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Plakate werden abgerissen, Aufrufe zur Teilnahme an antifaschistischen Aktionen am 1. Mai werden mit Graffitti übersprüht, faschistische Aufkleber über antifaschistische Plakate und Sticker geklebt: Seit einigen Tagen scheint sich die Greifswalder Neonaziszene darum zu bemühen, die Mobilisierung zu Demonstrationen und Blockaden gegen den NPD- Aufmarsch am 1. Mai zu sabotieren. Doch scheint es nicht bei den Abreiß – und Überklebeaktionen zu bleiben.

Wie Axel Falkenberg, Sprecher der Polizeiinspektion Anklam dem webMoritz mitteilte, zündeten unbekannte Täter um 4 Uhr 20 im Hof des Internationalen Kulturwohnprojektes (IKuWo) mit Hilfe von zwei Brandbeschleunigern ein Fahrzeug an. Nur durch Zufall konnten die Bewohner den Vorfall rechtzeitig bemerken. Ein Bewohner des IKuWos war noch wach und konnte, so die Polizei, rechtzeitig Hilfe holen. Gemeinsam mit den anderen Bewohnern löschten sie das Feuer.

Von Seiten des IKuWos wurde der Tathergang bestätigt. Demnach sollen die Täter auf den Radsatz des VW-Polos einen der beiden Brandbeschleuniger angebracht haben. „Wir gehen davon aus, dass es sich um einen Angriff von Neonazis handelte“, teilte einer der Bewohner des Gebäudes dem webMoritz mit. „Die Täter nahmen bewusst Menschenleben in Kauf“, erklärte er weiter. Schließlich hätte das Feuer ohne Weiteres auf die benachbarten Wohngemeinschaften übergreifen können. Ein in unmittelbarer Nähe stehender Lieferwagen wurde bereits in Mitleidenschaft gezogen. Wie aus einer Pressemitteilung des IKuWo hervor geht, erlitt eine Person „durch die starke Rauchentwicklung eine Rauchvergiftung und musste im Krankenhaus behandelt werden.“

Nadja Tegtmeyer, Sprecherin des IKuWo, sieht in dem Anschlag eine neue Qualität organisierter rechter Gewalt. Bereits im Januar wurde das Wohnprojekt mit Steinen beworfen. Von Seiten des IKuWo wird das Engagement des Wohnprojektes im antifaschistischen Protestbündnis „Greifswald Nazifrei“ als Motivation für den Brandanschlag gesehen.

Der beschädigte Lieferwagen.

Nicht nur in Greifswald, auch im alternativen Wagendorf in Alt-Ungnade verübten mutmaßliche Neonazis einen Brandanschlag. Wie die Polizei dem webMoritz berichtete, ging in dem Dorf um 5 Uhr ein Strohballen in der Scheune des Wagenplatzes in Flammen auf. Zudem soll der Innenraum der Scheune mit zahlreichen Hakenkreuzen verschmiert worden sein. Auch hier wird von Brandstiftung ausgegangen. In beiden Fällen konnten die Täter bislang noch nicht ermittelt werden.

Ungeachtet der Gewaltakte wird weiter gegen den kommenden Neonaziaufmarsch mobilisiert. Am kommenden Donnerstag, 28. April, soll es um 18 Uhr eine Kundgebung unter dem Motto „Gegen Rechte Gewalt“ auf dem Markt geben, wozu das Bündnis „Greifswald Nazifrei“ aufgerufen hat.

Fotos: Marco Wagner

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