Das gehört dazu. Ihr dürft Zeichnungen verwerfen, aufgeben, zwischendurch auch mal schreien – das wirkt manchmal Wunder – aber gebt bloß nicht auf. Probiert euch aus. Zerknüllt und zerreißt das Papier. Fangt neu an.

Vorgehen:

Schritt 1: das Material zurecht legen.

Macht es euch gemütlich. Legt euch am besten alle Stifte, das Papier, eure Geduld, einen Kaffee oder Tee oder warme Schokolade und ein paar Plätzchen bereit. Dann müsst ihr am Ende nichts suchen oder zwanzigmal aufstehen.

Schritt 2: das Brainstorming.

Immer wieder der schwierigste Schritt. Da sitzt man nun vor seinem Material, starrt es an, schlürft ab und an vom Kaffee, aber eine richtige Idee hat man nicht. Also macht man ein kleines Brainstorming – hilfreich hierbei sind Pinterest und die Google Bildersuche. Nicht nur hier, sondern eigentlich immer, wenn man kreative Anstöße braucht. Ich habe das einmal vorbereitet:
Zu Weihnachten gehören definitiv Farben wie Grün, Rot, Braun, Gold und Gelb, aber auch Grau. Potentiell kann man sich auch Weiß zurecht legen, vor allem als Deckweiß, wenn man mit Wasserfarben arbeiten möchte oder farbiges Papier verwendet.
Typisch weihnachtliche Symbole sind vor allem Tannenbäume, Sterne, Schneeflocken, Baumkugeln, diese komischen Zuckerstangen, Zweige … Um einmal eine kleine Auswahl zu geben.
Bei den Formen kann man sich merken, dass geometrische Formen wirklich immer funktionieren. Dreiecke, Kreise, Vierecke, in geraden oder geschwungenen Linien. Es gibt keine Grenzen!

Schritt 3: Ausprobieren!

Nehmt euch ein Blatt und doodlet einfach drauf los. Ohne Rücksicht auf Verluste. Alles durcheinander. Probiert verschiedene Formen. Versucht die Symbole in eurer ganz eigenen Art zu malen. Ich habe einmal ein paar Probezeichnung auf der obigen Mindmap gemalt. Lasst euch gern davon inspirieren!

Schritt 4: Ernst machen.

Nehmt euch eines eurer Blätter und malt bzw. zeichnet euer erstes Kartenmotiv! Dabei ist es vollkommen in Ordnung zuerst Bleistiftzeichnungen zu machen und diese anschließend nachzuzeichnen.

Schritt 5: Nachzeichnen mit euren Stiften.

Nehmt eure ausgewählten Farben und Stifte und zeichnet die Konturen nach. Malt aus. Nutzt Muster. Schreibt „Frohe Weihnachten“ und „Merry Christmas“ auf eure Karten. Habt Spaß!

Schritt 6: Stolz sein und sich freuen.

Freut euch. Atmet durch. Und wenn ihr mit allem zufrieden seid, kann es mit dem Text auf der Rückseite weitergehen.

Beitragsbilder: Laura Schirrmeister