Greifswald kann Meer
Greifswald steht weiterhin gut da, was den Tourismus anbetrifft. Dennoch gibt es laut einer neuen Tourismuskonzeption Potenzial zur Verbesserung. (mehr …)
Greifswald steht weiterhin gut da, was den Tourismus anbetrifft. Dennoch gibt es laut einer neuen Tourismuskonzeption Potenzial zur Verbesserung. (mehr …)
Das Institut für Geographie plant die Einrichtung eines Studienganges mit touristischem Schwerpunkt. Das geht aus den Senatsunterlagen für die kommende Sitzung hervor, die am 15. Februar um 14 Uhr im Konferenzsaal des Unihauptgebäudes stattfinden wird. Der geplante Masterstudiengang „Tourismus und Regionalentwicklung“ hat den Senatsunterlagen zufolge das Ziel, das Profil der Universität in den Themenbereichen „Ostseeraum“ und „Tourismus“ zu stärken. (mehr …)
Studieren und reisen ins Ausland: Das tat Thomas Maier (28) in seiner Uni-Zeit. Er besuchte beispielsweise Budapest, Krakau und Lodz. Während der vielen langen Auslandsaufenthalte stellte der Greifswalder Absolvent immer wieder fest, dass er Leistungen in einer ihm bekannten Sprache benötigte. Ähnlich geht es ausländischen Gästen hier in Greifswald: Ärzte, die Englisch sprechen, Stadtführungen auf Schwedisch und so weiter.
„Warum gibt es für diese Dienstleistungen eigentlich kein Verzeichnis?“, fragte er sich. Die Idee reifte in ihm. Am Rande des Ideenwettbewerbs der Universität Greifswald traf er auf den BWL-Studenten Christian Klang, gemeinsam entwickelten sie die Idee einer Plattform für fremdsprachliche Dienste.
„Lange habe ich die Idee mit mir herum getragen. Mit Christian hab’ ich jemanden getroffen, der meine Begeisterung teilt, aber auch den nötigen Blick von außen mitbrachte“, sagt Thomas Maier. Im Juli dieses Jahres begannen sie mit der Umsetzung: „Wir erstellten eine Onlineseite.“ Pünktlich zum Semesterstart gibt es jetzt ein Verzeichnis fremdsprachlicher Dienstleistungen in Greifswald. Aufgelistet werden etwa Speisekarten auf Englisch oder alle fremdsprachigen Stadtführungen.
In Zusammenarbeit mit dem AStA ging die Seite www.tuatam.de anlässlich der Erstsemesterwoche online, zu der hunderte ausländischer Studenten an die Greifswalder Universität kamen. Sie richtet sich aber ebenfalls an aus anderen Ländern kommende Mitarbeiter von Unternehmen und natürlich Touristen. „tu a tam“ ist übrigens slowakisch und steht für „hier und da“.
Die aktuelle Übersicht entstand während der Zusammenarbeit mit dem Verein „Fit für die Wirtschaft“. Schüler des Jahn- und des Humboldt-Gymnasiums sammelten Informationen zu den Fremdsprachenkenntnissen des Personals, übersetzten Speisekarten und durchforsteten Webseiten. Die Internetseite erfasst bislang nur Greifswalder Einrichtungen. Eine Ausweitung auf weitere Dienstleistungen, wie Einzelhandel oder medizinischen Leistungen, ist ebenso vorgesehen wie die regionale Ausdehnung auf Mecklenburg-Vorpommern und das polnische Grenzgebiet. Dafür suchen die studentischen Unternehmer aktuell nach Unterstützung von Tourismusvereinen und Kommunen. Sie hoffen, dass diese den Wert für die Wirtschaftsförderung und das Potenzial für die Region erkennen.
„Dann wird es möglich sein, neben Englisch eine polnische und niederländische Version der Seite anzubieten“, so Maier weiter. Die Seite richtet sich an alle internationalen Gäste. Die Deutsche Zentrale für Tourismus e.V. hat herausgefunden, dass 65 Prozent der Deutschlandurlauber aus den Niederlanden das Internet zur Vorinformation nutzen, über die Hälfte (53 Prozent) buchen sogar online. Bei Reisenden aus Polen informieren sich immerhin noch 38 Prozent und davon buchen schließlich 27 Prozent. Nach Angaben der Stadt sind Polen und Niederländer die größten Gruppen ausländischer Gäste in der Hansestadt. Auch an der Uni gibt es rund 620 ausländische Studenten aus 70 verschiedenen Ländern.
„Unsere Plattform hat das Potenzial, mehr ausländische Touristen in die Region zu locken. Alle Verbände, Kommunen und die einzelnen Unternehmen fordern immer wieder mehr Aktivität bei fremdsprachlichen Gästen aber die Fremdsprachenkenntnisse als Schwerpunkt ins Online-Marketing aufzunehmen, ist bisher noch niemandem eingefallen. Solche Leistungen gibt es aber auch nicht umsonst. Deshalb findet man nicht bei allen eine offene Tür, sondern trifft auch ablehnende Halftungen“, begründet Universitätsabsolvent Maier weiter.
Einrichtungen, die ihre Leistungen in Fremdsprachen anbieten und bisher nicht erfasst wurden, können sich über das Kontaktformular auf der Plattform anmelden. tuatam.de ist ein Teil des studentischen Unternehmens netVoKi UG (haftungsbeschränkt), dessen Geschäftsführer Thomas Maier ist, diese bieten Leistung einer Übersetzungsagentur mit touristischem Schwerpunkt an und berät in Sachen Übersetzungsstrategien.
Mehr Infos unter www.netvoki.de
Fotos: Torsten Heil (oben), Archiv/Lea Muentges/Jugendfotos (Wasser)
Der Greifswalder Professor Helmut Klüter hält den den Verlust von bis zu 7.792 Arbeitsplätzen im küstennahnen Gastgewerbe Ostvorpommerns und Rügens für möglich, falls dass das geplante Steinkohlekraftwerk in Lubmin gebaut wird. Laut Kraftwerksbetreiber Dong Energy sollen 130 neue Arbeitsplätze im Kraftwerk entstehen.
Professor Klüter, der den Lehrsuhl für regionale Geographie innehat, hatte noch im Rahmen des Erörterungsverfahrens den Kraftwerksbau in Lubmin mit dem Kraftwerksstandort Brunsbüttel verglichen. Dort hat sich der Bau mehrerer Kraftwerke äußerst negativ auf das Gastgewerbe ausgewirkt. Im Kontext des Kraftwerksbaus siedelte sich auch Industrie in der Stadt an, die zu einem Absinken der touristischen Attraktivität geführt hat. Und das, obwohl die Stadt sehr attraktiv an der Mündung des Nord-Ostsee-Kanals in die Elbe liegt, wie Klüter betont. Er hält es für möglich, dass die Übernachtungszahlen im Seebad Lubmin von jährlich etwa 41.000 auf ungefähr 4.200 sinken.
In Klüters Augen besteht beim Steinkohlekraftwerk „Inkompatibilität mit der bestehenden Wirtschaftsstruktur an der Küste Ostrügens und Ostvorpommerns.“ Weiter schreibt der Forscher in einem fünfseitigen Papier, das er dem STAUN (staatliches Amt für Umwelt und Naturschutz) während des Anhörungsverfahrens zu Protkoll gab: „Für Lubmin würde eine solche Zukunft bedeuten, dass die privaten und von der öffentlichen Hand getätigten Investitionen in die touristische Infrastruktur von Ostvorpommern, des Ostteils von Rügen, in die von Swinemünde und Wollin entwertet würden.“
Quellen:
Nachtrag vom 11. Dezember, 10:38:
(Anmerkung: Das Bild auf der Startseite ist keine realistische Darstellung des Bauherren, sondern eine Darstellung der Kohlekraftwerk-Gegner. Die Sicht des Bauherrn haben wir hier dargestellt. Dort fehlt eine Rauchwolke allerdings vollständig.)
Es braut sich was zusammen! Und das ist nicht der graue Dunst aus dem neuen Kohlekraftwerk – denn das soll erst 2011 fertig sein. Vielmehr geht es um den kollektiven Widerstand der Bevölkerung in und um Greifswald gegen den Bau des selbigen. Derzeit läuft noch das Genehmigungsverfahren, doch der Widerstand wächst täglich.
Seit dem 12. Februar sammelt eine neu gegründete Bürgerrunde sogar Stimmen für eine Volksinitiative gegen das Kraftwerk:
„Der Landtag wird aufgefordert, sich im Interesse der Tourismusentwicklung sowie aus Gründen des Umwelt- und Klimaschutzes gegen das geplante Steinkohlekraftwerk Lubmin auszusprechen. Er beauftragt die Landesregierung, alle geeigneten Möglichkeiten zu nutzen, um den geplanten Bau des Steinkohlekraftwerks Lubmin zu stoppen. […]“
Bis Ende April 15.000 werden Unterschriften benötigt, damit sich der Landtag mit dem Thema beschäftigt. Mitmachen kann jeder, der in M-V wahlberechtigt ist und zu Hause einen Drucker und ein paar Freunde hat.
Der geneigte Leser kann dazu leere Unterschriftenliste ausdrucken, die er möglichst gefüllt an die Initiatoren schicken muss. Alle wichtigen Details finden sich auf der neuen Website der Volksinitiative.
Aber auch an unserer Universität ist das Steinkohlekraftwerk bereits das Thema: Über 80 Greifswalder Universitätsprofessoren unterzeichneten beispielsweise den „Appell an die Vernunft„. Vor kurzem organisierten (vor allem) Greifswalder Studenten eine spektakuläre „Jubeldemo“ (Archiv oder hier).
Auch im kommenden Semester wird das Kohlekraftwerk sicher ein politisches Thema sein, um das niemand herum kommt. Der ehemalige StuPist Patrick Leithold ist selbst aktiv in der Bürgerinitiative und betreibt einen äußert spannenden Blog, der sich ausschließlich mit dem Thema Steinkohlkraftwerk beschäftigt (hier). Das StuPa hat bisher aus formalen Gründen keine Stellung bezogen. Da alle Studenten zwangsweise Mitglieder der „verfassten Studierendenschaft“ sind (und aus ihr nicht austreten können), darf sich das StuPa offiziell nur hochschulpolitisch positionieren. Angesichts der zunehmenden Dramatik und lokalen Betroffenheit darf man gespannt sein, ob das StuPa ab April dabei bleibt oder sich geschickt aus dieser Begrenzung herauswinden kann…
Meine Meinung:
Ob Vernichtung von Arbeitsplätzen oder Umweltschutz: Auf der Lokal- und Regionalebene gibt es einen breiten Konsens gegen das Kohlekraftwerk – über Partei- und Einkommensgrenzen hinweg. Sogar die Dänen selbst (der Kraftwerkbetreiber ist ein dänischer Staatskonzern) versuchen den Bau zu stoppen.
Warum also hält die Landesregierung an dem Kraftwerk fest?
Ich glaube, man will die eigenen Fehler vertuschen. Denn von 2001-2003 wurde mit 35 Millionen Euro Steuergeldern ein gigantisches Hafenbecken gebaut*, das bis heute nicht genutzt wird. Ein Steinkohlekraftwerk würde diese Investition nun endlich rechtfertigen. Kein Wunder, dass sich gerade die Landes-SPD, die schon damals diese Entscheidung verantwortete, sich derzeit so vehement für das Kohlekraftwerk einsetzt.
Anstatt sich also den Fehler einzustehen, setzt man lieber noch einen Fehler rauf. Dann ist man wenigstens konsequent…
Spannende Links:
– Projekt Greifswalder Kraftwerke von Dong Energie
– Website der Volksinitiative
– Bürgerinitiative gegen Kohlekraftwerk aus Greifswald
– Blog 1: Keine SKW in Lubmin
– Blog 2: Lubmin Blog
– TV-Bericht zum Thema des ZDF.
* Zur 35-Millionen Euro-Verschwendung bezüglich des neues Hafens schrieb ich 2004 im moritz einen Leitartikel, den ihr hier nachlesen könnt (PDF, S. 10-16).