Golf ohne Schläger, Ball und Loch, aber mit Korb?

Golf ohne Schläger, Ball und Loch, aber mit Korb?

Frisbee-Golf ist gemeinhin eher als Disc-Golf bekannt und hat sich nach nur ein paar Würfen zu unserem Lieblingsscheibenwurfsport entwickelt. Zwar ist das Wort Scheibenwurfsport ein Gebilde meiner Fantasie, der Spaß, den wir dabei hatten allerdings nicht. Und dennoch ist Frisbee-Golf für uns gleichzeitig sehr schnell sehr berüchtigt geworden und der Sport hat uns seine gefährlichen Seiten gezeigt.

Aber warum eigentlich Frisbee-Golf und nicht Disc-Golf? Meine erste Berührungen mit dem Sport hatte ich tatsächlich nicht im Park sondern in der wunderschönen, sonnigen Welt von Wii-Sports Ressort. Neben dem klassischen Golf konnte man hier auch die Golfkurse im Sinne des Disc-Golfs mit unterschiedlichen Frisbees ablegen. Zentral für diese Erfahrung ist, dass die deutsche Version von Wii-Sports Ressort (fairerweise aus dem Japanischen übersetzt) die Disziplin als Frisbee-Golf und nicht als Disc-Golf bezeichnet. Dieser Name hat sich in mein Hirn gebrannt und auch in meinem Umfeld etabliert.

Was ist so falsch an der Bezeichnung Frisbee-Golf? Tatsächlich beschreibt Frisbee ein explizites Produkt des Spielzeugproduzenten Wham-O. Für Disc-Golf werden allerdings andere Scheiben verwendet als typischen Frisbees. Disc-Golf Scheiben sind in der Regel flacher und auch kleiner. Aufgrund dieser Eigenart zieht die Disc-Golf Community diese Bezeichnung vor. Es beschreibt die Sportart einfach präziser.

Aber was genau macht man bei Disc-Golf? Das Spiel ähnelt in seinem Aufbau sehr stark klassischem Golf. Es gibt in der Regel 9, manchmal auch 18 einzelne „Löcher“, die nacheinander bespielt werden. Von einem gemeinsamen Abwurfpunkt werfen alle Mitspieler*innen ihre Disk, mit dem Ziel in so wenig Würfen wie möglich das Ziel zu erreichen. Das Ziel ist beim Disc-Golf allerdings kein Loch im Boden, sondern ein im Boden befestigter Korb. Mit einem Basketballkorb hat dieser jedoch wenig gemein. Vielmehr könnte er von weitem mit einem futuristischen Mülleimer verwechselt werden. Die Disk soll sich in den Ketten dieser Körbe verfangen und somit aufgefangen werden. Wenn das gelingt, hat man quasi eingelocht, um beim Golf-Jargon zu bleiben.

Auch gibt es – ähnlich wie beim Golf – eine Vorgabe, wie viele Würfe man brauchen sollte – das sogenannte Par. Wer mehr Würfe als diese Vorgabe braucht, bekommt zusätzliche Punkte. Wer weniger Würfe braucht, erhält Minuspunkte. Dabei ist es das Ziel mit möglichst wenig Punkten aus dem Spiel zu gehen. Sehr gute Spieler*innen sind in der Lage regelmäßig unter Par zu werfen und können somit sogar einen negativen Endstand haben.

Und wie kann man das spielen? Tatsächlich hier in Greifswald. Es gibt im Stadtpark Greifswald einen Kurs aus 9 Körber quer durch den Stadtpark (direkt hinter der Schwimmhalle). Dieser ist zu jeder Zeit öffentlich zugänglich und in der Nutzung kostenlos. Ihr benötigt lediglich eigene Disks (irgendeine Frisbee tut´s aber für den Anfang genauso gut). Auch gibt es am Startpunkt dieser Anlage ein Schild, auf dem alle wichtigen Tipps und Regeln draufstehen und auch die Pare für die jeweiligen Körbe. Wir geben den Tipp auch die Sicherheitshinweise nicht zu sehr zu unterschätzen.

Nachdem wir also als Gruppe aus 7 Menschen bestehend das Schild ausreichend studiert haben, ging es auch schon los. Schnell haben wir festgestellt, dass eigentlich niemand von uns so recht gut in dem Spiel ist. Für die ersten Löcher mit je einem Par von 3 haben wir zwischen 5-8 Würfen gebraucht. Macht aber nix, da schnell wieder geworfen werden kann. Generell wirft immer die Person, die noch am weitesten vom Korb entfernt ist, sodass alle zum einem ähnlichen Zeitpunkt einlochen. Langweilig war es zumindest nicht.

Ist das schon alles? Klingt ja einfach. Ist es auch. Was wir als Gruppe unterschätzt haben war einerseits der Wind, der uns das eine oder andere Mal einen Strich durch die Rechnung gemacht hat und andererseits der Wassergraben, der für Korb 1 und dann für Korb 3 nochmal überwunden werden muss. Man kann diesen auch umgehen, wir haben uns aber für die abenteuerliche Variante entschieden. Drei Körbe und zwei nasse Füße später haben wir uns jeweils so langsam eine Wurftechnik erarbeitet und auch in die richtige Richtung zu werfen hat meist ganz gut geklappt.

Triggerwarnung: Der folgende Abschnitt befasst sich mit Blut und Verletzungen

Zumindest die meiste Zeit, denn gerade wenn man beim ersten Wurf versucht besonders weit zu werfen leidet die Genauigkeit meist ein wenig darunter. Das mussten auch wir feststellen, nachdem eine Mitspielerin einer anderen aus nächster Distanz die Disk an den Kopf wirft, was in einer Platzwunde an der Augenbraue geendet hat. Auf einmal ergibt die Regel, dass alle hinter der werfenden Person stehen sollen sehr viel mehr Sinn. Aber zu spät. Das Spiel war damit erst einmal beendet, da wir auf dem Weg in die Notaufnahme waren. Alle Beteiligten geht es gut und der Vorfall hat uns trotz Schock nicht aus der Ruhe bringen können.

Auf jeden Fall hatten wir alle trotz des kleinen Unfalls einen riesen Spaß und werden die Partie bald beenden. Gerade bei dem mittlerweile endlich mal einladenden Wetter in Greifswald lohnt sich ein Besuch der Anlage auf jeden Fall und Frisbee-Golf erhält unsere uneingeschränkte Empfehlung. Wer weiß, vielleicht löst ja Frisbee-Golf Spike-Ball aus deutschen Parks ab und wird zur neuen Trendsportart im Jahr 2024. Ich hoffe es zumindest sehr.

Titel- und Beitragsbilder: Adrian Siegler

Hoch hinaus

Hoch hinaus

Der Grünen-Politiker Johann-Georg Jaeger gilt als Vorreiter der Wind-Energie in Mecklenburg-Vorpommern und betreibt selbst südlich von Rostock einige Windkraftanlagen. Vergangenen Freitag lud er zu einer Winradbesteigung ein.

Der Treffpunkt findet sich wie gewöhnlich am Bahnhof an der Osnabrücker Straße. Per Fahrgemeinschaft geht es zu elft zum Windpark Mistorf. Das liegt in der Nähe von Lüssow, was wiederum in der Nähe von Güstrow liegt. Dies befindet sich südlich von Rostock (Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland). Unter einem über 200 Meter hohen Windrad stehend erklärt Jaeger die Besonderheiten der Anlage. Die E82 ragt 138 Meter in den Himmel, ein Rotorblatt misst 82 Meter und streckt sich demnach über 200 Meter hoch der Sonne entgegen. Sie leistet 6 mW und kann bei einem durschnittlichen Verbrauch von 3000 kWh 2000 Haushalte mit Strom versorgen. Das 18 Quadratmeter einnehmende Fundament reicht 1,8 Meter in die Tiefe und wiegt 1000 Tonnen, darauf wächst der aus Betonschalen zusammengefügte Turm. „Das ganze funktioniert wie ein Stehaufmännchen: Durch das enormge Gewicht des Fundaments und der unteren Turmelemente ist die Konstruktion stabil genug für die gewaltige Kraft der drehenden Rotoren“, erläutert Jaeger.

Jede*r Teilnehmer*in bekommt Kletterequipment ausgehändigt: Schulter- und Beingurte, die mit einem Läufer verbunden werden, dazu ein Helm und Handschuhe. Das Windrad, das wir besteigen, ist ein älteres Modell: Es misst nur 80 Meter, die Rotoren strecken sich über 37 Meter. Am Leiterfuß hakt jeder seinen Läufer in ein Drahtseil ein, das einmal von oben nach unten durch das Windrad läuft. „Wenn ihr abstürzt, bleibt ihr am Drahtseil hängen und könnt mithilfe des an eurem Rückengurt befestigeten Rings gerettet werden. Dazu bleiben uns ungefähr 20 Minuten, dann ist zu viel Blut in den Beinen gelandet, um das Gehirn ausreichend zu versorgen.“ Jaegers Augen blitzen schelmisch, dann beginnt der Aufstieg. Mit dem Rücken an die Turmwand gepresst, kann man theoretisch ohne Nutzung der Hände auf den Sprossen nach oben wandern. Innen herrschen bestialisch heiße Temperaturen, oben sind alle schweißgebadet.

Doch die Mühen sind schnell vergessen, als Jaeger die Gondel öffnet. Wie bei einem Spaceshuttle gleiten die Halbschalen auseinander und offenbaren den Blick über die weiten Wiesen der Region. Besonders spannend wird es noch einmal, als Jaeger die Bremse des Windrades löst: die riesigen Rotoren beginnen sich erst langsam und dann immer schneller zu drehen, die Geräuschkulisse ähnelt einem startenden Flugzeug. Das Windrad erreicht schnell die maximale Umdrehungsgeschwindigkeit von 16 Umdrehungen pro Minute. Obwohl sich die Nabe scheinbar langsam dreht, sind die Rotorenspitzen auf 220 km/h beschleunigt worden. Über ein Getriebe wird mit 1600 Umdrehungen noch in der Gondel in einem Generator netzfertiger Strom erzeugt, der sofort eingespeist werden kann. Dann bringt Jaeger das Rad mit der öldruckgesteuerten Feststellbremse wieder zum Stehen, die Rotoren verzögern, die Gondel schaukelt und ruckelt hin und her. In 80 Meter Höhe raunen manche ein wenig verängstigt. Dann geht es auch schon wieder abwärts, weiteres Schwitzen und fröhliches Lachen in der abfallenden Aufregung. Unterwegs bewundern wir die Schrauben, mit denen die einzelnen Turmsegmente untereinander verbunden sind: 4600 nM. Zum Vergleich: Die Radmuttern am Auto werden mit 120 nM angezogen. Unten angekommen verabschieden sich alle Teilnehmer unter begeisterten Dankesbekundungen von Johann-Georg Jaeger und fahren in Windeseile in die Heimat zurück.

Natürlich erzählte der Grünen-Politiker noch viele andere spannende Impressionen zur Windkraft: Vor- und Nachteile, Chancen und Perspektiven, Natur- und Tierschutz sowie Zukunftsaussichten. Außerdem funktioniert die Mistorfer Anlage nach dem Solidarprinzip und beteiligt die umliegende Standortgemeinde am Gewinn. Wie genau das funktioniert, wie sich Vogelschutz und grüner Energiebedarf in Deutschland vereinbaren lassen und welche Rolle Jaeger bei dem Ganzen spielt, lest ihr im übernächsten moritz.magazin!

Bilder: Jonas Greiten